mini|Alternatives Bandlogo The Sisters of Mercy sind eine britische Rockband, die insbesondere in den 1980er Jahren populär war. Die Gruppe zählt mit ihrer vom Psychedelic Rock und Punk beeinflussten Musik zu den Wegbereitern des Gothic Rock.Subkultur! – Gothic Rocker, spontis.de, 18. Dezember 2008 In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre traten vermehrt Popmusik- und Mainstream-Rock-Einflüsse hinzu, wodurch sie ihren Bekanntheitsgrad nochmals steigerten. Ihre bekanntesten Stücke sind Temple of Love (1983, Neuaufnahme 1992 mit Ofra Haza), This Corrosion (1987) und More (1990).

Geschichte Anfänge (1980 bis 1983) Gegründet wurden The Sisters of Mercy 1980 in Leeds von Andrew Eldritch (eigentlich Andrew William Harvey Taylor) und Gary Marx (eigentlich Mark Pearman), die sich im F-Club in Leeds trafen und Musik machen wollten. Gary Marx war mit Instrumenten vertraut, Andrew Eldritch konnte eigenen Angaben zufolge etwas Schlagzeug spielen. Beide aber wollten sich selber im Radio, in der John Peel Radio Show hören. So entstand mit minimalem Equipment die erste Single Damage Done / Watch / Home of the Hit-Men in einer Auflage von 1000 Stück. Beim Gesang wechselten sich Eldritch und Marx ab. Gitarre und Bass wurden von Marx gespielt, während Eldritch am Schlagzeug saß und so schlecht spielte, dass er während der Aufnahmen die Stöcke fallen ließ. Auch das Merciful-Release-Logo in Anlehnung an eine Abbildung aus Gray’s Anatomy entstand zu dieser Zeit. Außerdem gründeten sie damals ihr eigenes Label, Merciful Release, das bis heute besteht. Nachdem John Peel in seiner Radiosendung das Stück Damage Done gleich zweimal gespielt hatte, verkaufte sich die erste und einzige Auflage fast komplett.

1981 trafen sich Eldritch und Marx nochmals, um „richtig anzufangen“. Marx blieb an der Gitarre und wurde durch den neu dazugestoßenen Ben Gunn unterstützt. Craig Adams (später The Mission, The Cult, heute bei The Alarm) übernahm den Bass. Doktor Avalanche, ein Schlagzeugcomputer des Modells Boss DR 55, vervollständigte die Band. Somit blieb Eldritch „zwangsläufig“, wie er sagte, nur der Gesang. Seitdem schrieb Eldritch auch sämtliche Texte und einen Großteil der Musik. 1981 fand auch das erste Konzert der Band am 16. Februar im Alcuin College in York (England) statt.

1982/1983 veröffentlichten sie ihre ersten Stücke, darunter Body Electric, Alice und Temple of Love. Die Band wurde schnell populär und im August 1983 wurden die ersten Konzerte außerhalb Großbritanniens in Belgien, den Niederlanden, West-Deutschland und den USA gespielt.

Neue Höhen und erster Band-Split (1984 bis 1986) 1984 ersetzte Wayne Hussey (Ex-Dead or Alive) den Gitarristen Gunn, der seinerzeit ausstieg, weil die Band seinen Angaben nach sich selbst zu ernst genommen hat. Die Band erhielt einen Plattenvertrag bei WEA Records. Die EP Body and Soul war das Debütstück bei der neuen Plattenfirma, und nach weiteren Auftritten nahm die Band die erste Langspielplatte auf, die 1985 unter dem Titel First and Last and Always erschien. Gitarrist Wayne Hussey schrieb über die Hälfte der Songs.

In der Folge kam Streit über kreative Einflüsse und die Richtung der Band auf. Gary Marx verließ die Sisters 1985 während einer laufenden Tournee und gründete Ghost Dance. Nach dem letzten Konzert in der Royal Albert Hall in London, das von den verbleibenden Mitgliedern gespielt wurde, eskalierten die Streitereien. Während der Aufnahmen zum Nachfolgealbum Left on Mission and Revenge verließen Adams und Hussey die Band, da beide ihre eigenen Songs nicht gegen den Widerstand von Eldritch durchbringen konnten. Erschwerend kam hinzu, dass beide noch in England weilten, während Eldritch nach Hamburg umgezogen war. Hussey und Adams gründeten The Mission und brachten die ursprünglich für die Sisters vorgesehenen Songs wie Garden of Delight und Dance on Glass auf ihr Debütalbum, während Eldritch (neben Doktor Avalanche) nun das einzige Mitglied der Sisters war.

Hussey und Adams wollten The Mission zuerst The Sisterhood nennen, was zum Streit mit Eldritch über die Namensrechte führte. Eldritch schaffte es, zusammen mit Leuten wie James Ray und Patricia Morrison (ex-Gun Club) zuerst eine Single mit anschließendem Album als The Sisterhood zu veröffentlichen. Das Album trägt den Namen GIFT.

Wiederbeginn und neuer Streit (1987 bis 1995) Patricia Morrison (Bass) blieb gleich bei den Sisters, die mit dem Hit This Corrosion 1987 ein Comeback feierten. Zusammen mit Studiomusikern wurde das zweite Album Floodland (1987) aufgenommen, das nicht zuletzt wegen des rockigeren Sounds und wagnerhaften Chören kommerziell erfolgreich wurde. Eldritch schrieb die Texte und die Musik auf dieser Platte. Live spielte die Band nicht, dafür wurden aufwendige Videos wie Dominion in der Wüste von Petra aufgenommen. Aber auch diese Zusammenarbeit endete 1989 mit Streit; Eldritch bestritt später sogar, dass Morrison irgendetwas zum Album beigetragen habe. Ihr Name wird auf dem Plattencover auch nicht erwähnt, sie ist nur auf einigen Fotos abgebildet.

Mit neuer Besetzung erschien 1990 Vision Thing, das letzte Studioalbum, mit dem die Sisters ihre Gothic-Phase hinter sich ließen und sich dem Hard Rock zuwandten. Neu in der Band waren Andreas Bruhn (Gitarre), Tony James (Bass; Sigue Sigue Sputnik, Generation X) und Tim Bricheno (Gitarre; All About Eve, X-CNN, Tin Star). Singleauskopplungen waren More, Doctor Jeep und When You Don’t See Me. Eine Reihe von Konzerten wurden nun in Europa und Amerika gespielt (dort mit Public Enemy und Warrior Soul). Den größten Hit landete die Band mit einer Neuauflage von Temple of Love (1992) unter Mitwirkung der israelischen Sängerin Ofra Haza. Zu diesem Zeitpunkt hatte Tony James bereits die Band verlassen.

1993 ersetzte Adam Pearson (Gitarre/Bass; Johnny Thunders) Tim Bricheno und nahm zusammen mit der Gastsängerin Terri Nunn (Berlin) die Single Under the Gun auf. Andreas Bruhn verschlug es mehr in die Musikproduktion, außerdem häuften sich seine Gastauftritte bei deutschen Metal-Musikern wie z. B. Doro Pesch. Im Dezember 1993 kam sein Ausstieg kurz nach Abschluss einer Europatournee. Eine geplante weitere Single, ein dancelastiger Remix des eigenen Klassikers More, kam zwar nie über den Promo-Status hinaus, wird aber noch heute gelegentlich im Radio gespielt. Der damals schon live gespielte neue Song Come Together, der keine Coverversion des gleichnamigen Stücks der Beatles ist, wurde ebenso nicht veröffentlicht.

1994 und 1995 war es ruhig um die Sisters. Eldritch bestreikte seine Plattenfirma EastWest und weigerte sich, ihnen neues Material für ein Studioalbum zur Verfügung zu stellen. Dabei ging es vor allem auch über die Art und Weise, wie die Sisters von der Firma unterstützt werden (welches laut Eldritch gar nicht geschah), vor allem im Hinblick auf den Vertrieb in Amerika. Die Idee einer gemeinsamen Tour mit Metallica wurde nicht realisiert. 1995 kam es außerdem noch zum kurzen Kontakt zwischen Eldritch und Gary Marx. Marx schrieb einige Songs für die Sisters und ließ diese Eldritch zukommen, in der Hoffnung, die Zeit bis zum nächsten Album verkürzen zu können. Ohne Ergebnis brach der Kontakt ab. Diese Songs wurden von Marx fertiggestellt und 2004 unter dem Titel Nineteen Ninety Five and Nowhere veröffentlicht. 2007 wurde das Album erweitert und neu gemastert.

Comeback, neue Songs und Tourneen 1996 stieß der Gitarrist Chris Sheehan (auch Chris Starling; The Mutton Birds, The Starlings, Babylon Zoo) zur Band, der von 1997 bis 1999 durch Mike Varjak ersetzt wurde. Obwohl seit 1993 keine Platte mehr veröffentlicht wurde, spielt die Band seitdem regelmäßig Konzerte und Festivals in Europa (1997 bis 1999 auch in den USA). Ein Höhepunkt war z. B. der kurzfristige Auftritt als Headliner auf dem Roskilde-Festival 1998.

Eine neue kreative Phase begann, als die Band neue Songs in ihre Konzertprogramm aufnahm. Seit 1993 Come Together den Anfang machte, wurden ab 1997 vermehrt neue Stücke in das Liveset eingebaut: War on Drugs, Summer (beide 1997); (We Are the Same) Susanne, Will I Dream?, Romeo Down (alle 1998), Crash and Burn, Snub Nose (auch Top Nite Out; instrumental) (beide 2000); I Have Slept With All the Girls in Berlin (2003); Still (2006). Außerdem existieren eigenen Angaben zufolge noch weitere Songs. Dazu werden einige Cover wie z. B. Bei mir bist du schön von den The Andrews Sisters, Confide in Me von Kylie Minogue oder Capricorn von Motörhead gespielt. Auch eigene Klassiker wie Lucretia, I Was Wrong, Body Electric und Marian werden live neu interpretiert.

Ende 1997 kaufte EastWest ein von Eldritch produziertes Album einer Band mit dem kryptischen Namen SSV-NSMABAAOTWMODAACOTIATWThe Sisters of Mercy-Homepage: about SSV, betitelt Go Figure, an Stelle von zwei vertraglich vereinbarten Studioalben der Sisters. Go Figure ist „weder offiziell noch inoffiziell“ ein Sisters-Album und enthält lediglich einige gesampelte Stimmen von Andrew Eldritch. Das Album ist von schlechter Qualität und wurde nie offiziell veröffentlicht, ist aber als Bootleg im Umlauf. Als Folge kündigten EastWest den Vertrag mit Andrew Eldritch, der sich seit 1993 weigerte, unter diesem Label ein neues Sisters-Album zu veröffentlichen.

Die Sisters kündigten 1998 an, am Tag nach dem offiziellen Ende des EastWest-Kontraktes eine Indie-Single zu veröffentlichen, die entweder Come Together, War on Drugs oder Summer heißen würde. Zur Veröffentlichung kam es aus verschiedenen Gründen jedoch nicht, einer davon war, dass Pearson sich weigerte, das von ihm geschriebene Stück Summer aufzunehmen, da er es für nicht gut genug hielt.

Seit 1999 tauchen hin und wieder Meldungen auf, wonach die Sisters sich für die Aufnahmen zum neuen und noch unbetitelten Album im Studio befinden. Tatsächlich forderte Eldritch seinerzeit einen Vorschuss in Höhe von drei Millionen US-Dollar. Das Album könnte dann innerhalb von wenigen Monaten aufgenommen werden. Konkrete Pläne für eine Veröffentlichung gibt es derzeit nicht, zum einen, weil Eldritch nach Gesprächen mit diversen großen Plattenfirmen keinen Vertrag abschließen konnte, zum anderen, weil Pearson sich weigert, die von ihm geschriebenen Stücke auf einem Indie-Label zu veröffentlichen. Während der 2001er-Tour war bei den Sisters-Konzerten stets ein Stand von Amnesty International in der Nähe der Merchandise-Artikel dabei.

2003 wurde kurz vor Start der Smoke and Mirrors-Tour ein roh abgemischtes Video des Songs We Are the Same, Susanne von einem Liveauftritt auf der offiziellen Website zum Download angeboten. Da die Server der Website dem Ansturm nicht standhalten konnten, wurde das Video von der Site entfernt und stattdessen ein MP3-Stück in Mono in verschiedenen Kompressionsraten zur Verfügung gestellt, das bis heute heruntergeladen werden kann.The Sisters of Mercy-Homepage: Soundtrack to that clip of We Are The Same, Susanne

Nachdem 2004 eine Live-Pause anstand, spielten die Sisters im Sommer 2005 wieder Konzerte und auf Festivals in verschiedenen Orten in Europa. Chris Sheehan hatte die Band mittlerweile wieder verlassen, die zweite Gitarre übernahm Chris Catalyst (bürgerlich Christopher May). Im selben Jahr schloss sich Adam Pearson den wiedergegründeten MC5 an und spielte mit ihnen u. a. auf dem Berlinova-Festival. Parallel spielte er weiterhin Gitarre für die Sisters, verließ die Band aber schließlich Ende 2005. Sein Nachfolger ist Ben Christo (bürgerlich Benjamin Christodoulou).