mini|Porträt Vlads III. Drăculea (spätes 16. Jahrhundert, Schloss Ambras Innsbruck)
Vlad III., besser bekannt als Vlad der PfählerAlexander Freund: Vlad III: Weinte der echte Graf Dracula blutige Tränen?, Deutsche Welle, 23. August 2023. (* um 1431 in Schäßburg (unbelegte traditionelle Annahme) oder in NürnbergHeiko Haumann: Dracula. Leben und Legende, München 2011, S. 8.; † um die Jahreswende 1476/1477 bei Snagov oder Comăna) , war 1448, 1456–1462 und 1476 Woiwode des Fürstentums Walachei. Vlad III. entstammte dem Haus Basarab, die auf Besarab I., den ersten bekannten Woiwoden der Walachei, zurückgeht. Sein Beiname Drăculea (, von – „Drache“) leitet sich nach der von Historikern am häufigsten akzeptierten These von der Mitgliedschaft seines Vaters Vlad II. Dracul im Drachenorden Kaiser Sigismunds ab. Der Drache wurde auch im Woiwodensiegel geführt. Dieser Beiname wurde bisweilen auch als „Sohn des Teufels“ verstanden, da das rumänische Wort drac auch „Teufel“ bedeutet.
Bekanntheit erlangte Vlad III. zum einen durch seinen Widerstand gegen das Osmanische Reich und dessen Expansion auf dem Balkan, zum anderen wegen seiner angeblichen Grausamkeit. In pamphletartigen Prosaerzählungen des 15. Jahrhunderts wird er in agitatorischer, politisch-polemischer Weise beispielsweise als Menschenschlächter, der „dy iungen kinder praten“ ließ, dargestellt.Dieter Harmening: ‚Drakula‘. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 2 (Comitis, Gerhard - Gerstenberg, Wigand). De Gruyter, Berlin / New York 1980, ISBN 3-11-007264-5, Sp. 221–223. Er soll eine Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung gehabt haben, die ihm in christlichen Gebieten posthum, ca. 1550, einen weiteren Beinamen einbrachte: Țepeș (), wobei er davor aus dem gleichen Grund von den Osmanen oder genannt wurde (gleiche Bedeutung).Thomas Garza, The Vampire in Slavic Cultures, 2010, Ed. Cognella, USA, S. 145–146, ISBN 978-1-60927-411-5
Die politisch motivierten Legenden über Gräueltaten des Woiwoden fanden während des 15. und 16. Jahrhunderts besonders im deutschen und russischen Raum weite Verbreitung.
Die Namensform Dracula inspirierte den irischen Schriftsteller Bram Stoker zu seiner Romanfigur Dracula.
Leben mini|Familienwappen der Drăculești Es wird vermutet, dass Vlad III. im transsilvanischen Schäßburg des damaligen Königreichs Ungarn um das Jahr 1431 als zweiter Sohn des Vlad II. Dracul und einer Prinzessin aus dem Fürstentum Moldau, einer Tochter des Fürsten Alexandru cel Bun (möglicherweise Cneajna von Moldawien) geboren wurde. Er hatte drei Brüder, Vlad IV., Mircea II. und Radu cel Frumos (). Möglich ist auch, dass er in Nürnberg geboren wurde, denn sein Vater hielt sich zu dieser Zeit dort auf, und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass seine schwangere Frau ihn begleitet hatte.Heiko Haumann: Dracula. Leben und Legende, München 2011, S. 8.
Die Bojaren der Walachei unterstützten das Osmanische Reich und setzten Vlad II. als Woiwoden des Fürstentums wieder ab. Er lebte daraufhin mit seiner Familie im siebenbürgischen Exil. Im Jahr der Geburt Vlads III. hielt sich sein Vater in Nürnberg auf, wo er in den Drachenorden aufgenommen wurde. Im Alter von fünf Jahren soll auch Vlad III. in den Orden eingeführt worden sein.
Geisel des Osmanischen Reiches mini|Porträt Sultan Mehmeds II. von Gentile Bellini (1480) Sowohl das Königreich Ungarn als auch der osmanische Sultan Murad II. übten beträchtlichen Druck auf Vlad II. aus. Seit den 1430er Jahren waren die Grenzregionen des Königreichs Ungarn und der halbautonomen Walachei von türkischer Invasion bedroht. Vlad Dracul unterwarf sich dem Sultan und überließ ihm seine beiden jüngeren Söhne Vlad und Radu als Geiseln, die unter anderem in der Festung Eğrigöz, nördlich von Emet, festgehalten wurden.
Kurze Herrschaft, Exil und erneute Machtübernahme Vlads III. älterer Bruder Mircea wurde in Târgoviște mit glühenden Eisenstangen geblendet und danach lebendig begraben. Im Dezember 1447 töteten aufständische Bojaren Vlad II. in den Sümpfen bei Bălteni. Hinter dem Attentat stand angeblich der ungarische Regent Johann Hunyadi (Reichsverweser von 1446 bis 1453). Die Türken marschierten in die Walachei ein, stürzten Vladislav II. aus dem Dănești-Clan und setzten Vlad III. auf den Thron. Seine Herrschaft war nur kurz, da Johann Hunyadi in die Walachei einmarschierte und Vlad III. noch im selben Jahr absetzte. Dieser floh in die Karpaten und anschließend in das Fürstentum Moldau und verblieb dort bis zum Oktober 1451 unter dem Schutz seines Onkels Bogdan II.
Petru Aron tötete 1451 Bogdan II. und folgte ihm als Petru III. auf dem Thron des Fürstentums Moldau. Vlad III. floh nach Ungarn, wo Johann Hunyadi von Vlads detaillierten Kenntnissen über die türkische Mentalität und die Strukturen innerhalb des Osmanischen Reiches sowie seinem Hass auf den neuen Sultan Mehmed II. beeindruckt war. Vlad wurde begnadigt, zum Berater Hunyadis erhoben und wurde zum von Ungarn bevorzugten Anwärter auf den walachischen Thron. 1456 zog Hunyadi gegen die Türken in Serbien und gleichzeitig Vlad III. mit eigenen Truppen in die Walachei ein. Beide Feldzüge waren erfolgreich, allerdings verstarb Hunyadi an der Pest. Vlad herrschte nun zum zweiten Mal in seinem Heimatland.
Hauptregierungszeit (1456–1462) Nach 1456 verbrachte Vlad die meiste Zeit am Hof von Târgoviște, gelegentlich auch in anderen Städten wie Bukarest. Dort beschäftigte er sich mit Gesetzesvorlagen, empfing ausländische Gesandte oder saß Gerichtsverfahren vor. Er ließ den Palast in Târgoviște umbauen, wovon der Chindia-Turm heute noch zeugt. Er verstärkte einige Burgen, wie beispielsweise die Burg Poenari, in deren Nähe er eine Privatresidenz bauen ließ.
In den frühen Jahren seiner Herrschaft eliminierte Vlad rivalisierende Bojaren oder beschränkte ihren wirtschaftlichen Einfluss. Die traditionell in der Hand führender Bojaren befindlichen Schlüsselpositionen der Ratsversammlung wurden meist durch unbedeutende oder ausländische Getreue Vlads besetzt. Auch weniger bedeutsame Positionen blieben den alteingesessenen Bojaren nun verwehrt und wurden mit zu Rittern geschlagenen freien Bauern besetzt. 1459 ließ Vlad abtrünnige bojarische Adlige und Kleriker festsetzen; die älteren wurden gepfählt und ihr Hab und Gut im Volk verteilt, die übrigen wurden gezwungen, ca. 80 km nach Poienari zu marschieren, um die am Fluss Argeș gelegene Burg Poenari neu zu errichten.
Der walachische Adel hatte politische und wirtschaftliche Beziehungen zu den Städten der autonomen Region Siebenbürgen und den dort lebenden Siebenbürger Sachsen unterhalten. Vlad hatte sich in einem 1456 mit dem ungarischen König Ladislaus Postumus geschlossenen Vertrag zu Tributzahlungen verpflichtet, wofür ihm die Unterstützung der sächsischen Siedler im Kampf gegen die Türken zugesichert wurde. Vlad verweigerte diesen Tribut wegen angeblich nicht erfüllter Pflichten, und in der Folge erhoben sich die von Ungarn unterstützten siebenbürgischen Städte. Vlad widerrief ihre Handelsprivilegien und überfiel die Städte, während derer er (nach einer Schilderung von Basarab Laiotă cel Bătrân aus dem Jahr 1459) 41 Händler aus Kronstadt (heute Brașov) und Țara Bârsei pfählen ließ. Ihm wurde auch vorgeworfen, etwa 300 Kinder aufgegriffen zu haben, von denen er einige pfählen, die anderen verbrennen ließ.Kurt W. Treptow: Vlad III. Dracula, The Life and the Times of the historical Dracula. Center for Romanian Studies, 2000, ISBN 973-98392-2-3, S. 104.
Nach dem Ende der Herrschaft von Alexandru I. Aldea 1436 hatte sich die Linie der Familie Basarab in die Linien Dănești und die Drăculești geteilt, die beide Anspruch auf den Thron erhoben. Überfälle Vlads auf Siebenbürgen dienten der Ergreifung von Thronaspiranten aus der Dănești-Familie. Mehrfach starben Dănești durch Vlads eigene Hand, so auch sein Vorgänger Vladislav II. kurz nach der Machtübernahme von 1456. Ein anderer Dănești wurde der Teilnahme an der Lebendbegrabung von Vlads Bruder Mircea bezichtigt und soll vor seiner Exekution gezwungen worden sein, kniend vor seinem eigenen Grab seinen eigenen Nachruf zu halten. Tausende von Siebenbürgern sollen als Strafe für das Gewähren von Unterschlupf für Gegner Vlads gepfählt worden sein.
Nach dem Tod von Vlads Großvater Mircea cel Bătrân () 1418 herrschten in der Walachei zeitweise chaotische Zustände. Der andauernde Kriegszustand hatte zu steigender Kriminalität, fallender landwirtschaftlicher Produktion und starker Beeinträchtigung des Handels geführt. Vlad setzte zur Wiederherstellung der Ordnung auf harte Maßnahmen, da in seinen Augen nur ein ökonomisch stabiles Land Aussicht auf Erfolg gegen seine außenpolitischen Feinde hatte.
Vlad hatte während seiner Zeit als türkische Geisel das Pfählen kennengelernt, das auch in Europa zur Hinrichtung von Feinden und Kriminellen bekannt war. Vor den Städten verwesten oft die toten Körper auf ihren Pfählen als Abschreckung gegen Diebe, Lügner und Mörder. Walachischen Überlieferungen zufolge sollen Verbrechen und Korruption durch Vlads Strenge schon bald nach seinem Regierungsantritt weitgehend verschwunden sein und Handel und Kultur wieder floriert haben. Viele Untertanen verehrten Vlad angeblich für sein unerbittliches Beharren auf Recht, Ehrlichkeit und Ordnung. Er war auch als großzügiger Förderer von Kirchen und Klöstern bekannt, wie zum Beispiel im Fall des Klosters Snagov.
Vlads „Kreuzzug“ Vorgeschichte mini|Vlad III. Drăculea empfängt türkische Gesandte, Historiengemälde von Theodor Aman (1831–1891)
Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 fasste Sultan Mehmed II. weitere Feldzüge ins Auge. Das griechische Kaiserreich Trapezunt in Anatolien widerstand noch immer dem Osmanischen Reich, und im Osten bedrohte Uzun Hasan, Herrscher des turkmenischen Reichs der Weißen Hammel, zusammen mit anderen kleineren Staaten die Hohe Pforte. Im Westen herrschte unter Fürst Skanderbeg Unruhe in Albanien, und Bosnien zahlte die geforderten Tribute zeitweise nur zögerlich. Die Walachei kontrollierte ihre Seite der Donau. Für Mehmed war der Fluss von strategischer Wichtigkeit, da die Gegenseite über ihn Truppen aus dem Heiligen Römischen Reich einschiffen konnte.
Am 14. Januar 1460 rief Papst Pius II. einen erneuten Kreuzzug gegen die Osmanen aus, der drei Jahre dauern sollte. Jedoch konnte nur Vlad als einziger europäischer Führer für diesen Plan begeistert werden. Mehmed nutzte die abendländische Unentschlossenheit zur Offensive und nahm mit Smederevo die letzte unabhängige serbische Stadt ein. 1461 bewegte er das griechische Despotat Morea und bald darauf auch die Hauptstadt Mistra sowie Korinth zur kampflosen Aufgabe. Vlads einziger Verbündeter Mihály Szilágyi, ein Schwager Hunyadis, geriet 1460 in Bulgarien in türkische Gefangenschaft; seine Gefolgschaft wurde zu Tode gefoltert. Vlad ging 1460 erneut ein Bündnis mit dem neuen ungarischen König Matthias Corvinus ein.
Gesandte Mehmeds verlangten die Begleichung der seit 1459 ausstehenden Tribute in Höhe von 10.000 Dukaten und eine Knabenlese von 500 Jungen, die zu Janitscharen ausgebildet werden sollten. Anstatt der Forderung nachzukommen, ließ Vlad die Gesandtschaft umbringen. Weitere Türken wurden auf walachischem Territorium nach der Überquerung der Donau aufgegriffen und gepfählt. Mit einem Brief vom 10. September 1460 warnte er die Siebenbürger Sachsen in Kronstadt vor Mehmeds Invasionsplänen und warb um ihre Unterstützung.