mini|Blick von Weißenborn im Tal zur Meuschkensmühle (2005) Das Eisenberger Mühltal ist ein durch den Bach Rauda (auch: Raudenbach) gebildetes Tal im Thüringer Holzland in Thüringen. Es ist seit 1953 Landschaftsschutzgebiet.

Lage und Verkehrsanbindung Das Mühltal liegt in Ostthüringen, ca. 20 km nordwestlich von Gera. Es erstreckt sich auf einer Länge von etwa 12 Kilometern von Weißenborn bei Hermsdorf bis nach Kursdorf bei Eisenberg. Am östlichen Dorfrand von Kursdorf befindet sich ein Zufahrtsweg (Mühltalstraße) ins Mühltal. Der durch Kursdorf fließende Malzbach mündet nicht weit nach dem passieren der Kursdorfer „Weißenmühle“, die er früher antrieb, in die Rauda ein (außerhalb des Mühltales).

Von Eisenberg führt die Karolinenstraße direkt zur Schössersmühle und die Mühlenstraße (über ihre rechte Gabelung) zur Pfarrmühle. Von Weißenborn führt die Mühltalstraße zur Meuschkensmühle.

Für Besucher des für Kraftfahrzeuge regulär gesperrten Tals, stehen die folgenden Parkplätze in der Umgebung zur Verfügung: Wohnmobil-Stellplatz der Stadt Eisenberg, Geraer Straße/L3007 gegenüber dem Tiergarten-Parkplatz im Ort Rauda an der Robertsmühle im Mühltal zwischen Weißenborn und der Meuschkensmühle im Mühltal in Weißenborn an der „Roten Pfütze“ beim Weg zum „Stillen Tal“ in Tautenhain (mit Infotafel und Beginn von Wanderwegen) am Waldklinikum Eisenberg (mit Infotafel und Beginn von Wanderwegen) zwei Parkplätze an der Klosterlausnitzer Straße im Staatsforst Hainspitz. (mit Infotafel und beginnenden Wanderwegen)

Vor der Westseite des Mühltales verläuft von NO nach SW (parallel zum Mühltal) die Klosterlausnitzer Straße, von Eisenberg nach Bad Klosterlausnitz.

Höhe Die Talsohle bei der Walkmühle liegt um etwa 130 m tiefer als der von hier über das Walktal erwanderbare Ort Tautenhain (bis 365 m ü.NN). Somit liegt die Walkmühle im Eisenberger Mühltal auf etwa 235 m über NN.Autorenkollektiv (u. a. Hans-Joachim Drafehn u. Erich Krumbholz): Brockhaus-Wanderheft (Heft 89): Eisenberg-Mühltal-Bad Klosterlausnitz-Stadtroda, VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1970. Wanderung von Eisenberg nach Tautenhain S. 30

Seitentäler des Mühltales Für Wanderer interessant sind auch die Seitentäler des Mühltales. Das Langetal (auch: Langes Tal) an der Schössersmühle und das Walktal nahe der Walkmühle. Beide führen nach Tautenhain. Ungefähr 500 Meter südöstlich der Robertsmühle mündet das Sautal ein.

Wo die Mühltalstraße (flussaufwärts) links nach Weißenborn abzweigt zweigt zuvor rechts ein Wanderweg durch das Stille Tal zur Klosterlausnitzer Landstraße ab. Die Überbrückung dort wird „An der Roten Pfütze“ genannt, wegen Rotfärbung von Wasser und Boden durch den hiesigen Buntsandstein.

Nördlich der Meuschkensmühle zweigt nach Osten der Schäfersgrund (mit einem Wanderweg) ab. Nordwestlich der Froschmühle liegen die Mückentäler.Radwander- und Wanderkarte: Gera, Bad Köstritz, Bad Klosterlausnitz, Eisenberg, Hermsdorf und Umgebung. 1:35000, Verlag Dr. Barthel, Borsdorf bei Leipzig, 5. Auflage, o.J., ISBN 978-3-89591-100-2, Kartenteil

Geschichte Orographisch links der Meuschkensmühle fand man (vor 1970) auf einem hochgelegenen Feld, nahe eines alten Steinbruches menschliche Werkzeuge aus der Altsteinzeit, darunter u. a. Faustkeile.

Leicht nördlich sowie leicht südlich des Wanderweges Alte Straße, der von der Rauda südwestlich zur Waldsiedlung von Tautenhain verläuft, befinden sich – u. a. südlich der Kursdorfer Weißenmühle – in der Flur von Kursdorf (sowie von Seifartsdorf) mehrere Grabhügel, die mutmaßlich der Jungsteinzeit zuzuweisen sind. Vier davon wurden um 1924 ausgegraben. Weitere wurden 1942 und in den 1950er Jahren erkundet. Man fand damals u. a. schnurbandkeramische Artefakte. Ein Grabhügel wurde 1998 wieder aufgeschüttet/rekonstruiert und umzäunt, dabei fand man ein Feuersteinmesser.Grabhügel in der Flur von Seifartsdorf und Kursdorf, in: Sven Ostritz (Hrsg.): Archäologischer Wanderführer Thüringen, Saale-Holzland-Kreis, Ost (Heft 9), Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar 2022, zweite überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-95741-152-5, S. 68–74.

Die Alte Straße verläuft von Hartmannsdorf nach Weißenborn immer auf dem Höhenrücken entlang. Dieser Weg ist frühgeschichtlichen Ursprunges.

Am östlichen Zaun des Gartens der Kursdorfer Weißenmühle steht ein Sühnekreuz (mit einem eingemeißelten Schwert), welches 1953 erneuert wurde. Der Sage nach sollen hier 1090 Reiter des Kaisers Heinrich IV. den Markgrafen Ekbert III. von Meißen erschlagen haben.Autorenkollektiv (u. a. Hans-Joachim Drafehn u. Erich Krumbholz): Brockhaus-Wanderheft (Heft 89): Eisenberg-Mühltal-Bad Klosterlausnitz-Stadtroda, VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1970.; Wanderung von Eisenberg nach Rauda S. 34. (Hier liegt möglicherweise ein Fehler der Quelle vor und es ist wohl Ekbert II. von Meißen gemeint)

Im Waldgebiet südlich des Mühltales gibt es Sandvorkommen. Diese Flur (Forstabteilung 156, südöstlich der MeuschkensmühleWanderkarte Gera. Mit Eisenberg, Ronneburg, Weida, Schmölln, Altenburg, Meerane, Hohenleuben, Crimmitschau., 1:50'000, Gera Tourismus e. V., 4. Auflage 2013, ISBN 978-3-86636-030-3 Flurstück Bei der Glashütte.) gehört heute zum Ort Weißenborn. Hier soll eine der ältesten Glashütten Thüringens gestanden haben, die der Eisenberger Chronist Back auf das Jahr 1196 festschreibt. Hier finden sich „überwachsene Hügel und Mauergruben“. Alte Karten benennen das Areal als „Bei der Glashütte“, „Glashüttengraben“ und „Glashüttenwiese“.Autorenkollektiv (u. a. Hans-Joachim Drafehn u. Studienrat i.R. Erich Krumbholz): Brockhaus-Wanderheft (Heft 89): Eisenberg-Mühltal-Bad Klosterlausnitz-Stadtroda, VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1970. Mühltal, Faustkeilfunde und Glashütte S. 25–26. Die genaue Lage der Glashütte konnte bislang nicht ermittelt werden. Bei Grabungen 1925 durch den Jenaer Professor Gustav Eichhorn (1862–1929) und 1977 in zwei Gruben fand man Überreste, die eine Grube als Standort eines mittelalterlichen Hauses auswiesen. In der anderen wurde der Unterbau eines Pechofens mit einer noch vorhandenen Destillat-Entnahmevorrichtung gefunden. Keramikfunde im Gelände stammen aus dem 14. bis 17. Jh. Im Areal wurden aber auch als Lesefunde Glasschmelzreste und Hafen-Bruchstücke gefunden.Wüstung Glashütte bei Weißenborn, in: Sven Ostritz (Hrsg.): Archäologischer Wanderführer Thüringen, Saale-Holzland-Kreis, Ost (Heft 9), Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar 2022, zweite überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-95741-152-5, S. 75–76.

Knapp westlich vor der Klosterlausnitzer Straße (von Eisenberg nach Bad Klosterlausnitz) befindet sich westlich des Mühltales im Staatsforst Hainspitz in der Flur von Saasa nahe dem Flurstück Blautannenschlag (östlich eines Teiches und südöstlich von Hainspitz) der Standort der abgegangenen Jakobskapelle. Der Überlieferung nach wurde sie 1450 im Sächsischen Bruderkrieg zerstört. Ihre Steine wurden Ende des 16. Jh. in Saasa zum Kirchenbau (St. Salvator) und am Eisenberger Marktplatz für das Hundertmark’sche Haus verwendet. Dennoch war um 1700 noch der Eingangsbereich erhalten gewesen. Heute ist das Areal Bodendenkmal.Jakobskapelle im Hainspitzer Staatsforst in der Flur von Saasa, in: Sven Ostritz (Hrsg.): Archäologischer Wanderführer Thüringen, Saale-Holzland-Kreis, Ost (Heft 9), Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar 2022, zweite überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-95741-152-5, S. 77.

Die ersten Mühlen im Tal wurden ab dem 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Ersterwähnt wird dabei die Pfarrmühle im Jahre 1290 in einer Urkunde des Zisterzienserinnenkloster Eisenberg. Mindestens 11 Mühlen befanden sich im Laufe der Jahrhunderte am Raudenbach. Manche Quellen behaupten, es wären 16 Mühlen gewesen. Es gab dort Mahlmühlen (Getreidemühlen), Sägemühlen (Schneidmühlen) und mindestens eine Walkmühle.

Die Mühlen folgen einander in Rufweite, es gibt aber zwischen Naupoldsmühle und Meuschkensmühle eine größere Lücke. Hier sind zwei Mühlen verschwunden. Heute existieren nur noch acht Mühlen als erhaltene Gebäude. Noch um 1900 war das Leben im Mühltal beschwerlich. Es gab nur Trampelpfade als Wegsamkeiten und die Müller hielten Esel zum Transport des Mahlgutes. Jeder Mühle war die Zahl an nötigen Eseln vorgeschrieben worden. Die Flurnamen Eselswand und Eselssteig (von der Schössersmühle nach Eisenberg führend) erinnern noch daran. Die Mühlen im Mühltal wurden – schleichend – letztlich wegen Unrentabilität alle eingestellt. Einige Müller betrieben hier zusätzlich Landwirtschaft, doch das schmale Tal gab dies kaum her. Außer den Personen der Mühlenanwesen war das enge Tal unbewohnt.

In der Umgebung von Eisenberg wurde nachweisbar schon im Mittelalter Eisenerz verhüttet. Dabei handelte es sich um Brauneisenstein, der in den Verwitterungs-Kiesen der Tertiärzeit vorkommtAutorenkollektiv (u. a. Hans-Joachim Drafehn u. Erich Krumbholz): Brockhaus-Wanderheft (Heft 89): Eisenberg-Mühltal-Bad Klosterlausnitz-Stadtroda, VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1970. Aus der Geschichte Eisenbergs S. 7. Etwa 500 m südöstlich der Robertsmühle befindet sich eine Pinge. Das Objekt ist gut vom Sautal aus zugängig. Auf Befehl des Herzogs Christian von Sachsen-Eisenberg wurde hier ab 1685 nach Eisenerz geschürft, ohne Erfolg. Im Ort Rauda (außerhalb des Mühltales) erinnern die erhaltenen „Berghäuser“ an diese Bergbauversuche.

Ein wirtschaftlicher Aufschwung trat in der benachbarten Stadt Eisenberg ein, als 1880 die Bahnlinie Crossen-Eisenberg fertiggestellt war. Sie führte durch Rauda und am unteren Eingang des Mühltales vorbei. 1905 erfolgte eine Erweiterung der Strecke über Bürgel nach Porstendorf und damit eine Anbindung an die Saaletalbahn Saalfeld-Großheringen.Autorenkollektiv (u. a. Hans-Joachim Drafehn u. Erich Krumbholz): Brockhaus-Wanderheft (Heft 89): Eisenberg-Mühltal-Bad Klosterlausnitz-Stadtroda, VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1970. Aus der Geschichte Eisenbergs S. 10 (Diese 1999 stillgelegte und rückgebaute Bahnlinie ist heute Teil eines Fahrradfernweges)

Im Jahr 1901 wurde eine feste Straße durch das Tal gebaut (Mühltalstraße) die fast immer direkt am Bach entlang verläuft. Damit begann die touristische Erschließung. Das Tal wurde (später?) für den Kraftverkehr gesperrt und 1953 unter Landschaftsschutz gestellt.Autorenkollektiv (u. a. Hans-Joachim Drafehn u. Studienrat i.R. Erich Krumbholz): Brockhaus-Wanderheft (Heft 89): Eisenberg-Mühltal-Bad Klosterlausnitz-Stadtroda, VEB F.A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1970. Mühltal S. 22–23

mini|Gedenkstein für die Opfer des Bomberabsturzes bei der Pfarrmühle Am 9. Februar 1945 kollidierten im Raum zwischen Jena und Eisenberg zwei Bomber der United States Army Air Forces vom Typ Boeing B-17 „Flying Fortress“, nachdem einer von ihnen durch Flak beschädigt worden war. Dem anderen war beim Zusammenstoß das Heck abgerissen worden, er stürzte im Eisenberger Mühltal ab, 50 Meter nördlich der Pfarrmühle. Acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, der Heckschütze konnte sich retten. Vor dem Absturz entledigte sich die Maschine noch ihrer Bomben über Eisenberg. Diese explodierten zwar nicht, zerstörten dennoch zwei Häuser, beschädigten weitere und töteten zehn Menschen.Ulrike Kern, Jörg Petermann: Noch immer bewegt der Flugzeugabsturz über dem Mühltal vor 75 Jahren. In: Thüringer Allgemeine.(Eisenberg), 8. Februar 2020.

Im Süden von Stadt Eisenberg befindet sich am Waldrand (nördlich der Pfarrmühle), an der Klosterlausnitzer Straße, das Waldkrankenhaus (heute: Waldkliniken Eisenberg), ein Universitätsklinikum (der Universität Jena) für Orthopädie. Es entstand am Ende des Zweiten Weltkrieges als Lazarett. Durch Rudolf Elle wurde es zu einem modernen Krankenhaus umgestaltet. Er erhielt daher während der DDR-Zeit die Auszeichnung Verdienter Arzt des Volkes und das Krankenhaus trug seinen Namen. Heute (2025) führt ein Rundweg von den Waldkliniken zum Mühltal und zurück.