mini|Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen des Sadebaumes (Juniperus sabina) mini|Illustration aus The cypress and juniper trees of the Rocky Mountain region, 1915 des Alligator-Wacholder (Juniperus deppeana)

Die Wacholder (Juniperus) sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Cupressoideae innerhalb der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Mit den etwa 50 bis 70 Arten, die dieser Gattung zugerechnet werden, stellen sie fast 40 Prozent der Arten innerhalb der Zypressengewächse. In Mitteleuropa kommen in freier Natur nur zwei Arten vor: der Gemeine Wacholder und der Sadebaum.

Name Der deutsche Name Wacholder (von althochdeutsch wechalter, mittelhochdeutsch wëcholtër) hat verschiedene etymologische Deutungen erfahren. Sicher ist, dass der Teil „-der“ der Reflex der indogermanischen Baumbezeichnung ist (vgl. Englisch tree), wie sie in Holunder, Affolter (Apfelbaum), Flieder, Heister und anderen vorkommt. Unsicher ist der erste Teil. Hier wird entweder ein Zusammenhang mit wachsen angenommen, unter Verweis auf den immergrünen Baum, oder mit wickeln, nach einer (wahrscheinlich vom früheren hebräischen Namen abgeleiteten) Verwendung zum Binden bzw. für rituell genutzte Wacholdersträuße.Vgl. auch Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 36 („Juniperus – wegholler“). Weiter zurück reicht die Form queckolder, in der der Baum als der Lebenskräftige (zu queck) gefasst wird, schon ahd. belegt.

Im Niederdeutschen wird der Wacholder auch als Machandelbaum bezeichnet. Daraus hat sich dann als Nebenform die Bezeichnung Machangelstrauch (oder nur Machangel) entwickelt. Diese Bezeichnung ist vor allen Dingen in Grimms Märchen und einigen Gedichten anzutreffen. Der Begriff Machangel findet sich mehrfach in der Erzählung „Der Wehrwolf“ von Hermann Löns.

Der botanische Name ist ebenfalls nicht sicher gedeutet. Favorisiert wird die Lesart als lateinisch *iūni-perus aus älterem *iuveni-paros in der Bedeutung „(zu) früh gebärend, abortierend“ nach der Verwendung von Juniperus sabina. Der altgriechische Name ἄρκευθος (arkeuthos) erscheint in der Historia plantarum.

Der heute nur selten vorkommende Name Juniper, welcher als Vor- und Nachname existiert, leitet sich von Juniperus ab.

In Deutschland finden sich in althochdeutschen Glossen vorwiegend ab dem 10. Jahrhundert aus den von Spohra/Spurcha entwickelten Namensformen der Begriff „Spurk“ für Wacholder.

Unter anderem in Österreich und Teilen Bayerns ist der Wacholder unter der Bezeichnung Kranewitt bekannt, das über mhd. kranewite auf ahd. kranawitu, chranawita, welches Kranichholz bedeutet, zurückgeht. Den gleichen Ursprung besitzt das gleichbedeutende Krammet.Wacholder-Beeren auf Gewürzkarawane abgerufen am 14. August 2020. Von der Bezeichnung Kranewitt leiten sich die Familiennamen Kranewitter, Kranebitter, Kronawitter, Kranevitter und Granovetter ab.

Der Wacholderschnaps ist demgemäß in Österreich unter Kranewitter bekannt.

Beschreibung mini|links|Sektion Sabina: Borke der Alligator-Wacholder (Juniperus deppeana) mini|Sektion Juniperus: Blätter und beerenförmige Zapfen in verschiedenen Reifestadien des Stech-Wacholders (Juniperus oxycedrus)

Vegetative Merkmale Wacholder-Arten sind immergrüne Sträucher oder Bäume. Als größtes Einzelexemplar gilt ein Syrischer Wacholder (Juniperus drupacea) in der Türkei mit einer Wuchshöhe von 40 Metern. Das Holz besitzt einen schmalen Splint und einen rötlich-braunen Kern und duftet oft aromatisch, wobei die Namensgebung wie „stinkend“ andeutet, welche Arten besonders intensiv riechen. Die Zweige sind rund oder vier- bis sechsflügelig. Die Blätter sind im Allgemeinen kurz und liegen eng an den Zweigen an. Sie sind in der Jugend nadelförmig, später schuppen- oder nadelförmig. Die Blätter sind in gegenständigen Paaren in vier Reihen oder in wechselständigen Quirlen in drei bis sechs Reihen oder selten in Quirlen mit vier bis acht Reihen an den Zweigen angeordnet.

Die Sämlinge besitzen zwei bis acht Keimblätter (Kotyledonen).

Generative Merkmale Die zu den Nacktsamigen Pflanzen gehörenden Arten sind meist zweihäusig (diözisch), selten einhäusig (monözisch) getrenntgeschlechtig. Die männlichen Zapfen besitzen drei bis vier Paare oder Trios Sporophylle. Jedes Sporophyll besitzt zwei bis acht Pollensäcke.

Die beerenförmigen weiblichen Zapfen, oft als Beeren bzw. Wacholderbeeren bezeichnet, sind bei einem Durchmesser von 0,3 bis 2 Zentimetern ei- bis kugelförmig. Sie benötigen bis zur Reife ein bis zwei Jahre, bleiben geschlossen und werden bläulich. Die meist dicken, fleischigen Zapfenschuppen sind aus Deck- und Samenschuppen verwachsen und besitzen ein bis drei Samen. Die ungeflügelten, hartschaligen Samen sind rund bis kantig. Die beerenförmigen Zapfen werden von Vögeln als ganzes geschluckt, und die Samen verlassen den Darmtrakt unversehrt. Der bittere Geschmack der Zapfen (bei den meisten Arten) ist wohl eine Anpassung gegen Fraß durch Säugetiere.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 11.

Vorkommen Wacholder-Arten kommen vorwiegend auf der Nordhalbkugel der Erde vor. Nur das Verbreitungsgebiet des Ostafrikanischen Wacholders reicht im östlichen Afrika bis 18° Süd.

Wacholder-Arten sind sehr anpassungsfähig. Sie gedeihen in Klimaregionen, die von der subarktischen Tundra bis zu Halbwüsten reichen. Nahezu alle Arten sind gut an regenarme Zeiten angepasst. In Bergregionen sind es häufig Wacholder-Arten, die noch an der Baumgrenze gedeihen. Der auf den Azoren gedeihende Kurzblättrige Wacholder ist die einzige Nadelholzart, die sich auf einer mitten im Ozean liegenden Inselkette vulkanischen Ursprungs etablieren konnte. Die Samen der Vorfahren dieser Art gelangten vermutlich im Verdauungstrakt von Vögeln dorthin.

Sie kommen vielfach auf trockenen Böden (Sand, Heide, Steppe, Halbwüste) vor.

In vielen semiariden Gebieten wie in den westlichen USA, im nördlichen Mexiko, im zentralen und südwestlichen Asien sind sie die dominante Waldbedeckung in weiten Bereichen der Landschaft. Die Untergattung Juniperus ist hauptsächlich eurasisch mit einer holarktischen Art (Juniperus communis). Sie ist auch die einzige Art dieser Untergattung in Nordamerika und Mitteleuropa und überhaupt die am weitesten verbreitete Koniferenart. Die Untergattung Caryocedrus ist endemisch in Südwestasien und Südosteuropa. Die Untergattung Sabina besiedelt fast alle Areale, die auch für die ganze Gattung gelten – außer nördlich von 50° Nord in Europa und 60° Nord in Asien.

In stark beweideten Gebieten ist Wacholder aufgrund seiner Unverträglichkeit für Weidetiere oft der einzige vorkommende Baum.

Die häufigere der beiden Wacholder-Arten in Deutschland, der Heide-Wacholder, war der Baum des Jahres 2002.

Inhaltsstoffe Die Zusammensetzung der ätherischen Öle unterscheidet sich je nach Art und Pflanzenteil. α-Thujen und γ-Terpinen finden sich in den Nadeln, während (−)-Camphen nur in den Früchten zu finden ist. (±)-α-Pinen und (±)-β-Pinen, Myrcen, (+)-Sabinen, (+)-3-Caren, (±)-Limonen, β-Phellandren und Terpinolen sind sowohl im Öl der Nadeln als auch der Früchte zu finden. Neben ätherischen Ölen enthalten die Beeren Flavonoide und Biflavonoide.

Giftwirkung des Wacholders Die in den Beeren und Nadeln des Gemeinen Wacholders enthaltenen ätherischen Öle können bei Hautkontakt und Verzehr zu Reizerscheinungen führen. Im Gegensatz zu den anderen Wacholdergewächsen ist beim Juniperus communis nur die Beere (Fructus Juniperi) giftig. Reif ist sie im zweiten Jahr. Eine Überdosierung des Teeröls des Stech-Wacholders führt zu Nierenschmerzen, Nierenversagen, Hautreizungen und Leberschädigung. Ferner wird die Herztätigkeit und Atmung gesteigert; seltener können Krämpfe auftreten. Äußerlich kommt es zur Rötung der Haut bis zur Blasenbildung. Die maximale Dosierung liegt bei erwachsenen Menschen bei 2 g.

Systematik mini|Sektion Caryocedrus: Syrischer Wacholder (Juniperus drupacea) mini|Sektion Juniperus: Kurzblättriger Wacholder (Juniperus brevifolia) auf den Azoren mini|Sektion Juniperus: Alpen-Wacholder (Juniperus communis var. saxatilis) im Witoschagebirge, Bulgarien mini|Sektion Juniperus: Juniperus macrocarpa auf der griechischen Insel Paros mini|Sektion Juniperus: Juniperus navicularis mini|Sektion Juniperus: Igel-Wacholder (Juniperus rigida) mini|Sektion Sabina: Bermuda-Wacholder (Juniperus bermudiana), Sand Island, Midwayinseln, Hawaii-Inseln mini|Sektion Sabina: Chinesischer Wacholder (Juniperus chinensis) mini|Sektion Sabina: Zweig mit Zapfen des Alligator-Wacholders (Juniperus deppeana) mini|Sektion Sabina: Griechischer Wacholder (Juniperus excelsa) auf der Krim mini|Sektion Sabina: Juniperus grandis in der Sierra Nevada, Kalifornien mini|Sektion Sabina: Kriech-Wacholder (Juniperus horizontalis) in Saskatchewan mini|Sektion Sabina: Habitus von Juniperus maritima im Habitat mini|Sektion Sabina: Habitus des Einsamigen Wacholders (Juniperus monosperma) im Habitat mini|Sektion Sabina: Habitus des Utah-Wacholders (Juniperus osteosperma) im Habitat mini|Sektion Sabina: Phönizischer Wacholder (Juniperus phoenicea) auf El Hierro mini|Sektion Sabina: Habitus des Persischen Wacholders (Juniperus polycarpos) im Habitat mini|Sektion Sabina: Habitus von Juniperus procera im Habitat mini|Sektion Sabina: Habitus von Juniperus recurva var. coxii mini|Sektion Sabina: Hängende Zweige von Juniperus recurva var. coxii mini|Sektion Sabina: Habitus von Juniperus saltuaria im Habitat mini|Sektion Sabina: Habitus von Juniperus saxicola mini|Sektion Sabina: Rocky-Mountain-Wacholder (Juniperus scopulorum), Habitat in den Rocky Mountains mini|Sektion Sabina: Rocky-Mountain-Wacholder (Juniperus scopulorum) mini|Sektion Sabina: Zweig mit Zapfen von Juniperus semiglobosa mini|Sektion Sabina: Habitus von Juniperus standleyi im Habitat mini|Sektion Sabina: Spanischer Wacholder (Juniperus thurifera) in Spanien mini|Sektion Sabina: Virginischer Wacholder (Juniperus virginiana)

Die Gattung Juniperus wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Die Gattung gehört zur Unterfamilie Cupressoideae innerhalb der Familie Cupressaceae.

Die Gattung Wacholder (Juniperus) enthält etwa 50 bis 70 Arten. Die wissenschaftlichen Diskussionen über die Artenzahlen, die Rangzuordnungen nach Varietäten, Unterarten oder Formen werden teilweise kontrovers geführt. Untersuchungen auf DNA-Basis (RAPD und Genetischer Fingerabdruck – Fingerprinting) und bezüglich der Blattölzusammensetzung halten die Diskussion in Bewegung; auch in der Feldforschung gefundene neue Arten lassen die Taxonzahlen schwanken.

Hier wird meist und vorzugsweise den Ausführungen von Robert Phillip Adams gefolgt, der 2008 annähernd 70 Arten und 27 Varietäten anerkennt, aber die Kategorie Unterart nicht verwendet.

Die Gattung Juniperus s. l. wird in drei Sektionen eingeteilt, die in der Literatur manchmal auch als Untergattungen geführt werden:

Sektion Caryocedrus (Syn.: Gattung Arceuthos ): Sie enthält nur eine Art: Syrischer Wacholder (Juniperus drupacea ): Er kommt in Griechenland, in der Türkei, in Syrien im Libanon und in Israel vor. Am häufigsten kommt er im Taurusgebirge (Kilikischer Taurus) in der südlichen Türkei bis ins nördliche Syrien vor. In den anderen Gebieten ist er selten.

Sektion Juniperus (Syn.: Gattung Juniperus sect. Oxycedrus ): Mit zehn Arten: Kurzblättriger Wacholder, auch Azoren-Wacholder genannt, (Juniperus brevifolia , Syn.: Juniperus oxycedrus var. brevifolia ): Er kommt nur auf den Azoren vor. Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus ) auf den Kanarischen Inseln und auf Madeira. Gemeiner Wacholder oder Heide-Wacholder (Juniperus communis ) mit sieben Varietäten: Juniperus communis var. communis Juniperus communis var. charlottensis : Sie ist auf den kanadischen Queen-Charlotte-Inseln endemisch.