Microsoft Windows 95 ist ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche für PCs (Personal Computer, die mit dem IBM PC kompatibel sind). Es unterstützt weitreichend den 32-Bit-Betrieb der 32-Bit-x86-Architektur (ab dem 80386-Prozessor: „IA-32“ bzw. „i386“), ohne auf die Abwärtskompatibilität zu den Mitte der 1990er Jahre noch weit verbreiteten DOS- und 16-Bit-Windows-Programmen („Win16“) zu verzichten.
Nach seiner Einführung am 24. August 1995Nico Ernst: Warum Microsoft mit Windows 95 den modernen PC definierte. In: heise online vom 24. August 2025. Zuletzt abgerufen am 24. August 2025. entwickelte sich Windows 95 zum bis dahin erfolgreichsten Betriebssystem auf dem Markt und begründete die Windows-9x-Reihe.
Entwicklungsgeschichte mini|links|Chicago 73g, eine frühe Vorabversion von Windows 95
Februar 1995 – Windows 95 wird veröffentlicht Im Februar 1995 wurde an eine Handvoll Personen eine Testversion des bis dahin geheimen Windows 95 verteilt. Davor kannte man es nur als Windows 4.0 oder unter seinem Arbeitstitel Windows „Chicago“. Jeder, der an den Testphasen teilnehmen durfte, musste einen Geheimhaltungsvertrag unterzeichnen. Am 24. August 1995 gab Microsoft nach weiteren zahlreichen Tests die Endversion zum Verkauf frei. Deren Versionsnummer war 4.00.950. Microsoft begann die größte Produkteinführung der Konzerngeschichte.
Technik Damit setzte Microsoft den Abschied von der 16-Bit-Architektur fort. Im 16-Bit-Modus der x86-Architektur laufen unter anderem DOS und die ersten Versionen von Windows; Microsoft Windows 2.x nutzte erstmals Eigenschaften des i386 (Version /386), in Windows 3.11 fiel der 16-bit-Kernel weg. Windows 95 setzt, ebenso wie seine direkten Nachfolger Windows 98 und Windows Me, auf MS-DOS auf, das zum Starten und für einige wichtige Systemprozesse und Treiber benötigt wird.
Umstritten ist, ob Windows 95 als „grafische Oberfläche für DOS“ zu betrachten sei oder als weitgehend eigenständiges Betriebssystem: Es kann in manchen Bereichen nicht ohne Routinen des „zugrunde liegenden DOS“ arbeiten Windows 95 wird aus DOS heraus gestartet und DOS bleibt im Hintergrund geladen inklusive aller TSR-Programme, so gesehen unterscheidet sich Windows nicht von einer DOS-Anwendung, die in den Protected Mode schaltet Mit 16-Bit-Anwendungen (Windows 3.x/DOS) ist nach wie vor kein präemptives Multitasking möglich Wegen des eingeschränkten Speicherschutzes kann ein 32-Bit-Programm das ganze System blockieren („Aushebeln“ des präemptiven Multitaskings). Ebenso kann das im Hintergrund laufende DOS durch fehlerhafte 16-Bit-Zugriffe weiterhin lahmgelegt werden, was auch durch DEBUG.EXE demonstriert werden kann In wichtigen Bereichen eines Betriebssystems ist es eigenständig und leistungsfähiger als DOS: Speichermanagement, Speicherschutz, CPU-Zuteilung/Prozess-Scheduler jedoch nur bei 32-Bit-Anwendungen, die also nicht das Windows-3.x-/DOS-Kompatibilitätsverhalten verwenden Viele Windowskomponenten und Systemdienste, die für Anwendungen zur Verfügung stehen, sind moderner und bieten mehr Möglichkeiten als die Betriebssystemdienste von DOS
DOS-Kompatibilität In Windows 95 konnten Dateiverknüpfungen für DOS-Programme angelegt werden, mit den notwendigen spezifischen Einstellungen für die Ausführung unter MS-DOS. Das manuelle Erstellen solcher Verknüpfungen war anfangs für bestehende DOS-Programme relevant, beispielsweise schätzte die Zeitschrift PC Player, dass die Grundeinstellungen für ca. 10 % der DOS-Spiele nicht funktionierte. Derartige DOS-Spiele wären damit nicht vom Windows-95-Desktop aus startbar gewesen, sodass, was unter DOS gängig war, nun auch unter Windows 95 noch zu tun wäre: das manuelle Bearbeiten u. a. von und , nun allerdings erweitert um zusätzliche Windows-spezifische Konfigurationsdateien.pcplayer.de DOS-Spiele unter Windows 95 – BACK TO THE ROOTS – PC Player Special 1/1997 S. 52
Support Der offizielle Support von Windows 95 von Microsoft mit Aktualisierungen und Korrekturen endete am 31. Dezember 2001.
Mediale Einführung und Startmelodie Im August 1995 führte Microsoft das Produkt mit seiner bis dahin größten Werbekampagne ein. Die Einführung des „Start“-Knopfes wurde bei Fernsehspots mit dem Lied „Start Me Up“ von den Rolling Stones untermalt.Oliver Nickel: 30 Jahre Windows 95: Als Windows das Startmenü und die Taskleiste erfand. In: Golem.de vom 24. August 2025. Zuletzt abgerufen am 24. August 2025.
Die eigens für Windows 95 geschaffene Startmelodie wurde 1994 von Brian Eno komponiert, nachdem er von Mark Malamud und Erik Gavriluk (Senior-Entwickler des Microsoft-Chicago-Projekts) angesprochen worden war. Microsoft wollte ein Musikstück, das inspirierend, universell, optimistisch, futuristisch, gefühlvoll und emotional sei, und noch weiteren Attributen gerecht werden sollte. Auch sollte es maximal 3¼ Sekunden lang sein. Schließlich wurden daraus jedoch sechs Sekunden.
Um sowohl computerunerfahrenen als auch Nutzern älterer Windowsversionen eine schnelle Eingewöhnung in die neue Oberfläche des Betriebssystems, seiner Bedienung und der neuen Multimediamöglichkeiten zu ermöglichen, lag vielen vorinstallierten Computern eine CD-ROM mit dem Titel Windows 95 Start! bei, ein interaktiver Computerkurs.Microsoft Press: Windows 95 Start! CD Rom. Art.-Nr. 000-23039
Pen Services for Windows 95
Die Pen Services sind eine Betriebssystemerweiterung, die auf die Eingabe mittels Lichtgriffel ausgelegt war und auf Tablet-PCs ausgeführt wurde. Die Bedienung zeichnete sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie Funktionen wie trainierbare Handschrifterkennung und Gesten einführte. Entwickelt wurde Windows für Pen Computing in zwei Unterversionen zusammen mit den Kooperationspartnern IBM und Compaq. Nachdem Compaq 1994, also vor dem Erscheinen von Windows 95, seine Pläne, einen PDA auf Grundlage dieses Betriebssystems herauszubringen, eingestellt hatte,Anna-Martina Kröll: Interorganisationale Netzwerke: Nutzung Sozialen Kapitals für Markteintrittsstrategien. Springer-Verlag, 2013, ISBN 3-322-81117-4, ISBN 978-3-322-81117-2 ("Windows für Pen Computing" - Google Books) entschied Microsoft, die Version für Windows 95 ohne Beteiligung von Kooperationspartnern zu entwickeln, aber ebenfalls ausschließlich an OEM-Kunden zu lizenzieren.
Technische Neuerungen Nach Angaben von Microsoft existieren unter anderem folgende Verbesserungen gegenüber Windows 3.1: 32-Bit-Protected-Mode-Betriebssystem, im Gegensatz zu Windows 3.1 keine separate DOS-Betriebssysteminstallation mehr nötig Präemptives Multitasking und Multithreading („Nebenläufigkeit“), verbessert die Reaktivität des Betriebssystems und erlaubt Programmen, störungsfrei im Hintergrund zu arbeiten 32-Bit-Dateisysteme wie VFAT, CDFS und Network redirectors 32-Bit-Gerätetreiber für das Gesamtsystem und somit erweiterte Adressräume Betriebssystemkern komplett in 32 Bit, mit Speichermanagement, Prozessscheduling und -management Robuster gegenüber Programmfehlern und besseres Entfernen von Programmcode nach Beendigung des fehlerhaften Programmes (durch Speicherschutz und zentrale Speicherverwaltung) Dynamischere Systemkonfiguration, reduziert die Notwendigkeit der Nachkonfiguration für den Nutzer
Windows 95 ist nach Windows NT 3.1 und 3.5 (beide mit der Benutzeroberfläche von Windows 3.x) das erste Microsoft-Betriebssystem, das zum größeren Teil auf der 32-Bit-Architektur (im x86-kompatiblen Schutzmodus) basiert; wichtige Komponenten wie beispielsweise das Speichermanagement gab es jedoch schon bei Windows 3.x. IBM mit OS/2, das diese Technik schon längere Zeit beherrschte, konnte sich auf dem Markt gegen Windows nicht durchsetzen. Dabei wurden von Microsoft die 16-Bit-DOS-, 16-Bit-Windows- und 32-Bit-Windowsarchitekturen (mit ihren spezifischen Speicherschutzmodi) in einer Art Symbiose vereint. Die meiste Software lief damals noch unter DOS, was eine konsequente Windows-NT-Entwicklung unattraktiv machte: Unter allen 32-Bit-Versionen von Windows NT lief DOS lediglich in einer Virtual DOS Machine (VDM), was z. B. direkte Hardwarezugriffe, die viele dieser Programme voraussetzen, konsequent verhindert.
Mit Windows 95 konnte nun auch ein Win-3.x-Nachfolger mehrere Programme gleichzeitig ausführen. Bisher mussten Programme (unter Windows 3.x) warten, bis das Vorgängerprogramm den Prozessor freigab. Multitasking ist zwar schon in vorigen Windows-Versionen vorhanden, jedoch handelt es sich dort noch um kooperatives Multitasking, es läuft also immer nur ein Programm gleichzeitig, die anderen werden lediglich im Speicher gehalten und solange angehalten. Das präemptive Multitasking im 32-Bit-Modus ermöglicht nun einen systemkontrollierten Quasi-Parallelbetrieb im Zeitscheibenverfahren (vgl. auch Scheduling), allerdings aus Gründen der Abwärtskompatibilität nur mit eingeschränktem Speicherschutz.
Mit der Registrierungsdatenbank wurde ein zentraler, systemweit eindeutiger und auch konkurrierend erreichbarer Platz für Konfigurationsinformationen eingeführt; sie löste das System der Initialisierungsdateien von Windows 3.1 fast vollständig ab. Jedoch verwenden auch heute gelegentlich noch Anwendungsprogramme Konfigurationsdateien anstatt Registry-Einträge, besonders Portable Software.
Dateisystem Durch die Dateisystem-Erweiterung VFAT erlaubt das System erstmals die Nutzung längerer Dateinamen unter Windows, wodurch die von DOS bekannte Begrenzung auf 8+3 Zeichen für den Namen entfällt. Jetzt sind 255 Zeichen erlaubt, jedoch inklusive des Pfadnamens,Microsoft Technet: (englisch) – Dateinamen sind mit 255 Zeichen, inklusive Speicherpfad, begrenztBugtraq-Artikel und (beide englisch) zum Fehler von Dateien mit langen Dateinamenserweiterungen in Windows was beim Kopieren in Unterordner zusätzliche Probleme verursachen kann. Dabei unterscheidet Windows zwar keine Groß- und Kleinbuchstaben, behält aber die vom Benutzer vergebene Schreibweise bei. Mit VFAT wollte Microsoft das neue Dateisystem kompatibel zum alten machen, sodass jeder lange Name noch einen automatisch generierten DOS-kompatiblen Namen erhält, z. B. „DOKUME~1.DOC“ neben „Dokumentation des neuen Projekts.doc“ (hinter der Tilde werden mehrfach vorhandene Namen einfach durchnummeriert). Dadurch können alle auf VFAT erstellten Dateien auch von DOS-Nutzern und Nutzern von Windows bis Version 3.11 verwendet werden (wenn das zugrundeliegende Dateisystem das von DOS unterstützte FAT12 oder FAT16 ist, nicht jedoch FAT32).
Windows 95B unterstützt erstmals FAT32, wodurch ein erweiterter Adressraum zur Verfügung steht. Die Verbesserung gegenüber FAT16 besteht hauptsächlich in der Unterstützung größerer Festplattenpartitionen (mehr als 2 GB) und in kleineren Speichersektoren, wodurch der ungenutzte Speicher vor allem bei kleinen Dateien reduziert wird.
Die Online-DatenkomprimierungOnline (engl. Adjektiv, steht lt. Babylon Translator für: „direkt zum Computer angeschlossen, sofort nutzbar“) bezieht sich hier auf einen automatisch ablaufenden Hintergrundprozess, siehe auch Beschreibungstexte z. B. von DriveSpace aus DOS 6.22/DOS 7 ist erstmals auch mit einer grafischen Bedienoberfläche konfigurierbar. Zusammen mit Microsoft Plus! wurde die Effektivität dieser Komprimierung durch bessere Algorithmen (HiPack und UltraPack) in DriveSpace 3 (die dritte Version) nochmals gesteigert und in Windows 95B auch ohne Zusatzsoftware ins Betriebssystem integriert. Die problematische Datensicherheit und andere Nachteile führten jedoch dazu, dass das Programm seit der Verfügbarkeit großer Festplatten zu günstigen Preisen schnell an Bedeutung verlor.
Grafische Benutzeroberfläche (GUI) und Nutzerführung