Windows XP („eXPerience“, für Erlebnis, Erfahrung) ist ein Betriebssystem von Microsoft. Es basiert auf dem Windows-NT-Kernel und ist der technische Nachfolger von Windows 2000 und der Vorgänger von Windows Vista. Das interne Versionskürzel lautet Windows NT 5.1 und der interne Codename in der Entwicklungsphase war Whistler. Windows XP kam am 25. Oktober 2001 auf den Markt. Es löste Windows Me der MS-DOS-Linie in der Version „Home Edition“ als Produkt für Heimanwender und Privatnutzer ab. Der offizielle Support und somit die Bereitstellung von Sicherheitsupdates endete am 8. April 2014.
Geschichte Ursprünglich plante Microsoft noch, Windows 2000 in zwei Richtungen weiterzuentwickeln: zum einen Neptune, welches als Nachfolger von Millennium hauptsächlich Endverbraucher ansprechen sollte und für welches die Funktionen vorgesehen waren, die architekturbedingt nicht in Millennium implementiert werden konnten, und zum anderen Odyssey, welches für Firmenkunden bestimmt war. Eine Vorversion von Neptune erreichte am 27. Dezember 1999 die Betatester, doch schlussendlich gab Microsoft die Pläne auf.
Am 21. Januar 2000 erreichte die Presse die Meldung, dass die Projekte Neptune und Odyssey zusammengelegt würden. Das so entstandene Projekt erhielt den neuen Codenamen Whistler. Auf der WinHEC im April 2000 stellte Microsoft das neue Betriebssystem erstmals vor und kündigte bereits einige neue Funktionen für das Betriebssystem an, etwa die Möglichkeit, ohne Abmeldung zwischen verschiedenen Benutzerkonten zu wechseln. Whistler sollte außerdem modular sein, so dass es auch auf kleinen Mobilgeräten lauffähig sein sollte.
Auf der Professional Developers Conference im Juli 2000 kündigte Microsoft die Veröffentlichung von Whistler für die zweite Jahreshälfte von 2001 an. Am 13. Juli erschien die erste Vorversion von Whistler, die bereits die neue Design-Funktion der Benutzeroberfläche demonstrierte. Die hier verwendete und zunächst für das Endprodukt vorgesehene Benutzeroberfläche, zunächst Professional und später Watercolor genannt, gab Microsoft erst im Februar 2001 zugunsten von Luna auf. Am 24. August folgte eine zweite Vorversion, die das neue Startmenü demonstrierte und erstmals die Windows-Firewall enthielt. Während sich der erste Betatest, der ursprünglich für September vorgesehen war, immer weiter nach hinten verschob, kam am 3. Oktober die nächste Vorversion heraus, die jedoch lediglich kleinere Verbesserungen enthielt. Erst die zwei Wochen später folgende Vorversion zeigte eine neu gestaltete Installationsroutine sowie ein neues Hilfesystem.
Am 31. Oktober 2000 startete schließlich der Betatest von Whistler. Auf der darauffolgenden COMDEX stellte Microsoft den Tablet PC vor, der mit einer speziell angepassten Version von Whistler erscheinen sollte. Am 18. Dezember kündigte Microsoft mit Whistler Embedded das neue Betriebssystem der Embedded-Reihe an, das Windows NT 4.0 Embedded ablösen sollte.
Die am 4. Januar 2001 ausgelieferte Vorversion beinhaltete erstmals die Produktaktivierung. Mit einem Beispiel-Design demonstrierte Microsoft das Wechseln des Designs im laufenden Betrieb, das Unternehmen hielt aber an der Meinung fest, dass es für Endverbraucher keine Möglichkeit geben werde, ein eigenes Design zu kreieren. Am 16. Januar folgte bereits die nächste Vorversion und am 23. Januar schließlich eine weitere Vorversion.
Am 13. Februar stellte Microsoft erstmals die neue Benutzeroberfläche Luna vor, gleichzeitig gab es den endgültigen Namen für das Produkt bekannt, Windows XP. Die zeitgleich veröffentlichte Vorversion enthielt bereits diese Neuerungen. Nach heftiger Kritik an der neuen Benutzeroberfläche besserte Microsoft vereinzelt nach und reduzierte unter anderem die Größe der Symbole in der Schaltflächenleiste. Nach zahlreichen Verzögerungen und mehreren Vorversionen startete der zweite Betatest schließlich am 26. März mit einer offiziellen Ankündigung auf der WinHEC. Große Kritik erhielt Microsoft für die Entscheidung, Unterstützung für USB 2.0 nicht mit Windows XP auszuliefern, an der das Unternehmen dennoch festhielt. Die Entwicklung der Server-Version nahm ihren eigenen Verlauf und am 30. April nannte Microsoft die Server-Version provisorisch Windows 2002.
Am 5. Mai 2001 erschien eine weitere Vorversion. Neu war eine Sicherheitsfunktion, die bei Benutzerkonten mit einem leeren Passwort lediglich die lokale Anmeldung ermöglicht und unter anderem eine Anmeldung über das Netzwerk in solchen Fällen sperrt. Am 24. Mai erschien die letzte Version, die neue Funktionen implementierte; die nachfolgenden Versionen konzentrierten sich auf die Behebung von Programmfehlern. Pläne, Windows XP mit AOL zu bündeln, zerschlugen sich im Juni, stattdessen kündigte Microsoft den Windows Messenger offiziell an. Ebenso plante Microsoft, dass die Home Edition nur einen Monitor unterstützten sollte, auch das änderte sich.
Mit der am 21. Juni veröffentlichte Vorversion band Microsoft das Betriebssystem stärker an das Microsoft-Passport-System an. Am 2. Juli 2001 eröffnete Microsoft die Release-Candidate-Phase. Der endgültige Veröffentlichungstermin wurde auf den 25. Oktober festgesetzt. Aufgrund eines Urteils eines US-Gerichts musste Microsoft entgegen ursprünglichen Plänen Erstausrüstern () erlauben, eigene Icons auf dem Desktop zu platzieren; ebenso können diese den Internet Explorer und Outlook Express aus dem Startmenü entfernen und der Internet Explorer konnte in der Systemsteuerung deinstalliert werden, wenngleich das lediglich verschiedene Icons entfernte, den IE-Kern allerdings im Betriebssystem beließ. Ebenso fuhr Microsoft die Beschränkungen bei der Produktaktivierung drastisch zurück.
Am 27. Juli erschien der zweite Release Candidate. Durch eine neue Gerichtsentscheidung versuchte AOL nun, Erstausrüster dazu zu bringen, Windows XP trotz der zuvor gescheiterten Verhandlungen ausschließlich mit AOL auszuliefern. Microsoft konterte mit der Pflicht, einen Link zum Microsoft-Network-Dienst auf dem Desktop zu platzieren, falls Erstausrüster eigene Icons dort platzieren wollen. Am 24. August 2001 erreichte Windows XP schließlich den RTM-Status, und am 25. Oktober 2001 erschien das Betriebssystem wie geplant im Handel.
Neuerungen Mit Windows XP wollte Microsoft die Benutzerfreundlichkeit des Betriebssystems erhöhen. Im Gegensatz zu älteren Heimanwender-Betriebssystemen von Microsoft basiert Windows XP auf einem Windows-NT-Kernel. Dieser Wechsel sollte für eine verbesserte Stabilität sorgen. Zudem wurde Augenmerk auf die Verbesserung der Sicherheit gelegt. Die mit einem [M 1] gekennzeichneten Elemente waren bereits unter Windows ME verfügbar, nicht jedoch unter Windows 2000.
Benutzeroberfläche Luna Die für Benutzer auffälligste Neuheit in Windows XP ist die Benutzeroberfläche „Luna“, die im Auslieferungszustand eine buntere und verspieltere Desktop-Oberfläche bietet als bei älteren Windowsversionen; wahlweise steht auch eine leicht modifizierte Version der Oberfläche aus Windows 2000 zur Verfügung („klassische Darstellung“). Die „Luna“-Oberfläche enthält auch den voreingestellten Bildschirmhintergrund „Grüne Idylle“, ein Bild einer grünen Wiese unter blauem Himmel. Sie weckte während und auch noch nach der Vertriebsperiode des Betriebssystems Assoziationen mit dem Szenenbild aus der Kinderfernsehserie Teletubbies.Andy Rathbone: Windows XP For Dummies. John Wiley & Sons, 2011, ISBN 978-1-118-05433-8 (englisch, S. 23 online bei Google Books)Andreas Sebayang: Das letzte Jahr mit dem Teletubby-Windows. golem.de, 8. April 2013.
Erweiterung des Startmenüs Das Startmenü wurde erweitert: So ist es in Windows XP in zwei statt bisher einer Spalte angeordnet. Während in der linken Spalte die zuletzt benutzten Programme angezeigt werden, bietet es rechts zusätzliche Einträge, etwa zum „Arbeitsplatz“ oder zu Benutzerordnern wie dem Ordner „Eigene Dateien“ oder „Eigene Musik“. Neu sind dort auch ein Link zu den eingerichteten „Netzwerkverbindungen“ sowie eine Schaltfläche zum Einstellen von „Programmzugriffen und -standards“.
Ausbau der Funktionen des Windows-Explorers Im Windows-Explorer wurden Funktionen zur Unterstützung von digitaler Fotografie eingebaut. So wird nun z. B. die Windows Bild- und Faxanzeige mitgeliefert, mit der gängige Bildformate geöffnet und rudimentär bearbeitet werden können. Auch ist die Bildanzeige als Bildschirmpräsentation ohne Zusatzsoftware möglich. Auch Musikdateien werden besser unterstützt: Die sogenannten ID3-Tags, die Informationen wie z. B. Interpret, Titel usw. in der Musikdatei speichern, werden im Explorer angezeigt und können über das Eigenschaftenmenü direkt bearbeitet werden. Der Explorer beinhaltet nun auch eine einfache Funktion zum Brennen von CDs. Software von Drittanbietern ist damit nicht mehr unbedingt notwendig. Auch kann der Explorer ZIP-komprimierte Dateien erstellen und verwalten.Die mit [M 1] gekennzeichneten Elemente waren bereits unter Windows ME verfügbar, nicht jedoch unter Windows 2000.
Systemwiederherstellung Die Systemwiederherstellung ist eine Funktion, welche es dem Benutzer mit Hilfe sogenannter Wiederherstellungspunkte ermöglicht, das System in Hinsicht auf System- und Konfigurationsdateien in einen früheren Zustand zurückzuführen. Das soll vor allem bei fehlgeschlagenen Treiber- oder Software-Installationen weiterhelfen. Diese erstmals mit Windows ME eingeführte Technik wurde verbessert und mit Windows XP in die Windows-NT-Linie übernommen.
Integration verschiedener Kompatibilitätsmodi für ältere Anwendungen Windows XP enthält auch Kompatibilitätsoptionen für Anwendungen, die für ältere Windowsversionen geschrieben wurden. Diese Funktion wurde zwar bereits mit dem Service Pack 2 unter Windows 2000 eingeführt, muss dort nach der Service-Pack-Installation aber erst im System registriert werden und steht nur Administratoren zur Verfügung.Hilfeseite von Activenetwork Unter Windows XP steht sie standardmäßig zur Verfügung und kann für jede Anwendung einzeln festgelegt werden.
Versionsabhängige Einschränkungen von NTFS-Funktionen in der Homevariante Während die meisten Windowsversionen bisher lediglich das Laufwerksdateisystem FAT verwenden konnten, kommen nun für alle Anwender die bisher nur unter Windows NT/2000 bekannten Funktionen des NTFS-Dateisystems hinzu. Das sind beispielsweise Dateigrößen über 4 GB, Metadaten-Journaling, Datenträgerkontingente oder eine zuverlässigere und einfachere Datenträgerkomprimierung als DriveSpace (Windows 9x) bzw. Doublespace (DOS). Einige NTFS-Funktionen sind in der Homevariante allerdings nicht nutzbar, so etwa die Verschlüsselung und standardmäßig (d. h. ohne Fremdsoftware im laufenden BetriebDie Onlineseite der PC-Welt beschreibt, dass Zugriffsrechte zwar in NTFS implementiert sind, in der Homevariante sind sie aber mit Bordmitteln lediglich im abgesicherten Modus verwendbar, während im Laufenden Betrieb Fremdsoftware erforderlich ist) die Vergabe von Dateizugriffsberechtigungen.
Produktaktivierung Um Software-Piraterie einzudämmen, verwendet Microsoft bei Windows XP erstmals das System der Produktaktivierung. Bei diesem Verfahren tauscht das Betriebssystem im Zuge der Installation bestimmte Daten mit Microsoft aus, bevor eine dauerhafte Verwendung gestattet wird. Die ausgetauschten Daten enthalten vor allem Informationen über die verwendete Hardware. Falls sich diese Daten ändern, zum Beispiel durch Austausch oder Erweiterung von Hardwarekomponenten, kann das Betriebssystem in einigen Fällen eine erneute Aktivierung verlangen.
Die übertragenen Daten enthalten nach Angaben Microsofts einen Hash-Wert der folgenden Merkmale in verschlüsselter Form: Name der Grafikkarte Name der SCSI-Karte Name der IDE-Karte Hardware-Adresse der Netzwerkkarte, MAC-Adresse Größe des Arbeitsspeichers (als Bereiche, wie 0–64 MB, 64–128 MB usw.) Prozessortyp Seriennummer des Prozessors Festplattenbezeichnung Seriennummer der Festplatte