Hallenberg ist eine Landstadt am Rothaargebirge und gehört zum Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Sie ist die – an der Einwohnerzahl gemessen – kleinste Stadt des Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Hallenberg wurde vom Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden als Grenzfestung gegründet und war bis weit ins 20. Jahrhundert eine Ackerbürgerstadt. Dies änderte sich erst in jüngster Zeit mit der Ansiedlung von gewerblichen Betrieben und dem Aufschwung des Tourismus.

Geografie mini|Hallenberg 2013 mini|Ortsansicht Hallenberg

Geografische Lage und naturräumliche Gliederung Hallenberg ist die südlichste Stadt im Hochsauerlandkreis. Sie liegt in den östlichen Ausläufern des Rothaargebirges an der südöstlich am Stadtgebiet vorbeiführenden Landesgrenze zu Hessen und wird von der Nuhne durchflossen, in die im Stadtgebiet die Weife mündet.

Der größte Teil des Stadtgebiets liegt innerhalb der Medebacher Bucht am Ostsauerländer Gebirgsrand, die im Hallenberger Bereich als Hallenberger Bucht bezeichnet wird. Diese ist im Stadtgebiet in die naturräumlichen Einheiten Hallenberger Hügelland und Münder Grund untergliedert. Im Norden und Westen besitzt das Stadtgebiet darüber hinaus Anteile an den Naturräumen Hohe Seite, Ziegenhelle und Wilde Struth.Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, Blatt 111: Arolsen (Martin Bürgener 1963; 92 S.) und Digitalisat der zugehörigen Karte (PDF-Datei; 4,3 MB)

Östlich von Hallenberg erstreckt sich die Breite Struth. Zu den Bergen bei Hallenberg gehören der Bollerberg (757,3 m), der Heidekopf (703,8 m) und der Stolzenberg (623 m).

Geologie Hallenberg liegt, geologisch betrachtet, auf dem südlichen Teil des Ost-Sauerländer Hauptsattels. Im Westen des Stadtgebietes stammen die Gesteinsformationen überwiegend aus dem Oberdevon und im Osten aus dem Unterkarbon. Dies ist in einem zwei Kilometer westlich, Richtung Wunderthausen gelegenen Steinbruch zu erkennen. Ein anderer, alter Schiefer-Steinbruch befindet sich nördlich von Hallenberg an der Freilichtbühne. Er enthält im oberen Bereich schwarze Kieselschiefer (Lydite).

Ausdehnung des Stadtgebiets und Flächennutzung Das Stadtgebiet dehnt sich über 15 km in West-Ost-Richtung und 8,6 km in Nord-Süd-Richtung aus. Von der Gesamtfläche der Stadt (6535 ha) entfielen 2011 10,3 % auf Siedlungs- und Verkehrsflächen. Landwirtschaftlich genutzte Flächen machten 39,9 % aus. Mit Wald bedeckt waren 48,8 %. (PDF; 309 kB)

Nachbargemeinden Nachbargemeinden in Nordrhein-Westfalen gelegen sind die Stadt Winterberg (nordwestlich) mit ihrer Kernstadt und dem Stadtteil Züschen, die Stadt Medebach (nordöstlich) mit den Ortsteilen Medelon und Dreislar und die Stadt Bad Berleburg (südwestlich) mit den Ortsteilen Wunderthausen und Girkhausen.

Hallenberg grenzt südlich und östlich an das Bundesland Hessen und dort an die Gemeinde Allendorf (Eder) mit ihren Ortsteilen Bromskirchen und Somplar (südlich), die Stadt Frankenberg mit ihrem Stadtteil Rengershausen (südöstlich) und die Stadt Lichtenfels mit dem Stadtteil Neukirchen (östlich).

Stadtgliederung mini|Hallenberg Ortsteile Hallenberg besteht neben der Kernstadt mit 34,72 km² aus den OrtsteilenStadt Hallenberg: Hauptsatzung (PDF; 41 kB) Braunshausen mit 9,08 km², Liesen mit 7,38 km² und Hesborn mit 14,18 km².

Geschichte Mittelalter Das später wüst gefallene Merklinghausen an der Nuhne gilt als einer der Vorläufer Hallenbergs. Es lag im Grenzbereich der Siedlungsgebiete der Sachsen und Franken. Die Grenzen zwischen dem Einflussgebiet der Erzbistümer Mainz und Köln befinden sich in unmittelbarer Nähe. Noch heute ist die Gegend Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die Christianisierung erfolgte von der Urpfarrei in Wormbach aus.Wilhelm Kuhne: „An der Nuhne einen Hof …“ 1000 Jahre Merklinghausen. In: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2004, S. 65–74. Im Frühmittelalter gehörte die Gegend um Medebach und Hallenberg zum Ittergau.Josef Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster 1956, S. 38.

Für die Gründung der Stadt Hallenberg spielte ihre ausgesprochene Schutzlage eine wichtige Rolle. Wie andere von den Kölner Erzbischöfen in dieser Zeit gegründete Städte (Attendorn, Schmallenberg, Medebach und Winterberg) diente Hallenberg dem Schutz der wichtigen Heidenstraße und insgesamt dem Schutz des erzbischöflichen Altbesitzes bei Medebach gegen die Grafen von Arnsberg, Hessen, Wittgenstein und Waldeck.Cornelia Kneppe: Burgen und Städte als Kristallationspunkte von Herrschaft zwischen 1110 und 1300. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 225. Die Stadt wurde auf einem Bergsporn errichtet, der sich auf einer lang gestreckten Halde hinzieht, die vom Heidekopf in den Mündungswinkel der Flüsschen Nuhne und Weife ausläuft. Davon wird die Namensgebung abgeleitet. mini|Sogenannter Burgplatz im Jahr 2016 Bei Hallenberg hatte die Abtei Deutz mit dem Haupthof Merklinghausen beträchtlichen Besitz. Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden erwarb, mit dem Ziel dort eine Stadt anzulegen, den Besitz. Dafür erhielt der Abt im Tausch einen Hof in Deutz. Bereits um 1231 hatte dort eine Burg bestanden. Die Verlegung der an der Nuhne liegenden verstreuten Siedler auf die Höhe und die Befestigung der Siedlung durch den kölnischen Marschall für Westfalen Arnold von Hochstaden erfolgte 1248.Jens Focken: Erstarrtes Mittelalter. Städte und Freiheiten des Herzogtums Westfalen in der frühen Neuzeit. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 376. Andere Zahlen nennen 1260 als Gründungsdatum.Josef Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster 1956, S. 141. Für 1271 ist ein Stadtsiegel überliefert.

Ein Burgmann namens Weigand von Medebach ist für 1259 belegt. Daneben sind für die folgenden Jahrhunderte Burgmannen aus verschiedenen regionalen Adelsgeschlechtern nachgewiesen. Ihre Burgmannslehen gingen zunehmend in ihren erblichen Besitz über, so dass dem Erzbischof auf Dauer nur die allgemeine Landesherrschaft blieb. 1288 wurden die Stadt und die Burg im Zusammenhang mit dem Limburger Erbfolgestreit und der Schlacht von Worringen durch Graf Otto I. von Waldeck zerstört und erst 1300 durch den kölnischen Marschall von Westfalen Johann I. von Plettenberg mit Pfarrkirche und Stadtburg wieder aufgebaut.Cornelia Kneppe: Burgen und Städte als Kristallationspunkte von Herrschaft zwischen 1110 und 1300. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 228. Um diese Zeit wird erstmals ein Bürgermeister („proconsules et consules“) erwähnt. Der Erzbischof von Köln besaß zwei Mühlen bei Hallenberg. Mindestens eine davon ist spätestens 1562 in städtischen Besitz gelangt. In der Gründungszeit gab es in der Stadt eine Münze. Die Münzen waren Nachahmung von Vorbildern aus Paderborn.Peter Illisch: Münzprägungen und Geld im Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 709.

Im Jahr 1400 wurde die Stadt durch Brand zerstört. Abgesehen von ihrer Funktion als Grenzfestung blieb die Bedeutung der Stadt gering. Im Jahr 1482 hatte sie nur 61 Bürger. Immerhin war die Anziehungskraft groß genug, um Einwohner aus benachbarten Siedlungen anzuziehen. Die verlassen Orte wurden zu Wüstungen (Schnellinghausen, Frederinghausen, Gunterdinghausen, Merklinghausen, Wolmerkusen und Beckhausen). In der Stadt bildeten sich im Zuge dieser Zuwanderung vier Bauerschaften, auch Quartale genannt. Diese hießen Burg, Raphuhn, Eudeut und Eisernhut. Die Markenrechte der alten Siedlungen wurden von Hallenberg beibehalten.Josef Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster 1956, S. 151f.

Im Jahr 1338 wurde den Einwohnern das Recht gewährt, nicht vor auswärtigen Richtern erscheinen zu müssen. Gleichzeitig wurden ältere Rechte, über die nichts Genaues bekannt ist, bestätigt. Das Stadtrecht folgte dem von Brilon und Rüthen.Josef Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster 1956, S. 142. 1396 wurde Kraft VI. von Hatzfeld, der Besitzer von Burg Freundetrost, vom Kölner Erzbischof zum Burgmann von Hallenberg bestellt.Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer, Band 4. Verlag von J.J. Bohne, Cassel 1839, S. 139 (Online-Version, Google Books) Spätestens gegen 1400 wurde Hallenberg Teil des Amtes Medebach des Herzogtums Westfalen.Wilhelm Janssen: Marschallamt Westfalen – Amt Waldenburg – Grafschaft Arnsberg – Herrschaft Bilstein-Fredeburg. Die Entstehung des Territoriums Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 248.

Frühe Neuzeit In der frühen Neuzeit gab es außer dem Sendgericht des Dechanten von Medebach ein städtisches und ein landesherrliches Gericht.

Der Ort wurde mehrfach von der Pest heimgesucht, so 1480 oder 1540 bis 1542. Im Jahr 1519 wurde die Stadt durch Brand zerstört.Josef Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster 1956, S. 142; Jens Focken: Erstarrtes Mittelalter. Städte und Freiheiten des Herzogtums Westfalen in der frühen Neuzeit. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 416. In der Stadt hatte offenbar der Protestantismus zeitweise eine beachtliche Anhängerschaft. Die Stadt stand während des Kölnischen Krieges auf Seiten des vom Katholizismus abgefallenen Gebhard I. von Waldburg.Harm Klueting: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen als geistliches Territorium im 16. und 18. Jahrhundert. In: Ders. (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 497; Josef Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster 1956, S. 142.

1537 kam es zu einer Grenzeinigung des Erzbischofs von Köln mit dem Landgrafen von Hessen. Die Dörfer Bromskirchen und Somplar gingen dem Herzogtum Westfalen endgültig verloren. 1596 gab es eine Einigung auf einen Grenzvergleich mit der Grafschaft Wittgenstein. 1663 wurde der Grenzverlauf mit der Grafschaft Waldeck beschrieben. Zum Schutz der Landesgrenze nach Waldeck und Hessen bestanden mehrere Landwehren. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab es Markenstreitigkeiten mit benachbarten Orten, Adeligen und den Inhabern der Freigrafschaft Züschen.

mini|Raum Hallenberg 1645

Erstmals 1621 wurde die Stadt durch den Dreißigjährigen Krieg berührt. Zur Abwendung der Bedrohung durch den bei Frankenberg befindlichen Christian von Braunschweig forderte die Stadt von der benachbarten Stadt Winterberg 50 Schützen an. 1623 kam es zur ersten Einquartierung von Soldaten. 1632 wurde die Stadt von Hessen ausgeplündert, die Einwohner flohen zweimal aus der Stadt. Erneut floh die Bürgerschaft 1633 und 1646. 1634 wurde das Niedertor demoliert und damit die Stadt verteidigungsunfähig gemacht. Bis zum Jahr 1638 war fast die Hälfte der Bürger umgekommen. Ab 1643 kam es immer wieder zu schwedischen Drangsalen, die 1649 in einer Brandschatzung kulminierten. Erst das Folgejahr wurde in der Stadt nach Abzug der Schweden und Hessen und nach Bezahlung der letzten Kriegskontributionen als Friedensbeginn betrachtet.

Im Siebenjährigen Krieg mussten um 1760 zur Begleichung von Kontributionen zahlreiche Kapitalien aufgenommen werden.