mini|Medebach aus der Luft, Blick von Nordost Medebach ist eine Kleinstadt im Hochsauerlandkreis, im östlichen Nordrhein-Westfalen. Im Mittelalter wurde in der Stadt Fernhandel betrieben und sie war Mitglied der Hanse, weswegen sie seit dem 24. Juli 2012 offiziell den Namenszusatz „Hansestadt“ trägt.Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2012. Statistisches Bundesamt In der frühen Neuzeit verlor der Ort an Bedeutung und sank zu einer Ackerbürgerstadt herab. Die Struktur der heutigen Stadt geht auf die kommunale Neugliederung von 1969 zurück. Dabei wurden die Stadt Medebach und die übrigen Gemeinden des damaligen Amtes Medebach zu der neuen amtsfreien Stadt Medebach zusammengeschlossen. Eine große wirtschaftliche Rolle spielt in der Gegenwart der Tourismus. Ein Großteil des Stadtgebiets unterliegt dabei den strengen Naturschutzauflagen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union.

Geographie Lage Medebach liegt in den Nordostausläufern des Rothaargebirges in der Medebacher Bucht. Dort liegen die weit verstreuten Ortsteile zwischen Winterberg im Westen, dem Waldecker Upland im Nordosten und Hallenberg im Süden. Der Kernort befindet sich knapp drei Kilometer westlich der Landesgrenze zu Hessen.

Im Westen wird der weite Talkessel von bewaldeten Bergen und Erhebungen begrenzt. Zu nennen sind der Bollerberg (757,7 m), Winterkasten (662,6 m), Alte Grimme (754,9 m), Junge Grimme (782,1 m), Reetsberg (792,2 m), Schlossberg (791,3 m), Hohe Pön (792,7 m) und Emmet (742,5 m). Der tiefste Punkt liegt mit etwa 329 m beim Ortsteil Berge am Ausfluss der Orke aus dem Stadtgebiet.

Das südliche Gemeindegebiet wird von der Orke, einem westlichen Nebenfluss der Eder, durchflossen, das nordöstliche Gebiet von der weiter östlich in die Orke einmündenden Wilden Aa (auch Ogge genannt). Durch die Kernstadt fließt als Orke-Zufluss der Medebach, direkt nordöstlich vorbei der Brühne-Zufluss Harbecke und etwas südwestlich vorbei der Orke-Zufluss Gelängebach.

Geologie mini|Blick auf die Medebacher Bucht Die marinen Sedimentgesteine des Medebacher Stadtgebietes wurden schon im Erdaltertum abgelagert. Die Schichten der naturräumlichen Untereinheit Medebacher Bucht, bestehend aus Tonschiefer und Grauwacke, stammen überwiegend aus dem Unterkarbon. Im Westen und Nordwesten schließen sich drei voneinander unabhängige Schichten aus dem Oberdevon an. Diese nähern sich der Grenze zum Ostsauerländer Hauptsattel und somit den Schichten aus dem Mitteldevon. Die erste Schicht, im Norden gelegen, erstreckt sich nach Osten bis dicht vor Düdinghausen. Am Borghagen gibt es einen Steinbruch, der Kieselschiefer, kieselige Tonsteine und Kalksteine enthält, die vor etwa 320 Millionen Jahren am Grunde eines Meeres entstanden sind. Die zweite Schicht beginnt westlich von Glindfeld und erstreckt sich nach Nordwesten bis kurz vor Küstelberg. Sie hat eine Breite von etwa zwei bis drei Kilometern und besteht aus Hembergschiefer und Sandsteinen. Westlich von Medelon gibt es eine weitere aus Kieselkalken gebildete Schicht aus dem Oberdevon. In Küstelberg streichen im Orketal die ältesten Erdschichten Medebachs aus, die bereits vor 480 Millionen Jahren im Unterdevon entstanden. Bei Dreislar gibt es in Grauwacken und Tonschiefer des Unterkarbon ein kleines Einsprengsel aus Zechstein. Hier ist eine Erdspalte aufgerissen. Die dortige Schwerspatgrube mit zwei jeweils etwa zwei Meter breiten Gängen enthält auch Kieselschiefer und Quarz.Franz Lotze (Herausgeber): Sammlung Geologischer Führer, Bd. 39 Sauerland. Bearbeitet von Hermann Schmidt und Werner Pleßmann, Berlin 1961.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet erstreckt sich über 12,8 km in West-Ost-Richtung vom Tal der Hille im Westen bis zum Tal der Aa im Osten an der hessischen Grenze und in Nord-Süd-Richtung über 16,1 km von der Landesgrenze im Norden beim Hülsenberg und dem Bach Herzgraben im Süden.Topografische Karte 1:25.000

Von dem 126 km² großen Stadtgebiet sind 63,4 km² (50,3 %) Wald und weitere 51,5 km² (39,9 %) landwirtschaftliche Nutzfläche. 4,0 km² (3,2 %) nehmen Gebäude- und Freiflächen und 5,8 km² (4,6 %) Verkehrsflächen in Anspruch.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW

Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Stadt Medebach sind die nordrhein-westfälischen Städte Winterberg und Hallenberg im Westen und Süden sowie die hessischen Städte Lichtenfels und Korbach im Osten und Nordosten und die Gemeinde Willingen im Norden. alternativtext=|mini|Ortsteile von Medebach

Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht neben der Kernstadt Medebach aus den OrtschaftenHauptsatzung der Hansestadt Medebach vom 25. März 2013 einschließlich 1. Änderungssatzung vom 25. Januar 2017: § 3 – Einteilung des Gemeindegebietes in Ortschaften (PDF). Abgerufen am 8. Dezember 2019.

Berge Deifeld Dreislar Düdinghausen Küstelberg Medelon Oberschledorn Referinghausen Titmaringhausen

Klima In Medebach herrscht typisches Mittelgebirgsklima. Es wird durch den in der Medebacher Bucht vorherrschenden Übergangsbereich zwischen dem subatlantischen und dem subkontinentalen Klima geprägt. Kennzeichen hierfür sind feuchte, kühle Sommer und milde Winter. Die durchschnittliche jährliche Höchsttemperatur lag bei 13,8 °C, die Tiefsttemperatur im Jahresmittel bei 5,4 °C. In der Medebacher Bucht betrug 1989 das Jahresmittel der Temperatur 7,5 °C mit Monatsmitteltemperaturen in den Monaten Juli und August von 15 und 16 °C. Die Jahresniederschlagsmenge erreichte im Durchschnitt einen Wert von 789,8 Millimeter pro Jahr im Messwertzeitraum 1961 bis 1990. Die Monatsdaten können dem Klimadiagramm entnommen werden.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Über die Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes ist fast nichts bekannt. Prähistorische Funde bei Ausgrabungen durch Wilhelm Halberschmidt erbrachten Hinweise auf eine regelmäßige Besiedlung des Medebacher Raums erst für die jüngere Eisenzeit (ab etwa 420 v. Chr.). Aus dieser Zeit stammt ein Ringwall bei Medebach., der so genannte Burgring. Weitere Funde stammen aus der Zeit um Christi Geburt. Zur Römerzeit wohnten in der Gegend, nachweisbar im Quellgebiet der Diemel, die Chatten. Nur wenige Funde gibt es aus der folgenden Zeit bis zu den Ottonen. Seit dem späten 8. Jahrhundert sind sächsische Einwohner im heutigen Stadtgebiet nachweisbar. Insgesamt war die Besiedlung bis ins hohe Mittelalter nur dünn.Heinrich Rüther: Heimatgeschichte des Kreises Brilon. Münster, 1956 S. 26–31.Grosche, Medebach, S. 9f.

Mittelalter mini|Sankt-Andreas-Kapelle, Medebach mini|Kloster Glindfeld

Das Gebiet um Medebach wurde nach der Unterwerfung der Sachsen in die Mission aus dem Erzbistum Köln einbezogen. Das an der Heidenstraße gelegene Medebach entwickelte sich zu einer Urpfarrei und galt anfangs als der am weitesten nach Osten vorgeschobene Posten des Kölner Erzbischofs.Clemens Müller: Die kommunale Entwicklung der Stadt Medebach, S. 7.Albert Hömberg: Kirchliche und weltliche Landesorganisation (Pfarrsystem und Gerichtsverfassung) in den Urpfarrgebieten des südlichen Westfalen, Münster 1967, S. 1–7.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Medebach im Jahr 1144 durch den Kölner Erzbischof Arnold I.Lateinischer Urkundentext abgedruckt in: Johann Suibert Seibertz: Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogtums Westfalen. Zweiter Band: Urkunden von 799 bis 1800. Erster Band 799–1300. Arnsberg 1839, Nr. 46, S. 60f. (Digitalisat). Er berichtete, dass er den Ort besucht habe, um eine Kirche zu weihen. Medebach sei zwar als eine Villa (also eine ländliche Siedlung) bekannt, aber eigentlich müsse man sie als eine ansehnliche Stadt (honestum oppidum) bezeichnen, die mit einem öffentlichen Markt unter Königsbann ausgezeichnet sei. Er berichtete ferner, dass die Gegend um Medebach ursprünglich, das heißt nach der fränkischen Eroberung, zum Tafelgut der Kölner Bischöfe gehört habe. Später seien einige Ritter damit belehnt worden, die aber die Handelstätigkeiten gestört hätten. Zweck der Urkunde war die Bestätigung alter Rechte.Johann Suibert Seibertz: Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogtums Westfalen. Dritter Teil: Die Zeiten der Blüte und Kraft des deutschen Reiches. 2. (912–1272), S. 173. Es sollten die gleichen Marktgesetze gelten wie in Soest. Im Jahr 1165 bestätigte und erweiterte Erzbischof Rainald von Dassel die Stadtrechte.abgedruckt in: Johann Suibert Seibertz: Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogtums Westfalen. Zweiter Band: Urkunden von 799 bis 1800. Erster Band 799–1300. Arnsberg 1839, Nr. 55, S. 73 (Digitalisat). In derselben Urkunde werden Handelsbeziehungen mit Datia vel Rucia (Dänemark beziehungsweise Russland) erwähnt. Da die Echtheit dieser beiden Urkunden umstritten ist, kann man die Siedlung um diese Zeit noch nicht zweifelsfrei als Stadt bezeichnen.Haase, S. 25 f. Der Prozess der Stadtwerdung zog sich noch über Jahrzehnte bis etwa 1220 hin.

Die Entwicklung von Medebach wurde im Jahr 1179 vorübergehend unterbrochen, als der Ort in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Erzbischof Philipp von Heinsberg und Herzog Heinrich dem Löwen um die Vorherrschaft in Westfalen geriet. Am 28. Oktober 1179 nahmen Bernhard von der Lippe und Widukind von Rheda, beide Anhänger Heinrichs des Löwen, den Ort ein und zerstörten ihn völlig.Clemens Müller: Die kommunale Entwicklung der Stadt Medebach, S. 9.

Für die Existenz eines Fernhandels sprechen die Erwähnung eines Gottfried von Medebach in Lübeck (1183), eines Johan de Medebeke in Dorpat (1340) und eines Henricus de Medebeke in Reval (1347). Erzbischof Engelbert von Köln schenkte der Propstei Küstelberg im Jahr 1220 das Patronatsrecht über die städtische Pfarrkirche. Außerdem übertrug er der Stadt das Soester Stadtrecht, wie es Brilon und Rüthen bereits besaßen. Vermutlich bestand schon 1144 eine Münzstätte am Ort, da in der Urkunde ein monetarius erwähnt wird. Urkundlich nachweisbar ist sie im Jahr 1293, als der westfälische Marschall Johann I. von Plettenberg die Münze an die Stadt verkaufte.Grosche, S. 11–13.Walter Hävernick: Der Kölner Pfennig im 12. und 13. Jahrhundert: Periode der territorialen Pfennigmünze. Georg Olms Verlag, 1984, S. 71 (books.google.com).

Das Stadtgebiet wurde um das Jahr 1303 erweitert und besser befestigt. 1323 verlieh der Erzbischof das privilegium de non evocando. Dadurch durfte kein Medebacher Bürger mehr vor ein auswärtiges Gericht geladen werden. Zehn Jahre später wurde das aus dem Gogerichtsbezirk Medebach entstandene Amt Medebach erstmals erwähnt.Clemens Müller: Die kommunale Entwicklung der Stadt Medebach, S. 8. Die Städte Medebach, Schmallenberg, Winterberg und Hallenberg verbündeten sich mehrfach, zuletzt im Jahr 1370, zum gemeinschaftlichen Schutz bei äußerer Bedrohung und zur Durchsetzung des Landfriedens. 1450 erhielt Medebach als Ersatz für seine in der Soester Fehde erlittenen Schäden das Recht zur Erhebung von Steuern (Akzise) auf Bier und Branntwein, die auf Karren und Wagen durch das Stadtgebiet gefahren wurden.Grosche, S. 14 f. Gehandelt wurde in der Hansezeit mit Pottasche, Textil- und Lederwaren. Große Bedeutung hatten die Schafzucht und die Wollweberei.Grosche, S. 7 f.

Besonders intensive Beziehungen in religiöser, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht bestanden schon sehr früh zum nahegelegenen Kloster Glindfeld. Das Kloster Bredelar besaß schon 1373 in Medebach eine Hofstätte an der heutigen Hinterstraße 4, den sogenannten Mönchshof. Er blieb bis zur Auflösung des Klosters im 19. Jahrhundert in Bredelarer Besitz. Es gibt Vermutungen, dass an dieser Stelle bereits im 12. Jahrhundert erzbischöfliche Vögte ihren Amtshof hatten.

Frühe Neuzeit mini|Raum Medebach 1645 mini|hochkant=1.2|Katasterblatt Medebach von 1830