Otto Rehhagel (* 9. August 1938 in Essen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballtrainer und -spieler. Er gehört zu den erfolgreichsten Trainern des deutschen Fußballs.

Als Spieler begann er in seiner Heimatstadt bei den Vereinen TuS Helene 1928 Essen und Rot-Weiss Essen,Norbert Kuntze: Werder Bremen. Eine Karriere im kühlen Norden. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 3. Aufl. 1997, ISBN 3-89533-109-0, S. 57 und 98. bei denen er sich einen Namen als kompromissloser Verteidiger machte. Als die erste Saison der Bundesliga startete, wechselte er 1963 zu Hertha BSC und spielte danach am längsten in seiner Laufbahn beim 1. FC Kaiserslautern. Bis 1972 absolvierte Rehhagel in der Bundesliga insgesamt 201 Spiele und erzielte dabei 23 Tore.

In den 1980er und 1990er Jahren gehörte Otto Rehhagel zu den erfolgreichsten deutschen Vereinstrainern. Die Mannschaft von Werder Bremen, die Rehhagel nach einigen kurzen Stationen von 1981 bis 1995 zum zweiten Mal trainierte, wurde 1988 und 1993 Deutscher Meister, viermal Vizemeister, gewann den DFB-Pokal 1991 und 1994 sowie den Europapokal der Pokalsieger 1992. Beim FC Bayern München war Rehhagel während der Saison 1995/96 angestellt. Er führte die Bayern in die Endspiele des UEFA-Pokals gegen Girondins Bordeaux, wurde aber wenige Tage vor dem ersten Finale wegen Erfolglosigkeit in der Meisterschaft freigestellt; unter seinem Nachfolger Franz Beckenbauer wurden beide Finalspiele und damit der UEFA-Pokal gewonnen.

Der anschließend von Rehhagel trainierte Zweitligist 1. FC Kaiserslautern stieg unter seiner Leitung nach einem Jahr wieder in die Bundesliga auf und gewann 1998 als bislang einziger Aufsteiger umgehend die Meisterschaft.

Im Sommer 2001 übernahm Rehhagel mit der griechischen Nationalmannschaft zum ersten und einzigen mal eine Länderauswahl. Nachdem das Erreichen der Endrunde der Europameisterschaft 2004 schon als Erfolg gewertet worden war, gelang dort Rehhagels Mannschaft mit dem Titelgewinn eine der größten Überraschungen der europäischen Fußballgeschichte. Nach der Weltmeisterschaft 2010 und 106 Spielen legte er sein Amt als Nationaltrainer nieder.

Im Februar 2012 kehrte Rehhagel in die Bundesliga zurück. Bei Hertha BSC wurde er engagiert, um den Verein vor dem Abstieg zu bewahren. Die Hertha stieg nach Relegationsspielen gegen Fortuna Düsseldorf, deren endgültiger Ausgang vor dem DFB-Sportgericht verhandelt wurde, im Mai 2012 ab.Christian Paul: Bundesliga-Relegation: Fan-Chaos überschattet Düsseldorfer Aufstieg. Spiegel Online, 16. Mai 2012. Rehhagel führt mit insgesamt 832 betreuten Spielen in über 24 Jahren (1974 bis 2000; 2012) die Rangliste der Bundesliga-Trainereinsätze mit großem Abstand vor Jupp Heynckes an.Kicker vom 18. Dezember 2008, S. 24 Auch nach Punkten ist er mit insgesamt 1.382 der erfolgreichste Trainer der Bundesliga-Geschichte.

Rehhagel suchte als Trainer meist die Nähe zu den Spielern, wobei er auch besonderen Wert auf deren menschliche Reife legte und deshalb gerne erfahrene Spieler einsetzte. Er stellte sich in schwierigen Zeiten stets vor seine Mannschaft. Unter Sportjournalisten galt er als überheblich und arrogant, da er ihnen oft mangelndes Fachwissen unterstellte. Kritikern seiner häufig als altmodisch empfundenen Taktik entgegnete er: „Modern spielt, wer gewinnt.“

Kindheit und Jugend mini|hochkant|Die Zeche Helene war Rehhagels erste Arbeitsstelle, der zugehörige Betriebssportverein TuS Helene 28 seine erste Station als Fußballspieler. Otto Rehhagel wuchs im Essener Stadtteil Altenessen auf, er war das zweitjüngste von vier Kindern. Sein Vater war Bergmann und arbeitete in der unweit der Rehhagel’schen Wohnung in der Rahmstraße 113 gelegenen Zeche Helene. Otto Rehhagels frühe Kindheit war geprägt von den Kriegsjahren, die Ruhrgebietsmetropole Essen war von Anfang März 1943 an bis kurz vor Kriegsende Ziel zahlreicher Bombenangriffe.Norbert Kuntze: Werder Bremen. Eine Karriere im kühlen Norden. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 3. Aufl. 1997, S. 96. Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war der Tod des erst 39-jährigen Vaters im Februar 1950. Die Familie lebte nun in einfachsten Verhältnissen von der Rente der Mutter, bis Otto Rehhagel nach Abschluss der Volksschule von 1954 bis 1957 eine Lehre als Maler und Anstreicher in einem Kleinbetrieb absolvierte und nach deren Abschluss an der Zeche Helene eine Anstellung in diesem Beruf fand.Alle Angaben in diesem Abschnitt nach Kuntze, Rehhagel, S. 12 ff.

Spielerkarriere TuS Helene und Rot-Weiss Essen, bis 1963 Im Alter von zehn Jahren war Otto Rehhagel in den Betriebssportverein der Zeche Vereinigte Helene & Amalie, TuS Helene 28, eingetreten. Im Sommer 1957 wechselte er in die erste Mannschaft des Vereins über. Vom Trainer wurde er, der in den Jugendmannschaften stets als Mittelstürmer gespielt hatte, in die Abwehr beordert. TuS Helene spielte in der Landesliga Niederrhein, der seinerzeit vierten Spielstufe. Zu Heimspielen fanden sich fast immer rund 1000 Zuschauer auf dem Vereinsgelände an der Bäuminghausstraße ein, Derbys gegen den Lokalrivalen BV Altenessen 06 sahen mitunter bis zu 8000 Besucher. Einen ersten sportlichen Höhepunkt erlebte Rehhagel im Februar 1959, als der Meidericher SV zum DFB-Pokalspiel zu Gast war. Durch seine Leistungen gelang es Rehhagel, auf sich aufmerksam zu machen: Georg Gawliczek, Trainer der Amateurnationalmannschaft, entdeckte das Talent des mittlerweile 21-Jährigen und berief ihn im April 1960 in die Auswahl zum Olympia-Qualifikationsspiel in Warschau gegen Polen. Gawliczek war mit dem Debütanten bei der 1:3-Niederlage zufrieden und setzte ihn auch in den beiden darauf folgenden Begegnungen gegen eine süddeutsche Auswahl in Karlsruhe sowie in einem weiteren Qualifikationsspiel in Finnland, die ebenfalls verloren gingen, ein. Zu weiteren Auswahlberufungen kam es danach nicht mehr. Im Februar 1961 nahm Rehhagel an einem von Bundestrainer Sepp Herberger geleiteten Lehrgang für Nachwuchsspieler in Duisburg-Wedau teil und im Sommer des Jahres lud ihn der damalige Chef des Westdeutschen Fußballverbands Dettmar Cramer zu einer vierwöchigen Japanreise der West-Auswahlmannschaft ein.

Einer der beiden großen Essener Fußballvereine war inzwischen auf den talentierten und ehrgeizigen Verteidiger aufmerksam geworden und Vereinspatron Georg Melches verpflichtete ihn schließlich im Sommer 1960 für Rot-Weiss Essen (RWE).Norbert Kuntze: Werder Bremen. Eine Karriere im kühlen Norden. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 3. Aufl. 1997, S. 98. Als Oberliga-Vertragsspieler erhielt Rehhagel monatlich 150 DM „Entschädigung“ (entspräche heute inflationsbereinigt ca.  Euro), dazu eine gut bezahlte Anstellung im Coca-Cola-Werk Essen und als Dreingabe einen VW Käfer. RWE, Überraschungsmeister des Jahres 1955 (Anmerkung: Es gab noch keine Fußball-Bundesliga, diese wurde erst 1963 gegründet), befand sich zu dieser Zeit sportlich im Niedergang. Der große Held von RWE, Helmut Rahn, hatte den Verein inzwischen verlassen, Spieler wie Torwart Fritz Herkenrath, Stopper Heinz Wewers und Halbstürmer Franz Islacker hatten ihren fußballerischen Zenit längst überschritten, als der junge Otto Rehhagel erstmals das rot-weiße Trikot überstreifte. Unter Trainer Willi Multhaup – dem späteren Bremer Meistertrainer – konnte RWE die Klasse nicht mehr halten und stieg in die 2. Liga West ab.

Rehhagel hatte sich bei Rot-Weiss Essen von Beginn an als Stammspieler etablieren können und alle 30 Oberligaspiele der Spielzeit 1960/61 bestritten. Auch in den Zweitligarunden 1961/62 und 1962/63 versäumte der harte Verteidiger kein einziges Ligaspiel. Es zeichnete sich aber schon frühzeitig ab, dass der Mannschaft die sofortige Rückkehr in die Oberliga nicht gelingen würde und für RWE damit eine Qualifikation für die ab 1963 neue höchste deutsche Spielklasse, die Bundesliga, nicht mehr möglich war. Damit war klar, dass Rehhagel seine Heimatstadt verlassen würde, seinem Jugendfreund und Mitspieler Karl Mittler hatte er schon früher anvertraut:

Hertha BSC, 1963 bis 1966 Zum Bundesligastart unterschrieb Otto Rehhagel im Juni 1963 einen Vertrag bei Hertha BSC, RW Essen erhielt 10.000 DM (inflationsbereinigt ca.  Euro) Ablöse für den Verteidiger. Als Lizenzspieler verdiente Rehhagel nun 500 DM (ca.  Euro) zuzüglich Prämien, maximal 1.200 DM (ca.  Euro) im Monat. Er schilderte diesen Schritt später so:

Er stand am Debüttag, dem 24. August 1963, im Berliner Olympiastadion vor 60.000 Zuschauern beim 1:1-Remis gegen den 1. FC Nürnberg als rechter Verteidiger auf dem Feld. Rehhagel („großartig im Tackling, sicher im Abschlag“) zählte laut Kicker zu den stärksten Spielern in einer insgesamt enttäuschenden Hertha-Elf.Kicker 34/1963 vom 26. August 1963, S. 6 und 16 Er kam in seinem ersten Jahr, 1963/64, für die Hertha auf 23 Einsätze. Dabei wurde er vom DFB Anfang Dezember im Nachgang zu einer Auseinandersetzung mit Günter Karnhof beim Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 am 16. November 1963, bei dem Schiedsrichter Günter Sparing den Gelsenkirchener des Feldes verwiesen hatte, für sein Verhalten mit einer einmonatigen Sperre bis Mitte Dezember belegt (Karnhof wurde für zwei Monate gesperrt).Süddeutsche Zeitung (ohne Titel), 4. Dezember 1963, S. 36. In der zweiten Bundesligaspielzeit absolvierte er gemeinsam mit seinem Verteidigerkollegen Hans Eder alle 30 Ligaspiele. Am Ende der Saison 1964/65 wurde der Verein – die Mannschaft hatte gerade noch den Klassenerhalt geschafft – vom DFB zum Zwangsabstieg verurteilt. An einige Spieler, darunter Nationaltorhüter Wolfgang Fahrian, Jürgen Sundermann und Willibert Kremer waren unerlaubt hohe „Handgelder“ geflossen, um sie zu einem Wechsel an die Spree zu bewegen.Zu den Gründen für den Zwangsabstieg siehe zum Beispiel: Bundesliga.de, 21. Januar 2009. In der Berliner „Stadtliga“ wurde Hertha BSC 1965/66 mit 58:2 Punkten überlegen Meister, scheiterte später in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga an Fortuna Düsseldorf und dem FK Pirmasens. Rehhagel hatte in seiner letzten Spielzeit für die Berliner 25 Ligaspiele (3 Tore) absolviert, hinzu kamen vier Einsätze in der Aufstiegsrunde. Ein weiteres Jahr wollte er nicht in der Zweitklassigkeit spielen, daher nahm er ein Angebot des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern an.

1. FC Kaiserslautern, 1966 bis 1972 Der 1. FC Kaiserslautern hatte in den ersten drei Bundesligajahren lediglich hintere Tabellenplätze belegt: 1965 hatte man sich erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg retten können und auch im Jahr darauf lief es unter dem ungarischen Trainer Gyula Lóránt nicht viel besser am Betzenberg; am Ende stand der FCK auf dem 15. Tabellenplatz. Der Mannschaft haftete darüber hinaus seit dem „Karten-Spiel“ bei Bayern München – drei Lauterer waren dort des Feldes verwiesen worden – das Image der „bösen Buben vom Betzenberg“ und „Klopper der Liga“ an.Günter Rohrbacher-List: Im Herzen der Pfalz. Die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-583-9, S. 75