Nachrodt-Wiblingwerde ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie liegt im Sauerland und gehört zum Märkischen Kreis. Weite Flächen auf den Höhen des Lennegebirges und das enge Tal der Lenne prägen das Gemeindegebiet. Im frühen 19. Jahrhundert begannen sich im derzeitigen Gemeindegebiet metallverarbeitende Betriebe anzusiedeln. Mittelständische Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung sind auch heute noch ansässig. Die Gemeinde entstand 1907 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Kelleramt (seither Nachrodt genannt) und Wiblingwerde. Der Ortsteil Wiblingwerde ist staatlich anerkannter Erholungsort.Verfügung des Regierungspräsidenten Arnsberg vom 22. August 1984 – 24.62-2-1: Anerkennung des Ortsteils Wiblingwerde der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde als Erholungsort Abgerufen am 18. Februar 2019.
Geographie Lage Nachrodt-Wiblingwerde liegt im Westen des Märkischen Kreises am nordwestlichen Rand des Sauerlands. Die nächste Großstadt ist das benachbarte Hagen, das schon zum Randgebiet des Ruhrgebiets gehört. Das Gemeindegebiet ist geprägt vom engen Tal der Lenne und den weiten Flächen auf den Höhen des Lennegebirges.
Die Gemeinde entstand aus zwei sehr verschiedenen amtsangehörigen Gemeinden. Zum einen liegt Nachrodt mit einigen Ortsteilen im Tal der Lenne zwischen Altena und Iserlohn-Letmathe, während Wiblingwerde auf dem westlichen Höhenzug des Lennegebirges liegt, zwischen Nachrodt, Hohenlimburg und Lüdenscheid. Es bezeichnet sich als das „höchste Kirchdorf im Märkischen Kreis“. Im Kreisgebiet ist Nachrodt-Wiblingwerde mit 29 km² flächenmäßig die kleinste Gemeinde.
Der niedrigste Punkt im Gemeindegebiet liegt im Lennetal nördlich von Nachrodt auf . Der höchste Punkt befindet sich auf dem Lohhagen am Südrand von Wiblingwerde auf einer Höhe von .
Geologie Nachrodt-Wiblingwerde liegt am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges. Langgestreckte Höhenzüge und tief eingeschnittene Täler zeichnen die waldreiche Mittelgebirgslandschaft.
Ausdehnung des Gemeindegebietes Das Gemeindegebiet erstreckt sich rund 8 km in Nord-Süd-Richtung und rund 6 km in West-Ost-Richtung.Messung auf Topographischer Karte Von den 2903 ha (Hektar) Gemeindefläche entfallen 356 ha auf Siedlungs- und Verkehrsflächen, 1645 ha auf Wald (56,7 % der Gesamtfläche), 869 ha auf landwirtschaftliche Flächen sowie 34 ha auf Wasser- und sonstige Flächen.Kommunalprofil Nachrodt-Wiblingwerde, IT.NRW, Stand 21. September 2022 (PDF; 220 kB)
Nachbargemeinden Nachbargemeinden von Nachrodt-Wiblingwerde sind im Norden und Nordosten Iserlohn, im Osten Altena, im Südwesten Schalksmühle (alle im Märkischen Kreis) und im Westen die kreisfreie Stadt Hagen.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Nachrodt, Obstfeld-Langenstück, Obstfelder Stall-Schmalsgotte, Einsal, Helbecke-Opperhusen, Wiblingwerde und Veserde.
Im Lennetal liegen neben Nachrodt Obstfeld, Einsal und Opperhusen. Auf dem Bergrücken liegen Wiblingwerde, Veserde und Brenscheid. Daneben gibt es eine Vielzahl Höfe im Tal und auf dem Berg, unter anderem Holensiepen, Helbecke, Rennerde, Sassenscheid, Eilerde, Totenhelle, Deierte, Veserde, Wörden, Hallenscheid, Brenscheid, Brenscheidermühle, Hahn, Haste, Herlsen und Oevenscheid.
Klima Nachrodt-Wiblingwerde liegt in einer gemäßigten Klimazone mit ozeanisch beeinflusstem Höhenklima. Die Winter sind relativ mild und regnerisch, die Sommer feucht und frisch. Die Niederschlagsmengen liegen bei etwa 900 bis 1000 mm/Jahr. Bei Hochdruckwetter kommt es in der kalten Jahreszeit häufig zu Inversionswetterlagen und zu Strahlungsnebel in den Tälern.
Geschichte Bodenfunde belegen eine Besiedlung Wiblingwerdes im 9. Jahrhundert. Wahrscheinlich zur Zeit Karls des Großen wurden dort eine Kapelle und ein Curtis gegründet. Ein Curtis hatte in karolingischer Zeit regelmäßige Zahlungen an den königlichen Hofstaat zu dessen Versorgung zu leisten. mini|Dorfkirche St. Johannes im Ortsteil Wiblingwerde Im 13. Jahrhundert wurde die Johanneskirche, wohl als Nachfolgerin der alten Kapelle, in Wiblingwerde errichtet. Das Dorf tauchte 1316 im Abgabenverzeichnis an die Kölner Kirche, dem „liber valoris ecclesiarum Coloniensis deioeccesis“, auf. Es gehörte zum Dekanat Lüdenscheid.
Graf Engelbert II. von der Mark verlor Reichsgüter in dieser Gegend, die der König Ludwig der Bayer dem Grafen Dietrich von Kleve am 22. Mai 1317 als Lehen übertrug, darunter das „curtem dictam Web(elg)engwerde“.
Eine erste Erwähnung der Ortschaften im Lennetal stammt aus dem Jahr 1423, als der Hof Einsal genannt wurde, sowie 1510 der Hof Obstfeld.
Haus Nachrodt geht etwa auf das Jahr 1600 zurück. Die größten Höfe im 17. Jahrhundert waren das Kelleramtsgut Opperhusen (ab 1662 belegt)Rolf Dieter Kohl in „Der Märker“, Heft 2/1994, S. 46. und Helbecke zwischen Opperhusen und Einsal, das ab 1666 sicher belegt ist. Ein Vorläufer „älteres Haus Helbecke“ soll bereits 1535 bestanden haben.Rolf Dieter Kohl in „Der Märker“, Heft 2/2004, S. 73. Der Hof diente wie auch umliegende Höfe der Versorgung der Burg Altena.
In den Jahren 1663, 1690 und 1703 kam es in Wiblingwerde zu größeren Bränden. abgerufen am 25. Januar 2012. Am 29. Dezember 1709 brannte fast der ganze Ort nieder. Auch das Pfarrhaus, das Dach und die Turmspitze der Wiblingwerder Kirche wurden ein Opfer der Flammen. Daher sind aus der Zeit davor nur noch wenige schriftliche Dokumente erhalten geblieben.
mini|Eduard Schmidt Puddel- und Walzwerke in Nachrodt (um 1900, als sie bereits zur Westfälischen Union gehörten)Im frühen 19. Jahrhundert begannen sich im heutigen Gemeindegebiet metallverarbeitende Betriebe anzusiedeln, so unter anderem die Eduard Schmidt Puddel- und Walzwerke, die später zur Westfälischen Union AG gehörten. Im Jahr 1900 wurde der Bahnhof in Nachrodt eröffnet.
Durch königlichen Erlass wurde im Amt Altena am 1. April 1907 aus seinen beiden Gemeinden Kelleramt und Wiblingwerde die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde gebildet.
Im Zweiten Weltkrieg war das Gemeindegebiet vom 1. April 1945 an Teil des von den Alliierten eingeschlossenen Ruhrkessels.Willi Mues: Der große Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne. Erwitte 1984. Nachdem am 15. April die Panzer-Lehr-Division der Wehrmacht in Altena kapituliert hatte, wurde das Gebiet am selben Tag kampflos von der US-Army besetzt.Willi Mues: Der große Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne. Erwitte 1984, S. 500–501.
Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden kam es bei der kommunalen Neugliederung zwischen 1969 und 1975 zu keinen Gebietsveränderungen in Nachrodt-Wiblingwerde. Im August 1984 verlieh der Regierungspräsident in Arnsberg dem Ortsteil Wiblingwerde die Artbezeichnung Erholungsort. Schwerpunkt sind umgestaltete Bauernhöfe.
Eingemeindungen Zum 1. April 1907 wurden die ehemals selbstständigen Gemeinden Kelleramt und Wiblingwerde im Landkreis Altena aufgelöst und zur neuen nicht amtsangehörigen Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde zusammengeschlossen. Kelleramt bekam seinen neuen Namen nach Haus Nachrodt. Es folgten Teilabtretungen des Gemeindegebietes von 0,74 km² an die Stadt Altena am 23. März 1908, 4,22 km² an die Stadt Altena, 0,96 km² an die Stadt Neuenrade und 3,71 km² an die Stadt Werdohl am 1. April 1936, 8 ha an die Stadt Altena am 1. April 1937 sowie 60 ha an die Stadt Altena am 1. April 1960.
Am 1. Januar 1969 trat das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid in Kraft, welches in § 3 einige Flurstücke von Nachrodt-Wiblingwerde in die Stadt Altena eingliederte. Gleichzeitig wurde der Landkreis Altena aufgelöst und ging im Landkreis, später Kreis Lüdenscheid auf. Das Sauerland/Paderborn-Gesetz löste zum 1. Januar 1975 den Kreis Lüdenscheid auf. Er wurde mit dem Kreis Iserlohn zum heutigen Märkischen Kreis zusammengeschlossen.
Einwohnerstatistik Jahr Einwohner 1939 4.174 1950 5.725 1961 6.226 1965 6.303 1970 6.819 1975 6.720 1980 6.824 1985 6.525 1990 6.469 1995 6.964 2000 7.011 Jahr Einwohner 2005 6.890 2006 6.966 2007 6.960 2008 6.848 2009 6.790 2010 6.724 2011 6.634 2012 6.608 2018 6.573 2022 6.466
Daten bis 1961: Auf den heutigen Gebietsstand umgerechnete Werte der Volkszählungen 1939, 1950 und 1961. Quelle: LDS NRWLDS NRW: Sonderreihe zur Volkszählung 1987, Band 1.1 Übrige Daten: Landesdatenbank NRWLandesdatenbank NRW - Bevölkerungsstand nach Geschlecht - Gemeinden - StichtagLandesdatenbank NRW - Bevölkerungsstand und -bewegung (ab 1962) - Gemeinden - Jahr
Die Einwohnerentwicklung der einzelnen Ortsteile zeigt folgendes Bild: Stichtag Nachrodt Obstfeld-Langenstück Obstfelder Stall-Schmalsgotte Einsal Helbecke-Opperhusen Wiblingwerde Veserde 31.12.2008 758 1672 1046 1100 518 1536 373 31.07.2010 711 1635 1021 1068 497 1523 351 31.12.2011 775 1592 1018 996 485 1545 348 31.12.2016 776 1508 983 1005 479 1580 333
Quellen: LDS NRWLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW und Gemeinde Nachrodt-WiblingwerdeZahlen der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde, abgerufen am 18. Oktober 2018
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 38,2 % der Einwohner evangelisch, 19,2 % römisch-katholisch und 42,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022 Die Zahl der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder ist seitdem gesunken.
Im Jahr 2025 gab es 348 Kirchenaustritte; davon 244 evangelisch und 104 katholisch. Für das Jahr 2026 (Januar – März) haben bereits 125 Bürger den Kirchenaustritt erklärt.Die evangelische Trinitatis-Gemeinde gibt alle Gebäude in Nachrodt und in Wiblingwerde auf. Es soll keine Kirche und kein Gemeindehaus mehr geben. Seitdem häufen sich die Kirchenaustritte dramatisch., abgerufen am 1. April 2026
Politik mini|Altes Amtshaus
Gemeinderat Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die bei den Wahlen erzielten Sitze.
ParteiSitze 1994 1999 2004 2009 20142020 CDU 9 10 10 8 87 SPD 8 8 8 8 96 UWG1 – 4 6 5 57 Einzelbewerber–––––2 OSL2 – – – 1 –– Sonstige 4 – – – ––
1UWG: Unabhängige Wählergemeinschaft 2OSL: Offene Soziale Liste
Ergebnisse der Landtags-, Bundestags- und Europawahlen Bei den Parlamentswahlen seit 2005 erhielten die Parteien in Nachrodt-Wiblingwerde folgende Stimmenanteile: Partei Bundestagswahl 2005 Bundestagswahl 2009KDVZ – Bundestagswahl 2009 Zweitstimmen Landtagswahl 2010KDVZ – Landtagswahl 2010 Landtagswahl 2012KDVZ – Landtagswahl 2012 Bundestagswahl 2013KDVZ - Bundestagswahl 2013 Bundestagswahl 2013KDVZ - Bundestagswahl 2013 Europawahl 2014KDVZ - Europawahl 2014 Landtagswahl 2017KDVZ - Landtagswahl 2017 Europawahl 2019KDVZ - Europawahl 2019 CDU 38,6 % 36,6 % 33,4 % 25,69 % 41,71 % 37,40 % 32,76 % 32,57 % 31,23 % SPD 50,1 % 42,6 % 39,5 % 47,24 % 34,73 % 37,96 % 34,32 % 27,57 % 20,99 % FDP 3,2 % 7,2 % 6,0 % 6,78 % 3,55 % 3,15 % 12,21 % 13,20 % 7,35 % Die Grünen 2,4 % 4,4 % 9,0 % 6,35 % 5,81 % 6,46 % 3,14 % 4,59 % 16,52 % Die Linke 4,3 % 7,4 % 5,3 % --- 5,46 % 3,63 % 3,74 % 6,06 % 3,35 % Piraten 4,3 % 7,4 % 5,3 % 8,32 % 2,13 % 2,13 % 0,73 % 0,30 % 0,39 % AfD 3,69 % 5,14 % 9,17 % 11,19 % 11,28 % Sonstige 1,4 % 1,9 % 6,8 % 5,60 % 2,92 % 4,15 % 3,95 % 4,51 % 8,93 % 2010 Die Wahlbeteiligung in Nachrodt-Wiblingwerde lag bei der Landtagswahl 2010 bei 60,70 Prozent. Bei den Erststimmen landete in Nachrodt-Wiblingwerde der SPD-Kandidat Michael Scheffler auf dem ersten Platz. Scheffler gewann den Wahlkreis Märkischer Kreis I, zu dem auch die Gemeinde zählt, mit 40,6 % und löste damit den CDU-Kandidaten Thorsten Schick als Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag ab. 2012