mini|Panorama Herscheid

Herscheid (westfälisch: Hiärschge) ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Märkischen Kreis. Mit einer Einwohnerzahl von unter 10.000 und über 5.000 Einwohnern gehört sie dem Gemeindetyp „Kleine Kleinstadt“ an., abgerufen am 19. April 2015.

mini|Januar 2024

Geografie Geografische Lage mini|Campingplatz an der Stauwurzel der Oestertalsperre

Herscheid liegt in der bergigen Landschaft des Sauerlandes im südöstlichen Märkischen Kreis. Südlich der Gemeinde erhebt sich die Nordhelle, mit 663 m der höchste Berg im Ebbegebirge. Dort entspringt der Ebbebach, der an der östlichen Ortsgrenze zur Oestertalsperre aufgestaut wird. Die Verse- und Fürwiggetalsperre liegen westlich von Herscheid. Auf der Gasmert (534 m ü. NN), teilweise auf Herscheider Gemeindegebiet liegend, begrenzt die Stadt westlich. mini|Schwarze Ahe Im Nordwesten fließt die Schwarze Ahe, die in Werdohl-Altenmühle in die Verse mündet. Leicht außerhalb des Herscheider Zentrums fließt der Bruchbach, der im Naturschutzgebiet „Auf dem Roten Schlote“ entspringt, östlich vom Zentrum in die Weiße Ahe mündet und in Hüinghausen in die Else fließt. Nördlich reicht das Gemeindegebiet bis zum Sirriner Berg (460 m ü. NN) und zur Osthelle (418 m ü. NN). Der niedrigste Punkt von Herscheid liegt im Tal der Schwarzen Ahe auf einer Höhe von 250 m ü. NN.Günter Rosenbohm. In: Geographische Kommission für Westfalen (Hrsg.): Städte und Gemeinden in Westfalen: Der Märkische Kreis. Verlag Aschendorff, Münster 2005, Seite 140, ISBN 3-402-06274-7. Die Stadt liegt im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge.

Geologie Der Nordteil der Gemeindefläche liegt in der Lüdenscheider Mulde. Die Herscheider Ebbe um Herscheid stellt den nördlich zentralen Teil des Ebbegebirges dar. Die Herscheider Schichten im Ebbe-Sattel gehören ins OrdoviziumHeimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Lutz Koch: Die ältesten Fossilien Westfalens, S. 26 in Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde, Zimmermann Druck, Altena 1998 und bestehen aus schwarzen Bänderschiefern und Sandsteinen des Mittelordovizium bzw. Unterordovizium.Geodienst.de: Olaf Otto Dillmann: Geologie des Sauerlandes, Erdgeschichtlicher Überblick (PDF), abgerufen am 21. Februar 2016. In den Gesteinsschichten bei Kiesbert wurden diverse Fossilien gefunden.

Ausdehnung des Gemeindegebietes und Flächennutzung mini|Landwehr am Welliner Höhenweg

Die längste Nord-Süd-Ausdehnung des Gemeindegebietes beträgt 9,6 km, die längste West-Ost-Ausdehnung 9,4 km. Nördlichste Ortschaft ist Wiesenfeld, die südlichste Ortschaft Hervel. Stottmert, nahe dem südlichen Zipfel der auf Lüdenscheider Stadtgebiet liegenden Versetalsperre, ist die westlichste Ortschaft in Herscheid, Hüinghausen die östlichste. Die Gemeindegrenze zwischen Herscheid und Plettenberg verläuft heute noch in Höhe der Landwehr zwischen Wellin und Welliner Baum.Hans Röcken: Bodendenkmäler in der Gemeinde Herscheid. In: Heimatbund Märkischer Kreis e. V. (Hrsg.): Herscheid. Altena, S. 18–25.

Waldflächen nehmen mit 58,3 Prozent den größten Teil des Gemeindegebietes ein, gefolgt von landwirtschaftlichen Flächen mit 32,4 Prozent. 8,4 Prozent sind Siedlungen und Verkehrsflächen, 0,9 Prozent sonstige Flächen., abgerufen am 19. November 2015. Herscheid hat mit 124 Einwohnern je Quadratkilometer die geringste Siedlungsdichte im Märkischen Kreis.Herscheid.de: Gemeindeportrait, abgerufen am 4. Dezember 2015.

Nachbarstädte Nachbarstädte von Herscheid sind Werdohl (im Norden), Plettenberg (im Osten), Attendorn (im Südosten), Meinerzhagen (im Süden) und Lüdenscheid (im Westen). Mit Ausnahme der Stadt Attendorn, die bereits im Kreis Olpe liegt, gehören die übrigen Nachbarstädte zum Märkischen Kreis.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet ist nicht in Ortsteile gegliedert.Hauptsatzung der Gemeinde Herscheid, Stand 1. Oktober 2015 (PDF), abgerufen am 15. November 2015. Zur Gemeinde Herscheid gehören die Siedlungen Ahemühle, Alfrin, Am Berge, Am Bergei, Am Spielberg, Am Stünnebrink, Auf den Erlen, Becke, Berghagen, Beul, Birkenhof, Blumenthal, Breitenfeld, Brenscheid, Brink, Bruch, Bubbecke, Bulmecke, Danklin, Daum, Dürhölten, Ebbefeld, Ebbemühle, Eichholz, Elsen, Emmeszaun, Friedlin, Friedrichsthal, Gasmert, Germelin, Gern, Grauensiepen, Grünenthal, Grünewald, Habbel, Hahn, Hämmchen, Hardt, Hardtnocken, Haus Habbel, Haushagen, Heide, Heimenthal, Herscheider Mühle, Hervel, Hesberg, Heusprenkel, Hochstein, Höh, Höher Mühle, Höher Schule, Hohl, Höllmecke, Hüinghausen, Im Ebbe, In den Erlen, In der Höh, In der Schlade, Jägerhof, Kalthof, Katerlöh, Kiesbert, Kleefeld, Klingelschlade, Kuhlen, Kuhlenkamp, Langebecke, Lingenbecke, Lütgenbruch, Marlin, Müggenbruch, Neue Wermecke, Neuemühle, Neuenhaus, Nieder-Holte, Nieder-Mesten, Nordhelle, Ober-Holte, Ober-Mesten, Ober-Stuberg, Piene, Pütt, Rammsiepen, Rärin, Reblin, Recäs, Rohland, Rosenthal, Rüendanz, Schirtenbecke, Schlade, Schleifkotten, Schlucht, Schluchtsiepen, Schönebecke, Schöttlerei, Schreiberei, Schwarze Ahe, Siepen, Sirrin, Sohl, Sonnenhohl, Sterl, Stöpplin, Stottmert, Stucken, Stünnebrink, Umweg, Verse, Vogelsang, Vohr, Von der Heide, Vor der Höh, Vorm Hervel, Voßhelle, Waldmin, Warbollen, Wäsche, Weiße Ahe, Weißenstein, Wellin, Wermecke, Wiebruch, Wiesenfeld, Wiesenkämpfen, Wiesenthal und Wigginghausen.Wir-sind-herscheid: Ortsteile, abgerufen am 10. Mai 2015. mini|hochkant=4|zentriert|Herscheid Panoramabild

Klima Das Herscheider Klima ist atlantisch geprägt. Verantwortlich dafür sind die vorherrschenden westlichen Winde. Charakteristisch sind die verhältnismäßig großen Niederschlagsmengen und die für die Höhenlage gemäßigten Temperaturen. Der Juli ist mit durchschnittlich rund 15,6 °C der wärmste und der Januar mit −0,4 °C der kälteste Monat. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 7,7 °C. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen bei 997 l/m².Climate-data.org: Klima Herscheid, abgerufen am 19. November 2015.

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit 1072 übereignete der Kölner Erzbischof Kirche und Ort dem neu gegründeten Kloster Grafschaft.Gemeinde Herscheid: Geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Herscheid, abgerufen am 21. Februar 2016 Der Ort gehörte später zur Grafschaft Mark. Ungewöhnlich ist, dass die Grafen bereits vor dem 15. Jahrhundert das Jagdrecht in der Herscheider Mark verliehen. Der Hintergrund soll gewesen sein, dass die Bauern geholfen hatten, den im Ebbegebirge gefangenen Grafen Engelbert III. zu befreien.Lothar Speier: Jagd und Jagdrecht. Einst und heute. Geschichte der Jagd. In: Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. Altena 1998, S. 156. Weitere Privilegien waren ein eigenes Richteramt, Holz- und Fischereirechte. Der Ort war im Spätmittelalter Sitz eines Freigerichtes. Erste Berichte setzen 1386/1387 ein. Die Quellenbelege enden 1499/1512. Zumindest in einem Fall war das Gericht mit einem überregional bedeutsamen Verfahren befasst. Insgesamt war die Zahl der Fälle im Vergleich mit anderen Gerichten niedrig.Eberhard Fricke: Der Freistuhl in Herscheid. Auf dem Hohl könnte er gewesen sein. In: Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. Altena 1998, S. 43. Im Dreißigjährigen Krieg und bei zwei großen Dorfbränden, 1686 und 1862, wurde die ältere Bausubstanz weitgehend vernichtet.Geschichts- und Heimatvereins Herscheid e. V.: Herscheid. Abgerufen am 15. April 2015. Teilweise verschont blieb lediglich die massive heutige Apostelkirche. Der Wiederaufbau nach 1862 erfolgte überwiegend in Massivbauweise.

Montangeschichte mini|Grube Glückshoffnung 1908 (Schwefelkies und Schwerspat) am Grubenlehrpfad

Neben der Landwirtschaft in den zahlreichen Weilern hatten im Gemeindegebiet die Erzgewinnung und Metallverarbeitung von jeher Bedeutung. Davon zeugen etwa am Silberg (Altes Wasserwort, Sil - feucht/sumpfig, - berg ) alte Bergbaustollen. Am Silberg reicht die schriftliche Überlieferung des Bergbaus bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert wurde der Betrieb sehr eingeschränkt fortgeführt. Im 19. Jahrhundert wurden zwar neue Gruben abgeteuft, aber diese wurden bald wieder aufgegeben. Die letzte Betriebsperiode war zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Abgebaute Mineralien am Silberg waren Kupfer, Blei, Schwefelkies und Baryt. Daneben gab es zahlreiche weitere Gruben und Bergwerke. Insgesamt war die Fördermenge im Raum Herscheid begrenzt. An den Bergbau erinnert seit Ende der 1970er Jahre ein Lehrpfad.Willi Binczyk: Bergbau in Herscheid. In: Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. Altena 1998, S. 32–35.

Das Ahe- und Elsetal waren traditionellen Gewerbestandorte in der Nachfolge vor- und frühindustrieller Produktionsstätten wie des Ahe-Hammers. Es existierten in der näheren Umgebung zahlreiche Rennfeuerhütten, seit dem 13. Jahrhundert leistungsfähigere Eisenschmieden und später ab dem 15. Jahrhundert auch wasserkraftgetriebene Anlagen zur Eisenerzeugung und -verarbeitung. Betrieben wurden die Anlagen von meist Reidemeister genannten Unternehmern. Insbesondere die Osemundschmieden, d. h. das Frischen des Roheisens zur Herstellung schmiedbaren Materials, waren von Bedeutung. Anfangs waren die Anlagen noch mit der Verhüttung verbunden, später wurde das Eisen meist aus dem Siegerland und im geringeren Maß auch aus dem Herzogtum Westfalen bezogen.Hans Ludwig Knau, Manfred Sönnecken: Herscheid und der frühe Osemund. In: Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. Altena 1998, S. 53–64.Hermann Alberts: Vom Rennfeuer bis zur Lasertechnik. Geschichte, Entwicklung und Stand der Herscheider Industrie. In: Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. Altena 1998, S. 191.

19. und 20. Jahrhundert Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Herscheid wurde in der Franzosenzeit im Kanton Neuenrade des Großherzogtums Berg die Mairie (Bürgermeisterei) Ebbe eingerichtet. Nachdem das Gebiet der früheren Grafschaft Mark 1815 wieder an Preußen gefallen war, bestand die Mairie Ebbe als preußische Bürgermeisterei Ebbe im 1817 wiedergegründeten Kreis Altena fort. Für die Bürgermeisterei Ebbe setzte sich in den 1830er Jahren der Name Bürgermeisterei Herscheid durch.Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg, 1841 Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurde 1843 aus der Bürgermeisterei Herscheid das Amt Herscheid gebildet, dessen einzige Gemeinde die Gemeinde Herscheid war.

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden in Herscheid acht bis zehn traditionelle eisenverarbeitende Werke. Die Betriebe benötigten nur wenige Arbeitskräfte. Indirekte Verdienstmöglichkeiten bestanden aber durch die Herstellung von Holzkohle oder den Transport von Rohstoffen und den Export der Waren oft bis in das bergische Land. Mit dem Aufkommen der mit Steinkohle betriebenen Puddelwerke etwa seit den 1830er Jahren verschwanden die Osemundschmieden. Dies führte in Zusammenhang mit schlechten landwirtschaftlichen Verhältnissen in den 1840er Jahren zu einer wirtschaftlichen Krise, die schließlich durch die Konzentration auf die Landwirtschaft und die Ansiedlung einiger neuer gewerblicher Betriebe überwunden werden konnte.Herbert Schulte: Herscheid im vorigen Jahrhundert. In: Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.): Herscheid. Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. Altena 1998, S. 84f.