In der Schweiz besitzen drei Netzbetreiber die Konzession für den Betrieb eines Mobilfunknetzes. Sie zählen insgesamt rund 11,2 Mio. Mobilfunkanschlüsse (Ende 2018) und versorgen die Schweiz nahezu flächendeckend mit 3G/UMTS (> 99 % Bevölkerungsabdeckung) und 4G/LTE (Abdeckung bei allen drei Anbietern jeweils mind. 97 %). Ab 2019 wurde 5G in Betrieb genommen.
Mobilfunkbetreiber in der Schweiz Die drei Telekommunikationsunternehmen Swisscom, Sunrise und Salt Mobile bieten landesweite und internationale Produkte für Privat- und Geschäftskunden an.
Geschichte der Mobilfunknetze in der Schweiz mini|Zeitzeugen erzählen zur Geschichte des NATEL (Schweizerdeutsch, mit deutschen Untertiteln) Die ersten Telefonnetze über Funkwellen entstanden 1930. Anfang Oktober 1930 wurde die Hütte Piz Sol des SAC versuchsweise durch die USKA mit einer Kurzwellenfunkanlage ausgerüstet, um eine Verbindung nach Ragaz herzustellen. Zuerst wurde mit Morsetelegraphie gearbeitet. Ab Dezember 1930 mit Telefonie. 1939 wurden Hütten der SAC mit Hüttentelefonen ausgerüstet. Gesendet wurde im Frequenzbereich zwischen 40 und 70 MHz mit einem Sender mit 10 Watt Ausgangsleistung.Geschichte der drahtlosen alpinen Hütten-Telefonie, drahtlose PTT-Telefone, PTT-Autoruf, Eurosignal Sender und Empfänger waren bereits getrennt. Somit konnte Gegensprechen realisiert werden.
Die Geschichte der Mobilfunknetze in der Schweiz startete am 9. Juni 1949. An diesem Tag nahm das Zürcher Transportunternehmen Welti-Furrer die erste Schweizer Radiovox-Anlage in Betrieb. Fahrzeuge, die mit Funkgeräten ausgerüstet waren, konnten via das Telefonnetz erreicht werden. Drei Jahre später wurde die Vermittlung zwischen Telefonteilnehmern und Fahrzeugen von Handvermittlung auf vollautomatischen Betrieb umgestellt. Neben den Taxiunternehmen nutzten auch die Zürcher Industriebetriebe und weitere Transportbetriebe das Telefonsystem. Die Reichweite betrug zirka 25 Kilometer von der zentralen Funkstelle in Zürich. Von einem nationalen Netz konnte nicht geredet werden. Bis 1975 entstanden 62 weitere isolierte Mobiltelefonsysteme. Insgesamt hatten diese Netze 1300 Teilnehmer.Museum für Kommunikation, Bern: NATEL – mobiles Telefonieren in der SchweizKurt Stadelmann: Telemagie, Museum für Kommunikation Bern, Chronos Verlag, 2002, Seite 173
1978 nahm die damalige PTT das analoge Natel A-Netz in Betrieb. 1983 folgte das NATEL B-Netz und 1987 das NATEL C-Netz. Radio DRS.ch abgerufen am 16. Oktober 2010 Als erster Mobilfunkbetreiber der Schweiz nahm im März 1993 Swiss Telecom ihr digitales Natel-D-Netz in Betrieb. Fünfeinhalb Jahre lang war es das einzige Mobilnetz der Schweiz; im Vergleich zu anderen Ländern gab es erst sehr spät eine Konzessionsvergabe an weitere Anbieter. 1997 wurde der Name des Mutterkonzerns in «Swisscom» geändert; die Mobilfunksparte erhielt als eigenständige Tochterfirma den Namen «Swisscom Mobile». Seit der Fusion der Tochterfirmen mit dem Mutterkonzern zur neuen «Swisscom (Schweiz) AG» Anfang 2008 tritt die Firma einheitlich als Swisscom im Schweizer Markt auf.
Im Dezember 1998 trat diAx als zweiter Mobilfunkanbieter mit günstigen Preisen und innovativen Produkten in den Schweizer Markt ein. Der Konkurrenzkampf um Kunden führte zu einem ersten grösseren Preisrutsch. Anfänglich war das Netz jedoch nur entlang von Autobahnen und in städtischen Gebieten vorhanden. Durch den kontinuierlichen Ausbau des Netzes auch in ländlichen Regionen erreichte diAx bald eine bessere Abdeckung, vor allem auch dadurch, dass das SBB-Netz als Backbone genutzt werden konnte. Nach der Fusion mit der damals nur im Festnetz tätigen «sunrise» Ende 2000 einigte man sich auf den neuen Markennamen sunrise, der offizielle Name des Unternehmens lautete (aufgrund der Beteiligung des dänischen Mutterhauses TDC A/S) «TDC Switzerland AG». Infolge der Besitzverhältnisänderung lautete der Name des Unternehmens ab 4. Oktober 2007 «Sunrise Communications AG», der Markenname Sunrise wird neu gross geschrieben.
Ein halbes Jahr später, im Juni 1999, startete Orange mit einer grossen Werbekampagne mit seinem Netz. Dieses deckte zu Beginn jedoch nur städtische Gebiete ab; in weiten Landesteilen war das Netz noch nicht ausgebaut. Dank dem nationalen Roaming mit Swisscom hatte Orange im Gegensatz zu Sunrise Communications von Beginn weg auch in Randregionen eine akzeptable Abdeckung. Im Juli 2003 schaffte Orange den Schritt in die Unabhängigkeit und beendete das nationale Roaming nach über vier Jahren.
Am 18. Dezember 2003 erhielten zwei neue Mobilfunkanbieter, Tele2 und In&Phone, je eine Konzession für den Betrieb eines GSM-Mobilfunknetzes. Beide Telekommunikationsunternehmen nahmen im Juni 2005 ihre Netze im 1800-MHz-Band in Betrieb. Tele2 konzentrierte sich mit seinem «City-Netz» anfänglich auf die Stadt Zürich. Während den darauf folgenden Jahren wurde das Mobilnetz jedoch auf weitere Städte und Agglomerationen ausgedehnt; Mitte 2008 war rund die Hälfte der Bevölkerung versorgt. In&Phone konzentrierte sich hingegen ausschliesslich auf Geschäftskunden und bot Lösungen in Form eines lokalen Campus-Netzes für die Innen- und Aussenversorgung von Firmen(-geländen).
Am 29. September 2008 gab Sunrise Communications die Übernahme von Tele2 Schweiz bekannt. Nach der Zustimmung der Wettbewerbskommission (WEKO) am 21. November 2008 wurde das Tele2-Mobilnetz abgeschaltet. Die 491'000 Kunden sowie die rund 50 Mitarbeitenden des ehemaligen Mobilfunkbetreibers wurden übernommen; die Mobilfunkkonzession wurde zurückgegeben. Tele2 blieb danach als Marke der Sunrise Communications AG noch bis März 2010 bestehen, danach wurden keine Produkte mehr verkauft. Einige der ehemaligen Mobilfunkanlagen von Tele2 konnten durch Sunrise Communications weiterbetrieben werden; die restlichen Standorte (rund 400) wurden im März 2010 an den Netzbetreiber In&Phone verkauft.
Am 25. November 2009 teilten Sunrise Communications und Orange ihre Absicht zur Fusion mit. Die dänische TDC, deren Tochtergesellschaft Sunrise Communications war, spielte mit dem Gedanken, sich aus der Schweiz zurückzuziehen. Orange hingegen erhoffte sich, durch Zusammenlegung der Mobilfunknetze Kosten sparen zu können.
In der Ausgabe 12/2009 des Magazins Connect wurden die Schweizer Mobilfunknetze im «Netztest 2009» erstmals ausgiebig getestet. Swisscom und Sunrise Communications schnitten mit «Sehr gut» ab, wobei Sunrise Communications bei der Datenübertragung Marktführerin Swisscom sogar noch knapp übertreffen konnte. Bei Orange reichte es nur für ein «Befriedigend», was wohl hauptsächlich daran lag, dass das GSM-Netz noch nicht mit EDGE aufgerüstet worden war. Zudem war das UMTS-Netz bezüglich Kapazität und Reichweite weniger stark ausgebaut als bei der Konkurrenz.
Ende April 2010 entschied die WEKO, den Zusammenschluss von Sunrise Communications und Orange zu untersagen. Die betroffenen Unternehmen planten zunächst einen Rekurs gegen diesen Entscheid, welcher aber nach wenigen Wochen zurückgezogen wurde. Beide Mobilfunkanbieter bekräftigten, alleine weitermachen zu wollen. In den darauffolgenden Monaten kündigte Orange an, neue Angebote zu lancieren und in den nächsten zwei Jahren besonders stark in den Netzausbau zu investieren. Insbesondere sollte die UMTS-Kapazität erhöht sowie das GSM-Netz im Rahmen einer Gesamterneuerung mit EDGE aufgerüstet werden. Auch Sunrise Communications kündigte für die folgenden fünf Jahre Infrastrukturinvestitionen in der Höhe von rund 1 Mrd. CHF an. So soll vor allem die Netzkapazität durch weitere Aufrüstung mit HSPA+ erhöht werden.
Im Netztest 2010 des Magazins Connect wurden die Mobilfunknetze erneut getestet und miteinander verglichen. Swisscom schnitt wiederum mit «Sehr gut» ab, Sunrise Communications erreichte ein «Gut», Orange gar nur noch ein «Ausreichend». Ein Jahr später, im Netztest 2011, änderte sich die Rangliste. Die bisher letztplatzierte Orange konnte sich stark verbessern und wurde als «Gut» bewertet. Swisscom erreichte erneut ein «Sehr gut», Sunrise Communications musste sich zum ersten Mal mit dem dritten Platz und einem «Befriedigend» zufriedengeben. Im darauf folgenden Jahr konnten sich zwar alle drei Netzbetreiber verbessern; Rangliste und Bewertung blieben im Netztest 2012 aber unverändert.
Im Februar 2012 wurden in einer einzigartigen Auktion sämtliche bestehenden und neuen Mobilfunkfrequenzen neu vergeben. Zur Teilnahme hatten sich die vier Unternehmen Swisscom, Sunrise, Orange und In&Phone beworben, wobei letzteres die Zulassungsbedingungen nicht erfüllte und deshalb nicht zur Auktion zugelassen wurde. Die Einnahmen für den Bund beliefen sich auf rund 996 Millionen CHF. Da die Konzessionen technologieneutral erteilt wurden, können die Frequenzbänder für verschiedene Technologien (GSM, UMTS, LTE) verwendet werden.
Die Mobilfunkbetreiber haben folgende Bandbreiten ersteigert: Frequenzband Swisscom Sunrise Communications Salt 800 MHz 20 MHz 20 MHz 20 MHz 900 MHz 30 MHz 30 MHz 10 MHz 1800 MHz 60 MHz 40 MHz 50 MHz 2100 MHz FDD: 60 MHzTDD: 0 FDD: 20 MHzTDD: 0 FDD: 40 MHzTDD: 0 2600 MHz FDD: 40 MHzTDD: 45 MHz FDD: 50 MHzTDD: 0 FDD: 40 MHzTDD: 0
Nachdem Swisscom im September 2010 erstmals ein LTE-Testnetz aufgeschaltet hatte und Ende 2011 mit einem Pilotprojekt in verschiedenen Wintersportgebieten gestartet war, wurde am 29. November 2012 das erste LTE-Netz der Schweiz kommerziell in Betrieb genommen. Am 28. Mai 2013 startete Orange als zweiter Mobilnetzbetreiber; Sunrise Communications folgte am 19. Juni 2013. Ende 2013 lief die Konzession des ehemaligen vierten Netzbetreibers in&phone für den Betrieb eines GSM-Mobilfunknetzes aus.
Im Mobilfunk-Netztest 2013 wurden die drei Schweizer Mobilfunknetze erneut getestet und miteinander verglichen. Swisscom schnitt zum fünften Mal in Folge mit «Sehr gut» ab. Sunrise Communications konnte sich stark verbessern und erreichte mit einem «Gut» wieder den zweiten Rang. Die drittplatzierte Orange schnitt ebenfalls mit einem «Gut» ab. Ein Jahr später im Mobilfunk-Netztest 2014 verbesserten sich alle drei Anbieter und erreichten bei unveränderter Rangliste zum ersten Mal gemeinsam die Bewertung «Sehr gut». Im internationalen Vergleich bieten die Schweizer Mobilfunknetze damit eine sehr gute Performance.Connect Netztest 2014, abgerufen am 8. Februar 2015
Im März 2023 kündigte Salt an, dass die Abdeckung in der Schweiz ab 2024 durch das Satellitennetzwerk Starlink auf 100 % erweitert werden soll.
Anzahl Mobilfunkanschlüsse und Marktanteile Mobilfunkanschlüsse und Marktanteile:
Mobilfunkanschlüsse in der Schweiz (Anzahl in 1'000, Stand 31. Dezember 2017) Jahr '98 '99 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '09 '10 '11 '12 '13 '14 '15 '16 '17 '18 Swisscom 1'670 2'255 2'970 3'370 3'605 3'792 3'908 4'280 4'632 5'007 5'370 5'602 5'828 6'049 6'217 6'407 6'460 6'555 6'612 6'637 6'551 Sunrise Communications 0 430 675 944 1'134 1'260 1'190 1'267 1'361 1'524 1'770 1'860 2'015 2'116 2'142 2'491 3'253 3'211 2'967 2'876 2'797 Salt 0 250 770 925 963 1'085 1'137 1'249 1'395 1'509 1'542 1'565 1'571 1'614 1'669 1'659 2'180 2'167 1'872 1'906 1'883 Total 1'670 2'935 4'415 5'239 5'702 6'137 6'235 6'796 7'388 8'040 8'683 9'027 9'414 9'779 10'028 10'554 11'893 11'933 11'451 11'419 11'230 Marktanteile im Mobilfunk in der Schweiz (in %, Stand 31. Dezember 2017) Jahr '98 '99 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '09 '10 '11 '12 '13 '14 '15 '16 '17 '18 Swisscom 100 76,8 67,3 64,3 63,2 61,8 62,7 63,0 62,7 62,3 61,9 62,1 61,9 61,9 62,0 60,7 54,3 54,9 57,7 58,1 58,3 Sunrise Communications 0 14,7 15,3 18,0 19,9 20,5 19,1 18,6 18,4 19,0 20,4 20,6 21,4 21,6 21,4 23,6 27,4 26,9 25,9 25,2 24,9 Salt 0 8,5 17,4 17,7 16,9 17,7 18,2 18,4 18,9 18,8 17,8 17,3 16,7 16,5 16,6 15,7 18,3 18,2 16,4 16,7 16,8 Total 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100
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