Lenting ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Eichstätt.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt in der Planungsregion Ingolstadt etwa fünf Kilometer nordöstlich von Ingolstadt zwischen Donautal und Frankenalb an der Grenze des Naturparks Altmühltal. Auf Lentinger Gebiet befindet sich der Umschlagplatz der Transalpinen Ölleitung (TAL). Durch den Ort führt der Schambachtalbahn-Radweg auf der aufgelassenen Eisenbahnstrecke Bahnstrecke Ingolstadt–Riedenburg; der Manterinbach (althochdeutsch matta=Wiese, rinna=Wasserrinne, Quell) durchquert in West-Ost-Richtung das südliche Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Desching (Siedlung) Kalkbrenner (Weiler) Lenting (Pfarrdorf) Lentinger Mühle (Einöde)

Es gibt nur die Gemarkung Lenting.

Nachbarorte und -gemeinden

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|Schloss Lenting um 1550 – Zeichnung von Philipp Apian mini|Ortsplan Lenting von 1813 Bereits in vorgeschichtlicher Zeit lebten Menschen auf dem heutigen Gemeindegebiet, wie Funde aus der Jungsteinzeit, der Eisenzeit und der Latènezeit belegen. In der römischen Kaiserzeit, um 15 v. Chr. bis 160 n. Chr., führte eine erste Straße von Gaimersheim nach Kösching durch Lenting. Vermutlich besiedelten im 6. Jahrhundert die Bajuwaren den Ort. Der Name "Lenting" leitet sich wohl von einem Sippenführer namens "Lanto" ab."Anzeichen einer Fliehkirche in Lenting" - Ausführungen von Stefan Weyergraf, 2023. Im Nekrolog (Totenliste) von Kloster Weltenburg findet man schon für das Jahr 1062 einen "Vdalricus de Lentingen" (Ulrich von Lentingen), vermutlich einen ortsadeligen Wohltäter des Klosters.Monumenta Boica, Band 13, S. 479 Außer der Ortsangabe Lentingen in der damaligen Schreibweise gibt es aber darin keine weiterführenden Notizen zu Lenting. Daher gilt allgemein das älteste wittelsbachische Herzogsurbar (Besitzverzeichnis) von 1231 als erste schriftlichen Urkunde über Lenting. Die jährlichen Einnahmen (Gilt) des bayerischen Herzogs aus 15 Anwesen in Lenting werden darin genau aufgezählt. Eine Ausgrabung brachte 1977 am höchsten Punkt Lentings die Überreste von Mauern einer „Alten Burg“ aus dem 11. Jahrhundert zum Vorschein, heute erinnert nur noch ein markanter Hügel mit einer Kapelle an diesen Ort. Im Jahr 1300 wurde Lenting Pfarrei. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts war Lenting im Besitz der Grafen von Hirschberg; seit 1305 gehörte Lenting zu den Besitzungen der Wittelsbacher und damit zu Altbaiern. Zu jener Zeit gehörte der Ort zum Rentamt München und zum Landgericht Vohburg des Kurfürstentums Bayern. Im Jahre 1378 wurde Lenting ein Lehen des „Edlen festen Chunnrat der Ellenbrunner“, ihm folgten 1479 der Edelmann Conrad von Grumbach, später sein Nachfahre Friedrich von Grumbach.

Herzog Rupprecht ließ im Landshuter Erbfolgekrieg den Ort im Jahre 1504 niederbrennen. Das Lehen Lenting besaßen in der Folge die Grafen Schlickh von Passau, 1575 Wigulaeus Hundt zu Sulzemoos. Ihm folgte 1605 Georg Purchhauser auf Zülling, 1621 Johann Franziskus von Lichtenau. Im währenddessen tobenden Dreißigjährigen Krieg sterben durch die plündernden Schweden und die 1632 eingeschleppte Pest 116 der 300 Einwohner; die romanische Kirche und der Pfarrhof fallen den Flammen zum Opfer. Erst nach 32-jähriger Bauzeit wird 1661 eine neue Kirche eingeweiht. 1730 kam Lenting an den Grafen von Lodron, 1740 an Joseph Felix Müller von Gnadenegg. Im Jahr 1743 wird das Lentinger Schloss von den Österreichern verwüstet; 1746 wird es wieder aufgebaut. Die letzten adligen Hofmarksbesitzer sind Josef Heinrich von Pechmann und die Edlen von Stubenrauch. 1818 entstand durch das bayerische Gemeindeedikt die heutige Gemeinde.

Bei der Volkszählung 1861 hatte der Ort 409 Einwohner und 175 Gebäude.

20. und 21. Jahrhundert Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Lenting wirtschaftlich durch die Landwirtschaft und traditionelle Handwerksbetriebe geprägt. Erst 1900 erfolgte mit dem Bau einer Dampfziegelei eine gewisse Industrialisierung, im Jahre 1904 folgte ein Sägewerk. Der Bau der Reichsautobahn ab 1936 schaffte, als Lenting das Baulos für die Materialversorgung für die Strecke nördlich von Ingolstadt erhielt, etliche weitere Arbeitsplätze. Der 1903 errichtete und 1904 für den Personenverkehr freigegebene Bahnhof der Bahnstrecke Ingolstadt-Riedenburg wurde währenddessen als Nachschubplatz hauptsächlich für Kies und Sand, aber auch als Kantine für die zahlreichen Tagelöhner genutzt. 1972 wurde zugunsten des Omnibusverkehrs der Personen-, im Jahre 1991 auch der Güterzugverkehr eingestellt, der sich zuletzt auf den Transport von Zuckerrüben beschränkte.

Bis 1957 hatte der Manterinbach jedes Jahr weite Flächen der südlichen Ortsflur überschwemmt und die im Tal liegenden Höfe gefährdet. Die Wiesen waren wegen der Überschwemmungen sumpfig. Immer wieder wurde in der Chronik das „große Wasser“ erwähnt, so im Dezember 1833, Januar 1834, Januar 1862, Januar 1865, Januar 1867. Für die Bauern im Tal („Fröschler“) war der Bach Fluch und Segen zugleich. Im Sommer hatten sie immer genug frisches Wasser, mussten dafür aber die Überschwemmungen im Winter in Kauf nehmen. Die Bauern am Hang („Bergler“) waren zwar vor dem Hochwasser sicher, mussten das Wasser jedoch mühselig vom Tal holen, wenn sie keine Tiefbrunnen hatten. Eine zentrale Wasserversorgung gab es in Lenting erst ab 1954. 1957 wurde die Regulierung und Befestigung des Manterinbaches durchgeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der zunehmenden Mechanisierung in der Landwirtschaft und dem Zuzug einer größeren Zahl von Heimatvertriebenen geschuldet wandelte sich das Bild Lentings nach und nach vom Bauerndorf zu dem einer modernen Wohngemeinde. In den 1960er Jahren errichtete die Auto Union GmbH bzw. die mit ihr verbundene Richard-Bruhn-HilfeBenannt nach Richard Bruhn in Lenting eine Siedlung für ihre Arbeiter mit 226 von ursprünglich geplanten 500 Wohnungen in elf Wohnblöcken; innerhalb von zehn Jahren verdoppelte sich damit die Einwohnerzahl auf 2700; mit dem im Jahr 1965 neu ausgewiesenen Industriegebiet siedeln sich zahlreiche neue Gewerbe- und Industriebetriebe an: Phönix Rheinrohr, Merck & Cie., Stahlhandel Lübeck, die Transalpine Oelleitung sowie Forster und Söhne sind nur einige ihrer Namen. Im Jahre 1975 erreichte die Gemeinde beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ eine Silbermedaille.

Gebietsreform Während der Gebietsreform in Bayern sollte die Gemeinde Hepberg nach Lenting eingemeindet werden. In einer Abstimmung am 28. Dezember 1971 entschied sich aber die Bevölkerung von Hepberg mit 77,1 % gegen eine Eingemeindung. In der Folge gründete sich am 1. Mai 1978 die Verwaltungsgemeinschaft Lenting mit den Gemeinden Hepberg, Lenting, Stammham und Wettstetten. Bis zum Tag vor dem Austritt Hepbergs am 1. Januar 1994 bestand die Verwaltungsgemeinschaft nur noch aus Hepberg und Lenting.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2023 wuchs die Gemeinde von 3872 auf 4976 um 1104 Einwohner bzw. um 30 %, wobei auch zwischenzeitlich Bevölkerungsrückgänge zu verzeichnen waren, wie etwa 2016 minus 26 Einwohner und 2018 minus 18 Einwohner. 1861: 409 Einwohner 1961: 1719 Einwohner 1971: 2802 Einwohner 1987: 3826 Einwohner 1991: 4466 Einwohner 1995: 4594 Einwohner 2000: 4702 Einwohner 2005: 4772 Einwohner 2010: 4694 Einwohner 2015: 4851 Einwohner 2016: 4825 Einwohner 2023: 4976 Einwohner

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat von Lenting hat 16 Mitglieder. CSU: 9 Sitze SPD: 3 Sitze FW: 4 Sitze Die Wahlbeteiligung lag bei 56,1 %.

(Stand: Ergebnis der Gemeinderatswahl vom 8. März 2026, Periode beginnt am 1. Mai 2026)

Bürgermeister Berufsmäßiger Erster Bürgermeister ist seit dem 20. April 2024 Christian Conradt (CSU). Seine Amtsvorgänger waren: Name (Parteizugehörigkeit) Amtszeit Anton Nerb 1894–1902 Josef Zeller 1902–1906 Anton Hofmann 1906–1911 Markus Lehmeier 1911–1933 Leonhard Händl 1933–1945 Josef Seitz (CSU) 1945–1956 Franz Binder (SPD) 1956–1978 Michael Mirlach (CSU) 1978–1994 Ludwig Wittmann (SPD) 1994–2012 Christian Tauer (SPD) 2012–2024Christian Conradt (CSU)2024

Wappen

Steuereinnahmen Für das Jahr 2021 lagen die Einnahmen bei der Gewerbesteuer bei 1.948.000 € gegenüber 3.392.000 € im Jahr 2017. Es war also ein Rückgang von 1.444.000 € (= 42,57 %) zu verzeichnen.

Das Einkommensteueraufkommen wuchs dagegen von 3.458.000 € im Jahr 2017 auf 3.974.000 € im Jahr 2022.

Baudenkmäler

Neben dem Wasserschloss, das in den vergangenen Jahrhunderten etliche Metamorphosen erlebt hat, ist vor allem die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in seinen über die Jahrhunderte erlebten Verwandlungen sowie das Pfarrhaus aus dem Jahr 1904 baugeschichtlich erwähnenswert. Das Schild in der Alten Landstraße „Einhemmstelle“ zeigt auf, wie früher Fuhrwerke vor abschüssigem Gelände gewarnt wurden. Daneben stehen auch heute noch existierende Gebäude wie die ehemalige Tafernwirtschaft Lukas oder der Reiterbauernhof für bauliche Zeugen des Jurahauses.

Wirtschaft und Infrastruktur miniatur|Anschlussstelle Lenting der A 9 miniatur|Ortsansicht von Südwest

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 2022 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine Arbeitsplätze, im produzierenden Gewerbe wurden zuletzt für das Jahr 2018 771 Beschäftigte gemeldet und im Bereich Handel und Verkehr 292 (2018: keine) sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Bei den Unternehmensdienstleistern waren 2022 unter öffentlich und privaten Dienstleistern am Arbeitsort 191 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2258, d. h. die Anzahl der Auspendler betrug 944 Beschäftigte.

Im verarbeitenden Gewerbe gab es 2022 vier Betriebe, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 2020 neun landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 476 ha, davon waren 409 ha Ackerfläche und 46 ha Dauergrünfläche.

Die Kessel SE mit Sitz in Lenting ist ein Hersteller von Entwässerungstechnik.

Verkehr Zur Bundesautobahn 9 (München–Nürnberg) mit der Anschlussstelle Lenting (60), die in unmittelbarer Nähe der Gemeinde verläuft, sind es etwa zwei Kilometer. Durch den Ort verkehren die Linie 30 der INVG sowie die Linien 9221 und 9226 der RBA. Die Siedlung Desching ist durch die INVG-Linie 40 an den ÖPNV angebunden.

Nahversorgung Lenting besitzt an der Nürnberger Straße ein Nahversorgungszentrum mit mehreren Supermärkten, Bäckerei- und Bankfilialen.

Mehrere Arztpraxen runden das Angebot ab.

Behörden Der Landkreis Eichstätt betreibt in Lenting ein Dienstleistungszentrum.

Bildungswesen Grund- und Mittelschule mit derzeit etwa 520 Schülern, gebundenen Ganztagesklassen und Mittlere-Reife-Klassen, Mittags- und Nachmittagsbetreuung weiterführende Schulen: Realschule Kösching, Gymnasium Gaimersheim sowie Realschulen und Gymnasien in unmittelbarer Umgebung