mini|hochkant|Karl-Heinz Wiesemann (2008) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Karl-Heinz Wiesemann mini|hochkant|Karl-Heinz Wiesemann (2017)

Karl-Heinz Wiesemann (* 1. August 1960 in Herford) ist römisch-katholischer Geistlicher und war von 2007 bis 2026 Bischof von Speyer.

Leben mini|Bischof Wiesemann (links) als Teilnehmer beim Briloner Schnadezug (2010)

Karl-Heinz Wiesemann wuchs in Enger (Ostwestfalen-Lippe) als drittes von vier Kindern auf. Er machte das Abitur am Widukind-Gymnasium Enger und studierte von 1979 bis 1986 Katholische Theologie und Philosophie in Paderborn und Rom. Er schloss seine Ausbildung mit der Lizenziatsprüfung ab und empfing am 10. Oktober 1985 in Rom auf der Website des Bistums Speyer. das Sakrament der Priesterweihe von Kardinal Franz König. Von 1986 bis 1990 wirkte er als Vikar in Geseke. Anschließend absolvierte er ein Promotionsstudium an der Gregoriana in Rom, das er 1995 mit einer Arbeit über Karl Adam, Romano Guardini und Erich Przywara bei Luis Ladaria abschloss. In den Jahren 1994 bis 1999 arbeitete Wiesemann als Pfarradministrator und Pfarrer in St. Maria Magdalena in Menden-Bösperde und wurde 1999 Propst der Pfarrei St. Petrus und Andreas in Brilon.

Papst Johannes Paul II. ernannte Wiesemann am 4. Juli 2002 zum Titularbischof von Macriana Minor und bestellte ihn zum Weihbischof im Erzbistum Paderborn. Die Bischofsweihe spendeten ihm am 8. September 2002 im Paderborner Dom Joachim Wanke, Bischof von Erfurt, sowie die Mitkonsekratoren Hans-Josef Becker, der damalige Diözesanadministrator und Weihbischof in Paderborn sowie spätere Erzbischof von Paderborn, und Paul Consbruch, Weihbischof in Paderborn. Wiesemanns Wahlspruch ist Maior omni laude („Größer als alles Lob“).

Neben seinem Weihbischofsamt in Paderborn war er auch für Fortbildung der Priester und für die Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens tätig. Er wurde 2003 zum Domkapitular ernannt. Ab 2004 war er Bischofsvikar für Priesterfortbildung und Berufungspastoral sowie für Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur.

2004 wurde er von Kardinal-Großmeister Carlo Kardinal Furno zum Großoffizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 24. April 2004 durch Anton Schlembach, Großprior der deutschen Statthalterei, in den Päpstlichen Laienorden investiert.

Am 19. Dezember 2007 ernannte Papst Benedikt XVI. ihn als Nachfolger von Anton Schlembach zum Bischof von Speyer. Die feierliche Amtseinführung Wiesemanns im Dom zu Speyer fand am 2. März 2008 statt. auf der Website des Bistums Speyer.

Vom 7. Oktober 2011 an war Wiesemann Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Dieses Amt gab er auf, als er am 20. September 2016 zum Nachfolger des emeritierten Kardinals Karl Lehmann an die Spitze der Glaubenskommission gewählt wurde. Weiterhin ist er Mitglied der Kommission für Ökumene.

Am 1. Juli 2017 zelebrierte Wiesemann im Speyerer Dom in Anwesenheit von 1500 geladenen Gästen, darunter zahlreichen (ehemaligen) ranghohen deutschen und internationalen Regierungsvertretern, das Pontifikalrequiem für den verstorbenen Bundeskanzler Helmut Kohl. In seiner Predigt würdigte er Kohl als „wahrhaft großen Staatsmann“, der aus einem „weisen und universalen Horizont heraus lebte und handelte“.FAZ.NET vom 1. Juli 2017, abgerufen am 2. Juli 2017, 6.15 Uhr.

Laut Medienberichten von Ende Januar 2021 nahm Wiesemann eine Auszeit, weil er die Grenzen seiner persönlichen Belastbarkeit erreicht habe. Hintergrund war offenbar ein Missbrauchsskandal: In einem ehemaligen Speyerer Kinderheim, das von Nonnen betrieben wurde, sollen Priester jahrelang Kinder missbraucht haben. Die Vorwürfe hatte Wiesemann selbst im Dezember 2020 an die Öffentlichkeit gebracht und eine gründliche Aufarbeitung angekündigt. Zu seinen Vertretern, die während seiner Auszeit die bischöflichen Aufgaben wahrzunehmen hatten, bestimmte Wiesemann den Generalvikar Andreas Sturm und den Weihbischof Otto Georgens. Nach sieben Monaten nahm Wiesemann seine Tätigkeit als Bischof von Speyer wieder auf.pilger-speyer.de

Im August 2026 reichte er aus gesundheitlichen Gründen ein Rücktrittsgesuch ein, das Papst Leo XIV. am 19. August annahm.Papst Leo XIV. nimmt Rücktrittsgesuch von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann an, dbk.de vom 19. August 2026, abgerufen am 19. August 2026. Wiesemann sagte dazu in einem Interview, dass der Rücktritt „nicht aus Verdruss sowie Enttäuschung über mangelnde innerkirchliche Reformschritte erfolgt und auch nicht aus einer resignativen Haltung heraus“, sondern dass er das Bischofsamt „nicht mehr stemmen“ könne. Nach seiner monatelangen Auszeit im Jahr 2021 sei „dieselbe Leistungskraft von vorher nicht mehr da gewesen“. Unmittelbarer Auslöser für den Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik sei damals die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Speyer gewesen, die ihn tief erschüttert hätte. Zugleich habe er nun registriert, dass die Herausforderungen bei der Strukturreform der Pfarreien in der Diözese „deutlich das übersteigen werden, was wir bisher hatten“.domradio.de So äußert sich Bischof Wiesemann zu seinem Rücktritt – „Man darf nicht an seinem Amt kleben“

Bischofswappen mini|hochkant|Wappen des Bischofs von Speyer mini|hochkant|Wappen als Weihbischof in Paderborn Das persönliche Wappen ist geviert. Es zeigt in Feld 1 als silbernes Kreuz auf blauem Grund das Bistumswappen von Speyer, diagonal dazu in Feld 4 als goldenes Kreuz auf rotem Grund das „Paderborner Kreuz“ des Heimatbistums Wiesemanns. In Feld 2 steht eine Harfe auf goldenem Grund als Instrument Davids für das gesungene Lob Gottes und die Liebe zur Musik, in Feld 3 versinnbildlichen drei herzförmige Seerosenblätter die Hl. Dreifaltigkeit und zugleich auch das Ortswappen von Enger, dem Heimatort des Bischofs.

Sein lateinischer Wahlspruch Maior omni laude („Größer als alles Lob“) ist das Herzstück der zweiten Strophe aus dem eucharistischen Hymnus Lauda Sion, der von Thomas von Aquin stammt. Damit wird darauf hingewiesen, dass dem Bischof das Geheimnis der Eucharistie, aus der die Kirche lebt, in besonderer Weise anvertraut ist. Seine Sorge muss es sein, dass das Lob Gottes in seinen Gemeinden nicht verstummt.

Positionen (Auswahl) Im Januar 2014 befürwortete Wiesemann die Weihe verheirateter Priester in der römisch-katholischen Kirche.Pfälzischer Merkur.de: Er hat ein offenes Ohr für Kritik an kirchlichen Haltungen, Januar 2014. 2023 erklärte er in einem Schreiben vom 2. November, dass die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und wiederverheirateter Geschiedener in den Kirchen der Diözese Speyer stattfinden dürfen.

Im Januar 2022 zeigte sich Wiesemann zuversichtlich bezüglich der Reformforderungen des Synodalen Wegs und erklärte im Februar 2022 im Interview, er „trage den Synodalen Weg mit großer Überzeugung mit“, und zwar einen Weg, „auf dem es keine Denkverbote geben darf und an dessen Ende verbindliche Entscheidungen stehen“; am Ende erwarte er, dass sich eine positive und konstruktive Mitte und nicht extreme Positionen durchsetzen werden, um auf der Grundlage der katholischen Identität beherzt Reformen anzugehen, die einen wichtigen Beitrag zur Weltkirche liefern könnten.Katholisch.de: Bischof Wiesemann schaut zuversichtlich auf den Synodalen Weg, Januar 2022.

Privates Karl-Heinz Wiesemanns Schwester ist die Göttinger Medizinprofessorin Claudia Wiesemann.

Seit 2006 ist er Ehrenmitglied der Paderborner CV-Verbindung K.D.St.V. Guestfalo-Silesia.

Karl-Heinz Wiesemann spielt Klavier.

Werke Karl-Heinz Wiesemann: „Zerspringender Akkord“: das Zusammenspiel von Theologie und Mystik bei Karl Adam, Romano Guardini und Erich Przywara als theologische Fuge. Echter, Würzburg 2000, ISBN 3-429-02183-9. Brigitte Trilling, Karl-Heinz Wiesemann: Mit Jesus auf dem Weg. Bonifatius-Druckerei, Paderborn 2002, ISBN 3-89710-196-3.

Literatur Gerhard Best, Michael Feldmann, Ralf Preker (Hrsg.): 350 Jahre Marienwallfahrt Werl. Bonifatius Verlag, Paderborn 2011, ISBN 978-3-89710-482-2, S. 118.

Weblinks

Porträt Wiesemanns anlässlich seiner Bischofsernennung auf der Website des Bistums Speyer Bischof Wiesemann: Traue der Kirche ganz viel Umkehr und Erneuerung zu. Interview mit Christoph Brüwer in katholisch.de am 14. Februar 2022

Einzelnachweise

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