mini|hochkant=1.65|Balve 2007, Stadtzentrum mini|Karte von Balve und seinen Ortsteilen

Balve [], eine Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen mit Stadtrecht seit 1430, liegt im Hönnetal, einem Flusstal im Sauerland. Über viele Jahrhunderte war die Stadt eine Grenzfestung des kurkölnischen Sauerlandes. Ihr Wahlspruch „Säu faste ärre Balve“ (so fest wie Balve) gilt als Ausdruck ihrer Wehrhaftigkeit und stammt aus der Zeit des Truchsessischen Krieges. Stadtpatron ist der Evangelist und Apostel Johannes.

Politisch dem Regierungsbezirk Arnsberg zugeordnet, gehört Balve zum Märkischen Kreis und zur Region Südwestfalen. Bekannt ist der Ort vor allem durch die Balver Höhle, die als größte „Kulturhöhle“ Europas gilt. Sie wird heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Die alte Balver Pfarrkirche ist ein bedeutendes Beispiel romanischer Hallenkirchen in Westfalen und verfügt über kunstvolle Fresken aus dem 13. Jahrhundert.

Geographie mini|Balve – Pfingsten 2014, vom Wachtloh aus gesehen mini|Alte Hönnebrücke in Volkringhausen

Lage Die Stadt liegt am Fuß des Balver Waldes im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge, unweit des Sorpesees, einer Talsperre im Hochsauerlandkreis. Der Höhenzug Iserlohner Höhe im Nordwesten grenzt an die Stadtgebiete von Hemer, Menden, Iserlohn, Neuenrade, Sundern und Arnsberg. Nach Osten wird das Stadtgebiet durch den Hochsauerlandkreis begrenzt. Nach Westen führen die Verkehrsverbindungen nach Neuenrade und Werdohl. Die Hönne fließt auf 13,2 km Länge durch das Stadtgebiet.

Stadtgliederung Die Stadt Balve gliedert sich in sieben Ortsteile:

den um Helle erweiterten Stadtkern von Balve Beckum einschließlich Geflügelhof Brinkmann und Wocklum Eisborn mit Grübeck, Haustadt, Horst, Klusensteiner Mühle und Mailinde Garbeck mit Frühlinghausen, Höveringhausen und Leveringhausen Langenholthausen mit Benkamp, Kesberg und Dieken Mellen und Melscheder Mühle sowie Volkringhausen, erweitert um Binolen und Sanssouci.

Nachbargemeinden Iserlohn/Hemer Menden Arnsberg Stephanopel/Altena Windrose Sundern Werdohl Neuenrade Allendorf

Geschichte mini|Luftaufnahme Vor- und Frühgeschichte In Balve befindet sich eine der größten Dinosaurier-Fundstellen in Deutschland. Es wurden Dinosaurier-Zähne (Iguanodon), Frühsäuger-Knochen, Stücke von Schildkröten-Panzern gefundenDinosaurier-Friedhof in Balve. Einheimische Mineraliensammler stießen im Jahr 2002 auf Überreste von insgesamt acht identifizierten Spezies der Dinosaurier, die sämtlich in die Kreidezeit datiert werden können. Wissenschaftler schätzen das Alter der Knochen, die heute im LWL-Museum für Naturkunde in Münster aufbewahrt werden, auf 140 Millionen Jahre. Das von dort ausgeliehene Modell eines Triceratops befindet sich heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Balve-WocklumTriceratops-Modell im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Balve-Wocklum. In der gleichen Fundstelle wurden auch zwei neue Nagetierarten der sogenannten Multituberculata aus der Kreidezeit entdeckt. Die Arten Bructerodon alatus und Cheruscodon balvensis waren in etwa so groß wie Mäuse oder Ratten. Balve ist neben einer Fundstelle in Großbritannien der einzige europäische Ort, an dem Fossilien von Multituberculata gefunden wurden.Steinbruch bei Balve: Erstmals Nagetierchen aus der Kreidezeit nachgewiesenFirst multituberculate mammals from the Lower Cretaceous of Germany

mini|Balver Höhle um 1900 (handkoloriert) Älteste menschliche Siedlungsspuren aus der Umgebung Balves stammen aus der Altsteinzeit. In der Balver Höhle lagerten wahrscheinlich bereits in der frühen Weichsel-Eiszeit zur Zeit der Neandertaler vor 100.000 bis 40.000 Jahren Jägergruppen, die im Hönnetal eiszeitliche Großsäuger jagten.

Auch in der Jüngeren Altsteinzeit wurden die Balver Höhle und auch andere Höhlen im Hönnetal, wie die Volkringhauser Höhle vor dem Hochglazial der Weichsel-Kaltzeit, vor rund 35.000 bis 30.000 Jahren, von Jägergruppen des Aurignacien und Gravettien aufgesucht. Hier gehörten Wildpferde, Wollnashörner und Rentiere zu den beliebten Jagdzielen. Tatsächlich jedoch gibt es keine archäologischen Belege, dass auch Mammuts gejagt wurden.

In der späten Weichsel-Eiszeit vor rund 12.000 Jahren waren es spezialisierte Rentierjäger, die in Balve ihre Lager aufschlugen. Im Holozän bewohnten Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit die Höhlen um Balve. Sie errichteten auch auf den Flussterrassen der Hönne ihre Lager. In der Umgebung von Balve fanden sich in Höhlen und auf den Flussterrassen der Hönne Belege für eine Besiedlung in der Jungsteinzeit. mini|Friedrich C.D. von und zu Brenken 1821 – Balver Höhle vor der Freilegung

Auf dem Höhenrücken „In den Gleiern“ befinden sich die sogenannten Hünengräben, eine vorgeschichtliche Wallanlage, die durch archäologische Ausgrabungen in den Jahren 2007 und 2008 in die Latènezeit des 2. bzw. 1. vorchristlichen Jahrhunderts datiert werden konnte.Eva Cichy: Die eisenzeitliche Befestigung "In den Gleiern" bei Balve. Archäologie in Westfalen-Lippe 2010 (Langenweißbach 2011) 72–75.

Besiedlung in der römischen Kaiserzeit Grabungen des Westfälischen Museums für Archäologie Außenstelle Olpe in den Jahren 1984–86 ergaben in Balve-Garbeck ein Großgebäude, mehrere Grubenhäuser und Pfostenspeicher, drei Urnengräber und Spuren eines umfangreichen Eisenhandwerkes (siehe auch Laumann, H. (1987): Eine germanische Siedlung des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Balve-Garbeck. Der Märker 36, S. 75–79Der Märker. Landeskundliche Zeitschrift für den Bereich der ehem. Grafschaft Mark und den Märkischen Kreis). An verschiedenen Stellen wurden insgesamt zehn „Spinnwirtel“ aus Blei zusammengetragen, so dass man hier auch von einer Textilfabrikation ausging (nach heutiger Erkenntnis handelt es sich hierbei und bei den vielen anderen im westfälischen Raum zusammengetragenen „Spinnwirteln“ aller Wahrscheinlichkeit nach um Bleigussreste). Die begleitende Keramik erlaubte die Datierung in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Ebenfalls wurden am Fundplatz zehn Kleinbarren und Gussreste entdeckt. Die Gussreste lassen vermuten, dass die Bleiobjekte am Ort gegossen wurden.Michael Bode 2008. Archäometallurgische Untersuchungen zur Blei-/Silbergewinnung im Germanien der frühen Römischen Kaiserzeit

Das Haus, erbaut an der höchsten Stelle im Areal des Hofes über der Hönne, stand in Ost-West-Richtung und verfügte über eine große Halle mit 17 m Länge und sechs Metern Breite, nur wenige Pfosten konnten noch mit Sicherheit erkannt werden. Von den Eingängen oder der inneren Aufteilung sind keine Spuren vorhanden. Ein typischer Gegenstand der Garbecker Grabung, der die Befunde für das frühe 1. Jahrhundert festschreibt, ist die Situla, ein pokalähnliches Gefäß.

Mittelalter Der Ort Balve hat sich im frühen Mittelalter aus drei Höfen (Oberhof bei der Kirche, Niederhof an der Hönne und Salhof/Selhof neben der Höhle) entwickelt. Die Olle Borg bei Wocklum stammt wahrscheinlich nicht aus karolingischer, sondern erst aus ottonischer Zeit.

Über den Ortsnamen „Balve“ wurde viel spekuliert, gesicherte Erkenntnisse liegen nicht vor (zur Deutungsgeschichte siehe Ausführungen zum Ortsnamen bei H.H. Hochkeppel & T. Schmitz 2007H.H. Hochkeppel & T. Schmitz 2007. Ausführungen zum Ortsnamen Balve). Die angeblich älteste schriftliche Erwähnung stammt aus der Vita Liudgeri III, Buch II, Kapitel 31. Nach der Legende wurde im Jahr 864 ein blindes Mädchen aus Balve („de villa quae Ballova“) am Grab des Liudger in der Krypta des Klosters Werden sehend.Harald Polenz: Zur Geschichte des ehemaligen Amtes und der Stadt Balve. Balve 1980, S. 94. Die lateinische Wortgruppe ist vieldeutig. Sie wird allgemein mit „Dorf namens Balve“ übersetzt, obwohl es damals eine dörfliche Ansiedlung im heutigen Sinne nicht gegeben haben kann. Sachsen lebten im 9. Jh. auf Einzelhofanlagen. Im Jahr 890 bat Bischof Wigbert von Verden auf der Synode zu Forchheim Kaiser Arnulf, ihm unter anderem Güter zu „Ballava“, die er bisher als königliches Lehen besaß, als Eigentum zu überlassen.Höynck in Blätter zur näheren Kunde Westfalens, 20. Jg., 1882, S. 4 Balve wurde 946 als Ballova, 980 als Ballava erwähnt. Der Name wandelte sich über Ballevan (1010) und Baleve (1196) zu Balve, dem heutigen Namen, der 1348 erstmals genannt wird.Heinz Ritter-Schaumburg: Die Nibelungen zogen nordwärts. 2. Auflage. Reichl-Verlag Der Leuchter, St. Goar 2002, ISBN 3-87667-129-9, Anmerkung 14, S. 246. Der Name „Ballova“ wird in der isländischen Handschrift A der Thidrekssaga erwähnt. Nach dieser Sage sollen dort zwei „Zwerge“ in einem Berg dieses Namens als Schmiede gearbeitet haben.Heinz Ritter-Schaumburg: Die Didriks-Chronik oder die Svava. Der Leuchter / Otto Reichl Verlag, St. Goar 1989, Kapitel 56. Der Name des Schwertes von Siegfried in der Nibelungensage war übrigens „Balmunc“ bzw. „Balmung“.

Im Jahr 1202 wurde in einer Urkunde ein Albertus de Balleve aus dem Adelsgeschlecht derer von Balve genannt.Westfälisches Urkundenbuch VII 1329 ist vom „Dorp te Balve“ die Rede.Ludorff, S. 45

1368 kam der Ort durch den Kauf der Grafschaft Arnsberg durch die Kölner Erzbischöfe für die nächsten Jahrhunderte zum territorialen Bestand des Herzogtums Westfalen. Für die weitere Entwicklung spielte die Grenzlage zur Grafschaft Mark eine wichtige Rolle. 1430 verlieh Erzbischof Dietrich von Moers dem Ort die Stadtrechte.Carl Haase: Die Entstehung der westfälischen Städte. 4. Auflage, Münster 1984, S. 146. Hiermit verbunden waren Marktprivilegien, eine eingeschränkte Gerichtsbarkeit und vor allem eine weitreichende kommunale Autonomie. Die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte ist vor wenigen Jahren abhandengekommen, ihr TextSeibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte von Westfalen, Bd. III, Nr. 928, S. 55–56. ist allerdings durch Abschriften überliefert. Bürger der Stadt Balve hatten wie in anderen Städten des Herzogtums Westfalen üblich einen „Bürgereid“ abzulegen. Hierüber gibt ein aus 17. Jahrhundert überliefertes Dokument Zeugnis.„Wir N.N.N. geloben und schwören einen äidt zu Gott und seinen leiben heiligen, das wir anhenglich Gottes fruchtig Catholischer religion leben und sterben, unseren guten Churf. und Herren einem(?) hohen thumb Capitull zu Collen als dem rechten Erbherren, auch Bmr. und Rath dießer Statt Balue getrewlich gewertigen und gehorsamb sein wollen, Ihre gesetze, befellich, gbott und verbott auch ordnung stett und vest zu halten, ihren Frommen Ehr und nutz zu beforderen, ihren schaden zu wenden und zu kehren nach unseren besten verstandt undt vermogen und dabey verpflichtet zu sein, ob unheill entstünde, daran dießer statt gelegen, solches einem ehrbaren Rathe anzugeben. Auch alß oft mit unseren Mitburgeren in Streit und irrungh gerathen wurden, daruber kein auslendisches, sonnern Stattsrecht nach gewohnheit und gebrauche zu suchen, solche erstlich burgermeister und Rathe(?) zu klagen und über etliche(?) gebrechen endtscheiden zu laßen. Auch keine anderen schutzherren zu suchen und anzunehmen alß ?? Churf. und ein hohes Thumb-Capitull wie auch burgermeister undt Rath hieselbsten. Unseren Mitburger nit zu unterkaufen noch zu unterwinnen, weniger(?) seine Dienstbotten zu unterneyden(?), es geschehe dann mit seinem Willen. Schließlich nichts anderes handelen, thuen und schaffen, als alleine waß einem frommen burger aigt und gebuhret. So gewiß helfe uns Gott und sein heiliges Evangelium. Dieser von Theodoro Schultz im vorigen protocollo sub dato …bris 1644 extrahirten äidt, muss einem jeden, so der …schafft vehigh zu werden begehert, vorgehalten … forma praestiert werden“.