mini|hochkant=2.0|Blick vom Jübergturm über das Gelände der Landesgartenschau Hemer 2010 und die Hemeraner Innenstadt Hemer ist eine mittlere kreisangehörige Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Norden des Sauerlandes und gehört zum Märkischen Kreis.

Als Hademare wurde Hemer im Jahr 1072 erstmals urkundlich erwähnt. Mit der Einrichtung des Amtes Hemer wurden die Gemeinden des Raumes 1841 politisch vereint. Die Gemeinde Hemer entstand durch die Vereinigung der Ortsteile Ober- und Niederhemer am 1. April 1910 und erhielt 1936 die Stadtrechte. In ihrer heutigen Form besteht die Stadt seit der kommunalen Neuordnung 1975, als Hemer mit den vorher eigenständigen Gemeinden Becke, Deilinghofen, Frönsberg und Ihmert zur neuen Stadt Hemer zusammengefügt und das gleichnamige Amt aufgelöst wurde.

Überregional bekannt ist Hemer durch das in Deutschland einmalige Geotop Felsenmeer, weshalb die Stadt den Beinamen Felsenmeerstadt führt. Die Wirtschaft der Stadt ist industriell geprägt, vor allem das metallverarbeitende Gewerbe und die Papierherstellung sind historisch gewachsen. 2010 fand auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne die nordrhein-westfälische Landesgartenschau statt, die von mehr als einer Million Menschen besucht wurde.

Geographie mini|Naturpark Sauerland-Rothaargebirge im Süden Hemers

Geographische Lage Hemer liegt in einer von ausgedehnten Wäldern bestimmten Mittelgebirgslandschaft im Nordwesten des Sauerlandes und damit im Norden der Mittelgebirgsschwelle. Die Stadt liegt zwischen dem Ruhrtal im Norden und dem Lennetal im Süden, östlich von Iserlohn. Das Stadtgebiet bildet die südöstliche Grenze der Metropolregion Rhein-Ruhr und befindet sich in der Nähe der Großstädte Dortmund im Nordwesten, Hamm im Norden und Hagen im Westen. Größere Städte sind im Osten Arnsberg und im Süden Lüdenscheid. Hemer ist Teil des Märkischen Sauerlandes. Die höchsten Gipfel der Stadt liegen auf der an der Stadtgrenze zu Balve (Balver Wald) bis hohen Iserlohner Höhe, die sich über den Süden des Stadtgebiets erstreckt. Weitere Erhebungen des Stadtgebietes sind der Bemberg () und der Asenberg () im Norden, der Jüberg () östlich der Innenstadt sowie der Hochgiebel () und der Lohberg () als weitere Teile der Iserlohner Höhe im Süden Hemers erwähnenswert.

Die Siedlungsschwerpunkte Hemers liegen im Tal der Oese, die das gesamte Stadtgebiet durchquert und in der Innenstadt Hemer-Bach heißt. Die Oese entspringt als Gelmecke in der südlichen Nachbarstadt Neuenrade, fließt durch das Stephanopeler Tal, durch Sundwig, Hemer und Becke, bevor sie in Menden (Sauerland) in die Hönne mündet. Der Ihmerter Bach führt durch den Südwesten der Stadt und mündet in Oberhemer in die Oese.

Der Abbabach entspringt westlich des Tannenkopfs und mündet in die Ruhr.

Geologie mini|hochkant|Skelett eines Höhlenbären in der Heinrichshöhle Hemer liegt am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges. Die Geologie wird von Tonschiefern und Kalksteinen des Devon-Zeitalters bestimmt. Oberflächennaher Kalkstein wird in einem Steinbruch in Becke abgebaut.

Geologisch bedeutend ist vor allem das Gebiet zwischen Sundwig und Deilinghofen. Die aus dem Tertiär stammende Formation des mit Buchenwald bewachsenen Felsenmeers, das unter Naturschutz steht, hat eine zerklüftete Oberfläche. Schon im 1. Jahrtausend wurde dort in einem der ältesten Bergbaugebiete Westfalens Eisensandstein abgebaut. Dem in Deutschland einzigartigen Geotop verlieh der Geologische Dienst NRW 2005 den Titel Bedeutendes geologisches Denkmal.

Innerhalb des Perick-Höhlensystems in direkter Nachbarschaft zum Felsenmeer befinden sich zahllose Höhlen sowie Schächte, die vom früheren Bergbau stammen. Die größte Höhle trägt den Namen Alte Höhle, weil sie bereits im 15. Jahrhundert entdeckt wurde. Über Jahrhunderte wurde sie für verschiedene Zwecke, beispielsweise als Ausflugsziel und als Luftschutzraum genutzt. Sie ist heute erheblich beschädigt. 1952 wurde sie für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Heinrichshöhle, eine Tropfsteinhöhle, wurde erst im 18. Jahrhundert entdeckt und ist seit dem 22. Mai 1904 Schauhöhle.Bürger- und Heimatverein Hemer e. V. (Hrsg.): Hemer. Beiträge zur Heimatkunde. Engelbert-Verlag, Balve 1980.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die längste Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt etwa 11,3 Kilometer, von West nach Ost 8,1 km. Der Norden ist von den waldreichen Erhebungen des Mendener Hügellandes rund um den Gaxberg () geprägt. Die Hügel fallen zum Tal der Oese und der Iserlohner Kalksenke bis auf eine Höhe von 160 Meter (niedrigster Punkt Hemers in der Nähe der Edelburg) ab. Dieser Bereich ist dicht besiedelt und eher waldarm, während der gesamte Süden bis auf die beiden Täler von Ihmert und Stephanopel wenig besiedelt und waldreich ist. Die Gipfel erreichen eine Höhe bis knapp 550 Meter und gehören als Teil der Iserlohner Höhe größtenteils zum Naturpark Sauerland-Rothaargebirge und zum Landschaftsschutzgebiet Märkischer Kreis.

54,3 % des Stadtgebiets entfallen auf Waldflächen, 23,4 % sind landwirtschaftliche Flächen. 19,1 % sind Siedlungen und Verkehrsflächen.IKZ-Sonderveröffentlichung Hemer intern vom 17. Juli 2009

Nachbargemeinden Nachbarstädte sind Iserlohn im Westen, Menden (Sauerland) im Norden, Balve im Osten sowie Neuenrade und Altena im Süden. Alle gehören zum Märkischen Kreis. Mit den Städten Iserlohn, Menden und Balve bildet Hemer ein Städtenetz zur Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit. Die Wirtschaftsinitiativen der vier Kommunen haben sich zur Wirtschaftsinitiative Nordkreis zusammengeschlossen.

Stadtgliederung mini|Die ehemaligen Gemeinden im heutigen Stadtgebiet von Hemer Offiziell ist Hemer nicht in Ortsteile gegliedert.Hauptsatzung der Stadt Hemer (PDF; 129 kB) Allerdings haben sowohl die ehemaligen Gemeinden als auch manche kleinere Siedlungen ihre eigene Identität: Becke mit den Ortschaften Brelen, Edelburg, Höcklingsen, Mesterscheid, Oese und Urbecke Deilinghofen mit den Ortschaften Deilinghofen, Habichtseil, Hembecke, Hohenstein, Langenbruch und Nieringsen sowie den Ortsteilen der ehemaligen Gemeinde Brockhausen: Apricke, Bäingsen, Brockhausen, Hönnetal, Klusenstein und Riemke Frönsberg mit den Ortschaften Beckmerhagen, Ebberg, Frönsberg, Heppingsen, Heppingserbach, Hültershagen, Ispei, Rohland, Stephanopel, Wachmecke und Winterhof Hemer mit den Ortsteilen der ehemaligen Gemeinden Landhausen: Landhausen und Stübecken Niederhemer: Haus Hemer, Hemerhardt und Niederhemer Oberhemer Sundwig: Dieken, Grüntal, Sundwig, Sundwigerbach und Wenhagen Westig: Westig, Westigerbach und Wiehagen Ihmert mit den Ortschaften Bredenbruch, Diekgraben, Elfenfohren, Im Hasberg, Holmecke, Ihmert, Ihmerterbach, Johannistal, Rottmecke, Stemmessiepen, Sülberg, Tütebelle, Westendorf zusätzlich ein Teil der ehemaligen Gemeinde Evingsen (heute Altena): Heide, Heidermühle, Hüingsen, Schwarzpaul und Stodt

Ein Waldgebiet östlich von Heppingsen gehörte bis 1975 zur Gemeinde Garbeck im Amt Balve und ist seitdem Teil der Stadt Hemer.

Klima Die Stadt liegt in einer gemäßigten Klimazone. Das Klima ist atlantisch geprägt. Der Juli ist mit durchschnittlich 16,7 Grad Celsius der wärmste und der Januar mit 1,4° der kälteste Monat. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 8,9°. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 1025 Millimeter. Sie ist im Juni mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 108 mm am größten.

Der Sommer 2006 war der extremste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nach Temperaturrekorden im Frühsommer kam es im Juli zu den schwersten Überschwemmungen seit rund 250 Jahren. Besonders schwer betroffen war der Ortsteil Becke, der in einer relativ ebenen Kalksenke liegt. Niederhemer war bis in die 1980er Jahre häufig von Hochwasser betroffen, woraufhin Schutzvorrichtungen um die Oese installiert wurden.IKZ-Berichte „Regenmassen statistisch nur alle 250 Jahre“, vom 25. Juli 2006, und „Helden sind immer frisch“, vom 28. Juli 2006 Im Januar 2007 war Hemer besonders stark vom Orkan Kyrill betroffen. Rund 400.000 Festmeter Holz wurden im Stadtgebiet zerstört, einige Ortsteile waren für Stunden von der Außenwelt abgeschnitten.

Geschichte Frühgeschichte Wenn auch altsteinzeitliche Funde aus dem Hönnetal, vor allem in der Volkringhauser und der Balver Höhle, teilweise 70.000 Jahre zurückreichen,Michael Baales, Eva Cichy, Anna Helena Schubert: Archäologie in Südwestfalen. Jubiläumsheft zum 25-jährigen Bestehen der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Münster 2007, S. 28. so lassen sich doch erst mit der Bronzezeit menschliche Spuren im Raum Hemer nachweisen.

Aus der mittleren Bronzezeit stammt ein 1980 im Zuge einer Notgrabung an der A 46 untersuchter Fund von Knochenbrand, der mit einem Steinkranz umgeben war. Grabhügel im heutigen Niederhemer beweisen, dass um 1250 v. Chr. Hirten und Bauern das Gebiet bewohnten. Aus der Eisenzeit stammt eine Nadel aus Hemer-Deilinghofen. Die bronzene Doppelnadel aus der Burghöhle unterhalb der Burg Klusenstein wurde zusammen mit einer zweiten, gleichartigen Nadel gefunden. Dort fand sich auch eine Ente aus Bronze. Bernsteinschmuckfunde aus den Höhlen, besonders des Hönnetals, belegen darüber hinaus Handelsbeziehungen zum Ostseeraum.Michael Baales, Eva Cichy, Anna Helena Schubert: Archäologie in Südwestfalen. Jubiläumsheft zum 25-jährigen Bestehen der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Münster 2007, S. 42 und S. 48.

Zwischen 600 und 100 v. Chr. lag das Gebiet unter keltischem Einfluss, bevor Gruppen, die spätestens im 4. Jahrhundert in den Franken aufgingen, die Region besiedelten. Etwa aus dem Jahr 650 n. Chr. stammt ein Grab, das 1951 in der heutigen Stadtmitte gefunden wurde.Wilhelm Winkelmann: Ein münzdatiertes Grab des 7. Jahrhunderts n. Chr. aus Hemer, Kr. Iserlohn (1959). In: Wilhelm Winkelmann: Beiträge zur Frühgeschichte Westfalens. Gesammelte Aufsätze, Münster 1984, S. 55f. Schon damals trug die Siedlung vermutlich den Namen Hademare, aus dem sich später Hemer entwickelte.Georg Gudelius: Der Name Hemer. In: Bürger- und Heimatverein Hemer e. V. (Hrsg.): Der Schlüssel. Hemer 1972. Sachsen eroberten ab 700 das Gebiet. Ab 777 wurde es von Franken unter Karl I. erobert, die Sachsen bis 805 unterworfen und zwangsweise getauft.

Mit den fränkischen Reichsteilungen, vor allem dem Vertrag von Verdun (843), kam das Gebiet zunächst an das Ostfrankenreich, aus dem das Heilige Römische Reich hervorging.

Von der Ersterwähnung bis zum Dreißigjährigen Krieg mini|Haus Hemer Die erste urkundliche Erwähnung Hemers datiert auf das Jahr 1072, als in einer Urkunde des Erzbischofs von Köln für das Kloster Grafschaft drei Haupthöfe erwähnt wurden, die im heutigen Hemeraner Stadtgebiet lagen. Ein Hof lag in Niederhemer und hatte durch eine nach St. Vitus geweihte Eigenkirche eine besondere Bedeutung. Die Vituskirche wurde wahrscheinlich von den Ekbertinern gegründet und gelangte später an das Erzbistum Köln. Dabei wurde Hemer in die Urpfarre Menden eingegliedert, von der es sich 1124 löste. Der zweite Haupthof, der ebenfalls als Hademare bezeichnet wurde, lag in Oberhemer. Heute sind die Güter als Haus Hemer beziehungsweise Hedhof bekannt.Friedhelm Treude: Vor 900 Jahren: Hademare – Hemer. Kirche und Höfe an das Kloster Grafschaft. In: Bürger- und Heimatverein Hemer e. V. (Hrsg.): Der Schlüssel. Hemer 1972. Der Haupthof Bredenole oder Pretinholo lag im heutigen Brelen. Vom Bauwerk sind nur noch Überreste sichtbar, einige Teile des Mauerwerks wurden im 16. Jahrhundert zum Bau der Edelburg genutzt. Allen drei Haupthöfen waren eine Reihe von kleineren Höfen unterstellt. Im 11. Jahrhundert wurde Landhausen (als Lantensele) und 1140 Sundwig erstmals urkundlich erwähnt, Westig folgte 1200.