Iserlohn (westfälisch Iserlaun, Iserliaun, aus mittelniederdeutsch îse(r)n-lô(ch). „Eisenwald“ – Betonung liegt auf der letzten Silbe -lohn.) ist eine große kreisangehörige Stadt sowie Mittelstadt im Märkischen Kreis (Regierungsbezirk Arnsberg) in Nordrhein-Westfalen und mit rund 93.000 Einwohnern die größte Stadt des Märkischen Kreises und des Sauerlandes.
Erste Siedlungsspuren im Stadtgebiet sind über 1000 Jahre alt, die Gründung der Stadt liegt etwa 770 Jahre zurück. Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte Iserlohn dank der Metallindustrie einen wirtschaftlichen Aufschwung und war jahrzehntelang zweitgrößte Stadt Westfalens (nach Münster). Heute ist die Wirtschaft neben der Metallweiterverarbeitung vor allem durch chemische und medizinische Produktion und Dienstleistungen geprägt.
Iserlohn hat unter anderem durch den Eishockeyverein Iserlohn Roosters, die Dechenhöhle und das Bier der Privatbrauerei Iserlohn Bekanntheit erlangt. Die Stadt gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr. Sie ist zweifacher Hochschulstandort und war Gastgeber des von Studenten organisierten Campus Symposiums, einer internationalen Wirtschaftskonferenz. Wegen der großen Waldflächen im Stadtgebiet führt Iserlohn den Beinamen „Waldstadt“.
Geografie mini|hochkant=1.3|Blick über Iserlohn mini|hochkant|Baarbach
Lage Iserlohn liegt in Südwestfalen und grenzt unmittelbar an das Ruhrgebiet.Stadt Iserlohn (Stadtarchiv): Iserlohn und das Ruhrgebiet, abgerufen am 18. Februar 2025. Das Stadtgebiet ist Teil des Sauerlandes und weist große Waldflächen im Stadtwald, im Seilerwald und Auf der Humpfert in Letmathe auf.
Das Stadtgebiet wird im Westen auf einer Länge von 7,2 km von der Lenne durchquert und von der Ruhr im Norden zum Kreis Unna hin begrenzt, die eine Länge von 7,5 km im Stadtgebiet aufweist. Wichtige Bäche sind der Grüner Bach, der in die Lenne fließt, und der Baarbach, der im Norden in die Ruhr mündet. Der Baarbach ist samt Quellbach 18 km lang und damit das längste Gewässer in Iserlohn. Das Kernstadtgebiet und die Gebiete nördlich davon gehören zum Niedersauerland, während die – außerhalb der Stadtgrenzen – bis hohe Iserlohner Höhe, die sich südlich an die Kernstadt anschließt, Teil des Märkischen Oberlandes ist.
Das Stadtgebiet erstreckt sich über das Tal der Ruhr mit dem niedrigsten Punkt Iserlohns (zirka ) im Norden bis zu den Höhen des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge im Süden mit einer Distanz von 18,5 km. Die maximale Ausdehnung von Westen nach Osten beträgt nur 10,7 km. Der höchste Punkt ist mit der Rüssenberg auf der Iserlohner Höhe im Süden der Gemarkung Kesberns. Das Stadtzentrum liegt in einer Höhe von . Weitere nennenswerte Berge sind der Stuckenberg () südöstlich der Kernstadt, die Hilkenhöhe () im Süden Lössels und der Fröndenberg () süd(west)lich der Kernstadt, auf dem der Danzturm steht.
Die Gesamtfläche Iserlohns beträgt 12.551 Hektar (ha).Broschüre der Stadt Iserlohn „Zahlen – Daten – Fakten 2008“ Auf Gebäude und Freiflächen entfallen 2088 ha, auf Verkehrsflächen 849 ha und auf Betriebsgelände 57 ha. 74,1 % der Fläche Iserlohns sind Grünflächen. Davon sind 211 ha Sport- und Grünanlagen sowie Campingplätze, 4562 ha landwirtschaftliche Flächen und 4526 ha Wald. Hinzu kommen noch 117 ha Gewässer und 141 ha Übungsgelände und sonstige Flächen. Eine grobe Einteilung des Stadtgebiets zeigt eine eher landwirtschaftliche Prägung des nördlichen Drittels, während das südliche Drittel von Wäldern beherrscht wird. Der mittlere Bereich ist ein breiter Siedlungsstreifen, der von einer Stadtgrenze zur anderen verläuft.
mini|hochkant|Ehemalige Gemeinden im Stadtgebiet von Iserlohn
Stadtgliederung Iserlohn ist offiziell nicht in Stadtbezirke gegliedert. Bei der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1975 wurden die Städte Iserlohn und Letmathe sowie mehrere kleine Gemeinden zusammengeschlossen. Die heutigen Ortsteile lassen sich den damaligen Gemeinden wie folgt zuordnen. Zu (Alt-)Iserlohn zählen die Innenstadt mit Randgebieten und die Stadtteile Wermingsen, Nußberg, Gerlingsen, Hombruch, Iserlohner Heide, Dröscheder Feld und Obergrüne. Im Nordosten liegt Sümmern mit den Ortsteilen Griesenbrauck und Rombrock. Im Norden befindet sich Hennen mit Rheinen, Drüpplingsen, Kalthof, Leckingsen, Refflingsen und Rheinermark. Im Westen die ehemalige Stadt Letmathe mit den zugehörigen Ortsteilen Dröschede, Oestrich, Stübbeken, Grürmannsheide, Genna, Lössel, Untergrüne, Pillingsen, Lasbeck und Roden. Ganz im Süden der Stadt liegt schließlich Kesbern mit den Dörfern Attern, Wixberg, Dahlsen und Hegenscheid.
In den Stadtteilen Hennen und Letmathe hat die Stadt Iserlohn Bürgerbüros eingerichtet.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden Iserlohns von Westen im Uhrzeigersinn: kreisfreie Stadt Hagen, im Kreis Unna Schwerte, Holzwickede und Fröndenberg, im Märkischen Kreis Menden, Hemer, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde.
Geologie mini|links|hochkant=0.8|Pater und Nonne
Geologisch ist der Iserlohner Raum Teil des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Die Gesteine stammen vor allem aus den Epochen Mitteldevon bis Oberkarbon (vor etwa 390 bis 260 Millionen Jahren). Der Gebirgsbau des Gebietes wird durch den variszisch angelegten Remscheid-Altenaer Sattel dominiert, dessen Scheitellinie in Richtung Westsüdwest–Ostnordost durch den Süden Iserlohns verläuft. Dieser Bereich gehört zur Hochfläche des Märkischen Oberlandes, das nach Norden hin steil abfällt. Hier treten die etwa 390 Millionen Jahre alten aus dem Givetium/Mitteldevon stammenden Unteren Honseler Schichten zu Tage. Aufgeschlossen sind diese am Honsel, am Emberg und am Fröndenberg. Im Bereich der Innenstadt liegen die kalk- und erzhaltigen Oberen Honseler Schichten, ebenfalls aus dem Mitteldevon. Die markanteste Felsformation ist der Bilstein, auf dem die mittelalterliche Stadt errichtet wurde.
Nördlich daran schließt sich ein Band mit mitteldevonischem Massenkalk an, das von Hagen bis Balve reicht. Infolge der intensiven Verkarstung des Karbonatgesteins bildeten sich einige weitläufige Höhlensysteme. Von den über 80 im Iserlohner Raum bekannten Höhlen ist die Dechenhöhle die bekannteste Tropfsteinhöhle. Weitere große Höhlen sind die 850 m lange „Emsthöhle“Emsthöhle vom 30. August 2008 am Südhang der Emst, die etwa 750 m lange Kreuzhöhle (benannt nach dem „Eisernen Kreuz“, das direkt über der Höhle liegt) und die nahe der Dechenhöhle gelegene, bis auf 800 m erforschte Knitterhöhle. Da der hintere Teil unter Wasser steht, ist die tatsächliche Länge noch unbekannt. Zu nennen ist auch die Grürmannshöhle in Letmathe, die 30 m in die Felsformation „Pater und Nonne“ hineinragt. Zumeist weisen diese Höhlen Sintervorkommen auf.
Nördlich der Massenkalkvorkommen liegt ein Höhenzug aus Sandstein- und Kulm-Kieselschieferschichten (Humpfert, Seiler). Daran schließen sich die niedersauerländischen Heiden an, in denen Böden aus Tonstein dominieren. Der Bereich südlich der Ruhr ist geprägt von eiszeitlichen Lößanwehungen und anderen eiszeitlichen Spätfolgen, wie etwa einer Endmoräne, die während der bis zum Haarstrang reichenden Saale-Eiszeit über die Ruhr kam.
Klima Die Stadt liegt in einer gemäßigten Klimazone. Das Höhenklima ist atlantisch geprägt. Der Juli ist mit durchschnittlich 16,7 °C der wärmste und der Januar mit 1,4 °C der kälteste Monat. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 8,9 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 973 Liter pro Quadratmeter. Sie ist im Juni mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 105 Litern pro Quadratmeter am größten.
Geschichte mini|Stadtansicht um 1750(Kupferstich von J. H. Giese)
Erste Siedlung und Stadtentstehung (bis 13. Jahrhundert) Menschliche Spuren im Stadtgebiet wurden bis auf die mittlere Altsteinzeit vor etwa 42.000 Jahren und folgende Jahrtausende datiert. Die Funde auf dem Oestricher Burgberg, in der Martinshöhle, auf der Grürmannsheide und in der Grürmannshöhle, darunter Werkzeuge und menschliche Knochen, deuten auf vorübergehende Aufenthalte nomadisierender Stämme hin. Die zahlreichen Iserlohner Höhlen boten über Jahrtausende Schutz für Menschen und Tiere. Ab der Jungsteinzeit (ab 4500 v. Chr.) war der Iserlohner Raum dauerhaft besiedelt. Neben den genannten Fundorten sind auch Funde in Dröschede, Sümmern, Hennen sowie auf dem Honsel, dem Schälk und dem Stübbeken dieser Epoche zuzuordnen. Geräte für den Ackerbau, Beile aus Grauwackenquarzit und Breitkeile gehören zu diesen Funden. Aus der Bronzezeit stammen ein Silexdolch, bronzene Waffen sowie Becher. Aus der frühen nachchristlichen Zeit (5.–7. Jh.) gibt es einige Schmuckfunde.
Siedlungsspuren im Lägertal lassen auf eine dauerhafte Besiedlung des Innenstadtbereichs ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. schließen. Das älteste Gebäude der Stadt, die Pankratiuskirche, wurde im späten 10. Jahrhundert erbaut und wahrscheinlich 985 geweiht. 1059 wurde in einer Urkunde des Klosters Liesborn eine Siedlung erwähnt, womit möglicherweise das heutige Iserlohn gemeint war. 1124 wird eine Siedlung namens Yslo in einem päpstlichen Besitzstandsbuch genannt. Die erste zweifelsfreie urkundliche Erwähnung Iserlohns datiert auf das Jahr 1150 als Lon. Der Name Lon stammt vom mittelniederdeutschen Begriff lô(ch) (vgl. althochdeutsch lôh), der Wald bedeutet. Schon bald tauchte die Kombination mit dem Begriff îse(r)n = Eisen auf, was auf die frühe Kenntnis der reichen Eisenerzvorkommen in der Gegend hindeutet. Der Stadtname lässt sich also mit „Eisenwald“ übersetzen. (Lô(ch) ist auch Bestandteil des Namens der nördlich gelegenen Wüstung Ortlohn, der aus Nortlon hervorgegangen ist.)
mini|„Alt Iserlohn“ und „Iserlohn“ 1681 getrennt eingezeichnet auf der Karte Le Comte de la Marck des Kartografen S. Sanson (Kartenausschnitt) Der Iserlohner Raum lag zur Jahrtausendwende im Einflussbereich des Erzbistums Köln, das im Sauerland viele Lehen hatte, um das Volk zu christianisieren. Weltliche Herrscher waren unter anderem die Grafen von Werl, die aber im 11. Jahrhundert Gebiete an die Herzöge von Berg verloren, die bald ein großes zusammenhängendes Gebiet im westlichen Sauerland bis an den Rhein beherrschten. 1160/1161 spalteten sich die Grafen von Altena von den Herzögen von Berg ab und teilten sich Anfang des 13. Jahrhunderts in die Grafschaften Mark und Limburg. Die Siedlung Lon lag seitdem im märkischen Gebiet. Ab 1180 waren auch die Kölner Erzbischöfe Landesherren in der Gegend und besaßen das nordöstlich gelegene Herzogtum Westfalen, das bis Menden reichte.
Iserlohn lag somit nahe den Grenzen der Grafschaft Mark zur Grafschaft Limburg bei Letmathe und dem kurkölnischen Herzogtum Westfalen bei Menden. Da das Herzogtum Westfalen Menden zur Festung ausbaute, waren die märkischen Grafen bestrebt, ebenfalls eine starke Grenzbefestigung in diesem Bereich zu errichten, die sich auch gegen die Grafschaften Arnsberg und Limburg behaupten konnte. Obwohl die Herzöge von Westfalen sich dagegen wehrten, versuchten die märkischen Grafen, die kein Recht zur Befestigung einer Stadt besaßen, immer wieder auf dem Bilstein, einem kahlen Massenkalkfelsen oberhalb der alten Siedlung Iserlohn, eine Festung zu errichten und mit Mauer und Graben zu umgeben. Die erste Stadtmauer wurde im 13. Jahrhundert als Holz-/Erdwall errichtet.
Ab 1214 war Iserlohn Sitz des gleichnamigen Dekanats. Die Stadtrechte wurden wahrscheinlich unter Adolf I. 1237 verliehen, der um 1240 auch erste Münzprägungen vornahm. Die Bestätigung der Stadtrechte durch Engelbert I. ist für 1278 belegt.
Wachstum zur Industriemetropole (13. bis 19. Jahrhundert)