Kalletal ist eine Gemeinde im Nordosten des Landes Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Lippe im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe). Am zählte die Stadt Einwohner. Der größte Ortsteil, Hohenhausen, liegt im Tal des Flusses Kalle im Lipper Bergland. Nach Norden hin fällt das Gemeindegebiet zum Flusstal der Weser ab, die zugleich die nördliche Gemeindegrenze bildet. Kalletal liegt im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge und hat sich 2007 der Förderregion Nordlippe angeschlossen.
Die Besiedlung des heutigen Gemeindegebiets lässt sich bis an das Ende der Bronzezeit um 700 v. Chr. zurückverfolgen. Einen deutlichen Bevölkerungszuwachs erfuhr die zuvor überwiegend ländlich geprägte Region erst infolge des Zuzugs von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Wirtschaftsstruktur ist neben der Landwirtschaft vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt.
Die Gemeinde Kalletal wurde am 1. Januar 1969 im Zuge der nordrhein-westfälischen Gebietsreform aus 16 ehemals selbständigen Gemeinden gebildet.
Geografie Geografische Lage Kalletal liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens in der Region Ostwestfalen-Lippe und im Norden des Kreises Lippe. Die Gemeinde liegt etwa 10 km nordöstlich der ehemaligen Kreisstadt Lemgo und 25 km nördlich der Kreisstadt Detmold. Die nächstgelegenen Großstädte sind Bielefeld (35 km südwestlich), Paderborn (53 km südwestlich), Hannover (73 km nordöstlich) und Hildesheim (92 km östlich).
Im Norden der Gemeinde bildet die von Osten kommende Weser die Gemeindegrenze zu Vlotho und Porta Westfalica. Namensgebender Fluss ist der orografisch linke Wesernebenfluss Kalle.
Naturräumlich wird das Gemeindegebiet überwiegend zum Lipper Bergland gezählt. Das Lipper Bergland ist stark gegliedert, im Gemeindegebiet wechseln sich um 350 Meter hohe Kuppen und Höhenzüge, flache Niederungen und durch Flussläufe eingeschnittene Hügelgebiete ab. Kleinere Teile im Norden gehören zur Rinteln-Hamelner Wesertalung. Bei Stemmen im Nordosten der Gemeinde liegen im weitgehend waldfreien Wesertal einige größere Altwasser- und Kiesseen. Der größte ist der Stemmer See. Das Gemeindegebiet liegt wie alle lippischen Kommunen im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Beide Gebirge reichen nicht bis in das Gemeindegebiet. Im Nordosten grenzt das Gemeindegebiet an den in Niedersachsen liegenden Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln.
Der Hauptort Hohenhausen liegt auf einer Höhe von . Höchster Berg ist der Kleeberg mit im südlichen Ortsteil Henstorf. Sein Gipfel liegt hart an der Gemeindegrenze auf Dörentruper Gebiet, so dass der höchste Punkt Kalletals sich auf .Website der Gemeinde Kalletal: befindet. Die Mündung der Kalle im Nordosten bei den Ortsteilen Erder und Kalldorf ist der niedrigste Punkt der Gemeinde mit .
Geologie mini|Geothermische Karte von Kalletal
Das Lipper Bergland besteht im Bereich der Gemeinde überwiegend aus Gesteinen des Tertiärs, inselartig findet sich Muschelkalk. In den Talauen der Weser gibt es im Wesentlichen Gestein aus dem Holozän, in den Randbereichen auch aus dem Pleistozän.
Die Täler des Lipper Berglandes, aber nicht das Wesertal, bestehen aus großflächigen fruchtbaren Ackerböden. Diese sandig-lehmigen bis lehmig-tonigen Parabraunerden treten im Gemeindegebiet oft in Verbindung mit fruchtbarem aber flachgründigem Löss, aber auch eher nährstoffarmer, saurer Podsole auf. Beide Bodenarten werden landwirtschaftlich intensiv genutzt. In der Wesertalung sind grundwasserbeeinflusst Gleye oder Auenböden, teils auch Pseudogleye und Parabraunerden entstanden, die vor allem als Grünland genutzt werden. Im Lipper Bergland befinden sich im Bereich der Muschelkalkgesteine inselartig Braunerden in Verbindung mit Rendzina. Der Kiesabbau im Wesertal hinterließ einige Baggerseen im Norden der Gemeinde. Ein alter Kalksteinbruch in Bavenhausen zeugt vom ehemaligen Abbau des Muschelkalks. Im Ortsteil Talle befindet sich noch ein Steinbruch im aktiven Betrieb.Website: Steinbruchbetrieb Schiewe., abgerufen am 24. April 2026.
In dieser Region wurde der Pyrit-Zwillingskristall Eisernes Kreuz gefunden.
Kalletal eignet sich mit Ausnahme eines kleinen Gebiets westlich von Asendorf gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und zur Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB).
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets mini|Typische Landschaft des Weserberglandes bei Bentorf mini|Rapsfelder im Kalletal, Bavenhausener Mühle im Hintergrund
Die als „Große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 112,42 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von etwa 11,5 km und in Nord-Süd-Richtung von etwa 15 km. Das Gemeindegebiet ist von starker landwirtschaftlicher Nutzung in den Tälern und Ebenen geprägt. Der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche liegt über dem Kreis- und Landesschnitt. Im Wesentlichen sind nur die Berge bewaldet. Dennoch ist die Gemeinde für das ansonsten relativ waldarme Ostwestfalen-Lippe eher waldreich. Auffallend ist der geringe Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche, der unter dem Landesschnitt liegt. Folgende Tabelle fasst die genaue Flächennutzung des Gemeindegebietes zusammen:
Flächenach NutzungsartLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 65,31 31,80 6,55 4,99 1,71 1,24 0,83 Anteil an Gesamtfläche 58,09 % 28,29 % 5,83 % 4,44 % 1,52 % 1,10 % 0,74 % Durchschnitt imKreis Lippe 50,8 % 22,2 % 9,7 % 5,1 % 0,9 % 1,8 % 9,5 % Durchschnitt im LandNordrhein-Westfalen 49,2 % 25,5 % 13,2 % 7,0 % 1,9 % 2,0 % 1,2 %
Nachbargemeinden Kalletal grenzt im Uhrzeigersinn an Rinteln (Landkreis Schaumburg, Niedersachsen), Extertal, Dörentrup, Lemgo (alle Kreis Lippe), Vlotho (Kreis Herford) und Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke).
Gemeindegliederung mini|Karte Nach § 3 der HauptsatzungHauptsatzung der Gemeinde Kalletal (PDF; 81 kB). der Gemeinde Kalletal gliedert sich das Gemeindegebiet in 16 Gemeindeteile. Diese Gemeindeteile entsprechen den ehemals selbstständigen Gemeinden, aus denen durch das Lemgo-Gesetz im Rahmen der Gebietsreform die Gemeinde Kalletal gebildet wurde. Nachfolgend Fläche und Einwohnerzahl der Gemeindeteile (Stand März 2022): Gemeindeteil Fläche Einwohner Asendorf 6,16 km² 215 Bavenhausen 7,08 km² 713 Bentorf 6,13 km² 940 Brosen 7,53 km² 341 Erder 5,91 km² 647 Heidelbeck 8,98 km² 543 Henstorf 6,01 km² 161 Hohenhausen (Hauptort, Sitz der Verwaltung) 10,45 km² 3.444 Kalldorf 9,69 km² 1.130 Langenholzhausen 12,15 km² 1.249 Lüdenhausen 7,30 km² 932 Osterhagen 3,14 km² 26 Stemmen 4,66 km² 904 Talle 6,04 km² 990 Varenholz 6,10 km² 592 Westorf 5,09 km² 743 Gesamt 112,42 km² 13.570
Innerhalb der genannten Gemeindeteile befinden sich folgende weitere Ortslagen:
Dalbke Echternhagen Elfenborn Faulensiek Harkemissen Herbrechtsdorf Niedermeien Rentorf Tevenhausen Waterloo Hellinghausen Selsen Rafeld
Klima mini|Niederschlagsdiagramm für Kalletal-Hohenhausen
Kalletal liegt im gemäßigten vollhumiden Klima Nordwestdeutschlands mit relativ gleichmäßig verteilten Niederschlägen und mäßig warmen Sommern sowie mäßig kalten Wintern. Die relative Höhenlage im Lipper Bergland führt zu etwas höheren Niederschlagsmengen als im nordrhein-westfälischen Landesdurchschnitt, sie liegen mit einem Jahresmittel von 896 mm in Hohenhausen pro Jahr dennoch deutlich niedriger als westlich und südwestlich in den Höhenlagen des Eggegebirges, wo mittlere Jahresniederschläge von teils bis zu 1400 mm registriert werden. Innerhalb der Gemeinde schwanken die Niederschläge bedingt durch das Relief zwischen 900 mm im Süden und unter 700 mm in der Wesertalung. Folgende Tabellen und die Graphik zeigen die Niederschlagsverteilung im Jahr:
Die langjährige Jahresmitteltemperatur liegt etwa um 8 °C. Der Einfluss der Höhenlage auf die Temperatur zeigt sich deutlich. Sie ist in den Höhenlagen der Gemeinde bis zu etwa 1 °C niedriger als im nördlich gelegenen Wesertal. Im nordrhein-westfälischen Vergleich ist es in Kalletal insgesamt (bis auf die Wesertalung) kühler.
Geschichte mini|Grabhügel bei Kalldorf mini|Die Schlossmühle bei Heidelbeck aus dem Jahr 1587 in einem Aquarell von Emil Zeiß aus dem Jahr 1874
Urgeschichtliche Grabhügel nördlich von Kalldorf und Urnengrabstätten aus der frühen Eisenzeit bei Varenholz weisen darauf hin, dass das Gebiet der Gemeinde Kalletal schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt wurde. Weitere Grabhügel wurden bei Hohenhausen, Heidelbeck und Rentorf gefunden. Die meisten dieser Hügel weisen auf der Kuppe eine Vertiefung auf. Dies sind die sichtbaren Spuren von Grabräubern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die in den Besitz der bronzenen Grabbeigaben kommen wollten. Aus diesem Grund erließ die Fürstlich Lippische Regierung 1821 eine Verordnung, die das Nachgraben nach Todten-Urnen und sonstigen Altertümern betreffend unterbinden sollte.
Die Ortsnamen Talle, Harkemissen und Tevenhausen lassen nach Aussagen der Namensforschung darauf schließen, dass es sich hier um frühgeschichtliche Ansiedlungen handelt. Diese Orte liegen auf beiden Seiten eines Höhenweges, der von Blomberg kommend über Lemgo und Hohenhausen nach Erder und Vlotho führte, wie mit archäologischen Funden bewiesen ist.
Der Amtssitz Varenholz hatte eine besondere Bedeutung für die Grafschaft und das spätere Fürstentum Lippe. Das Gebiet des Amtes Varenholz entspricht bis auf einige Ausnahmen in seiner Ausdehnung den heutigen Grenzen der Gemeinde Kalletal.Wilhelm Rinne: Landeskunde Nordrhein-Westfalen Band: Lippe. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993. ISBN 3-506-76111-0, S. 279 ff.
Die Orte im Kalletal waren im 19. Jahrhundert überwiegend Bauerndörfer, deren Haupterwerb die Landwirtschaft bildete. Viele Bewohner mussten als Wanderarbeiter in die Ferne ziehen, vor allem die besitzlosen Landarbeiter. Die lippischen Landesherren waren nicht bereit, die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung ihres Landes aktiv und weitsichtig zu fördern, so dass die Wanderarbeit in Lippe eine einzigartige Erscheinung war, die im übrigen Deutschen Reich keine Parallele hatte.Erich Kittel: Heimatchronik des Kreises Lippe. Archiv für deutsche Heimatpflege GmbH, Köln 1978, S. 419 ff.
Der Strukturwandel im ausgehenden 20. Jahrhundert von der Landwirtschaft zur Industrialisierung zeigt sich in der Ansiedlung von kleinen und mittleren Industriebetrieben. Als Beispiele sind die Metallindustrie in Kalldorf und die Kunststoff- und Holzindustrie in Langenholzhausen und Lüdenhausen anzuführen. Der Ortsteil Hohenhausen entwickelte sich zum größten und zentralen Ort der Gemeinde Kalletal mit dem Sitz der Gemeindeverwaltung. Er verfügt über eine entwickelte Wirtschaftsstruktur durch Ansiedlung von Betrieben der Holz-, Kunststoff- und Metallverarbeitung im Industriegebiet Echternhagen. Insgesamt ist in Kalletal die Zahl der Arbeitsplätze in Industrie, Handwerk und Dienstleistung sehr niedrig, so dass zahlreiche Berufspendler einer Arbeit in Lemgo, Vlotho und Rinteln nachgehen.
Geschichte der Ortsteile Archäologische Funde in Bavenhausen und Huxol weisen auf eine Besiedlung der Gegend in der Steinzeit hin. Erste urkundliche Erwähnung fand Bavenhausen im Jahr 1343. Wahrzeichen des Ortsteils ist die 1854 erbaute gut erhaltene Windmühle, deren Betrieb inzwischen eingestellt wurde.Geschichte des Kalletals, abgerufen am 19. August 2009.
Ein Callendorper Lehensbrief von 1359 erwähnt erstmals den Ortsteil Bentorf. Auch dort steht eine Windmühle, die noch in Betrieb ist. Müller Karl Ohsiek erbaute sie 1892 an der Straße nach Kalldorf.