Aragonien oder Aragon (spanisch und aragonesisch Aragón, ) ist eine autonome Gemeinschaft im Nordosten Spaniens. Sie grenzt im Norden auf dem Hauptkamm der Pyrenäen an Frankreich, im Osten an Katalonien, im Südosten an Valencia und im Westen an Kastilien-La Mancha, Kastilien und León, La Rioja sowie Navarra. Hauptstadt ist Saragossa.

Das Gebiet der heutigen autonomen Gemeinschaft entspricht dem früheren Königreich Aragonien im engeren Sinne, das seinen Namen wiederum dem Fluss Aragón verdankte.

Geographie Der Norden Aragoniens wird von den Pyrenäen geprägt, deren Hauptkamm auf der gesamten Länge die Nordgrenze der autonomen Gemeinschaft bildet.

Durch die Ebene des zentralen Aragoniens verläuft der Mittellauf des Ebro, zu dessen Einzugsbereich der größte Teil der Region gehört.

Im Süden der Region liegen Teile des Iberischen Randgebirges.

Mit 47.698 km² Landfläche ist Aragonien etwa so groß wie Estland oder die Slowakei. Es erstreckt sich damit über 9,4 % der spanischen Landmasse, aber mit einer Bevölkerungsdichte von 28 Einwohnern pro Quadratkilometer leben hier nur 2,9 % der Einwohner Spaniens.

Flüsse Weitere bedeutende Flüsse in der Region neben dem Ebro sind der Aragón, der Gállego und der Segre (alle drei linke Nebenflüsse des Ebro), der Cinca (ein Nebenfluss des Segre), der Jalón (ein rechter Nebenfluss des Ebro), der Jiloca (ein Nebenfluss des Jalón) sowie der Mijares und der Turia, die vom Süden Aragoniens aus durch die Region Valencia direkt ins Mittelmeer fließen.

Bevölkerung Aragonien gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen Spaniens. Die einzige Großstadt ist die Hauptstadt Saragossa, in der etwa die Hälfte der Einwohner der Region lebt.

Sprachen mini|links|hochkant|Sprachgebiete in der Region Aragón: Kastilisch (Spanisch) im gelben (und den anderen Gebieten), Aragonesisch im roten und Katalanisch im rosafarbenen Gebiet Neben dem Spanischen wird in einigen Tälern der Pyrenäen noch die autochthone aragonesische Sprache gesprochen, die sich vom aragonesischen Dialekt des Spanischen abhebt. Zudem wird in einigen Bezirken im Osten Aragoniens längs der Grenze zu Katalonien (der Franja de Aragón) Katalanisch gesprochen. Amtssprache ist aber allein Spanisch; Aragonesisch und Katalanisch haben diesen Status nicht. mini|Aragonien

Größte Städte Saragossa (span. Zaragoza) () Huesca () Teruel () Calatayud () Utebo () Monzón () Barbastro () Ejea de los Caballeros () Alcañiz () Fraga () Cuarte de Huerva () Jaca () Tarazona () Caspe () Binéfar ()

Politische Gliederung Aragonien ist in drei Provinzen mit insgesamt 731 Gemeinden (municipios) unterteilt:

mini|links|hochkant=1.9|Comarcas in der autonomen Gemeinschaft Aragonienmini|links|hochkant=1.9|Gerichtsbezirke in der autonomen Gemeinschaft Aragonien

Geschichte Antike Das Gebiet gehörte seit 201 v. Chr. zur römischen Provinz Tarraconensis und wurde um 415 westgotisch.

Mittelalter Grafschaft Aragón Nach einer kurzen Periode maurischer Herrschaft wurden Teile des Gebietes 812 fränkisch. Die vom Emirat von Córdoba unabhängige und eng mit dem karolingischen Reich verbundene Grafschaft bildete sich unter ihrem ersten Grafen, Aznar I. Galíndez (um 809 bis 820). Unter der Führung von García Galíndez dem Bösen (um 820 bis 844) befreite sie sich aus der fränkischen Vormundschaft.

Das Gebiet der Grafschaft Aragón umfasste zunächst die Täler von Hecho, Canfranc, Borau, Aísa und Araguás und bald auch die von Ansó und Acumuer.

Unter Graf Galindo I. Aznárez (um 844 bis 867) kam die Grafschaft unter die Oberlehnsherrschaft der „Könige von Pamplona“, so der Titel der ersten Herrscher des Königreichs Navarra. Aus dieser Abhängigkeit heraus heiratete Aznar II. Galíndez (um 867 bis 893) wohl auch Onneca Garcés von Pamplona. Ein Sohn aus dieser Ehe, Graf Galindo II. Aznárez (893–922), versuchte sich mit Hilfe der Muslime von Huesca, der Grafen der Gascogne und von Ribagorza dem Einfluss Navarras zu entziehen. Die Heirat mit Sancha Garcés aus der königlichen Familie von Navarra zeigt indes die Vergeblichkeit dieses Bemühens. Die immer enger werdende Verbindung Aragóns mit Navarra zeigte sich erneut in der Heirat dessen Erbin, Andregoto Galíndez (922–970), mit ihrem Cousin, König García I. von Navarra. Dadurch wurden Aragón und Navarra unter einer Herrschaft vereint, wobei die Grafschaft Aragón ihre politische und administrative Einheit bewahrte. Sie wurde als Lehen von einem Grafen aus dem Haus Navarra verwaltet.José M. Salrach Marés: Die Grafschaft Aragón. In: Lexikon des Mittelalters 1. Artemis, München / Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 855f.

Königreich Aragón (1035) mini|Castillo de Loarre, erbaut im 11. Jahrhundert auf Befehl des Königs Sancho Ramírez Nach dem Tod Sanchos III. im Jahr 1035 erbte dessen Sohn Ramiro I. Aragonien, das damit zum selbständigen Königreich wurde. Ramiro erweiterte sein Herrschaftsgebiet, das zuvor auf die Jacetania beschränkt war, durch den Erwerb von Ribagorza und Sobrarbe sowie durch erfolgreiche Kämpfe gegen die Mauren.

Seine Nachfolger Sancho Ramírez (1063–1094) und Peter I. (1094–1104) setzten den Krieg gegen die Mauren mit Erfolg fort. Ein Heer unter Alfons I. (1104–1134) eroberte 1118 Saragossa und erhob es zur Hauptstadt Aragoniens.

Das Testament Alfons I., in dem er das Land geistlichen Ritterorden vermachte, wurde von den Ständen Aragoniens nicht anerkannt. Sein Bruder Ramiro II., „der Mönch“ genannt, der zu diesem Zeitpunkt Bischof von Roda-Barbastro war, wurde 1134 zum König erhoben. Dieser heiratete Inès von Poitou, eine adlige französische Witwe, die am 11. August 1136 eine Tochter, Petronella von Aragón gebar. 1137 regelte Ramiro II. die Thronfolge dahingehend, dass er Petronella mit dem Grafen Raimund Berengar IV. von Barcelona verlobte; die Ehe wurde offiziell 1150 geschlossen, als Petronella 14 Jahre alt war. Wenig später wurde Petronella Königin, während Raimund Berengar IV. als Graf von Barcelona und Prinz von Aragonien regierte, was die Vereinigung Aragoniens mit Katalonien vorbereitete. Ramiro II. zog sich in ein Kloster zurück.

Vereinigung mit Katalonien zur Krone von Aragonien 1162/64 Petronellas und Raimund Berengars Sohn Alfons II. (* 1157) übernahm 1162 als Graf Alfons I. die Herrschaft in Katalonien und nach der Abdankung seiner Mutter 1164 die Königskrone von Aragonien, die daraufhin mit Katalonien vereint blieb. Die so entstandene Staatsgemeinschaft, die neben dem eigentlichen Aragonien auch Katalonien umfasste und sich später auf einen großen Teil des Mittelmeerraumes ausdehnte, ist als Krone von Aragonien (spanisch Corona de Aragón, katalanisch Corona d’Aragó) bekannt.

Innerhalb dieser Staatsgemeinschaft behielten die einzelnen Teilgebiete – das Königreich Aragonien im engeren Sinne, Katalonien sowie später auch das Königreich Valencia und weitere Gebiete – ihre innere Selbständigkeit, lediglich auf außenpolitischem Gebiet waren sie unter einem gemeinsamen Monarchen in Personalunion vereint.

Die Krone von Aragonien wurde zum zweiten wichtigen christlich geprägten Reich im späteren Spanien neben Kastilien. Peter II. (reg. 1196–1213) nahm seine Krone vom Papst zu Lehen. Jakob I. (reg. 1213–1276) erließ eine Verfassung für Aragonien und beabsichtigte die Teilung des Landes unter seinen Söhnen. Diese kam nicht zustande, da der älteste Sohn, Peter III. (reg. 1276–1285), seinem Bruder Jakob II., der die Herrschaft über die Balearen, das Roussillon, die Cerdanya etc. erhalten hatte, die Lehnspflicht aufzwang.

Peter III. erwarb 1282 Sizilien und wurde infolgedessen in einen Krieg mit Frankreich verwickelt. Als er aus diesem und anderen Gründen drückende Steuern beschloss, traten die Stände von Aragonien 1283 zusammen, um ihre alten Freiheiten zu verteidigen. Sie zwangen dem König das Generalprivilegium von Saragossa ab, das, später noch erweitert, die königliche Gewalt deutlich einschränkte. 1285 folgte Peter sein ältester Sohn, Alfons III. (reg. 1285–1291), in den spanischen Reichen nach, während der jüngere, Jakob, Sizilien erbte. Alfons setzte seinen Onkel Jakob II. auf Mallorca ab und geriet mit Kastilien und Frankreich in langwierige kriegerische Auseinandersetzungen, während die aragonesischen Stände ihre Macht erweitern konnten. Nach Alfons’ kinderlosem Tod folgte ihm sein Bruder Jakob II. (reg. 1291–1327), der Sardinien als päpstliches Lehen erwarb und 1319 die Unteilbarkeit des spanischen Reichs festsetzte. Dennoch behielten Aragonien, Katalonien und Valencia eigene Cortes und eigene Rechte.

Auf Jakob II. folgte sein Sohn Alfons IV. (reg. 1327–1336), der gegen die Republik Genua sowie gemeinsam mit seinem Schwiegervater, Alfons XI. von Kastilien, erfolgreich gegen die Mauren auf der Iberischen Halbinsel kämpfte. Sein Nachfolger, Peter IV. (1336–1387), beendete den Krieg mit Genua, der den Handel Aragoniens stark beeinträchtigte. Er vereinigte Mallorca (1344) wieder mit Aragonien, verlor aber teilweise Sardinien, wo vor allem das Judikat Arborea kämpferischen Widerstand leistete. Während seiner Kämpfe mit Kastilien und seinen unzufriedenen Brüdern gewannen die Cortes größere Unabhängigkeit. 1348 siegte Peter IV. jedoch bei Épila gegen aufständische Adlige und erreichte damit eine erneute Festigung der königlichen Gewalt.

Sein Sohn Johann I. (reg. 1387–1396) verlor ganz Sardinien an Eleonora di Arborea. Nach Johanns und seines Bruders, Martin I. (reg. 1396–1410), kinderlosem Tod entstanden in Aragonien infolge des Auftretens verschiedener Prätendenten heftige Thronstreitigkeiten (Interregno aragonés), aus denen endlich durch den Spruch gemischter Schiedsrichter, dem Kompromiss von Caspe, der Infant Ferdinand von Kastilien, ein Neffe Johanns, als König hervorging, der als Ferdinand I. (1412–16) regierte. Er wirkte eifrig an der Beseitigung des großen kirchlichen Schismas mit.

Auf Ferdinands I. Herrschaft folgte die seines Sohnes Alfons V. (1416–58), der die Regierungsgeschäfte jedoch seiner Gemahlin, María von Kastilien, und seinem Bruder Johann überließ, während er selbst Kriege führte. Er vereinigte Neapel und Sizilien mit Aragonien, hinterließ aber nur einen natürlichen, vom Papst legitimierten Sohn, Ferdinand, der ihm in Neapel auf den Thron folgte. Die spanischen Reiche nebst Sardinien und Sizilien und den Balearen erbte Johann II. (reg. 1458–1479), Alfons’ Bruder, der durch seine Ehefrau Blanca auch König von Navarra war. Johanns Regierung war hart und willkürlich, gegen seine eigenen Untertanen erbat er die Hilfe Frankreichs und bezahlte sie durch Abtretung des Roussillons an die französische Krone. Er starb 1479.

Die Katholischen Könige und die Vereinigung mit Kastilien Auf Johann III. folgte 1479 sein Sohn Ferdinand II., seit 1469 Gemahl Isabellas, der Thronerbin von Kastilien, wodurch beide Kronen erstmals in Personalunion vereint waren.

Mittelalterliche Verfassungsgeschichte mini|hochkant|Felsformation Mallos de Riglos Von besonderem Interesse ist die Verfassungsgeschichte Aragoniens, wo sich das freie Bürgertum in Spanien zuerst ausgebildet hat. Schon 1118 bekamen die Bürger Saragossas alle Rechte geborener Hidalgos, und 1136 beratschlagten Abgeordnete der aragonischen Gemeinden auf der Ständeversammlung der Cortes mit geistlichen und weltlichen Lehnsherren über Steuern und Landesordnungen.

Fortan waren die Städte Aragoniens und Kataloniens besonders auf Erhaltung der ständischen Privilegien und Freiheiten bedacht. Die Cortes von Aragonien, gleichzeitig besucht von den Vertretern des in eine höhere (ricos hombres) und niedere (infanzones, caballeros, hidalgos) Klasse gesonderten Adels und des Klerus, verfügten über Krieg und Frieden, Bündnisse und Verträge, Steuern, Münzen, alte und neue Gesetze und Urteilssprüche der unteren Gerichtshöfe.