mini|LZ 129 in Fahrt über Passendorf (heute Halle (Saale)) 1936
Der Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ (Kennzeichen D-LZ129) war mit seinem baugleichen Schwesterschiff LZ 130 „Graf Zeppelin“ das größte jemals gebaute Luftfahrzeug. Die Jungfernfahrt des nach dem deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg benannten Schiffes erfolgte im März 1936. Bekannt wurde es insbesondere durch das Unglück im Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst (New Jersey, USA), bei der die Hindenburg in Brand geriet und 36 Menschen ums Leben kamen.
Das Luftschiff Das Gerippe von LZ 129 bestand aus Duraluminium, einer sehr festen Aluminiumlegierung. Das Schiff war 245 Meter lang, hatte einen Durchmesser von 41,2 Metern und ein Gasvolumen von 200.000 Kubikmetern. Seine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betrug 100–120 km/h, seine Reiseflughöhe 400–600 Meter,Zeppelin Museum in Friedrichshafen, lustaufnatour.de, 25. Oktober 2014, abgerufen am 26. August 2020. oftmals auch nur 200 Meter.Höllenfahrten: Titanic der Lüfte – Die letzte Fahrt der Hindenburg, 12:16. In insgesamt 15 Räumen konnten 8,7 Tonnen Fracht transportiert werden.
Im Gegensatz zu vorhergehenden gebauten Zeppelinen befanden sich bei LZ 129 die Räume für die Passagiere auf zwei Decks im Inneren des Auftriebskörpers. Diese Anordnung der Fahrgastanlage war jedoch nicht neu. Bereits die britischen Starrluftschiffe R100 und R101 verfügten über diese Art der Passagierunterbringung im Inneren des Schiffskörpers. So konnte mehr Platz bereitgestellt werden. Diese Neuerung war bereits für LZ 128 vorgesehen. Die Verkleinerung der Gondel, die jetzt nur noch zum Steuern des Luftschiffs diente, verringerte auch den Luftwiderstand des Schiffes. Die Einrichtung zum Passagiertransport wird Fahrgastanlage genannt. Diese befand sich etwa auf einem Viertel der Länge des Rumpfes auf zwei Decks und verfügte backbords und steuerbords über schräg nach unten stehende Fenster. Zwei nach unten schwenkbare Treppen erlaubten den bequemen Ein- und Ausstieg am Boden.
Chefkonstrukteur von LZ 129 war Ludwig Dürr. Die Innenausstattung stammte von dem deutschen Architekten Fritz August Breuhaus de Groot, der diese mit seinem damaligen Mitarbeiter Cäsar F. Pinnau entworfen hatte.
Ausstattung Der Innenbereich war aus Gründen der Gewichtsersparnis im Bauhausstil gehalten, dazu zählten unter anderem Möbel aus Leichtmetall.
Für die Passagiere standen anfangs 25 Schlafkabinen mit 50 Betten, nach der Erweiterung im Winter 1936/37 72 Betten zur Verfügung; dabei wurden zehn zusätzliche Kabinen (davon eine für vier Personen) eingebaut. Die Kabinen von LZ 129 besaßen je ein Doppelstockbett, ein in die Wand einklappbares Waschbecken mit warmem und kaltem Wasser, einen Klapphocker mit ausklappbarem Tischchen sowie einen Taster, um das Personal zu rufen. Im Vergleich zu den luxuriösen Kabinen der damaligen Transatlantikliner, die mit LZ 129 in direkter Konkurrenz standen, waren die beheizbaren Kabinen von LZ 129 äußerst spartanisch und eher mit komfortablen Schlafwagenabteilen zu vergleichen; daher verbrachten die Passagiere die meiste Zeit in den anderen Räumen der Fahrgastanlage. Da der Kabinentrakt mittig eingebaut worden war, verfügten die Kabinen über keine Fenster. Gegen einen Aufpreis wurden die Kabinen auch in eine Einzel-Konfiguration umgebaut.
Das obere Deck (A-Deck) hatte ca. 22 m Breite und 14 m Länge. Es enthielt auf der einen Seite einen großen Speisesaal, der sich über die gesamte Länge des Passagierbereichs hinzog. Hier speisten die Fahrgäste bis 1936 gemeinsam, mit der erhöhten Passagierkapazität ab 1937 in zwei Tischzeiten. Bei Bedarf konnten die Einzeltische auch zu einer langen Tafel verbunden werden. Auf der anderen Seite gab es eine Lounge mit Sitzgruppen. In Fahrtrichtung befand sich, durch eine Querwand abgetrennt, ein Schreib- und Lesezimmer, das über Schreibplätze, Lesetische und Sessel verfügte. Ein Schrank bot Bücher und Zeitungen an und verfügte auch über einen Briefkasten für an Bord verfasste und zu versendende Briefe und Postkarten. Auf beiden Seiten schlossen sich Promenaden an, die mit teilweise zu öffnenden Fenstern und Sitzgelegenheiten ausgestattet waren. Letztere dienten teils, so beispielsweise bei der Olympiafahrt 1936, als zusätzliche Speiseplätze für die Passagiere. Beide Raumeinheiten waren durch einen Korridor verbunden, der an das Treppenhaus angeschlossen war. Hier befand sich auch der Zugang zu den entlang von drei Gängen liegenden Kabinen.
mini|Gesellschaftsraum, im Hintergrund eine der Wandmalereien (1936/37) mini|Innenansicht einer rekonstruierten Passagierkabine zur Doppelbelegung (2025) mini|Speisesaal des Luftschiffs (1936)
Das untere Deck (B-Deck) war durch den mittig verlaufenden Kielgang geteilt. Steuerbordseitig lag ein Rauchsalon, der zuvor erstmals in die R101 eingebaut worden war. Er hatte eine eigene Belüftung, die aus Sicherheitsgründen einen leichten Überdruck erzeugte, damit von außen keine brennbaren Gase eindringen konnten. Dort befand sich auch das einzige Feuerzeug an Bord, das vom Steward verwaltet wurde., newyorkaktuell.nyc. Vor dem Raucherraum war eine kleine Bar eingerichtet, beide Einheiten wurden zur Vermeidung von unkontrolliertem Luftaustausch durch eine Schleusentür vom restlichen Passagierbereich abgetrennt. Der restliche Teil des B-Decks war steuerbordseitig hauptsächlich mit Toiletten und dem Büro des Zahlmeisters, backbordseitig der Mannschafts- und Offiziersmesse mit 24 bzw. zwölf Sitzplätzen eingerichtet, was durch den Betrieb des Schiffes in drei Schichten möglich wurde. Der Mannschaftsbereich war vom Passagierbereich abgetrennt. Außerdem befanden sich zwischen den Messen die Küche und die Spülküche, deren Speisen über einen Aufzug in die darüberliegende Anrichtekammer gelangten, welche seitlich des Speisesaals lag. Zur Ausstattung der Küche zählten ein elektrischer Herd mit vier Kochplatten, ein Back- und Bratofen sowie ein Kühlschrank. Es gab auf dem Deck auch – erstmals auf einem Luftschiff – eine Dusche. In Richtung des Hecks schlossen sich steuerbords die zehn zusätzlichen Kabinen an das B-Deck an. Diese verfügten im Gegensatz zu den Kabinen des A-Decks über Fenster, die fast senkrecht nach unten gingen.
Berühmt wurde auch der Blüthner-Flügel. Das Musikinstrument wurde auf einigen Fahrten in der Lounge mitgeführt und war speziell für LZ 129 angefertigt worden. Es bestand ebenso wie das Schiff zum größten Teil aus Aluminium und war mit gelbem Schweinsleder überzogen. Der Flügel wog nur etwa 180 kg. Er wurde jedoch im Zuge des Umbaus auf die höhere Passagierkapazität aus Gewichtsgründen entfernt. Im Jahre 1943 wurde das Instrument bei einem Bombenangriff auf Leipzig zerstört.
Die Wände der öffentlichen Räume waren mit Ballonseide überzogen, auf die der Künstler Otto Arpke unter Zuhilfenahme von Schablonen Malereien gespritzt hatte. Hierbei waren der Speisesaal mit Darstellungen der Reiseziele von Zeppelinen verziert, das Schreib- und Lesezimmer mit Illustrationen aus der Geschichte der Postbeförderung und der Rauchsalon mit Bildern verschiedener historischer Fluggeräte, von der Montgolfière bis zu LZ 127; zusätzlich eine Karte des Nordhimmels. An der Wand der Lounge befand sich eine Weltkarte, auf der die historischen Routen der Entdecker sowie wichtige Fahrten der Zeppeline eingezeichnet waren.
Für die Besatzung gab es 54 Schlafplätze, die sich im Rumpf des Schiffes befanden. Maximal ausgelegt war die Besatzung nach dem Luftschiffumbau auf 61 Besatzungsmitglieder.Gudrun Ritscher: Arbeiten auf einem Luftschiff: Die Besatzungen der Passagierluftschiffe LZ 127 "Graf Zeppelin" und LZ 129 "Hindenburg". In: Wissenschaftliches Jahrbuch des Zeppelin Museum Friedrichshafen, Gessler, Friedrichshafen 2005, ohne ISBN, S. 79. Die Unterkünfte der Besatzung (mit Ausnahme des Kapitäns) beschränkten sich auf eine Schlafpritsche, eine Kiste zum Verstauen persönlicher Gegenstände sowie einige Kleiderbügel. Erstmals waren die Mannschaftsmitglieder nicht zentral untergebracht, sondern hatten ihre Schlafräume entlang des Kielgangs, im Heck, hinter den Fahrgasträumen auf dem unteren Deck oder im Bug vor der Führergondel.
Entstehung mini|Gerippe des „Hindenburg“-Nachbaus im Zeppelin Museum Friedrichshafen
Ein Grund für die Größe von LZ 129 war der geplante Einsatz von Helium als Traggas, das den leicht entzündlichen Wasserstoff ersetzen sollte. Der ursprünglich geplante Nachfolger des überaus erfolgreichen LZ 127 „Graf Zeppelin“, der Zeppelin LZ 128, wurde nach dem Verlust des englischen Luftschiffes R101, bei dem nach der Notlandung ein Wasserstofffeuer die meisten Opfer forderte, nicht verwirklicht. An dessen Stelle trat die für den Heliumeinsatz nochmals vergrößerte Konstruktion von LZ 129 „Hindenburg“. Zur damaligen Zeit waren die USA der einzige Lieferant von Helium. Damals wie heute wird Helium hauptsächlich beim Abbau von Erdgas bzw. Erdöl als Koppelprodukt gewonnen, da es in einigen Lagerstätten aufgrund von Alphazerfall radioaktiver Elemente lokal entsteht und sich bei entsprechenden geologischen Bedingungen ansammeln kann. In besonders heliumreichen Vorkommen kann es sein, dass Helium bis zu einigen Masseprozent des geförderten Gases ausmacht. Beinahe sämtliche bekannten derartigen Vorkommen befanden sich damals in den USA. Diese hatten ein Verbot erlassen, Helium zu exportieren. Dennoch wurde Hugo Eckener während der Planungsphase der „Hindenburg“ die Lieferung von Helium in Aussicht gestellt. Er führte diesbezüglich im Jahr 1929 sogar ein Gespräch mit US-Präsident Herbert Hoover im Weißen Haus. Vor dem Hintergrund des aufstrebenden Nationalsozialismus und aus der Befürchtung, dass mit Helium ein Luftschiff kriegstauglich werden könnte, wurde von den USA jedoch entschieden, kein Helium zu liefern. Man entschloss sich daher, auch den LZ 129, wie bereits alle vorherigen deutschen Zeppeline, mit Wasserstoff zu betreiben.
Die Planungen begannen im Herbst 1930 auf Grundlage von LZ 128. Im Winterhalbjahr 1931/1932 wurde mit dem Bau begonnen. In den Jahren 1934 und 1935 stellte die nationalsozialistische Regierung mehr als 11 Millionen Mark zur Fertigstellung des Zeppelins zur Verfügung. Nach rund fünf Jahren fand am 4. März 1936 die erste Werkstattfahrt statt, bei der das Schiff noch ungetauft war. Die Fahrt dauerte drei Stunden und führte mit 87 Personen über den Bodensee. Aus technischer Perspektive verliefen die Tests erfolgreich. Auf beiden Seiten des Schiffes warben bei dieser Erstfahrt bereits die fünf ineinander geschlungenen Olympiaringe für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.Peter Meyer: Luftschiffe. Die Geschichte der deutschen Zeppeline. Wehr&Wissen, Koblenz/Bonn 1980, ISBN 3-8033-0302-8, S. 157.
Technik Dimensionen und Maße mini|Bau des Luftschiffs LZ 129 „Hindenburg“
LZ 129 „Hindenburg“ besaß 15 Hauptringe mit einem Abstand von je rund 15 m, die Platz für 16 Traggaszellen mit einem maximalen Volumen von etwa 200.000 Kubikmetern schufen. Sie waren normalerweise zu 95 Prozent mit etwa 190.000 m³ Wasserstoff gefüllt. Je zwei Heck- und Bugtraggaszellen waren miteinander verbunden. LZ 129 „Hindenburg“ besaß einen Nenngasinhalt von 190.000 m³ (Prallgasinhalt von 200.000 m³).
Der Schiffskörper mit 36-eckigem Querschnitt hatte eine Länge von 246,7 Metern und einen größten Durchmesser von 41,2 Metern. Auf den Landerädern stehend war das Schiff 44,7 Meter hoch, die Breite mit den Luftschrauben betrug 46,8 m. Mit diesen Dimensionen näherte es sich dem Volumen der Titanic (269,04 Meter Länge, 66,5 Meter Höhe (trocken), 28,19 Meter Breite).
Von den bis zu 242 Tonnen Gesamtgewicht entfielen etwa 118 t auf das Leergewicht. Das normale Dienstgewicht lag bei rund 220 t. Der Zeppelin besaß eine Ladefähigkeit für etwa 11 t Post, Fracht und Gepäck. Es konnten 88.000 Liter Dieselkraftstoff, 4500 l Schmieröl und 40.000 l Wasserballast mitgeführt werden. Der Kraftstoffvorrat lagerte in Aluminiumfässern, die an den seitlichen Laufgängen mitgeführt wurden.
Steuerung