mini|Frank Werneke, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, (August 2022) mini|Die Verdi-Bundesverwaltung am Paula-Thiede-Ufer 10 in Berlin-Mitte

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (kurz Verdi oder Ver.di, Eigenschreibweise ver.di, Aussprache []) ist eine deutsche Gewerkschaft mit Sitz in Berlin. Sie entstand im Jahr 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften und ist Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Mit etwa 1,8 Millionen Mitgliedern ist sie nach der IG Metall die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft. Die Frauenquote liegt bei 52,1 Prozent – Verdi hat 953.075 Frauen und 877.192 Männer organisiert. Die Gewerkschaft beschäftigt bundesweit rund 3400 Mitarbeiter (davon 560 Beschäftigte in der Bundesverwaltung) und nimmt durch Beitragszahlungen jährlich etwa 566,5 Millionen Euro ein.ver.di-Bundesverwaltung, Ressort 1, Controlling-Mitteilung vom 12. Februar 2026. Verdi ist in zehn Landesbezirke und fünf Fachbereiche untergliedert und wird von einem neunköpfigen Bundesvorstand geleitet. Seit 2022 veröffentlicht ver.di jährlich den Transparenzbericht über die Verwendung der BeiträgeTransparenzbericht 2022 Vorsitzender ist seit September 2019 Frank Werneke.

Gründung Die Gründung der neuen Gewerkschaft wurde seit 1997 vorbereitet, beginnend mit der Hamburger Erklärung von sechs Gewerkschaften (zunächst war auch noch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit an Bord, die 1998 ausschied) am 4. Oktober 1997. Vom 17. bis 19. November 1999 entschieden sich die Delegierten in fünf gleichzeitig abgehaltenen Gewerkschaftskongressen (DPG in Bremen, DAG in Magdeburg, HBV in Bremen, IG Medien in Kassel und ÖTV in Dortmund), den Gründungsprozess voranzutreiben.Zeitstrahl. Verdi-Webseite. Am 16. März stimmte die ÖTV als erste der fünf Teilgewerkschaften für ihre Auflösung, am 17. März dann die vier anderen Gewerkschaften.https://www.verbaende.com/news.php/Alle-fuenf-Gewerkschaften-DAG-DPG-HBV-IG-Medien-und-OeTV-haben-fuer-verdi-gestimmt?m=5392

Verdi entstand am 19. März 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften, die mit Ausnahme der DAG zuvor alle dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) angehörten: Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Deutsche Postgewerkschaft (DPG), Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), IG Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst (IG Medien) und der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV).

Die treibende Kraft in diesem Prozess war Roland Issen, der das Konkurrenzdenken und den Kampf unter den Gewerkschaften beenden wollte. 1987 wurde er zum Vorsitzenden der DAG gewählt. Noch auf dem DAG-Bundeskongress 1987 in Hannover reichte er den anderen Gewerkschaften die Hand zur Zusammenarbeit. Es kam zu ersten Gesprächen in vertraulicher Runde mit dem Vorsitzenden des DGB und den Einzelgewerkschaften, und schon bald zeigte seine Arbeit Wirkung. Die DAG wurde mit Zustimmung des DGB in den Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) 1990 aufgenommen. Es folgten Kooperationsverträge der DAG mit der Gewerkschaft ÖTV 1994, mit der HBV 1995, und bereits drei Jahre später wurde mit der Hamburger Erklärung der späteren Gründungsgewerkschaften der Grundstein zu Verdi gelegt. Über 10 Jahre hat dieser Prozess gedauert, weil die Fusion nur mit großer Zustimmung möglich war. Auch Rückschläge mussten immer wieder überwunden werden.Zur Person - Gespräche mit Roland Issen. Herausgeber: Verdi-Bundesverwaltung, Berlin, Dezember 2017, S. 65–73, S. 83–91. Das angestrebte Ziel einer einzigen Gewerkschaft für alle Dienstleistungsberufe konnte allerdings nicht erreicht werden. Innerhalb des DGB konkurriert Verdi zum Beispiel mit der GdP um Zollbeamte, mit der GEW in den Bereichen Sozialpädagogik und Wissenschaft und mit der IG Metall in den IT-Berufen. Außerhalb des DGB organisieren der Deutsche Beamtenbund, der Marburger Bund und die Gewerkschaften der Luftfahrt in ihren Bereichen oft erfolgreicher Beschäftigte, als Verdi das erreichen konnte.

Organisationsstruktur Höchstes Organ von Verdi ist der Bundeskongress, der alle vier Jahre zusammentritt. Er legt die Grundsätze der Gewerkschaftspolitik fest, wählt und entlastet den Bundesvorstand und den Gewerkschaftsrat.Satzung Verdi Die Gewerkschaft gliedert sich in Ebenen, Fachbereiche und Personengruppen. Fachbereiche und Personengruppen weisen eigene Organe und Gremien auf örtlicher Ebene, Bezirksebene, Landes- und Bundesebene auf. Mit dieser Matrixorganisation sollen sowohl die Organisation in ihrer Gesamtheit als auch die Interessen der einzelnen Berufsgruppen abgebildet werden. Am 23. Juni 2017 hat der Verdi-Bundesvorstand seine Position zur Zukunft der Fachbereiche vorgelegt. Mit einer Bündelung in vier große statt wie bisher 13 Fachbereiche soll eine sinnvollere Flächenpräsenz erreicht werden.Günter Busch: Mehr Kampfkraft durch Organisationsreform? - Die Gewerkschaft Verdi auf neuen Wegen, in Zeitschrift Sozialismus, 10/2017, S. 58–61 Der Gewerkschaftsrat hat am 29./30. November 2017 außerdem über den Rollout der Trennung und Neuausrichtung von kollektiver (Betriebsarbeit) und individueller Gewerkschaftsarbeit (Mitgliederbetreuung) entschieden und damit eine grundlegende Weichenstellung für die zukünftige Arbeit von Verdi vorgenommen. Für alle organisatorischen Einheiten ist in der Verdi-Satzung die Gleichstellung von Männern und Frauen festgeschrieben. Dies ist ein zentrales Thema der Gewerkschaft seit ihrer Gründung.

Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand Zwischen den Bundeskongressen ist der Gewerkschaftsrat das höchste Organ von Verdi. Er besteht aus Vertretern der Landesbezirke, der Fachbereiche sowie der Frauen, Jugend und Senioren. Der Gewerkschaftsrat wacht über die Einhaltung der Satzung, genehmigt den jährlichen Haushalt und die Jahresabschlüsse und kontrolliert den Bundesvorstand.

Der Bundesvorstand übernimmt alle Tätigkeiten, die nicht durch Satzung dem Bundeskongress oder Gewerkschaftsrat vorbehalten sind. Er führt die Geschäfte von Verdi und vertritt die Gewerkschaft nach innen und außen. Der Bundesvorstand besteht aus einem Vorsitzenden, den Leitern der Fachbereiche und bis zu fünf weiteren Mitgliedern. Dem Gremium gehören 2019 vierzehn Personen an.Organisation. Verdi-Webseite.

Zwischen 2001 und 2019 war Frank Bsirske erster Vorsitzender. 2019 folgte ihm Frank Werneke.

Die Vorsitzende des ehrenamtlichen Gewerkschaftsrates ist Lisette Hörig.

Landesbezirke, Bezirke und Ortsebene mini|Gewerkschaftshaus Frankfurt am Main, u. a. Sitz des Verdi-Landesbezirks Hessen mini|Volkshaus Leipzig, u. a. Sitz des Verdi-Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Die unterste Organisationsstufe der Ebenen ist der Ortsverein (OV) oder bei Zusammenfassung von mehreren Orten der Regionalverein (RV). Sie sollen die fachbereichsübergreifende Gewerkschaftsarbeit der Mitglieder fördern und vereinfachen. Über der Ortsebene existieren bundesweit Bezirke, denen wiederum die Landesbezirke übergeordnet sind. Über den regionalen Zuschnitt von Bezirken entscheiden diese einvernehmlich, während Landesbezirke vom Gewerkschaftsrat eingerichtet werden. In Verdi gibt es zehn Landesbezirke:

Landesbezirk Baden-Württemberg – im Bundesland Baden-Württemberg Landesbezirk Bayern – im Bundesland Bayern Landesbezirk Berlin-Brandenburg – in den Bundesländern Berlin und Brandenburg Landesbezirk Hamburg – im Bundesland Hamburg Landesbezirk Hessen – im Bundesland Hessen Landesbezirk Niedersachsen/Bremen – in den Bundesländern Niedersachsen und Bremen Landesbezirk Nord – in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Landesbezirk Nordrhein-Westfalen – im Bundesland Nordrhein-Westfalen Landesbezirk Rheinland-Pfalz-Saarland – in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen – in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Fachbereiche und Personengruppen Die Fachbereiche orientieren sich an den Branchen der Mitglieder und nehmen die wahr. Die Fachbereiche legen ihre innere Struktur selbst fest und besitzen eigene Statuten, die der Zustimmung des Gewerkschaftsrats bedürfen. Es gibt seit dem 1. Januar 2022 5 Fachbereiche:

Fachbereich A: Finanzdienste, Kommunikation und Technologie, Kultur, Ver- und Entsorgung Fachbereich B: Öffentliche und private Dienstleistungen, Sozialversicherung und Verkehr Fachbereich C: Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft Fachbereich D: Handel Fachbereich E: Postdienste, Speditionen und Logistik

Innerhalb der einzelnen Fachbereiche können Fachgruppen und Fachkommissionen gebildet werden, um die spezifischen Interessen einzelner Berufsgruppen besonders zu fördern.

Neben den Fachbereichen sieht die Verdi-Satzung vor, dass auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene sogenannte Personengruppen gebildet werden. Insgesamt existieren acht Personengruppen: Jugend Beamte Meister, Techniker und Ingenieure (rund ein Prozent der Mitglieder, Stand 2020) Selbstständige Solo-Selbstständige in Verdi erhalten über die mediafon GmbH ein Beratungs- und Vernetzungsangebot. Erwerbslose Migranten Migranten sind bei Verdi überwiegend Mitglieder, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben oder diese später erworben haben. Die Staatsangehörigkeit und weitere Kriterien der Gruppenzugehörigkeit werden mit einem Beiblatt zur Begrüßungsmappe erhoben. Diese neue Art der Datenerhebung wurde von der Verdi-Bundesverwaltung nicht mit der Personengruppe abgestimmt.Antrag H175 zur Erhebung der Staatsangehörigkeit, Bundeskongress 2019 Arbeiter Senioren 17,7 Prozent der Mitglieder sind Senioren. Senioren sind automatisch alle Mitglieder, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind oder auf eigenen Wunsch, wenn sie sich in der Freizeitphase der Alterszeit befinden. Sie zahlen einen reduzierten Beitrag von 0,5 Prozent des Alterseinkommens, haben aber dennoch volles Mitwirkungs-, Wahl- und Stimmrecht in allen Gremien und sind in der 4. Ebene in Ortsvereinen oder Betriebsgruppen (ehem. Postbetriebe) organisiert. Bei Tarifrunden und bei Streiks unterstützen sie die aktiven Kollegen. Die Gruppe der Senioren bildet auf jeder Ebene einen Seniorenvorstand (früher Seniorenausschuss) – höchstes Organ ist der Bundesseniorenvorstand. Darüber hinaus haben die Senioren nach ver.di-Satzung in allen Vorständen mindestens ein Mandat.

Aufgaben, Struktur und Mitgliedschaft der einzelnen Personengruppen werden durch Richtlinien geregelt, die auf Vorschlag der jeweiligen Gruppe vom Gewerkschaftsrat erlassen werden.

Mitgliederzahlen und -struktur Von 2001 bis 2017 sank die Zahl der Mitglieder von 2,81 auf 1,99 Millionen. Bei der Gründung gab es viele Karteileichen; Bsirske beziffert diese Gruppe mit rund 300.000.In einem Punkt ist Bsirskes Bilanz bei Verdi verheerend. Der Tagesspiegel, 22. September 2019, abgerufen am 21. Dezember 2019. Beobachter urteilten, Verdi rekrutiere neue Mitglieder zwar , könne sie aber nur eingeschränkt an sich binden. Bereits vor dem Zusammenschluss der fünf Einzelgewerkschaften 2001 kämpfte man mit abnehmendem Interesse vor allem bei Angestellten und Frauen. 2003 führten die gesunkenen Mitgliederzahlen dazu, dass Verdi selbst Stellen abbauen musste. Dies war aber auch der Tatsache geschuldet, dass nach der Fusion in der Verdi-Verwaltung viele Strukturen mehrfach vorhanden waren. 2007 beauftragte der Bundeskongress den Vorstand, Maßnahmen zu ergreifen, um den Mitgliederschwund aufzuhalten oder sogar umzukehren. Daraufhin wurde die Kampagne „Chance 2011“ ins Leben gerufen. 2012 führte man sie unter dem Titel „Perspektive 2015“ in vergleichbarer Form fort. Tatsächlich sprachen 2015 Gewerkschaftsvertreter von einem , der zumindest für die neuen Bundesländer gelte. Das Ende des Mitgliederschwundes trat jedoch auch bis Dezember 2021 nicht ein. 2023 ist ver.di um 40.106 Mitglieder bzw. 2,16 % gewachsen.ver.di meldet Rekordzuwachs an Mitgliedern, Tagesschau vom 11.1.2024

Aufgaben und Ziele mini|Streik im Öffentlichen Dienst in Hamburg am 12. April 2018