Ungarn ( []) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa. Das überwiegend im Pannonischen Becken gelegene und von der Donau durchflossene Land grenzt an die Slowakei und die Ukraine im Norden, Rumänien im Osten, Serbien und Kroatien im Süden sowie Slowenien und Österreich im Westen. Hauptstadt und größte Stadt ist Budapest; zu den weiteren Großstädten zählen Debrecen, Szeged, Miskolc, Pécs und Győr. Ungarn hat rund 9,5 Millionen Einwohner, die sich überwiegend als ethnische Ungarn identifizieren; eine bedeutende Minderheit stellen die Roma. Amtssprache ist Ungarisch, die größte nicht-indoeuropäische Sprache Europas.
Das Gebiet des heutigen Ungarn war seit der Altsteinzeit besiedelt. Seit der Antike sind Völkernamen wie Kelten, Römer, Sarmaten, Skythen, Hunnen, Germanen, Awaren und Slawen überliefert. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts nahmen die Magyaren unter der Führung des Großfürsten Árpád Teile des Karpatenbeckens in Besitz. Um das Jahr 1000 wurde unter Stephan I. das Königreich Ungarn gegründet, das sich zu einem bedeutenden Staat entwickelte.Kristó Gyula – Barta János – Gergely Jenő: Magyarország története előidőktől 2000-ig (History of Hungary from the prehistory to 2000), Pannonica Kiadó, Budapest, 2002, ISBN 963-9252-56-5, p. 687, pp. 37, pp. 113 ("Magyarország a 12. század második felére jelentős európai tényezővé, középhatalommá vált"/"By the 12th century Hungary became an important European constituent, became a middle power", "A Nyugat részévé vált Magyarország ... /Hungary became part of the West"), pp. 616–644
In Kämpfen gegen das Osmanische Reich erlitt Ungarn in der Schlacht bei Mohács (1526) eine entscheidende Niederlage; 1541 wurde auch die Hauptstadt Buda besetzt. Mehr als 150 Jahre lang wurde das Land in drei Teile geteilt: ein habsburgisch kontrolliertes Königreich, ein osmanisches Kerngebiet und das formal osmanisch abhängige, jedoch weitgehend autonome Fürstentum Siebenbürgen.
Ende des 17. Jahrhunderts kam das Land unter die Herrschaft der Habsburger. Mehrere Aufstände gegen die Habsburger, darunter der von Franz II. Rákóczi (1703–1711) und die Revolution von 1848/49, blieben erfolglos. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867 führte zur Entstehung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Diese zerfiel am Ende des Ersten Weltkriegs, und nach einer kurzen republikanischen sowie einer Räteregierungsphase verlor das Land durch den Vertrag von Trianon 1920 zwei Drittel seines Staatsgebiets. Das Königreich Ungarn wurde unter Regent Miklós Horthy ohne König fortgeführt.
Ungarn war Verbündeter des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg;Thomas, The Royal Hungarian Army in World War II, pg. 11 nach einem gescheiterten Austrittsversuch wurde das Land 1944 von deutschen Truppen besetzt und später von der Sowjetunion eingenommen. Nach einer kurzen Phase der demokratischen Zweiten Ungarischen Republik entstand die Volksrepublik Ungarn als sozialistischer Staat unter sowjetischem Einfluss. Nach dem Volksaufstand von 1956, der niedergeschlagen wurde, blieb das Land Teil des Ostblocks, die Innenpolitik war jedoch vergleichsweise liberal.
Im Zuge der politischen Umbrüche von 1989 wurde am 23. Oktober 1989 die dritte Republik Ungarn (seit 2012 offiziell nur noch Ungarn) ausgerufen und Ungarn wurde zur Demokratie. Ungarn trat 1999 der NATO und 2004 der Europäischen Union bei. Unter der Regierung des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán (2010–2026) wurde das Land jedoch wieder zunehmend autoritär regiert. Daher leitete die Europäische Kommission im Jahr 2022 erstmals ein Rechtsstaatsverfahren gegen ein Mitgliedsland ein. Ebenso sprach das Europäische Parlament erstmals einem Mitgliedsland ab, eine Demokratie zu sein. Im selben Jahr blockierten die anderen EU-Staaten aus diesem Grund erstmals die Auszahlung von mehreren Milliarden Euro an ein Mitgliedsland.
Gemäß dem Index der menschlichen Entwicklung zählt Ungarn zu den sehr hoch entwickelten Ländern. Es verfügt über ein staatlich organisiertes Gesundheits- und Bildungssystem. Ungarn besitzt eine reiche kulturelle und wissenschaftliche Tradition, Encyclopædia Britannica, 2012 edition und ist ein bedeutendes Reiseziel, mit Budapest als einer der zwanzig am häufigsten von Touristen besuchten Städte Europas.
Landesname Herkunft Die Eigenbezeichnung der Ungarn weicht stark von den ausländischen Namen für Ungarn ab. Der Begriff magyar (Aussprache // von ung. magyar []; früher magyeri) taucht schon im 9. und 10. Jahrhundert in islamischen Quellen auf und ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *mańćε = „Mensch, Mann, Geschlecht“) und er(i) (ebenfalls „Mensch, Mann, Geschlecht“). Der Name bezeichnete anfangs nur einen von sieben halbnomadischen Stämmen, die im 9. sowie im beginnenden 10. Jahrhundert räuberische Überfälle in Europa (bis über die Pyrenäen) unternahmen. Diese Stämme hießen Megyer (Magyar), Tarján, Jenő, Kér, Keszi, Kürt-Gyarmat und Nyék; sie sind auch unter dem Stammesbundnamen hétmagyar bekannt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts gelang es dem Stamm der Magyaren – das heißt den Nachkommen Árpáds, die übrigen Stämme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen. Von da an kann von Magyaren gesprochen werden.
Der Name Ungarn gelangte vermutlich aus dem Slawischen in die anderen europäischen Sprachen. Das slawische Wort lässt sich auf die bolgarotürkische Stammesbezeichnung onogur (on = „zehn“ + ogur = „Stamm“) zurückführen, die die Verfasstheit des Stammesverbands vor der Landnahme wohl zutreffend wiedergibt.Tibor Fazekas: Die Herkunft der Ungarn – Tradition und Mythologie der orientalischen Abstammung. In: Reinhard Lauer (Hrsg.): Erinnerungskultur in Südosteuropa. Bericht über die Konferenzen der Kommission für Interdisziplinäre Südosteuropa-Forschung im Januar 2004, Februar 2005 und März 2006 in Göttingen. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-025304-7, S. 37–58, hier S. 41. In der Volkstradition werden die Ungarn auf das Volk der Hunnen zurückgeführt, genetisch gesehen trifft das – so das Ergebnis von Studien – auf die nomadischen Eroberer wohl auch tatsächlich zuNeparáczki E., Maróti Z., Kalmár T., Kocsy K, Maár K., Bihari P. et al., Mitogenomic data indicate admixture components of Central-Inner Asian and Srubnaya origin in the conquering Hungarians. PLoS ONE 13/10, 2018, e0205920. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0205920. Ebenfalls wird eine Zugehörigkeit der Eroberer zur Stammesföderation der namensgebenden Onoguren gesehen.
Gebrauch des Namens mini|hochkant|Stephanskrone Das Königreich Ungarn, das in wechselnden Grenzen von 1001 bis 1946 bestand, heißt auf Ungarisch Magyar Királyság, da magyar im Ungarischen als Staatsbezeichnung und auch als Volksbezeichnung fungiert. Das heutige Ungarn heißt in der Landessprache Magyarország (deutsch: Ungarland). Von magyar wird im Deutschen das Adjektiv „magyarisch“ abgeleitet. In den meisten Sprachen der Welt – so auch im Deutschen – werden für das Land und seine Bewohner ebenfalls gleichlautende Bezeichnungen verwendet; sie stammen von dem lateinischen Begriff hungarus her. In Form der Landesbezeichnungen „Hungary“ und „Hongrie“ gelangte dieser Name beispielsweise auch ins Englische und Französische. Auf Rumänisch heißen das Königreich und die heutige Republik Regatul Ungariei beziehungsweise Republica Ungaria oder kurz Ungaria (Ungarn) und auf Ukrainisch (Koroliwstwo Uhorschtschyna) oder kurz (Uhorschtschyna).
Slowaken, Slowenen, Kroaten und Serben, die bis 1918 ganz oder teilweise im multiethnischen Ungarn lebten, unterscheiden dagegen bei der Staats- und Volksbezeichnung zwischen „ungarisch“ und „magyarisch“. Für den ungarischen Teil des einstigen Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn werden Bezeichnungen verwendet, die auf hungarus beruhen: Uhorsko (slowakisch), Ogrska (slowenisch) und Ugarska/Угарска (kroatisch/serbisch). Für den nach dem Vertrag von Trianon 1920 entstandenen Staat lauten die Bezeichnungen hingegen, abgeleitet von dem ethnischen Begriff Magyaren Maďarsko (slowakisch), Madžarska (slowenisch) und Mađarska/ (kroatisch/serbisch).
Bis 2012 lautete die amtliche Vollform Republik Ungarn (ungarisch Magyar Köztársaság).
Geographie mini|hochkant=1.2|Allgemeine geographische Karte Ungarn besteht aus 19 Komitaten und der Hauptstadt Budapest. Im Westen, an Österreich grenzend, liegen die Komitate Győr-Moson-Sopron und Vas, die landschaftlich besonders durch ihre Voralpenhügel gekennzeichnet sind. Etwas weiter im Osten, beim Plattensee, liegen die Komitate Veszprém, Somogy und Fejér und nördlich davon das Komitat Komárom-Esztergom. Diese Gegend ist vor allem wegen des Bakonygebirges bekannt. Weiter östlich befinden sich die Hauptstadt Budapest, mit dem umliegenden Komitat Pest und dem Komitat Bács-Kiskun im Süden. Dominiert wird diese Gegend vom Pilisgebirge und von der Donau.
Noch weiter östlich befinden sich die Komitate Heves, Jász-Nagykun-Szolnok und Csongrád-Csanád. Diese Gegend ist der Zwischenraum zwischen der Donau und der Theiß (ungarisch: ). Im Süden der Region finden sich kleine Steppen. Im Norden befindet sich das Mátra-Gebirge mit dem höchsten Berg Ungarns, dem Kékes. Am östlichen Rand des Landes befinden sich die Komitate Borsod-Abaúj-Zemplén, Szabolcs-Szatmár-Bereg, Hajdú-Bihar und Békés. Diese Gegend wird von der Puszta im Süden und dem Bükk in Borsod-Abaúj-Zemplén dominiert.
Die Außengrenze mit den sieben Nachbarstaaten ist 2246 Kilometer lang, davon 356 Kilometer mit Österreich, 679 Kilometer mit der Slowakei, 137 Kilometer mit der Ukraine, 453 Kilometer mit Rumänien, 164 Kilometer mit Serbien, 355 Kilometer mit Kroatien und 102 Kilometer mit Slowenien.
Tiefebenen mini|Nationalpark Hortobágy Die Donau teilt Ungarn in das westliche Transdanubien mit der Kleinen Ungarischen Tiefebene (ungarisch Kisalföld) und in die von der Theiß durchflossene Große Ungarische Tiefebene (ungarisch Alföld) im zentralen und östlichen Teil des Landes. Die fruchtbare Kleine Ungarische Tiefebene im Nordwesten Ungarns besteht hauptsächlich aus dem Becken von Győr (Raab). Die abwechslungsreiche Landschaft wird bestimmt durch leicht welliges Terrain, kleine Hügel und zerschnittene Platten. Auf den fruchtbaren Lössböden kann dank des milden Klimas intensiv Landwirtschaft betrieben werden.
Die Große Ungarische Tiefebene nimmt nahezu die Hälfte des gesamten Staatsgebiets Ungarns ein. Sie ist mit in vorgeschichtlicher Zeit aufgeschütteten Geröllen und Sanden bedeckt. Entlang der Theiß ist sie von Auenlandschaften durchzogen und mit einzelnen Waldinseln durchsetzt. Die Trockenlegung der Auen und die Rodung der Wälder haben zur Versalzung der Böden geführt. So entstand die typische Puszta mit Ziehbrunnen, Einzelgehöften und extensiver Weidewirtschaft. Aufwändige Bewässerungsmaßnahmen ermöglichen den Anbau von Tabak, Mais und Sonnenblumen auf den fruchtbaren Böden. Der Nationalpark Hortobágy wurde geschaffen, um einen kleinen Teil der Puszta-Landschaft zu schützen.
Gebirge mini|Der Kékes (), Ungarns höchster Berg Die ungarischen Mittelgebirge verlaufen vom Zemplén-Gebirge im Nordosten bis zum Bakonywald im Westen. Fast alle Mittelgebirge in Ungarn tragen in höheren Lagen dichten Laubwald. Die Hänge und Becken sind mit fruchtbaren Böden bedeckt, die Acker-, Obst- und Weinbau ermöglichen. Thermalquellen, die an den Rändern der Mittelgebirge auftreten, sind Zeugnisse eines vergangenen und lebhaften Vulkanismus. Dies bestätigen auch die vulkanischen Gesteine des Bakonywaldes und des Mátra-Gebirges im Norden. Bis auf diese Ausnahmen bestehen die sonstigen Mittelgebirge in Ungarn aus Dolomit und Kalkstein. Das bewaldete Mecsekgebirge im Südwesten nördlich von Pécs erhebt sich inselartig auf bis zu . Im Mátra-Gebirge liegt die mit höchste Erhebung Ungarns, der Kékes.
Höhenverhältnisse: Größte Höhe: Kékes im Mátra-Gebirge, Komitat Heves, bis . Niedrigster Landesteil: an der Theiß, im Komitat Csongrád-Csanád, . Etwa die Hälfte des Landes liegt tiefer als 130 m (Große Ungarische Tiefebene).
Flüsse und Seen