mini|hochkant=2|alt=Eine graphische Landkarte von der Ukraine. Der Staat wird von den angrenzenden Staaten und dem Schwarzen Meer umrandet. Die Flüsse und Regionen sind auch benannt. Eine Legende unten links benennt die nicht anerkannten Gebiete und eine Legende oben rechts zeigt die Einwohnerzahl unterschiedlicher Städtesymbole.|Übersichtskarte der Ukraine mit allen Städten über 100.000 Einwohnern Die Ukraine (; im Deutschen [] oder []Ukraine, duden.de.) ist ein Staat in Osteuropa mit knapp 39 Millionen Einwohnern. Mit einer Fläche von 603.628 Quadratkilometernde jure in den Grenzen von 2013 603.628 km², ohne die von Russland 2014 annektierte Krim de facto 576.800 km², weitere Gebiete sind seit 2022 umkämpft und von Russland besetzt oder annektiert. ist sie nach Russland der zweitgrößte Staat Europas und der größte, dessen Gebiet zur Gänze innerhalb des Kontinents liegt. Das Land grenzt im Osten und Nordosten an Russland, im Norden an Belarus, im Westen an Polen, die Slowakei und Ungarn sowie im Südwesten an Rumänien und Moldau. Im Süden grenzt die Ukraine an das Schwarze und das Asowsche Meer. Die Hauptstadt und größte Metropole des Landes ist Kiew, weitere Ballungszentren sind Charkiw, Dnipro, Donezk und Odessa.
Ihre staatliche Tradition führt die Ukraine, ebenso wie ihre Nachbarländer Russland und Belarus, auf das mittelalterliche Kiewer Reich zurück. Seit dessen Untergang im Mongolensturm des 13. Jahrhunderts gehörte das Gebiet der Ukraine abwechselnd ganz oder teilweise zu den Herrschaftsgebieten der Goldenen Horde, des Großfürstentums Litauen, des Königreichs Polen, Polen-Litauens, des Osmanischen Reiches, des Russischen Zarenreichs und der Habsburgermonarchie. Das Kosakenhetmanat entstand im 17. Jahrhundert in der Zentralukraine, wurde jedoch zwischen Russland und Polen aufgeteilt, bevor es im 18. Jahrhundert nach und nach vom Russischen Reich annektiert wurde. Die im Zuge der Revolutionen von 1917 entstandene Ukrainische Volksrepublik bestand bis 1921 und war ein wichtiger Schritt hin zur ukrainischen Staatlichkeit, konnte jedoch ihre Kontrolle nicht dauerhaft über das gesamte heutige Staatsgebiet ausdehnen. Im Verlauf des Russischen Bürgerkriegs geriet Kiew zeitweise unter die Kontrolle der Roten Armee. 1919 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen. Bei der Konstituierung der Sowjetunion 1922 war sie eines der Gründungsmitglieder. In den frühen 1930er Jahren starben Millionen Ukrainer im Holodomor, einer vom Menschen verursachten Hungersnot. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ukraine von Deutschland besetzt und war Schauplatz heftiger Kämpfe und Gräueltaten, bei denen 7 Millionen Zivilisten ums Leben kamen, darunter die meisten ukrainischen Juden. Bei der Gründung der Vereinten Nationen 1945 erhielten auch die Sowjetrepubliken Belarus und Ukraine eine eigene Mitgliedschaft. 1954 wurde die bis dahin zur RSFSR gehörende Krim der Ukraine unterstellt. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde die Ukraine erneut souverän, erstmals mit internationaler Anerkennung. Als Gegenleistung für den Verzicht der Ukraine auf die auf ihrem Territorium stationierten sowjetischen Nuklearwaffen garantierten Russland, die USA und Großbritannien im Budapester Memorandum von 1994 die Eigenständigkeit und die bestehenden Grenzen des Landes.
Im Februar 2014 brach infolge der Annexion der Krim durch Russland und des Kriegs im Donbas ein bis heute andauernder Konflikt zwischen beiden Ländern aus. Die Krim und Teile des Donbas befinden sich seither unter russischer Kontrolle. Russland erkannte am 21. Februar 2022 die von prorussischen Separatisten proklamierten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk als eigenständige, von der Ukraine unabhängige Staaten an (um sie sieben Monate später formell zu annektieren). Am 24. Februar 2022 begann der Überfall auf die Ukraine, indem russisches Militär sowohl von Russland als auch von Belarus, dem Schwarzen Meer und den zuvor besetzten Gebieten aus in die Ukraine eindrang. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief den Kriegszustand und das Kriegsrecht aus.
Nach dem von der Ukraine zurückgeschlagenen Angriff auf die Hauptstadt Kiew verlagerte sich das Kriegsgeschehen hauptsächlich, von Luftangriffen abgesehen, auf den Osten und Südosten des Landes. Am 1. Juni 2022 waren nach Schätzungen des UNHCR 4,7 Millionen Menschen aus der Ukraine in Europa als Flüchtlinge registriert. Insgesamt sind über 7,9 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, weitere 5,9 Millionen wurden in der Ukraine zu Binnenflüchtlingen. Laut den Vereinten Nationen handelt es sich dabei weltweit um die größte Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg.
Etymologie Die erste Erwähnung des Wortes ukraina findet man in der Kiewer Hypatiuschronik für das Jahr 1187 mit Bezug auf die befestigte Südgrenze des Fürstentums Perejaslawl am Fluss Sula.litopys.org.ua Danach findet man dieses Wort in Chroniken in Bezug auf unterschiedliche Grenzregionen der Rus, auch weit außerhalb des Gebietes der heutigen Ukraine.
Die traditionelle etymologische Deutung des Landesnamens verweist auf das altostslawische Wort ukraina, das die Bedeutung „Grenzgebiet, Militärgrenze“ hatte und dem westlichen Begriff Mark entsprach. (Vgl. hierzu auch den Namen des (historischen) Herzogtums Krain, der dieselbe Etymologie aufweist.)Ф.А. Гайда. От Рязани и Москвы до Закарпатья. Происхождение и употребление слова «украинцы» // Родина. 2011. № 1. С. 82–85. .litopys.org.ua Diese Sichtweise ist sowohl in der internationalen Geschichtsschreibung als auch in der ukrainischen dominierend, da sie unter anderem vom Nationalhistoriker Mychajlo Hruschewskyjlitopys.org.ua und von der Enzyklopädie der Ukraine unterstützt wird.З Eintrag „УКРАЇНА“ in der Enzyklopädie der Ukraine. Die meisten Autoren sind sich einig, dass dieser Name, der zunächst das Grenzgebiet zum sogenannten Wilden Feld mit seinen turkstämmigen Reiternomaden bezeichnete, lange Zeit ohne einen ethnischen Bezug existierte. Darüber, wann das Wort Ukraine zum Parallelbegriff für den kirchlichen und im Russischen Reich offiziell benutzten Namen Kleinrussland wurde, gibt es allerdings verschiedene Auffassungen.
Da die ostslawische Wurzel krai jedoch sowohl „Rand, Grenze“, als auch „Gebiet, Land“ bedeuten kann, hat in der nationalukrainischen Geschichtsschreibung die Sichtweise an Popularität gewonnen, dass das Wort ukraina in Chroniken seit dem 12. Jahrhundert in der Bedeutung „selbständiges Herrschaftsgebiet, Fürstentum“ benutzt wurde.Григорій Півторак. Походження українців, росіян, білорусів та їхніх мов. Die damit einhergehende Behauptung, wie etwa bei Hryhorij Piwtorak, dass es stets eine strikte Unterscheidung zwischen ukraina „Fürstentum“ und okraina „Grenzland“ gab, ist in der Forschung umstritten.
Geographie
mini|alt=Satellitenkarte von Eurasien mit dunkelblauem Meer. Die grünen Flächen im Norden und die sandigen Flächen im Süden werden von einem türkisen Streifen in der Mitte abgegrenzt.|Der eurasische Steppengürtel, kultureller und ökonomischer Austauschkorridor der Menschheit mini|alt=Blick vom Berg ins Tal mit klaren Wolken, die vom Horizont bis zum Berg reichen. Von der Mitte bis zur linken Seite des Fotos erstreckt sich eine Bucht, wo sich ein kleiner Ort mit weißen Gebäuden befindet. Der größte Teil der rechten Fotoecke zeigt den teils schneebedeckten, teils waldbedeckten Berg.|Das Krimgebirge ca. 1.200 m über dem Meeresspiegel mini|Kinburn-Halbinsel in der Oblast Mykolajiw
Die Ukraine ist ein Flächenstaat und das größte Staatsgebiet, welches vollständig in Europa liegt.Von der Fläche Russlands mit 17.074.636 km² liegen mindestens 3.900.000 km² in Europa, von der Fläche des Königreichs Dänemark mit 2.210.403 km² liegen 44.317 km² in Europa, von der Fläche der Türkei mit 783.562 km² liegen 23.764 km² in Europa und von der Fläche Frankreichs mit 643.801 km² liegen 543.963 km² in Europa. Etwa 95 % der Ukraine liegt auf dem Gebiet der Osteuropäischen Ebene, weshalb sie fast ausschließlich zu Osteuropa gezählt wird. Die restlichen 5 % zählen je nach Definition zu Mitteleuropa (die Karpaten und Lwiw) und Südosteuropa (Odessa und der Budschak). Andere Landschaftsräume außerhalb der großen Ebene finden sich in der südlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Waldkarpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im äußersten Süden. Der höchste Berg des Landes ist die Howerla in der Tschornohora, die eine Höhe von erreicht. Die höchste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1545 Metern Höhe.
Auf dem zur osteuropäischen Ebene gehörenden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und Süden des Landes große Tiefländer (ukrainisch ) wie etwa das Dneprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das Gelände erreicht dort Höhen zwischen 0 und 200 m. Aufgrund der geringen Höhenunterschiede fließen die Flüsse dieses Gebiets sehr langsam. Im Bereich der Tiefländer gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erdölvorkommen, die aber für eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die Erschließung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt.
Im zentralen Landesteil erstrecken sich von Westen nach Osten höherliegende Gebiete mit Geländehöhen zwischen 200 und 470 m (Kamula), die Platten (ukrainisch ) genannt werden. Zu diesen gehören etwa die Podolische Platte, das Dneprhochland oder die Donezplatte. Diese Platten bestehen überwiegend aus Gestein aus dem Erdaltertum, das durch die Entstehung des alpidischen Gebirgsgürtels in den letzten 10 Millionen Jahren wieder angehoben worden ist. Sie sind reich an Rohstoffen wie etwa Eisenerz und Kohle. Die größten Erzvorkommen finden sich im Krywbass um die Stadt Krywyj Rih im Westen der Oblast Dnipropetrowsk, während die Kohlelager sich überwiegend im Gebiet des Donezbeckens um die Stadt Donezk befinden. Die Platten sind von zahlreichen kleineren und größeren Flüssen durchschnitten, die sich teilweise tief ins Gelände eingeschnitten haben.
Der Nordwesten der Ukraine wird als Wolhynien bezeichnet.
Der geografische Mittelpunkt des Landes befindet sich in der Nähe der Siedlung Dobrowelytschkiwka in der Oblast Kirowohrad.
Österreichische Ingenieure kamen Ende des 19. Jahrhunderts zu dem Ergebnis, dass der geographische Mittelpunkt Europas im Dorf Dilowe in der Oblast Transkarpatien liege. Da es verschiedene Verfahren zur Berechnung des Mittelpunktes gibt und die Ostgrenzen Europas willkürlich und somit nicht eindeutig festgelegt sind, beanspruchen jedoch auch mehrere andere Orte den Titel für sich.
Klima und Böden
Abgesehen von den Berggebieten und den südwestlichen und südlichen Küstenregionen lässt sich die Ukraine hinsichtlich des Klimas, der Böden und der Vegetation in drei Großzonen gliedern. Im Nordwesten hat es Anteil an den Prypjatsumpfgebieten, die insbesondere durch frühere Gletschervorstöße aus Skandinavien während der Eiszeiten geprägt wurden. Hier finden sich die schlechtesten Böden des Landes. Hinzu kommt, dass diese Region besonders stark von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 betroffen ist. Das Gebiet erhält relativ viel Niederschlag (500–750 mm), die Sommer sind mild, mit Durchschnittstemperaturen im Monat Juli von 17 bis 19 °C.
An diese Zone schließt sich nach Süden und Südosten die sogenannte Waldsteppenzone an, in der ehemals bestehende Waldbestände aber überwiegend schon abgeholzt wurden. Hier befinden sich weit ausgedehnte Lössebenen, die im Eiszeitalter unter periglazialen Bedingungen entstanden sind. Aus dem Löß haben sich überwiegend sehr fruchtbare Schwarzerdeböden entwickelt, die zu den ertragreichsten der Welt gehören. Die Niederschlagsmengen liegen zwischen 350 und 400 mm, die Juli-Durchschnittstemperaturen bei 20 °C. Insgesamt bietet dieses Gebiet sehr gute Bedingungen für eine landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings sind die Böden sehr erosionsanfällig, wenn sie, wie oft in Sowjetzeiten geschehen, falsch bestellt werden.