mini|Stadt Uster von oben
Uster (im zürichdeutschen Ortsdialekt Uschter Sprachatlas der deutschen Schweiz V 1b; siehe auch ortsnamen.ch unter Uster.) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Schweizer Kanton Zürich. Die Bedeutung der Stadt Uster ist mit dem Bau des S-Bahn-Netzes des Zürcher Verkehrsverbunds stark gewachsen. Mit über 37 000 Einwohnern ist sie die drittgrösste Stadt im Kanton. Neben Wetzikon bildet sie eines der beiden Zentren des Zürcher Oberlands.
Geographie mini|Luftbild (1971) Uster liegt im Zürcher Oberland und ist flächenmässig mit 28,56 km² die grösste Gemeinde im Bezirk Uster sowie achtgrösste des Kantons Zürich. Die Gemeinde liegt östlich des Greifensees, 13 Kilometer entfernt von Zürich.
Der grösste Anteil von Uster wird von Kulturland eingenommen, das 44,5 % des Gemeindegebietes umfasst. Dazu kommen 27 % Wald, 18,4 % Siedlung, 7,8 % Verkehrsfläche und 0,4 % Gewässer.
Im Norden liegen die Gemeinden Volketswil und Fehraltorf, im Osten Pfäffikon und Seegräben, im Süden Gossau und Mönchaltorf und im Nordwesten die Gemeinde Greifensee.
mini|Quartiere (ehemalige Zivilgemeinden) der Stadt Uster
Ortsteile Uster unterteilt sich nach der Vereinigung vom 9. Juli 1927 in elf Ortsteile, die früher eigenständige Zivilgemeinden waren. Sechs sogenannte Aussenwachten liegen noch heute als Dörfer in freier Landschaft rund um das Kerngebiet der Stadt Uster, die anderen sind inzwischen baulich zusammengewachsen.
Die aufgeführten Einwohnerzahlen basieren auf der aktuellen Bevölkerungsstatistik (Stand 31. März 2026).
Kirchuster Der Ortsteil Kirchuster wurde erstmals 1416 erwähnt. Er hat rund 11 050 Einwohner und ist somit der grösste Ortsteil der Stadt. Ortsverein ist der Quartierverein Kirchuster.
Niederuster Der Name des Ortes wurde mehrmals erwähnt, zunächst 1227 als de Inferiori Ustero (lat.), 1300 als ze Nidern Ustre (dt.) und 1416 als ze Nidern Ustra. Westlich nahe dem Greifensee und südlich des Bahnhofs gelegen, leben im Ort in etwa 7500 Einwohner. Ortsverein ist der Quartierverein Niederuster.
Oberuster-Nossikon Das Quartier unterteilt sich in Oberuster und Nossikon. Oberuster wurde zum ersten Mal 1325 erwähnt. Es liegt östlich und leicht erhöht zum Bahnhof. Nossikon, als Nossinchoven erstmals 903 erwähnt, liegt südöstlich vom Bahnhof. Zusammengenommen wohnen dort etwa 5200 Einwohner. Ortsverein ist der Quartierverein Oberuster-Nossikon.
Rehbüel-Hegetsberg Der Ortsteil liegt im nordöstlichen Teil von Uster und hat in etwa 3500 Einwohner. Der Name setzt sich aus den zwei Namen der Anhöhen Rehbüel und Hegetsberg zusammen. Die dichte Besiedlung des Gebietes entstand nach dem Bau der Glatthalbahn und deren Eröffnung am 1. August 1856, als in der Nähe des Bahnhofs die ersten Häuser gebaut wurden. Die öffentliche Hand entschied sich für den Bau von Gesundheitseinrichtungen in diesem neuen Stadtteil, in dem sich heute die Gesundheitsmeile mit dem Spital Uster, dem Alters- und Pflegezentrum Im Grund und der Stiftung Wagerenhof für Menschen mit einer geistigen und mehrfachen Beeinträchtigung befindet. Ortsverein ist der Quartierverein Rehbüel-Hegetsberg.
Riedikon In der südlich vom Stadtzentrum gelegenen Ortschaft leben zirka 750 Einwohner in der bewahrten dörflich-ländlichen Struktur nahe dem Ufer am Greifensee. Erstmals im Jahr 741 urkundlich erwähnt, ist Riedikon die älteste Siedlung im Gebiet der heutigen Stadt Uster. Ortsverein ist der Ortsverein Riedikon.
Werrikon Zwischen dem Kerngebiet der Stadt Uster und dem Dorf Nänikon liegt der Weiler Werrikon. Er ist durch das Naturschutzgebiet Werrikerried–Glattenried von den Quartieren des Zentrums getrennt. In der Aussenwacht leben etwa 360 Einwohner. Ortsverein ist der Ortsverein Werrikon.
Winikon-Gschwader Dieses Quartier liegt nördlich des Zentrums und hat in etwa 4200 Einwohner. Der Ort wurde erstmals um 1325 als Winckhen erwähnt, 1361 als Winninkon. Ortsverein ist der Quartierverein Winikon-Gschwader.
Freudwil Nördlich der Oberlandautobahn und nordwestlich von Wermatswil liegt die Aussenwacht Freudwil. Fast vollständig von Wäldern umgeben, leben dort etwa 150 Einwohner. Das Uhrtürmchen auf dem alten Schulhaus gilt als Wahrzeichen des kleinen Dorfes. Ortsverein ist der Dorfverein Freudwil.
Wermatswil Zwischen dem Kerngebiet der Stadt Uster und der Gemeinde Pfäffikon liegt Wermatswil (mundartlich Wemetschwiil.). Auf der Anhöhe leben etwa 1250 Einwohner. Berühmtester Sohn des Dorfes ist Jakob Gujer. Ortsverein ist der Dorfverein Wermatswil.
Nänikon Das Dorf Nänikon liegt drei Kilometer westlich von Uster und hat etwa 2850 Einwohner. Die zwei Wahrzeichen der Aussenwacht sind das Türmli-Schulhaus und das an den Alten Zürichkrieg erinnernde Denkmal auf der Bluetmatt (vgl. Mord von Greifensee). Das Dorf ist eng mit der Gemeinde Greifensee verflochten; beide Gemeinden haben einen gemeinsamen Bahnhof Nänikon-Greifensee und eine gemeinsame Postleitzahl. Ortsverein ist der Gemeindeverein Nänikon.
Sulzbach Das Dorf mit bäuerlichem Ursprung liegt zwischen Uster und Gossau. Es hat etwa 400 Einwohner. Ortsverein ist der Dorfverein Sulzbach.
Geschichte mini|Schloss Uster, Kirchuster und das Weingut im frühen 18. Jahrhundert mini|Uster um 1900 mini|Schloss Uster mit Gemüsegarten, 1919 mini|Schloss Uster von Süden
Vor- und Frühgeschichte Auf Ustemer Gemeindegebiet, bei Riedikon, fanden sich zahlreiche Spuren von Ufersiedlungen der neolithischen Pfyner Kultur. Von bronzezeitlicher Besiedelung zeugen einige Grabhügel. Römische Gutshöfe standen in Nänikon, Riedikon und im Oberusterwald. Der alemannische Siedlungskern entstand im Frühmittelalter an den Ufern des Aabachs im heutigen Oberuster (im Bereich der «Insel»). Es kreuzten sich dereinst dort die Römerwege vom Glatttal zum Zürcher Oberland (dem Aabach entlang) und von Winterthur zum Zürichsee.
Mittelalter Das Kloster St. Gallen verfügte um 741 über Besitz in Riedikon. Die Siedlung Uster wird im Jahr 775 erstmals in St. Galler Urkunden erwähnt, als Ustra villa.StiASG, Urk. I 48. Online auf e-chartae, abgerufen am 19. Juni 2020. Spätere Schreibweisen sind in Ustramarcha (902), Ustera (952), Ustire (1217/8), Uster (1219), Ustere (1244), Ostrum (1263), Ustir (1268), Ostra (1363), Ustrach (1426). Die Herkunft des Ortsnamens ist unklar. Im 19. Jahrhundert wurde eine vordeutsche Herkunft vermutet und die erst spät bezeugte Schreibweise in -ach als volksetymologisch gedeutet.Heinrich Meyer: Die Ortsnamen des Kantons Zürich, aus den Urkunden gesammelt und erläutert. Zürich 1849, S. 101.: «Werdmüller sagt, Uster werde in den alten Urkunden auch Osheim u. Ostheim genannt. Wir haben diese Formen nirgends gefunden, und halten sie vielmehr für unpassende etymologische Deutung; denn das Wort gehört nicht der deutschen, sondern der keltischen Sprache an.» Oustra (942) und Ustrach (1342) [statt 1426] zitiert Meyer nur nach Gerold Meyer von Knonau: Zürcherische Ortsnamen in der mittelalterlichen Namensform. In: Beiträge zur Geschichte und Literatur vorzüglich aus den Archiven und Bibliotheken des Kantons Aargau. Aarau 1846, S. 540. Einen Vorschlag, der den Ortsnamen doch als althochdeutschen Gewässernamen deutet, ausgehend von einem *uster-aha «gefrässiger Bach» oder *ustrâ «die Gefrässige» (die heutige Ustermer Aa), legte Bruno Boesch 1978 vor.Bruno Boesch: Uster. In: Name und Geschichte. Henning Kaufmann zum 80. Geburtstag. Hrsg. von Friedrich Debus und Karl Puchner. München 1978; Nachdruck in: Kleine Schriften zur Namensforschung 1945–1981. Heidelberg 1981, S. 458 ff, S. 191 schreibt Boesch: «Der Ansatz mit -aha ist rein sprachlich nicht nötig: ustrâ als fem. Adj. ‚die Gefrässige‘ könnte genügen. Aus sachlichen Gründen gehen wir vom heutigen Aa-bach, an welchem Uster liegt, aus und damit von der Kontraktion aha > a, die sich häufig belegen lässt.» Das ahd. Adjektiv ustar «gefrässig» (gulosus) ist in Glossen überliefert. Der Flurname Usteren am Eubach, Kanton Schwyz, wird als Vergleichsmaterial herbeigezogen: «Wenn wir die beiden benachbarten Namen Lattbach und Usteren nebeneinander betrachten, so kommt ein frappierendes Gegensatzpaar zum Vorschein, denn der ursprüngliche Name des Lattbachs war Glattbach, was auf einen ruhigen, glatten Lauf zurückgehen muss, während die *Ustera die gefrässige, gierige ist. Beide Namen bezeichneten offenbar schon seit ihrer ersten Überlieferung nicht mehr ein Gewässer, sondern Grund und Boden bei den einst so benannten Bächen. Es ist denkbar, dass das erschlossene *Ustaraha ein Name für den Eubach war, während der Glattbach das Bächlein benannt hatte, welches das Gut durchfliesst.» (ortsnamen.ch). Alternativ erwog Boesch ebenda eine Bedeutung «der nach Osten hin liegende Bach», mit Herleitung von ahd. ôstar und Vergleich mit dem Gewässernamen Ostrach. «Bruno Boesch, der ihn [den Ortsnamen] 1949 noch dem Keltischen zuzuordnen versuchte, hat in einer späteren Untersuchung einleuchtend begründet, weshalb es sich um einen althochdeutschen Namen mit der Bedeutung ‚gefrässiger Bach‘ handeln dürfte.» Bernhard Nievergelt und Hansruedi Wildermuth sahen diesen Ansatz in ihrem Buch Eine Landschaft und ihr Leben: das Zürcher Oberland. Vom Tierhag zum Volkiland (2001), S. 228. als berechtigt an. Boeschs Vorschlag wurde übernommen in Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 906, und in Manfred Niemeyer, Deutsches Ortsnamenbuch (2012), S. 647. Eine Rückführung auf das Keltische (und die Annahme einer spätmittelalterlichen Umdeutung) sei unhaltbar.
Auf der Insel, die auf der einen Seite noch heute vom Aabach und auf der anderen Seite von einem künstlichen Kanal (heute die Strasse) eingefasst ist, stand die erste Mühle. Sie wurde später etwas nach Süden und auf die andere Kanalseite verlegt, wo sie heute noch – eher unscheinbar – steht (das Mühlerad existiert nicht mehr). Die Mühle in Niederuster bestand seit dem 14. Jahrhundert (1350 molendinum dictum die Ziegelmüli). Eine von den Rapperswilern gestiftete Pfarrkirche St. Andreas ist erstmals 1099 erwähnt (abgebrochen 1823). Laut Bucelin (Historia Agilolfingica et Guelfica, 1662) behaupteten die dem Geschlecht der Rapperswiler angehörenden Herren von Uster eine Abstammung von den schwäbischen Welfen.Johann Konrad Fäsi: Genaue und vollständige Staats- und Erdbeschreibung der helvetischen Eidgenossenschaft, derselben gemeinen Herrschaften und zugewandten Orten. Orell & Geßner, Zürich 1765, 407 f. Die Kirchgemeinde kam nach 1369 zu den Landenbergern und 1438 an das Kloster Rüti.
Um das Jahr 1100 errichteten die Herren von Winterthur mitten im Gebiet des Grafen von Rapperswil das Schloss Uster, das sich heute als Wahrzeichen über der Stadt erhebt. Um 1267 war die Burg im Besitz der Freiherren von Bonstetten. Im Hochmittelalter gehörte Uster zur Herrschaft Greifensee; Wermatswil und Teile von Freudwil gehörten zu Kyburg, Sulzbach und Riedikon zu Grüningen und grosse Teile der Ländereien um Oberuster dem Kloster Rüti. Der Ortskern selber aber gehörte zum grössten Teil freien Bauern, was zu jener Zeit unüblich war. 1473 wurde in der Kirchgemeinde ein Jahrzeitbuch angelegt, das zu den besterhaltenen des Kantons gehört. Dadurch, dass das Land und Schloss unterschiedlichen Herren gehörten, bildete sich in Uster kein eigentlicher Altstadtkern. Im Gebiet der heutigen Zentralstrasse, unterhalb des Burghügels, liessen sich im ausgehenden Mittelalter Handwerker nieder.
Die Grenze der Blutgerichtsbarkeit verlief entlang des Aabaches mitten durch Uster. Linksufrig (Riedikon, Sulzbach) lag sie bei den Herren von Grüningen, rechtsufrig (Wermatswil) bei der Grafschaft Kyburg. In Nossikon ist für das 13. und 14. Jahrhundert ein separates Gericht von Freien belegt, das durch die Öffnung von 1431 bestätigt wurde, seine Sonderstellung aber spätestens im 16. Jahrhundert verlor.
Das Anniversar von Uster entstand zwischen 1469 und 1473.