Micha () war einer der ersten Schriftpropheten im Tanach. Seine nach ihm benannte Schrift gehört zum Zwölfprophetenbuch. Er wird zu den „zwölf kleinen Propheten“ gezählt, auch als Trei Asar () bekannt.
Autor und Zeit mini|hochkant|Micha (James Tissot, um 1900) Micha wird nach seinem Herkunftsort Moreschet auch „der Moreschtiter“ () genannt (, ). In der griechischen Bibelübersetzung (Septuaginta) lautet die Namensform Michaias. Dies deutet darauf, dass der Name Micha nicht als Kurzform von Michael, sondern von Michaja („Wer ist wie JHWH?“) gedeutet wurde.
Er erhielt seine Offenbarungen nach Micha 1,1 während der Regierungszeit der Könige Jotam (757–736 v. Chr.), Ahas (735–725 v. Chr.), und Hiskija (725–697 v. Chr.) von Juda.Siehe auch Frühe Eisenzeit in Israel und Eisenzeit#Levante
Er war also ein Zeitgenosse von Jesaja, Amos und Hosea. Mit Moreschet (Micha 1,1 und ) ist wahrscheinlich das Dorf in der Nähe von Gat in der judäischen Schefala gemeint.
Verse dürften vor der Zerstörung Samarias durch Sargon von Assur (722 v. Chr.) entstanden sein, Verse vor dem Einfall Sanheribs von Assur (701 v. Chr.)
Thema mini|Tafel mit Zitat aus dem Buch Micha am Unterlindenbrunnen von Julius Seitz in Freiburg im Breisgau Michas Anklagen gegen soziale Ungerechtigkeit und religiöse Verderbtheit lassen das Thema des Amos und das seiner Zeitgenossen wieder aufleben. Obwohl er als Prophet angesehen wurde, vermied er diesen Titel, denn er wollte sich stark von den Berufspropheten abgrenzen. Seine Prophezeiungen beklagen insbesondere die gesellschaftlich schlechte Stellung der Kleinbauern und Bürger, die durch den Staat und seinen bürokratischen Apparat unterdrückt wurden, um dessen Unterhalt zu sichern.
Im Buch Jeremia wird bezeugt, dass Michas Wort gehört wurde und seine Botschaft zur Reform Hiskias beigetragen hat , und Michas Prophetie und ihre Wirkung werden als Argument gebraucht, um zu verhindern, dass Jeremia wegen einer ähnlichen Prophetie im Tanach hingerichtet wird. Manche Wissenschaftler gehen von einer nachträglichen Redaktion des Buches Micha aus, andere gehen davon aus, dass Micha das Buch selbst geschrieben hat.
Auslegung Die sprachliche Ähnlichkeit zwischen und wirft die Frage auf, wer hier wen zitierte. Exegeten sind unterschiedlicher Ansicht, ohne klare Antworten auf beiden Seiten. Da die beiden Propheten in unmittelbarer Nähe zueinander lebten und zur gleichen Zeit prophezeiten, ist diese Ähnlichkeit verständlich.
Der in Prophezeite wird teils als der in angekündigte gesehen:
und in erschienene Sohn des Jesaja angesehen:
Christliche Quellen beziehen auf die Geburt Jesu.
Inhalt
1. Überschrift
2. Gericht (–3,12) über Samaria und Jerusalem über die habgierigen Reichen Verheißung des Retters Gericht über gewalttätige Fürsten, falsche Propheten, gewinnsüchtige Priester
3. Das künftige Heil (–5,14) Der Berg des Herrn im Friedensreich Babylonische Gefangenschaft und Wiederherstellung Kommen des Retters
4. Der Herr rechtet mit Israel (–7,20) Die Forderung Gottes Sünden Jerusalems und Strafe Gottes Folgen der Sünde: Zerstörung jeder Gemeinschaft Hoffnung und Gottes Hilfe Lob der Barmherzigkeit Gottes
Wichtige Stellen Prophezeiung der Geburt des Gesalbten (Messias) in Bethlehem:
Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags 1995
Wichtiges Zitat des christlichen Widerstands in der DDR, „Schwerter zu Pflugscharen“:
Belegstelle der chiliastischen Textinterpretation des 18. JahrhundertsChristoph Schütz: Güldene Rose oder ein Zeugnis der Warheit von der uns nun so nahe bevorstehenden Güldenen Zeit des tausendjährigen und ewigen Reichs Jesu Christi und der damit verbundenen Wiederbringung aller Dinge., erschienen in 2. Aufl. 1731. Siehe zur Wirkungsgeschichte: New Harmony (Indiana)#Die Kirchen von Harmony Micha 4,8: „Es wird deine gülden(e) Rose kommen.“ Luther übersetzte in Micha 4 Vers 8 den hebräischen Text sehr frei, die Revision der 1880er Jahre entschied sich für eine wörtlichere Übersetzung.Vgl. Franz Delitzsch: Die revidierte Lutherbibel. Appell an die lutherische Kirche. Leipzig 1884, S. 13: „… nur die güldene Rose, Micha 4,8, mußte [bei der Revision] schwinden, weil sie, ohne daß ein Blumenname im Texte steht, die an den Kurfürsten Friedrich den Weisen gelangte päpstliche goldene Rose zum zufälligen Anlaß hat.“ Micha 4,8 in der Lutherbibel von 1534:
Martin Luther schrieb neben den Text die folgende Erklärung:
in der revidierten Lutherübersetzung des Jahres 1984, die in der Fassung von 2017 unverändert übernommen wurde:
Micha 6,3–4a wird zitiert in den Improperien der katholischen Karfreitagsliturgie. Lateinisch: „Popule meus, quid feci tibi? Aut in quo contristavi te? Responde mihi. Quia eduxi te de terra Ægypti [...]“. Deutsch: „Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir. Aus der Knechtschaft Ägyptens habe ich dich herausgeführt.“https://schott.erzabtei-beuron.de/fastenzeit/karwoche/karfreitag/register.htm Als Kirchenlied (Markus Fidelis Jäck 1817, GL 1975 Nr. 206): „O du mein Volk, was tat ich dir? Betrübt ich dich? Antworte mir! Ägyptens Joch entriß ich dich [...]“.
Siehe auch Liste biblischer Propheten
Literatur Manfred Dreytza: Das Buch Micha. Edition C Bibelkommentar AT, Bd. 40, Brockhaus, Witten 2009, ISBN 978-3-417-25083-1 (allgemeinverständlicher Kommentar). Jörg Jeremias: Die Propheten Joel, Obadja, Jona, Micha. (ATD 24,3). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-51242-5. Rainer Kessler: Micha (HThKAT). Herder, Freiburg/Br. u. a. 1999, 2. Aufl. 2000, ISBN 3-451-26849-3.
Hans Walter Wolff: Dodekapropheton 4. Micha. (BK.AT XIV/4). Neukirchen-Vluyn 1982, ISBN 3-7887-0637-6.
Weblinks
Literatur zum Buch Micha im K10plus Verbundkatalog Literatur zum Propheten (als ‚Person‘) Micha im K10plus Verbundkatalog Das Buch Micha in verschiedenen Übersetzungen online lesen und vergleichen auf Bibleserver.com (z. B. Einheitsübersetzung, Luther 1984 und 2017, Rev. Elberfelder und Neue Genfer Übersetzung), auch andere Sprachen. Martin Rösel: 6.6.06. Der Prophet Micha. In: Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments auf bibelwissenschaft.de. Abgerufen am 4. Dezember 2023.
Einzelnachweise
Kategorie:Prophet des Alten Testaments Kategorie:Jude (Altertum) Kategorie:Geboren im 8. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann