mini|hochkant|Prophet Jonas, Spätbarocke Skulptur von Aleijadinho Jona () ist der Name eines Schriftpropheten im Tanach (vollständig: ) und einer nach ihm benannten Schrift. Diese gehört zum Zwölfprophetenbuch. Sie stellt darin die einzige durchgehende Erzählung dar und beinhaltet nur eine Prophezeiung.

Name Der Name Jona geht auf die gleichlautende Vokabel zurück und bedeutet „Taube“. Es handelt sich dabei um den Hauptakteur, nicht jedoch um den Verfasser des Buches. Er wird mit dem gleichnamigen Propheten in gleichgesetzt.

Hans Walter Wolff nahm an, dass in der Namensbedeutung angedeutet sei, dass der Prophet „ein Flattergeistvgl. „Taube“ und doch ein Sohn der Treue Jahwes von „Treue“, „Beständigkeit“, „Wahrheit““ sei. Ob hinter der Namenswahl tatsächlich ein Interesse an der Wortbedeutung oder lediglich die Aufnahme einer bereits bekannten Prophetengestalt steckt, ist ungewiss.

Die Septuaginta gibt seinen Namen mit wieder, die Vulgata mit Jonas. Im Arabischen heißt der Prophet .

Entstehung In der Forschung existieren verschiedene Theorien zur Entstehung des Jonabuches, die vor allem in vier Problemfeldern gründen:

Zwei motivgeschichtlich sehr verschiedene Teile bilden jeweils einen geschlossenen Erzählbogen. Dies führte zur These, dass zwei Erzählungen (Stillung des Seesturms und die Bekehrung einer sündigen Stadt) zu einer Schrift zusammengefügt wurden. Demgegenüber steht die symmetrische Struktur beider Teile. Als sicher gilt, dass der Verfasserkreis unterschiedliche Stoffe kunstvoll kombinierte, die genaue Gestalt dieser Geschichten lässt sich jedoch nicht rekonstruieren. Der auffallende Wechsel von JHWH und Elohim führte zu Versuchen, eine Elohim-Grundschicht und eine JHWH-Bearbeitung zu rekonstruieren. Dies fand jedoch wenig Zustimmung. Oft vermutete man aufgrund der Dublette in 4,5b | 4,6a eine mehrstufige Wachstumsgeschichte. Dieses Problem lässt sich als literarische Technik der „Nachholung“ oder interpretatorisch lösen. Die Frage, ob der Jonapsalm zur ursprünglichen Erzählung gehört oder ob es sich um eine nachträgliche Einfügung handelt, ist das meistdiskutierte Problem. Als Gründe für eine nachträgliche Ergänzung werden Differenzen in Situation, Sprache und Charakter angeführt. Neuere Arbeiten halten mit guten Gründen an der Einheitlichkeit des Textes fest.

Heute wird das Buch Jona zumeist als literarisch einheitlich interpretiert.

Der Mehrheitsmeinung entspricht eine Datierung des Buches um den Wechsel vom 4. ins 3. Jh. v. Chr., vermutlich in Jerusalem oder der ägyptischen Diaspora:

Auf die nachexilische Zeit deuten die vielfältigen Anspielungen auf andere biblische Bücher, insbesondere die gezielten Bezüge zum Jeremiabuch, und die dtr. Umkehrtheologie. Für die frühhellenistische Epoche spricht die Aufnahme der griechisch-mythologischen Stoffe. In Blick auf die wörtlichen intertextuellen Gemeinsamkeiten zwischen Joel und Jona ist die Abhängigkeit Jonas von Joel wahrscheinlicher. Sprachliche Gründe sprechen dafür, dass Jona zu den späteren Schriften zählt.

Der terminus ante quem ist durch die in erwähnte Sammlung der „Zwölf Propheten“ gegeben, die eine Datierung in die Zeit nach 190 v. Chr. nicht mehr ermöglicht.Jörg Jeremias: Die Propheten Joel, Obadja, Jona, Micha. ATD 24/3, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-51242-5, S. 80

Historische Einordnung und Historizität

Historischer Hintergrund Das Jonabuch selbst verzichtet auf eine Einbindung in die Geschichte Israels.

Eine Einordnung wird durch die Gleichsetzung mit Jona Ben Amittai ermöglicht, der nach die Wiederherstellung der alten israelitischen Nordgrenze durch König Jerobeam II. (781–742 v. Chr.) vorhergesagt hatte. In der biblischen Zeitrechnung ist somit die Zeit des Jona vor oder während der Regierungszeit Jerobeams II. anzusetzen, der im fünfzehnten Regierungsjahr seines Bruders Amazja (800–783 v. Chr.) König von Israel wurde. Beider Vater war König Joasch (um 840–801 v. Chr.). Seine Heimat war demnach der Ort Gat-Hefer in Galiläa. Es gibt bislang keine außerbiblischen schriftlichen Zeugnisse für die Historizität Jonas. Angeblich befindet sich sein Grab in dem Dorf Nebi-Junis.Wilhelm Litten: Persische Flitterwochen. Georg Stilke, Berlin 1925, S. 161 Über dem Grab stand die unter Saddam Hussein wiederaufgebaute Prophet-Jona-Moschee (eine ehemalige Klosterkirche) im Osten Mossuls, bis sie 2014 von der Terrororganisation Islamischer Staat geplündert und gesprengt wurde.

Die assyrische Stadt Ninive wurde 612 v. Chr. zerstört und für das Juden- und Christentum zum Synonym einer gottlosen bzw. gottverlassenen Stadt.

Allerdings zeigen weder die handelnden Personen noch die gezeigten Schauplätze irgendein historisch-individuelles Profil.

Historizität Neben der fehlenden historischen Einbindung treten im Jonabuch mehrere sachliche und historische Ungereimtheiten zutage.

Die Verschlingung Jonas durch den großen Fisch rief bereits im Altertum bei Kritikern der frühen Kirche Spott hervor. Ihre Historizität sollte in der neuzeitlichen Forschung durch teilweise sehr merkwürdige Erklärungen gesichert werden.Vgl. Jörg Jeremias: Die Propheten Joel, Obadja, Jona, Micha. ATD 24/3, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-51242-5, S. 92f. So vermuteten einige Forscher des 18. Jahrhunderts, Jona sei von einem Schiff mit dem Namen „großer Fisch“ aufgenommen worden oder er habe in einer Herberge übernachtet, die „Zum Walfisch“ hieß. Die schon im 18. Jahrhundert vertretene Erklärung der Verschlingung als Traumerlebnis ist zwar weniger skurril, aber auch sie hat keinen Anhalt im Text. Auch Versuche, die Verschlingung Jonas durch Verweis auf Parallelfälle historisch wahrscheinlich zu machen, haben die Mehrheit der Forschung nicht überzeugt. Im angelsächsischen Raum wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall eines gewissen James Bartley, eines amerikanischen Waljägers diskutiert, der 1891 vor den Falklandinseln von einem Pottwal verschlungen, aber von seinen Kameraden aus dem Magen des erlegten Wals lebend gerettet wurde. Bartley soll bei seiner Rettung bewusstlos und vom Magensaft des Wals angegriffen gewesen sein.Vgl. dazu: Dies verkennt die theologischen Aussagen, die hinter dem Bild stecken (siehe unten Verschlingungsmotiv).

Ein weiterer unhistorischer Zug ist die Schilderung Ninives. Ninive gilt im Jonabuch als Residenz eines Königs (Kap. 3), tatsächlich war die Stadt aber erst seit Sanherib die zentrale assyrische Residenz, die auch in Israel als solche wahrgenommen wurde, also nach 705 v. Chr. und damit lange nach dem historischen Jona. Abgesehen davon lassen sich in der Ninivedarstellung des Jonabuches neben den assyrischen Elementen solche wiederfinden, die zu der antiken Vorstellung von den Persern gehören. Die Verbindung von assyrischen und persischen Elementen spricht dafür, dass keine historisch zutreffende Ninive-Darstellung vorliegt, sondern ein Ninivebild, das aus einer Zeit stammt, in der sowohl das Assyrerreich wie auch das Perserreich schon Vergangenheit waren.Jörg Jeremias: Die Propheten Joel, Obadja, Jona, Micha. ATD 24/3, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-51242-5, S. 99

Gattung Die Gattung des Jonabuchs ist strittig. Ausgehend von der rhetorischen Schlussfrage, die sich nicht nur an die Figur Jona, sondern letztendlich an den Leser richtet, ist das Buch am ehesten als didaktische Lehrerzählung einzuordnen. Sie arbeitet mit den Mitteln von Satire und Ironie. Die Beziehung der Themen zueinander muss erklärt werden. Auch die vielfache Bezugnahme auf andere biblische Texte zeugt vom lehrhaften Charakter der Erzählung.

Darüber hinaus kann das Jonabuch auch als „didaktische Erzählung“, „didaktische Novelle“ oder „Midrasch“ eingeordnet werden.

Entscheidend ist das theologische Anliegen der Erzählung, nicht die Darstellung geschichtlicher Ereignisse.

Text und Aufbau Gliederung Das Buch Jona gliedert sich in die beiden Teile und . Beide Teile bestehen aus je 3 Szenen mit analoger Geschehensstruktur: +Szene 1Szene 2Szene 3Teil 1Erste Berufung zur Predigt in Ninive

Wortereignisformel kein festgelegter Ort Handlung: „Jona machte sich auf den Weg“HauptakteurSeeleuteJonaJonaGottgesandte Notlage(wirklich oder empfunden)SeesturmGott verfolgt seinen ProphetenRettender Fisch wird für Jona zum GefängnisGebet(und Handlung)Seeleute beten zu Gott (und werfen Jona ins Meer)Jona weigert sich zu beten (und flieht ins Meer)Der gedemütigte Prophet bittet um ErrettungGottes AntwortDas Meer beruhigt sichDer Fisch spuckt Jona an LandTeil 23,3b–4,5Zweite Berufung zur Predigt in Ninive

Wortereignisformel kein festgelegter Ort Handlung: „Jona machte sich auf den Weg“HauptakteurBewohner NinivesJonaJonaGottgesandte Notlage(wirklich oder empfunden)Prophezeiung des UntergangsJona ärgert sich über Gottes ErbarmenRizinusstrauch, der Jona vor seinem Ärger rettet, verdorrt und die Sonne stichtGebet(und Handlung)Gebet zu Gott (und Rückgabe gestohlenen Eigentums)Protestgebet (und Verlassen der Stadt)Protestierender Prophet ist verzweifelt, verweigert jedoch das GebetGottes AntwortGott hat ErbarmenAntwort Gottes und Versöhnung mini|hochkant|Der Prophet Jona wird vom Fisch bei Ninive ausgespien, aus „Hortus Deliciarum“ der Herrad von Landsberg (um 1180)|links Inhaltsangabe 1. Kapitel Das Buch Jona beginnt mit einer Wortereignisformel: Jona erhält von JHWH den Auftrag, nach Ninive zu gehen, um den Bewohnern aufgrund ihrer Bosheit ein Strafgericht Gottes anzukündigen. Zwar „machte sich [Jona] auf den Weg“ (V. 3a), jedoch in die entgegengesetzte Richtung, um über Jafo mit einem Schiff nach Tarsis zu fliehen. In Reaktion darauf lässt Gott einen gewaltigen Sturm aufkommen, durch den das Schiff in Seenot gerät. Durch das Los wird Jona als Verantwortlicher erkannt. Auf Jonas Vorschlag hin werfen die Seeleute ihn nach anfänglichem Zögern über Bord, woraufhin der Sturm endet und die Seeleute JHWH opfern.mini|Jona wird vom „Wal“ verschlungen (Hintergrund) und nach drei Tagen an Land ausgespien mini|Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621 2. Kapitel Ein von JHWH gesandter Fisch verschluckt Jona. Nach drei Tagen und drei Nächten im Bauch des Tieres betet Jona einen Dankpsalm, woraufhin der Fisch ihn auf JHWHs Befehl an Land spuckt.

3. Kapitel Im selben Wortlaut wie Kapitel 1 beginnt auch Kapitel 3 mit einer Wortereignisformel und dem erneuten Auftrag an Jona, dem dieser nun Folge leistet. Hier erfolgt die einzige Prophetie des Jonabuchs: „Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!“ (). Obwohl diese Ankündigung ohne Begründung und ohne Erwähnung Gottes geschieht, löst sie bei den Niniviten eine Bußbewegung aus, die die ganze Bevölkerung einschließlich der Tiere umfasst. Die Buße führt dazu, dass Gott die Stadt verschont, das angekündigte Gericht also nicht vollstreckt. alternativtext=Die Jona-Geschichte an einem Bürgerhaus am Markt in Pirna|mini|Bildliche Darstellung der Jona-Geschichte an der Nordwestecke des Marktplatzes in Pirna

4. Kapitel Diese Begnadigung löst in Jona großen Zorn aus. Nun begründet er erstmals seine anfängliche Flucht: Er habe um Gottes Güte gewusst und daher die Verschonung vermutet. Jetzt wünscht er sich den Tod. Die Berechtigung Jonas Zorns wird von JHWH in Frage gestellt, woraufhin er die Stadt verlässt und sich außerhalb eine Laubhütte erbaute, um das Kommende abzuwarten.

mini|Rizinusstaude|links|210x210px Gott lässt über diese Hütte zu Jonas Freude eine schattenspendende Rizinusstaude wachsen, die er jedoch bereits am nächsten Morgen verdorren lässt. Ein gottgesandter Ostwind und die heiße Sonne lassen Jona beinahe ohnmächtig werden und erneuern den Wunsch zu sterben. Erneut fragt JHWH nach der Berechtigung des Zornes des Propheten:

Damit endet die Erzählung, ohne dass eine Antwort oder anderweitige Reaktion Jonas auf diese Frage berichtet würde.

Theologie