mini|Maissilage in einem Fahrsilo Silage, auch Silofutter, Gärfutter, Sauerfutter oder selten Ensilage genannt, ist ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel für Nutztiere, vor allem für Wiederkäuer (insbesondere das Hausrind), da sie durch die Fermentation der Nahrung im Pansen auch in der Lage sind, Strukturkohlenhydrate zu verdauen. Es werden aber auch nachwachsende Rohstoffe, die als Energiequelle in Biogasanlagen dienen, durch Silierung haltbar gemacht. Siliert werden können grundsätzlich alle Grünfuttermittel, unter anderem Gras (Grassilage), Mais (Maissilage), Klee, Luzerne, Ackerbohnen oder Getreide (als Ganzpflanzensilage). Ferner können auch vermahlenes und mit Wasser zu einem Brei vermischtes Getreidekorn,Horst Eichhorn (Herausgeber): Landtechnik. 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1952/1999, ISBN 3-8001-1086-5, S. 262 ff. Rübenblätter oder Nebenprodukte wie Biertreber siliert werden. Die Eignung eines Futtermittels zur Silierung nennt man Silierbarkeit. Sie ist von chemischen, physikalischen und mikrobiellen Eigenschaften abhängig.

Inhaltsstoffe Zusammensetzung einer Silage für Milchvieh: Grassilage Maissilage Trockensubstanz (TS) 30–40 % 28–35 % Rohasche < 10 % < 4,5 % Rohfaser 22–25 % 17–20 % Stärke keine > 30 % MJ Netto-Energie Laktation (NEL)/kg TS > 6,2 (1. Schnitt), > 5,8 (Folgeschnitte) > 6,4 Rohprotein > 135 g/kg TS < 100 g/kg TS

Maissilage hat den höchsten Energiegehalt aufgrund des Stärkegehaltes, gefolgt von reiner Grassilage. Luzerne- oder Kleesilage ist proteinreich und enthält weniger Energie. Der Rohprotein- und Rohfasergehalt der Silagen ist abhängig vom Wuchsstadium der Futterpflanzen zum Erntezeitpunkt. Der Rohfasergehalt steigt mit dem Alter, der Rohproteingehalt sinkt hingegen ab. Der Rohaschegehalt ist abhängig von der Verschmutzung der Silage mit Sand oder Schmutzpartikeln und lässt damit Rückschlüsse auf die Sauberkeit der Ernte zu. Der Trockensubstanzgehalt des Erntegutes variiert zwischen 30 % und 45 % und beeinflusst die Silierung. Bei Grassilage ist er abhängig von der Anwelkzeit (Trocknungsdauer) des Mähgutes auf dem Grünland (Silage aus länger getrocknetem Ausgangsgut nennt man Welk- oder Anwelksilage), bei Maissilage vom Erntetermin.

Verwendung als Viehfutter und Substrat für Biogasanlagen mini|Rinderfütterung mit Maissilage im Winter mini|Heulageballen in Tirol In der Milchviehfütterung ist Maissilage neben Grassilage das am häufigsten verwendete Futtermittel. Vorteil gegenüber Heu ist die höhere Witterungsunabhängigkeit. Dazu ist die Schlagkraft höher, das heißt, je Tonne Erntegut ist weniger Maschineneinsatz nötig. Die Ernte kann somit zügig beendet werden, ohne dass es zu größeren Verlusten durch Veratmung von Nährstoffen durch Hefen oder Pilze kommt. Das Wenden und Bewegen/Aufnehmen in trockenem Zustand entfällt, daher entstehen weniger Bröckelverluste (die Maschinen können die kleinen Heupartikel nicht erfassen). Um einen ausreichenden Proteingehalt der Futterration zu gewährleisten, wird in maisbetonten Futterrationen meist importiertes Sojaextraktionsschrot zugefüttert. Im ökologischen Landbau wird vorwiegend Kleegrassilage eingesetzt, da der Anbau von Klee als Stickstoff liefernde Hülsenfrucht in Pflanzenbausystemen des ökologischen Landbaus vorteilhaft ist.

Silage mit hohen Proteingehalten eignet sich nur bedingt für die Pferdefütterung, deshalb wird ggf. Heu zugefüttert. Geeigneter für Pferde ist die später geerntete, weniger feuchte Heulage.

In Gebieten mit einer hohen Bedeutung der Herstellung von Rohmilchkäse wird auf die Fütterung von Silage verzichtet, da die Hartkäse-Herstellung durch aus der Silage in die Milch übertragene Clostridien deutlich erschwert wird.

Silagen dienen in Biogasanlagen als energiereiches Substrat. Häufig wird Maissilage eingesetzt, da Mais einen hohen Ertrag an Trockenmasse pro Fläche ermöglicht. Zudem liefert Maissilage bei der Vergärung einen hohen Gasertrag. Aber auch andere Ganzpflanzensilagen gewinnen an Bedeutung. So wird versucht, durch Zweifruchtsysteme aus einer Winter- und einer Sommerkultur die Erträge pro Fläche und Jahr zu erhöhen. Als Winterfrucht dient beispielsweise Roggen, der als Grünroggen bereits deutlich vor dem Abreifen geerntet wird, um bei der anschließend angebauten Sommerfrucht, wie Mais, höhere Erträge zu erzielen. Auch Kombinationen mit Sonnenblume, Hirse und anderen Früchten sind denkbar, in der Praxis aber bisher kaum verbreitet. Vorteile der Alternativen zum Mais sind unter anderem die Möglichkeit zum Fruchtwechsel, die ausgewogenere Nährstoffversorgung der Mikroorganismen im Fermenter der Biogasanlage und eine höhere Akzeptanz des Energiepflanzenanbaus in der Bevölkerung durch die größere Vielfalt der Ackerkulturen.Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.: Projekt zur Untersuchung und Optimierung des Energiepflanzenanbaus. Die Konservierung dieser Ackerfrüchte erfolgt ebenfalls durch Silierung.

Ablauf der Silierung mini|Feldhäcksler beim Einbringen von angewelktem Gras mini|Frische Maishäcksel vor der Silierung Das zu silierende Pflanzenmaterial wird im Allgemeinen vor Einbringung in das zur Silierung und anschließenden Lagerung dienende Silo mittels Feldhäcksler oder Ladewagen zerkleinert, da zerfasertes oder zerrissenes Erntegut vor allem durch bessere Verfügbarkeit der Kohlenhydrate infolge teilweise zerstörter Zellwände und der leichteren Verdichtung, damit geringerem Sauerstoffgehalt, besser vergärt.Klaus-Ulrich Heyland (Herausgeber), Spezieller Pflanzenbau, 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 65. Nach der Einbringung des Erntegutes in das Silo wird dieses verdichtet und luftdicht abgeschlossen. Hierdurch werden pflanzeneigene Enzyme sowie aerobe und fakultativ anaerobe Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) unterdrückt. Die Milchsäurebakterien wandeln den Zucker in Säuren (vor allem Milchsäure) um und der pH-Wert fällt auf typischerweise 4,0–4,5 ab. Dadurch werden weitere gärschädliche Bakterien am Wachstum gehindert: Coli-Aeorogenes-Gruppe, Listerien und Clostridien.

Hemmende Faktoren Eine zu hohe Pufferkapazität (zu hoher Gehalt an Protein, Ammoniak und basischen Aschebestandteilen) kann das Absinken des pH-Werts behindern. Ist der Trockensubstanzgehalt zu niedrig (< 30 %), ist auch die Nährstoffkonzentration zu gering und den Milchsäurebakterien stehen zu wenig Kohlenhydrate zur Verfügung. Lange Pflanzenteile (> 5 cm) und eine lange Befüllzeit (> 2 Tage) erhöhen die Luftzufuhr und begünstigen so die Atmung des Materials. Dadurch wird der Kohlenhydratanteil weiter reduziert.

Silierhilfsmittel mini|Siliermitteldosierer an Feldhäcksler Silierhilfsmittel können die Qualität einer Silage verbessern, sie können aber keine Fehler ausgleichen. In Deutschland lässt die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) Silierhilfsmittel auf Wirksamkeit bei Silier- und Fütterungsversuchen prüfen. Sie teilt die Silierhilfsmittel in fünf Wirkungsrichtungen ein: Verbesserung der Vergärung Verbesserung der Haltbarkeit unter Lufteinfluss Reduzierung des Gärsaftablaufs Verbesserung der Futteraufnahme, Verdaulichkeit, Mastleistung oder Milchleistung Verhinderung der Vermehrung von ClostridienDLG-Gütezeichen: Produktliste Siliermittel. Abgerufen am 5. April 2025. In der Regel kommen in Siliermitteln Bakterienkulturen zum Einsatz (sogenannte biologische Siliermittel). Daneben gibt es „chemische Siliermittel“ auf Basis chemischer Verbindungen sowie Präparate, die Enzyme enthalten. Silierhilfsmittel gibt es in flüssiger und fester Form, wobei flüssige besser in das Material gemischt werden können, einfacher zu dosieren sind und bei Trockensubstanzgehalten > 45 % ausschließlich eingesetzt werden sollten.

Gefahren Vor allem in trockenen Jahren, in denen sich vermehrt Nitrate im Pflanzenmaterial angereichert haben, kann es in der Anfangsphase der Silierung zur Bildung von nitrosen Gasen (Stickoxiden) und damit im Extremfall zu ein Gärgasunfall kommen.Landwirte Vorsicht Gasalarm am Fahrsilo: Wenn beim Silieren braunes Gas austritt. Helmut Süß, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 27. August 2026

Silagequalität mini|Futterfertige Maissilage Eine sinnliche Beurteilung der Qualität einer Silage kann durch das Riechen und Sehen erfolgen. Riecht die Silage nach Butter- oder Essigsäure oder verbrannt, ist die Gärung misslungen. Schimmel oder starke Verunreinigungen lassen sich optisch erkennen und beurteilen. Die Länge der Pflanzenteile lässt eine grobe Aussage auf die Strukturwirkung der Silage zu. Fehler bei der Silierung machen die Silage für das Vieh ungenießbar und bergen die Gefahr von Erkrankungen durch toxische Ausscheidungsprodukte von Bakterien (z. B. Botulismus) und Pilzen. Der „DLG-Schlüssel zur Bewertung von Grünfuttersilagen auf der Basis der chemischen Untersuchung nach Weißbach und Honig 1997“ bietet konkrete Hinweise für eine grundlegende und umfassende Beurteilung. Aus einer solchen Untersuchung lassen sich nicht nur Hinweise zu Futteraufnahme, Konservierungsverlusten, hygienischer Futterbeschaffenheit sowie eventuellen Risiken für Milchqualität und Tiergesundheit ableiten. Im Zusammenhang mit der Futterwertanalyse sind auch Rückschlüsse auf eventuelle Fehler in Grünlandbewirtschaftung, Futterernte und Futterkonservierung sowie ihre Ursachen möglich.

Silierverlauf, Silagequalität und deren Beurteilung In der landwirtschaftlichen Praxis wird noch oft die irrige Meinung vertreten, dass eine Untersuchung der Gärqualität unnötig ist, sofern neben der Futterwertanalyse auch der pH-Wert ermittelt wird. Nach dieser Meinung garantiert ein niedriger pH-Wert unter 4,6 bereits eine gute Gärqualität.

Es besteht in der Tat ein Zusammenhang zwischen pH-Wert und der Gärqualität. Allerdings unterliegt der pH-Wert innerhalb der einzelnen Gärqualitätsstufen erheblichen Schwankungsbreiten. Bei sehr guter Gärqualität variiert der pH-Wert zwischen 3,4 und 5,0, bei schlechter und sehr schlechter Gärqualität zwischen 4,6 und 6,9. Damit garantiert weder ein niedriger pH-Wert eine hohe Gärqualität, noch muss bei einem hohen pH-Wert eine geringe Gärqualität vorliegen.

Eine Ursache für pH-Wert-Schwankungen ist der Anwelkgrad. Je stärker das Siliergut angewelkt ist, desto weniger Säure wird gebildet und desto weniger stark sinkt der pH-Wert. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für sehr gute Gärqualitäten bei 30–40 % Anwelkgrad am größten ist, besteht kein zwingender Zusammenhang zwischen Anwelkgrad und Gärqualität einer Silage. Alle Anwelkgrade von Nasssilagen bis zur Heulage kommen in allen Gärqualitätsstufen vor. Entsprechend variieren auch die pH-Werte relativ stark mit Überschneidungen in allen Gärqualitätsstufen.

Im Silierprozess wird im Siliergut enthaltener Zucker bzw. Stärke durch Bakterien vor allem in Milchsäure und kleinere Anteile Essigsäure umgewandelt. Wenn der Silierprozess nicht optimal verläuft, entsteht auch Buttersäure. Diese drei Säuren werden als Gärsäuren bezeichnet.

Milchsäure riecht aromatisch und ist unter anderem das natürliche Konservierungsmittel von Sauerkraut und Silagen. Sie wird überwiegend durch homofermentative Milchsäurebakterien gebildet. Heterofermentative Milchsäurebakterien produzieren ebenfalls Milchsäure, jedoch in geringeren Mengen. Je nach Anwelkgrad werden Gärschädlinge wie Clostridien, Hefen und coliforme Bakterien unterhalb eines pH-Wertes von etwa 4,2 (Nasssilagen) bis 5,1 (stark angewelkte Silage mit 50 % TM) so sehr gehemmt, dass die Silagen mit relativ hoher Sicherheit stabil sind (Weißbach 1968). Bei einem Anwelkgrad um 30–40 % kann der pH-Wert bis etwa 4,0–4,5 absinken. Dann stellen auch die Milchsäurebakterien ihre Arbeit ein. Aus diesem Grunde sind mit chemischen Mitteln konservierte Silagen nahezu bis gänzlich frei von Gärsäuren.