mini|hochkant=1.2|Alter Markt
Unna ist eine große kreisangehörige Stadt und Kreisstadt des Kreises Unna im östlichen Ruhrgebiet im Land Nordrhein-Westfalen. Die Mittelstadt ist (nach Lünen) nach der Anzahl der Einwohner die zweitgrößte Stadt des Kreises Unna.
Geografie Geografische Lage Unna liegt etwa 15 km östlich von Dortmund am östlichen Rand des Ruhrgebiets, am Westfälischen Hellweg und damit in der Hellwegbörde, die sich zwischen den Flüssen Ruhr und Lippe erstreckt. Das Stadtgebiet umfasst Höhenlagen von 65 m (Afferder Bach) bis zu 225 m (Hemmerder Schelk) über NN.
Stadtgliederung Die Randlage Unnas, im Übergangsbereich des Ruhrgebiets zur Hellwegbörde, zeigt sich auch deutlich in der Stadtstruktur.
Der Stadtkern ist von gemischten Wohngebieten umgeben. Vielerorts überwiegen Ein- bis Zweifamilienhäuser sowie kleinere Mehrfamilienhäuser. Im Übergang zum nördlichen Stadtteil Königsborn sowie im Bereich der Morgenstraße im Osten und insbesondere in der Umgebung der Grünfläche Bornekamp im Süden befinden sich viele größere Einfamilienhäuser und Villen. Größere Mehrfamilienhaussiedlungen befinden sich überwiegend im äußeren Südwesten.
Der westliche Stadtteil Massen sowie insbesondere der nördliche Stadtteil Königsborn weisen typische Besonderheiten des Ballungsraums Ruhrgebiet auf. Mit der Buderuskolonie liegt im Massener Norden eine größere Zechensiedlung. In Niedermassen und Obermassen setzt sich mit vielen Ein- bis Zweifamilienhäusern sowie kleineren Mehrfamilienhäusern die Siedlungsstruktur der östlichen Dortmunder Stadtteile fort. Der südlichste Teil Massens, die Massener Heide, gilt mit seinen großzügigen Einfamilienhäusern als eine der gehobenen Wohnlagen Unnas. Insbesondere Königsborn weist eine Vielzahl von Zechensiedlungen auf und hat mit seiner gemischten Wohnbebauung im zentralen Bereich, einer größeren Hochhaussiedlung sowie vielen größeren Einfamilienhäusern im Süden eine sehr heterogene Siedlungsstruktur.
Das nordwestliche Afferde sowie die nördliche Alte Heide sind hingegen ländlich geprägt.
Die östlichen Hellwegdörfer Uelzen, Mühlhausen, Lünern, Stockum, Westhemmerde und Hemmerde reihen sich östlich des Stadtzentrums in teilweise größeren Abständen bis zur Stadtgrenze Werls und sind ländlich geprägt. Es überwiegen Einfamilienhäuser und Bauernhöfe.
Die südlichen Stadtteile Billmerich und Kessebüren sowie das südöstliche Siddinghausen haben ebenfalls einen sehr ländlichen Charakter und ähnliche Siedlungsstrukturen wie die östlichen Stadtteile Unnas.
Geschichte Jäger-und-Sammler-Kulturen (um 70.000 vor heute) Die maximale Ausdehnung der Gletscher reichte vor etwa 160.000 Jahren, im Drenthe-Stadium der Saale-Kaltzeit, bis zum Haarstrang und verhinderte damit jede menschliche Ansiedlung. Auf dem Gebiet der Gemeinde erhob sich eine mehrere hundert Meter hohe Eisschicht. Neben zahlreichen Findlingen brachten die Gletscher große Mengen an Feuerstein aus dem Norden mit.Michael Becker: Der Raum Unna von den Anfängen bis zur Römerzeit, S. 1. Entlang der Lippe kam es vor 70.000 bis 50.000 Jahren zu Kiesablagerungen, die zeitlich einer starken Erosionsphase folgten.
In diesen als „Knochenkiesen“ bekannten Ablagerungen fanden sich nicht nur die namengebenden Tierknochen, sondern auch vereinzelt Werkzeuge von Neandertalern. So entdeckte man im Kreisgebiet Unna bei Selm-Ternsche zwei für diese Zeit typische Faustkeile.Dies und das Folgende nach Michael Becker: Der Raum Unna von den Anfängen bis zur Römerzeit. Horschler, Unna 2014, S. 1–25, hier: S. 2 f. (academia.edu). Dass Neandertaler im Raum Fröndenberg lebten, hatten schon ältere Funde wie der eines Levallois-Abschlages von einer Geländekuppe bei Warmen und eines Levallois-Kerns in Bausenhagen erwiesen. 2018 kam ein Faustkeil hinzu, der sich im südlichen Stadtgebiet von Unna an einer west-ost-orientierten Kuppe in etwas über 220 m Höhe fand. Auch dieses Artefakt wird dem späten Neandertaler zugeordnet.Michael Baales, Michael Becker: Ein MTA-Keil aus Unna – neue Spur des Neandertalers in Südwestfalen. Kreis Unna, Regierungsbezirk Arnsberg. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2018, S. 33–36 (online, PDF).
Erst mit dem Mesolithikum, der letzten Phase der Jäger-und-Sammler-Kulturen (ca. 9600–5500 v. Chr.), lassen sich am Ringebrauck und in der Massener Heide Lagerplätze nachweisen, was mit den ungünstigen Erhaltungsbedingungen zusammenhängt.
Bäuerliche Siedlungen, Neolithikum (um 5500–2000 v. Chr.) Erste Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet entstanden seit der Jungsteinzeit, als es bereits bäuerliche Kulturen gab, um 5500 v. Chr. Im Gegensatz zum benachbarten Werl, wo eine bandkeramische Siedlung nachgewiesen werden konnte, setzen im Raum Unna die Spuren erst wieder mit der Rössener Kultur ein, also im 5. Jahrtausend v. Chr. Der Bauer Gerd Schulze-Selmig aus Strickherdicke konnte auf seinem Grund eine 6000 Jahre alte Sichel bergen. 1974 fand man eine für diese Kultur typische Schale von 22 cm Länge und 10 cm Breite. Der Läuferstein einer Handmühle, 9 kg schwer und aus Ruhrsandstein angefertigt, diente dem Zermahlen von Getreide.Jan Graefe: Neolithische Mahlsteine zwischen Weserbergland und dem Niederrhein. Diss., Münster 2018, S. 21. Während der Michelsberger Kultur (4300–3600 v. Chr.) wurden erhebliche Mengen an Feuerstein aus der Gegend von Maastricht herbeigeführt (Rijckholtfeuerstein), ein Material, das weniger spröde war. So fanden sich etwa drei Klingen bei Dreihausen in der Nähe von Hemmerde. Im nahegelegenen Vinninger Feld entdeckte man 1934 das größte Steinbeil Unnas; es misst 18,7 cm. 1962 kam ein Nephritbeil hinzu, das der Schüler Wolfgang Kettmann auf dem Grund des Bauern August Spielfeld in Lünern entdeckte. Bald meldeten Finder zehn weitere Beile, allein Wilhelm Wente aus Lünern hatte sechs von ihnen entdeckt. Ebenfalls der Rössener Kultur gehören drei durchbohrte Äxte an, deren genauer Fundort jedoch unbekannt ist, sowie eine Axt aus Afferde, hergestellt aus Amphibolit. Die Dichte der Funde variiert regional sehr stark und hängt von einzelnen Personen und ihrem Einsatz ab.
Metallzeitalter (belegt ab 1600 v. Chr.) und Römische Antike Während der Epoche nach dem Neolithikum scheint der Raum Unna siedlungsleer gewesen zu sein. Erst um 1600/1300 v. Chr. finden sich Hügelgräber, so in Billmerich und Siddinghausen, aber auch bei Dreihausen knapp jenseits der Unnaer Stadtgrenze. Aus dieser Zeit, der Bronzezeit, stammen zwei Bronzebeile, nämlich ein 14 cm langes Bronezebeil aus Königsborn und ein Stück aus Billmerich. Auf der Wilhelmshöhe südlich von Unna fand man ein Urnengräberfeld mit 37 dokumentierten Beisetzungen aus der Zeit zwischen 1000 und 450 v. Chr. Im Zuge des Ausbaus der Autobahn A 44 fand man an der Autobahnbrücke Hemmerde-Vinning Artefakte aus der vorrömischen Eisenzeit, die um 500 v. Chr. entstanden waren.
In römischer Zeit bestand in der Nähe eine germanische Siedlung. Ob sie, wie erst ab dem frühen Mittelalter gesichert, auch schon früher als Station am Hellweg diente, ist unsicher.Peter Schönfeld: Zwischen Haarstrang und Hellweg – Eine germanische Siedlung bei Unna. Archäologie in Westfalen-Lippe 2014, S. 77–79.
Mittelalter mini|hochkant|Turm der mittelalterlichen Stadtkirche aus dem 14. Jahrhundert Unna wurde erstmals am 6. August 1032 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Pilgrim erwähnt, der die Kirche in Unna mit anderen Besitztümern an den Abt Radolfus von Deutz übertrug. Auch die weltlichen Herren waren zunächst noch vom Kölner Erzbischof abhängig. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war Graf Friedrich von Altena-Isenberg vom Kölner Erzbischof neben anderen Gütern auch mit Unna belehnt. Nachdem er 1225 seinen Onkel, den Erzbischof Engelbert von Berg erschlagen hatte, wurde er hingerichtet, und sein Besitz fiel an seinen Vetter, Graf Adolf von Altena, der sich nach seiner neuen Residenz Burg Mark an der Lippe künftig Graf von der Mark nannte und auf den die Befestigung des Ortes zurückgeht. 1264 erstürmten erzbischöfliche Truppen Unna und brannten es nieder, worauf der Ort wiederaufgebaut wurde. Nach der Schlacht bei Worringen 1288, mit der sich die Grafen von der Mark von der kölnischen Vorherrschaft befreiten, erhielt Unna vom Grafen von der Mark das Stadtrecht, das Marktrecht und das Recht zur Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit. Das älteste Stadtsiegel sowie die früheste Erwähnung eines Rates datieren von 1290. Die Stadt wurde in den fortdauernden Auseinandersetzungen mit den Erzbischöfen von Köln mehrfach teilweise niedergebrannt (so zum Beispiel 1303 und 1308), bei den anschließenden Wiederaufbauten jedoch vergrößert und stärker befestigt, so dass sie 1324 einen erneuten Angriff der erzbischöflichen Truppen abwehren konnte. Im späten Mittelalter wurde die Stadt von mehreren Bränden und kriegerischen Ereignissen heimgesucht, so auch ab 1419 im märkischen Bruderkrieg (1417–1461).
mini|Eulenturm (ursprünglich niederdeutsch: „Ölckenthurm“ (Iltisturm)), ein Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung
Trotz vieler Kriege erlebte die Stadt im 14. Jahrhundert einen beachtlichen Aufschwung, der auf die Kaufleute von Unna zurückgehen soll, die auch regen Fernhandel betrieben. Ab 1347 ließen die märkischen Grafen in Unna Münzen prägen. Vom Wohlstand der Stadt und ihrer Bewohner zeugt auch der um 1375 vergrabene „Goldschatz von Unna“, den man 1952 bei Ausgrabungsarbeiten fand und der aus über 70 Goldmünzen aus Deutschland, England, Frankreich, Böhmen und Ungarn besteht. Seit 1389 wurde im Gebiet des heutigen Königsborn Sole gefördert und daraus Kochsalz gewonnen. Im 15. Jahrhundert begann der Zusammenschluss der Handwerker und Kaufleute in Zünften. Von 1469 bis 1518 und wieder ab 1540 war die Stadt Unna Mitglied der Hanse. Unna wurde 1549 gemeinsam mit Hamm hansische Prinzipalstadt.
Neuzeit mini|links|Bronzemodell nach einem Stadtplan von 1860 Gegen Ende des 16. Jahrhunderts endete wegen des Niedergangs der Hanse, der Glaubensspaltung und zahlreicher Kriege und Seuchen die wirtschaftliche Blüte. 1597 verlor Unna infolge der Pest mehr als die Hälfte seiner Einwohner.Der Unnaer Pfarrer Philipp Nicolai (1556–1606) verfasste unter dem Eindruck der Pest die Lieder Wie schön leuchtet der Morgenstern und Wachet auf, ruft uns die Stimme. 1598 und 1604 waren im Zuge des Spanisch-Niederländischen Krieges spanische Reiter in Unna einquartiert. Mit dem Tod Herzog Johann Wilhelms von Kleve im Jahr 1609 starb die alte Linie der Grafen von der Mark aus, und die Grafschaft Mark mit der Stadt Unna fiel an Markgraf Ernst von Brandenburg und Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, deren Bündnis jedoch 1614 aufgrund von Glaubensunterschieden zerbrach. Unna und andere kleve-märkische Städte wurden 1614 von niederländischen Truppen eingenommen, die jedoch beim erneuten Ausbruch der Pest 1615 wieder abzogen.
Im Dreißigjährigen Krieg litt die Stadt vielfach unter Belagerungen, Einquartierungen und Kontributionen, so zum Beispiel durch Niederländer (1622 und 1641), Spanier und Italiener (1622/23), kaiserliche Truppen (1628), „Pappenheimer“ (1628), Schweden (1633/34), Hessen (1634), Lüneburger (1635) und Kaiserliche (1636/41). Besonders die vielen Kontributionen und Einquartierungen waren „uber alle maßen beschwerlich“. Zudem wurden am 4. April 1640 durch „ein ungewöhnlich Erdbeben viele Häuser in der Stadt verdorben.“Klaus Basner: Unna. Historisches Porträt einer Stadt. Bd. 1, Bönen 2014, S. 206 f., 212 f., 215 f., 220 f, 224 f., 227 f., 234 und 238. Hatte Unna vor dem Dreißigjährigen Krieg jährlich 4.000 Reichstaler Einnahmen aus Höfen, Ländereien und Renteneinkünften zu verbuchen, so musste es währenddessen alle Güter veräußern und sich auch noch mit 30.000 Talern verschulden. Die wirtschaftliche Blütezeit des 14. bis 16. Jahrhunderts war für lange Zeit dahin.Klaus Basner: Unna. Historisches Porträt einer Stadt. Bd. 1, Bönen 2014, S. 240.