mini|Billard-Triebwagen 314 bei Colombier-le-Vieux mini|Bahnhof Lamastre mit Lokschuppen, Wasserturm und ehemaliger Strecke nach Le Cheylard mini|Dreischienengleis mit Abzweig des Schmalspurgleises am Bahnhof Tournon mini|Regelspur- und Schmalspurbahnhof Tournon, 1998 Der Train de l’Ardèche (sur la ligne du Chemin de Fer du Vivarais)Fahrplanprospekt 2015 des Train de l’Ardèche ist eine Museumseisenbahn im französischen Département Ardèche. Anders als der Name suggeriert, berührt sie den Fluss Ardèche und dessen Canyon Gorges de l’Ardèche nicht, durchfährt hingegen die ebenfalls eindrucksvolle Schlucht Gorges du Doux.

Sie verkehrt seit 1970, mit einer fünfjährigen Unterbrechung von 2008 bis 2013, auf einem erhaltenen Abschnitt der 1968 stillgelegten Bahnstrecke Tournon–Le Cheylard. Bis 2008 wurde der Museumsbahnbetrieb unter dem Namen Chemin de Fer du Vivarais (CFV), bis 2004 vom gleichnamigen Verein, teilweise ehrenamtlich durchgeführt. Seit 2013 wird die Bahn von der Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais kommerziell betrieben. Häufig wird die Bahn auch als Le Mastrou bezeichnet, der aktuelle Betreiber verwendet diesen Namen aber nur noch für einen bestimmten Zug.

Von Tournon im Rhonetal führte die meterspurige Strecke durch die Schlucht des Flusses Doux in den 250 Meter höher gelegenen Ort Lamastre. Die Streckenlänge betrug bis 2008 33 Kilometer, nach der Reaktivierung im Jahr 2013 ist sie etwa vier Kilometer kürzer. Ausgangspunkt ist seitdem der Bahnhof Tournon–Saint-Jean-de-Muzols auf dem Gebiet der Stadt Saint-Jean-de-Muzols.

In der Regel verkehren mit Dampflokomotiven der Bauart Mallet bespannte Züge, seltener kommt auch eine Diesellokomotive oder ein historischer Dieseltriebwagen zum Einsatz. Die Fahrt zwischen den Endpunkten dauert ungefähr zwei Stunden bei Dampftraktion und circa eine Stunde mit dem Triebwagen. Der Museumsbetrieb wird von Mitte März bis Mitte November durchgeführt.

Bemerkenswert war das Dreischienengleis zwischen dem Bahnhof Tournon und dem Abzweig bei Saint-Jean-de-Muzols, das in zwei Tunneln (640 und 40 Meter lang) den Ortsrand unterquerte und auf einer Betonbrücke, die 2005 einen 165 Meter langen Eisenviadukt ersetzte, über den Fluss Doux führte. Seit der Wiedereröffnung der Bahn im Jahr 2013 wird dieses Teilstück nicht mehr von den Museumszügen befahren.

Geschichte mini|Billard-Triebwagen 214 mit nach dem Unfall von 1971 veränderter Front im Betriebswerk Tournon Die Bahnstrecke von Tournon über Lamastre wurde am 12. Juli 1891 von der Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD) eröffnet und 1903 bis Le Cheylard verlängert. In Tournon entstanden ein Gemeinschaftsbahnhof mit der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) und auf 2,2 Kilometer Länge ein gemeinschaftlich genutztes Dreischienengleis. Am 31. Oktober 1968 wurde die Gesamtstrecke stillgelegt, am 14. Juni 1969 begann der touristische Verkehr zwischen Lamastre und Saint-Jean-de-Muzols. Ab Februar 1970 wurde wieder bis zum Bahnhof Tournon gefahren.

Offiziell wurde der Museumsverkehr auf der Strecke Tournon–Lamastre am 18. April 1970 eröffnet. Mit der 230-T E-327Die Tenderlokomotive konnte mit fünf Personenwagen vom 1967 stillgelegten Réseau Breton erworben werden und der 030-030-T 404 standen zunächst zwei Dampflokomotiven zur Verfügung, dazu kamen eine Diesellok und ein Dieseltriebwagen. Am 14. Juni 1971 gab es bei Le Garnier drei Verletzte beim Frontalzusammenstoß der Triebwagen 316 und 214.Jean Arrivetz, Pascal Bejui: Les Chemins de Fer du Vivarais, Seite 32 Letzterer erhielt bei der Reparatur einen niedrigeren Kühlergrill und größere Frontfenster. 1973 wurden die Gleise, Bahnhöfe und Fahrzeuge vom CFV erworben. 2004 wurde der Betreiber zu einer „Gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft“ und in CFTM umbenannt, mit dem Département Ardèche als Mehrheitsaktionär.

Strecke Ausgangspunkt war bis 2008 der Bahnhof Tournon, der gemeinsam mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF betrieben wurde. Dort befand sich auch das Betriebswerk der Schmalspurbahn. In nördlicher Richtung verlief die Bahn auf einem Dreischienengleis, das zugleich das nördliche Richtungsgleis der Hauptbahn (Linksverkehr) darstellte. Nach der Brücke über den Doux zweigte das Schmalspurgleis nach Westen ab und folgte im weiteren Verlauf dem Tal des Flusses.

Seit der Reaktivierung der Bahn im Jahr 2013 werden die Bahnhöfe Tournon und Saint-Jean-de-Muzols nicht mehr angefahren. Die Züge beginnen im neu errichteten Bahnhof Tournon–Saint-Jean-de-MuzolsLe Mastrou. Le train touristique de l’Ardèche bei mastrou.com, abgerufen am 31. Januar 2015 nahe dem ehemaligen Haltepunkt Douce-Plage.Jean Arrivetz, Pascal Bejui: Les Chemins de Fer du Vivarais, Seite 63.

Die Strecke weist mehrere gemauerte Brücken, Einschnitte und bei Mordane einen 265 Meter langen Tunnel auf. Von Tournon (123 m über NN) bis Lamastre (373 m über NN) wurde ein Höhenunterschied von 250 Metern überwunden.

Stationen mini|Bahnhof Lamastre mini|Mallet-Lokomotive Nr. 403 in Boucieu-le-Roi, 1975 Tournon-sur-Rhône (km 0,0; 123 m über NN; bis 2008) Saint-Jean-de-Muzols (km 2,6; bis 2008) Tournon–Saint-Jean-de-Muzols (seit 2013) Douce-Plage (außer Betrieb) Troye (km 6,6) Mordane (km 9) Clauzel (km 11) Colombier-le-Vieux–Saint-Barthélemy-le-Plain (km 12,9) Boucieu-le-Roi (km 18,5; 276 m über NN) Tincey (km 19) Arlebosc (km 21,6) Le Garnier (km 24) Le Plat-Empurany (km 26,1) Monteil Lamastre (km 32,6; 373 m über NN)

Krise 2008 Vierzig Jahre nach der Rettung des Teilstücks Tournon – Lamastre vor der Stilllegung stand die Bahn vor einer weiteren Krise: seit 2008 fand kein Fahrbetrieb statt, es stand keine betriebsbereite Dampflok zur Verfügung und die Strecke wies Sicherheitsmängel auf.Pressemitteilung vom April 2008 Größtes Problem hierbei war die Mitbenutzung der normalspurigen Rhone-Strecke der SNCF mittels Dreischienengleis. Diese Strecke weist nur Transitgüterverkehr auf, dessen Betreiber die Fahrplantrassen der Schmalspurbahn für ihre Züge nutzen wollten.

Betrieb seit 2013 mini|hochkant|Lok 403 auf der von Hand bewegten Drehscheibe in Colombier-le-Vieux–Saint-Barthélemy-le-Plain Am 18. Februar 2011 hatten das Département Ardèche und der neue Betreiber, die Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais, abgekürzt SNCFV, eine Vereinbarung über den Weiterbetrieb der Museumsbahn unterzeichnet. Die Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais wurde vom Reiseveranstalter Kléber Rossillon und dem Reisebusunternehmen Courriers Rhôdaniens gegründet. Geplant war ein Investitionsvolumen von 13 Millionen Euro. Östlich des Orts Saint-Jean-de-Muzols wurde der neue Bahnhof Tournon–Saint-Jean-de-Muzols errichtet, der seit 2013 als Endbahnhof dient. In Lamastre entstand eine dreigleisige gemauerte Fahrzeughalle.

Zunächst wurde ein Fahrraddraisinenverkehr eingerichtet: zwei jeweils ca. 12 Kilometer lange Abschnitte von Monteil nach Boucieu-le-Roi („Parcours des viaducs“, seit 2015) bzw. von dort zur Station Troye („Parcours des étroits“, seit 2011) können talwärts in fünfsitzigen, offenen Fahrzeugen befahren werden. Dabei kommen die Billard-Triebwagen 213, 214, 316, die Diesellokomotive „Y“ und seit 2017 auch die ehem. korsischen Triebwagen X5001 und X5002 zum Einsatz, die die Draisinen und deren Fahrgäste zum Startpunkt bringen bzw. an ihren Ausgangsort zurückbefördern.Die Fahrt beginnt in beiden Fällen in Boucieu-le-Roi

Seit 2013 gibt es wieder dampflokbespannte Züge. Neben dem „Mastrou“, der auf der ganzen Strecke verkehrt, befährt der „Train des Gorges“ nur den landschaftlich eindrucksvollsten Abschnitt durch die Schlucht von Tournon–Saint-Jean-de-Muzols bis Colombier-le-Vieux–Saint-Barthélemy-le-Plain. Der „Train du Marché“, der im Juli und August dienstags zum Markt nach Lamastre fährt, wird von der Diesellokomotive BB 040-003 gezogen und hält an allen Unterwegsbahnhöfen.Train du Marché le 11 août 2015 bei train-du-vivarais.com, abgerufen am 7. November 2015

Der Dampfbetrieb wird mit einer Mallet-Tenderlokomotive aus dem Jahr 1903 durchgeführt, seit 2015 steht zudem wieder eine jüngere zweite Lok derselben Bauart zur Verfügung.Le Train de l’Ardèche sur les rails bei leprogres.fr, abgerufen am 7. November 2015 Von Mitte April bis Ende September verkehrt pro Tag mindestens ein von einer Dampflokomotive gezogener Zug, im Juli und August sind bis zu drei tägliche Dampfzüge auf der Strecke.

Der bisherige Endbahnhof Tournon-sur-Rhône wurde aufgegeben, die im dortigen Betriebswerk vorhandene Fahrzeug- und Ersatzteilsammlung größtenteils abgeholt und auf die verbleibenden Bahnhöfe der Strecke verteilt.siehe Bilder hier vom September 2013: Die überdachte Abstellanlage neben dem Lokschuppen in Tournon und die darunter abgestellten zwölf historischen Fahrzeuge wurden am 9. April 2014 durch ein Feuer teilweise bis vollständig zerstört. in: Pompier Magazine (französisch), abgerufen am 1. Februar 2015 Die Gleisanlagen im Betriebswerk sind teilweise demontiert, einige mit Planen wetterfest konservierte vierachsige Wagen warten noch auf ihre Abholung.Ortsbesichtigung 21. Juni 2014 Auch im ehemaligen Bahnhof Saint-Jean-de-Muzols liegen keine Gleise mehr, die übrigen Gleise einschließlich des Dreischienenabschnitts mit seinen Auszweigungen waren 2015 noch vorhanden. Mittlerweile wurde die dritte Schiene des Dreischienenabschnitts entfernt.Ortsbesichtigung 24. April 2025

Fahrzeuge mini|Mallet-Lokomotive Nr. 403 in Tournon–St.-Jean-de-Muzols mini|Mallet-Lokomotive Nr. 414 in Tournon–St.-Jean-de-Muzols

Dampflokomotiven 403: Die Mallet-Tenderlokomotive mit der Achsfolge CC (franz.: 030-030-T) wurde mit ihren ehemaligen Schwesterloks 401, 402 und 404 bis 408 von der schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM Winterthur für das Netz der CFD konstruiert. Die 1903 ausgelieferte Maschine ist 10,71 Meter lang und hat ein Leergewicht von 36,3 Tonnen.Jean Arrivetz, Pascal Bejui: Les Chemins de Fer du Vivarais, Seite 118 Sie kann bergwärts auf der kurvenreichen Strecke 200 Tonnen schwere 14-Wagen-Züge befördern. Die baugleichen Lokomotiven 403 und 404 konnten nach der Einstellung des regulären Betriebs durch die CFD von der Museumsbahn CFV übernommen werden. Das Führerhaus, die Wasserkästen und die Zylinderverkleidungen jeder der vormals schwarzen Maschinen wurden in unterschiedlichen Farben lackiert, im Fall der 403 in Grün. In den frühen 1990er Jahren erhielt die 403 den Kessel der Lok 401, Lok 404 wurde im Herbst 1994 abgestellt. Nach der Übernahme durch den aktuellen Betreiber SNCFV zeigt sich die 403 wieder im ursprünglichen Schwarz. 414: Ebenfalls als 030-030-T entstanden die Lokomotiven 411 bis 414 1932 bei SACM im elsässischen Graffenstaden. Sie entsprachen weitgehend den Vorgängermaschinen 409 und 410 aus dem Jahr 1927, von denen keine mehr existiert. In Abmessungen und Leistung mit der 403 nahezu identisch, präsentiert sie sich äußerlich „französischer“ als die in der Schweiz gebaute 403. Zur Zeit der CFV war die auch als „Alsacienne“ (Elsässerin) bezeichnete Maschine, analog zur 403, teilweise kastanienbraun lackiert. Mittlerweile ist sie ebenfalls wieder vollständig schwarz.

Außerdem sind die Lokomotiven 401, 404 und 413 als Ersatzteilspender bzw. für eine eventuelle spätere Aufarbeitung abgestellt vorhanden.

Diesellokomotiven mini|BB 040-003 als BB 404 bei den Chemins de fer de la Corse, 2004