Chardonnay (französisch, gesprochen ) ist eine weltweit verbreitete Weißweinsorte mit einem hohen Qualitätspotenzial und Bekanntheitsgrad. Dies ist nicht allein auf ihre geschmacklichen Qualitäten zurückzuführen, sondern auch auf die gute Anpassungsfähigkeit der Rebsorte an verschiedene Standortgegebenheiten. Sie bringt auf unterschiedlichsten Standorten der Welt ansprechende Weinqualitäten.
Weltweit sind ca. 200.000 ha Rebfläche mit Chardonnay bestockt. Damit liegt die Sorte in der Rangliste der meist angebauten Rebsorten auf Platz 5 (2010) nach Cabernet Sauvignon, Merlot, Airén und Tempranillo.K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, December 2013 (first revision April 2014) (second revision May 2014) (third revision July 2014). Die berühmtesten Chardonnay-Weine wachsen in den französischen Weinbaugebieten von Puligny-Montrachet, Meursault, Corton-Charlemagne und Chablis. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und am Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Sorte eine große Erfolgsgeschichte erfahren.
Abstammung, Herkunft mini|Der Ort „Chardonnay“ ist Namensgeber der Sorte mini|La Roche-Vineuse – erste Namensnennung der Sorte Chardonnay ist eine natürliche Kreuzung von Gouais Blanc (= Heunisch) und Pinot.Erika Maul: Die sehr alte Rebsorte Weißer Heunisch und ihre zum Teil berühmt gewordenen Kinder, wie z. B. Chardonnay. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch. Bd. 56, 2005, , S. 129–145.John E. Bowers, René Siret, Carole P. Meredith, Patrice This, Jean-Michel Boursiquot: A Single Pair of Parents proposed for a Group of Grapevine Varieties in Northeastern France. In: Alain Bouquet, Jean-Michel Boursiquot (Hrsg.): Proceedings of the Seventh International Conference on Grapevine Genetics and Breeding. Montpellier, France, 6–10 July 1998 (= Acta Horticulturae. Nr. 528). International Society for Horticultural Science – Section Viticulture – Working Group on Environmental Physiology of Fruit Crops u. a., Leuven u. a. 2000, ISBN 90-6605-892-7, S. 129–132, doi:10.17660/ActaHortic.2000.528.15, (). Da die genetischen Unterschiede zwischen Pinot Blanc, Pinot Gris und Pinot Noir gering sind, liegt eine genaue Spezifizierung des Pinot-Typs noch nicht vor.
Als Ursprungsgebiet gilt heute das Burgund. Dort gibt es eine kleine Gemeinde mit dem Namen „Chardonnay“, einer von chardon (Französisch für „Distel“) abgeleiteten Ortsbezeichnung. Der Ort war Namensgeber für die Sorte, deren Name auf der Weinbauausstellung 1872 in Lyon festgelegt wurde.Walter Schenk: Beitrag zur ampelografischen Trennung der Rebsorten Auxerrois, Chardonnay und Weißer Burgunder, Heinrich-Birk-Gesellschaft, 1986.
Der früheren Annahme, dass die Sorte von den Kreuzrittern nach Frankreich und von den Benediktinern ins Burgund gebracht und verbreitet wurde, steht entgegen, dass es sich nachweislich um eine natürliche Kreuzung von Pinot und der damals auch schon in Burgund vorhandenen Sorte „Heunisch“, handelt.Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4, S. 96. Die DNA-Untersuchungsergebnisse lassen als Entstehungsort nur Burgund zu.Ferdinand Regner, Karel Hanak, Cornelia Eisenheld: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2. Auflage 2015, HBL und BA für WB, Klosterneuburg, S. 25.
Die Sorte wurde im Jahre 1583 erstmals unter dem Synonym Beaunois im Departement Saône-et-Loire erwähnt. Die Angabe ist aber nicht sicher, da eventuell die Sorte Aligoté gemeint war. Die früheste zuverlässige Erwähnung von Chardonnay stammt von 1685–1690 aus dem Dorf Saint-Sorlin, dem heutigen La Roche-Vineuse im Département Saône-et-Loire, wo er Chardonnet genannt wurde.
Die Orden der Benediktiner und Zisterzienser verbreiteten die Sorte in ganz Europa.
Klone Schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde in Frankreich und später in anderen Ländern mit der Klonenselektion begonnen. Heute steht dem Winzer ein weites Spektrum an Klonen zur Verfügung.
Mutationen Die Sorte gehört zur Gruppe der Burgundersorten und von diesen ist bekannt, dass sehr häufig Mutationen auftreten. Das gilt auch für Kreuzungen mit Pinot.
Chardonnay Blanc Musque: Eine Mutation vom Chardonnay aus Frankreich. Synonyme: Chardonnay Musque, Chaudenet, Giboudot Blanc, Griset Blanc, Plant Gris, Troyen Blanc. Besitzt ein vordergründiges Muskataroma.Jancis Robinson, Julia Harding, José Vouillamoz: Wine Grapes, 1. Auflage 2012, Penguin Books, London, ISBN 978-0-06-220636-7.
Chardonnay Rose: Farbmutationen sind in Frankreich, Oberitalien (Venetien) und Deutschland (Bergstraße) gefunden worden. Die in Deutschland gefundene Variante wird von der Universität in Geisenheim bearbeitet und ist zum Sortenschutz angemeldet. 2010 wurde bereits ein Weingarten ausgepflanzt. Die Unterschiede von „Chardonnay“ zu „Chardonnay Rose“ sind vergleichbar mit „Weißem Riesling“ zu „Rotem Riesling“.
Chardonnay Blanc Seedless: Ein kernloser Chardonnay aus Australien.
Ampelografische Sortenmerkmale Chardonnay ist den Sorten Pinot Blanc und Auxerrois sehr ähnlich. Erst bei genauer Begutachtung sind die Unterschiede erkennbar.Schenk Walter: Beitrag zur ampelographischen Trennung der Rebsorten Auxerrois, Chardonnay und Weißer Burgunder, Deutsches Weinbau Jahrbuch 1986, Waldkircher Verlagsgesellschaft, Waldkirch im Breisgau, S. 91–101. Die Triebspitze ist offen. Sie ist gelblichgrün wollig behaart, mit karminrotem Anflug. Die gelbgrünen Jungblätter sind anfangs spinnwebig behaart und danach fast unbehaart. Die mittelgroßen grünen Blätter sind rundlich, meist ganz oder schwach dreilappig (annähernd gleichseitiges Fünfeck). Nur die Blätter der Geiztriebe sind tief gebuchtet. Die Stielbucht ist U-förmig offen und wird in 95 % der Fälle durch Blattadern (nackte Stielbucht) begrenzt. Das Blatt ist stumpf gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten mittelgroß. Die Blattoberfläche ist leicht blasig.
Unterschiede im Blatt, Stielbucht und Traube von Chardonnay, Pinot Blanc und Auxerrois:
Pierre Galet beschrieb 1958 erstmals das unverwechselbare Merkmal der blattgewebefreien Stielbucht dem Chardonnay zu und trennt ihn hiermit von Weissburgunder und Auxerrois als eigene Sorte.Hans Ambrosi, Erika Dettweiler-Münch, Ernst H. Rühl, Joachim Schmid und Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., erweiterte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-5719-5. Die walzenförmige Traube ist selten geschultert, mittelgroß und dichtbeerig (aber lockerbeeriger als Pinot Blanc). Die Beeren sind rund bis leicht oval, dünnschalig mit weichem Beerenfleisch und haben eine grüngelbe bis bernsteinerne Farbe.Joachim Schmid, Frank Manty, Bettina Lindner: Geisenheimer Rebsorten und Klone, Geisenheimer Berichte 67, 2009, ISBN 978-3-934742-56-7., Hochschule Geisenheim (PDF; 279 kB).Ries Rudolf, Schmid Joachim: Rebsorten selbst bestimmen, Manuskriptum Verlagsbuchhandlung, Thomas Hoof KG, Waltrop und Leipzig 2010, ISBN 978-3-937801-58-2. Bei der Traubenreife sind die Unterschiede zu Weißburgunder erkennbar. Chardonnay reift etwas früher und hat lockere Trauben und die Beerenfarbe ist grüngelb bis bernsteinfarbig. Weißburgunder hat meist dichtere Trauben und Beeren, welche grün bis gelb gefärbt sind. Die Unterschiede sind aber von den verwendeten Klonen abhängig.
Reife: mittel bis mittelspät (früher als Pinot Blanc)
Eigenschaften Chardonnay ist mäßig anfällig gegen Echten Mehltau und Falschen Mehltau, aber anfällig gegen Grauschimmelfäule (aber weniger als Pinot blanc) und Phytoplasmabefall. Ein Phytoplasmenbefall führt zu Vergilbungskrankheiten wie die Goldgelbe Vergilbung (franz.: Flavescence dorée) oder Schwarzholzkrankheit. Nachteilig bei der Sorte ist die leichte Blüteempfindlichkeit. Von Schädlingen werden die Gescheine und Trauben, im Vergleich zu anderen Sorten, verstärkt vom Traubenwickler befallen. Der Rebstock treibt mittelfrüh aus und ist empfindlich gegen Spätfröste, besitzt aber eine gute Winterfrostwiderstandsfähigkeit.
Ansprüche an den Boden Gedeiht besonders gut auf kalkhaltigen bis kalkreichen Boden. Die berühmtesten Chardonnay-Weine wachsen auf den kalkhaltigen Böden von Puligny-Montrachet, Meursault, Corton-Charlemagne und Chablis. Der Erfolg dieser Sorte beruht darauf, dass sie auf nahezu jedem Bodentyp ansprechende Qualitäten hervorbringt. Die Böden sollen über eine genügende Tiefgründigkeit verfügen – hier ist die Wasserversorgung besser. Feuchte und kalkarme Böden sind ungeeignet für Chardonnay.
Ansprüche an Klima und Lage Chardonnay hat eine große Anbaubreite im Vergleich zu anderen Rebsorten. An das Klima ist die Sorte gut anpassungsfähig und ist nicht auf die gemäßigten Bedingungen wie im Burgund angewiesen. Für eine gute Reife sind gute und warme Lagen Voraussetzung.
Ertrag Bei entsprechenden Standortsgegebenheiten bringt die Sorte mittelhohe und regelmäßige Erträge. Zu hohe Erträge (über ca. 10.000 kg/ha) bedürfen einer Ertragsregulierung, sonst sinkt die Weinqualität. 200px|mini|Eine Flasche Chardonnay des Jahrgangs 2015 aus der Gespanschaft Međimurje, Nordkroatien
Wein Der Wein zeichnet sich vor allem durch Körperreichtum (hoher Extraktgehalt) aus. Das Aroma ist weniger charakteristisch als das eines Rieslings oder Gewürztraminers und wird daher häufig als neutral bezeichnet. Die beste Weinqualität bringt die Sorte erst bei höherer Reife. Bei ungenügender Traubenreife werden die Weine dünn und grasig. Daher besitzt ein guter Chardonnay stets einen verhältnismäßig hohen Alkoholgehalt von 13 Vol.-% und höher. Als einer von wenigen Weißweinen kann der Chardonnay vom Ausbau in Eichenfässern profitieren. Ein guter Chardonnay lebt von seiner Komplexität, die nur in besonderen Lagen mit kalkreichen Böden entsteht. Je nach Klima und Terroir können aus den Trauben sehr unterschiedliche Weine entstehen.
Bei einer Untersuchung des „Australian Wine Research Institute“ hat man breit gefächerte Geschmackskomponenten festgestellt wie Aromen von Himbeere, Vanille, tropische Früchte, Pfirsich, Tomaten, Tabak, Tee und Rosenblätter.Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. 3. Auflage, Hallwag, 2007, ISBN 978-3-8338-0691-9, S. 135.
Weinausbau/Geschmack: Weltweit wird Chardonnay in verschiedenen Stilrichtungen ausgebaut. Vergoren wird Chardonnay nahezu ausschließlich trocken. Der Bezeichnung „klassischer“ oder „internationaler“ Ausbau werden in der Literatur verschieden verwendet. Gehobene Qualitäten besitzen meist reichlich Alkohol und Extrakt, sie sind stoffig und nachhaltig.
Stillweine: Vinifizierung mit oder ohne biologischen Säureabbau. Ausbau im kleinen Eichenfass (Barrique): Dieser ist bei der Sorte sehr verbreitet, da sich der Wein dazu gut eignet und an Qualität gewinnen kann. Dafür eignen sich allerdings nur hochwertige Grundweine. Beim Ausbau im Holzfass durchläuft der Wein den biologischen Säureabbau (nicht immer) und wird dabei in der Jugend geschmeidiger. Im Barrique ausgebaut, ergänzen Holzaromen (Vanille, Rauch) die primären Fruchtaromen. Früher waren die Weine oft sehr vom Holz betont. Heute setzt man die Holzaromen durch kürzere Verweildauer in den Barrique bzw. geringere Toasting und Holzherkünfte nur mehr mäßig ein. Ausbau im Stahltank: Der Ausbau im Stahltank betont die fruchtigen Noten der Sorte und die Säure tritt prägnanter/mineralischer hervor. Meist wird hier kein biologischer Säureabbau durchgeführt, da sonst die fruchtigen Noten verloren gehen.
Schaumweine: Dazu werden fruchtige Weine, vergoren im Stahltank, verwendet. Chardonnay ist die wichtigste Rebsorte für die Herstellung vom Champagner und stellt beim Blanc de Blancs sogar 100 % des Inhalts.
Verbreitung