mini|hochkant|Urkunde des Aachener Friedenspreises 1988 für Jutta Dahl

Aachener Friedenspreis ist der Name sowohl eines 1988 gegründeten Vereins mit Sitz in Aachen als auch der von diesem Verein vergebenen Auszeichnung.

Verein Einer der Anlässe für die Gründung des Vereins war die stark umstrittene Verleihung des Karlspreises 1987 an Henry Kissinger.

46 Personen gründeten den Verein. Zweck des Vereins ist die Würdigung von Personen oder Gruppen, die „von unten her“ dazu beigetragen haben, der Verständigung der Völker und der Menschen untereinander zu dienen sowie Feindbilder ab- und Vertrauen aufzubauen. Die Preisverleihung und die Auswahl der Preisträger sind an keine Nation, Religion oder Ideologie gebunden. Der Verein versteht sich als städtische Bürgerinitiative. Von 1988 bis 1997 war Pfarrer Albrecht Bausch Vorsitzender und prägte die Arbeit des Vereins nachhaltig.Trauer um „Vater“ des Aachener Friedenspreises Albrecht Bausch. In: Aachener Nachrichten. 27. Dezember 2017, abgerufen am 15. Januar 2020 (Nachruf).

Die Preisverleihung findet jährlich im Anschluss an die Demonstration zum Antikriegstag am 1. September als öffentliche Feier in der Aula Carolina statt.

Mittlerweile hat der Verein im Jahr 2025 rund 400 Mitglieder, darunter ca. 350 Einzelpersonen sowie etwa 50 Organisationen. Unter diesen sind die Stadt Aachen, die DGB-Region NRW Süd-West, die katholischen Organisationen Misereor und Missio (letztere mit ruhender Mitgliedschaft), beide mit Sitz in Aachen, der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen, der evangelische Kirchenkreis Aachen, zahlreiche weitere kirchliche Organisationen, der SPD-Unterbezirk, der Kreisvorstand der Grünen und Die Linke in der Städteregion Aachen.Nach früherer Homepage.

1996 beschloss der von einer SPD-Grüne-Koalition dominierte Rat der Stadt Aachen den Beitritt zum Verein. 1999 trat die Stadt mit den Stimmen der damaligen CDU-/FDP-Mehrheit wieder aus. 2004 beschloss der Stadtrat, diesmal mit rot-grüner Mehrheit, einstimmig den Wiedereintritt.

2012 traten der damalige Vorstandsvorsitzende und seine Stellvertreterin aus dem Verein aus, da sie mit dem Kurs des Vereins und der empfundenen zu großen Nähe zu SPD und Die Linke nicht einverstanden waren.Für Friedenspreis wollen sie nicht mehr Partei ergreifen Thorsten Karbach in der Aachener Zeitung am 26. November 2012.

Der Verein wird von einem „gleichberechtigten Sprecher*innen-Rat“ geführt. Die letzte Wahl am 22. November 2024 bestätigte die bereits amtierenden Lea Heuser, Benedikt Kaleß, Frank Kress, Christoph Kriescher, Hilde Scheidt, Dieter Spoo und Ralf Woelk im Amt.Mitteilung des Aachener Friedenspreis e. V.

Preisträger Die Satzung des Aachener Friedenspreis e. V. sieht keine Unterscheidung zwischen nationalen und internationalen Preisträgern vor. Das Wahlverfahren der Preisträger auf der Mitgliederversammlung des Vereins lässt auch kaum die gezielte Aufteilung in einen Preisträger aus dem Inland und einen aus dem Ausland zu. Falls sich jedoch eine solche Verteilung ergibt, wird oftmals die Begrifflichkeit nationaler und internationaler Preisträger verwendet.

Jahr Nationale Preisträger Internationale Preisträger 1988 Werner Sanß Jutta Dahl— 1989 Joseph RossaintDanuta Brzosko-Mędryk (Polen)„Sie, Frau Dr. Brzosko-Mędryk, zu ehren und Ihnen zu danken schließt zweierlei ein. Zum einen – gerade als junger Deutscher bewegt mich das – die Hochachtung vor Ihrem Schicksal und – verbunden mit tiefer Scham und großer Dankbarkeit dafür – daß Sie uns Deutschen heute wieder die Hand reichen für eine gemeinsame Zukunft. Zum anderen geht es aber auch um das Symbol und das Vorbild Polens gerade für uns als Deutsche. Polen wurde zum Symbol des Leidens…“ (aus der Laudatio von Christian Lawan). 1990 Neusser Medizin-Forschungsteam Vera Wollenberger— 1991 Herbert KaeferWomen in Black (Israel) 1992 Kerstin und Thomas Meinhardt für die Projektgruppe Rüstungsexport, IdsteinMenschenrechtsinitiative COPADEBA (Lateinamerika) 1993 Netzwerk Friedenssteuer, Günter Lott und Reinhard EgelJean-Bertrand Aristide (Haiti) 1994 Emmaus-Gemeinschaft in KölnKailash Satyarthi und SACCS (Indien) 1995 Ludwig BaumannLeyla Zana (Türkei) 1996 Connection e. V.Olisa Agbakoba (Nigeria) 1997 Gemeinschaftshauptschulen Eschweiler-Dürwiß und Aretzstraße – AachenGush Shalom mit Uri Avnery (Israel) 1998 Walter Herrmann und Unterstützer der Kölner KlagemauerIFCO / Pastors for Peace (Lateinamerika) 1999 Wanderkirchenasyl in Nordrhein-WestfalenPeace Brigades International 2000 Aktion NoteingangReconstruindo a Esperança (Mosambik) 2001 Pro Asyl e. V.Kazuo Soda (Japan) 2002 Bernhard NolzBarbara Lee (USA) 2003 Initiative Ordensleute für den FriedenReuven Moskovitz und Nabila Espanioly (Israel) 2004 —Eren Keskin (Türkei) und Komitee der Soldatenmütter in Sankt Petersburg (Russland) 2005 Hanne HiobRoy Bourgeois (USA) 2006 Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e. V.— 2007 Josef Steinbusch, Gründer Kinderzirkus „Pinocchio“ des Aachener NetzwerksFriedensgemeinde San José de Apartadó (Kolumbien) 2008 Andreas Buro, Förderer der deutschen FriedensbewegungMachsom Watch, eine israelisch/palästinensische Menschenrechtsgruppe, sowie Mitri Raheb (Palästina) 2009 Berliner Compagnie, Alternatives TourneetheaterZdravko Marjanović, bosnisch-serbischer Friedensaktivist 2010 Austen Peter Brandt und Phoenix e. V., nachhaltige Verringerung des Rassismus Marco Arana (Peru) 2011 Informationsstelle Militarisierung und Jürgen Grässlin 2012 Borderline europe – menschenrechte ohne grenzen e. V. (Elias Bierdel)Aachener Friedenspreis geht an „Borderline Europe“. In: welt.de. 8. Mai 2012, abgerufen am 7. September 2018. Alejandro Cerezo Contreras2013 Erste „Schulen ohne Bundeswehr“ :Robert-Blum-Gymnasium,Käthe-Kollwitz-Schule (Offenbach)Internationale Schule Dohuk, Irak (Kurdengebiet) für ihre Friedensarbeit mit Schülern aller Ethnien und Religionen 2014 Lebenslaute Klassische Musik – politische Aktion Code Pink (USA) von Frauen initiierte Graswurzelbewegung für Frieden und soziale Gerechtigkeit 2015 — Rakotonirina Mandimbihery Anjaralova, Lumbela Azarias Zacarias und Balorbey Théophilius Oklu (Madagaskar) undErzbischof Dieudonné Nzapalainga und Imam Kobine Layam (Zentralafrikanische Republik) 2016 Bürgerinitiative Offene Heide Komitee der Wissenschaftler für den Frieden 2017 Jugendnetzwerk für politische Aktionen (JunepA), Initiative gegen Atomwaffen, Rüstungsexporte und Freihandel sowie für den Klimaschutz No MUOS, Initiative, die seit 2008 die Schließung von Sendeanlagen (MUOS) auf einem US-Militärstützpunkt auf Sizilien fordert 2018 Peng!-Kollektiv aus Berlin Concern Universal Colombia aus Kolumbien, vertreten durch die Geschäftsführerin Siobhan McGee und den Programmleiter Jaime Bernal2019Initiativkreis gegen Atomwaffen (Cochem-Zell) unddie Kampagne „Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt“Der nominierte Ruslan Kotsaba (Ukraine) verzichtete am 22. Mai 2019 auf die Auszeichnung, daher wurde die für Juni 2019 geplante Aufhebung der Nominierung obsolet.Vorstandsbeschluss des Aachener Friedenspreis e. V. zu Ruslan Kotsaba. In: aachener-friedenspreis.de, 10. Mai 2019, abgerufen am 10. Mai 2019.2020—Père Antoine Exelmans undCentro Gaspar Garcia de Direitos Humanos (Zentrum für Menschenrechte Gaspar garcia) aus Brasilien2021Initiative 19. Februar Hanau undBildungsinitiative Ferhat Unvar(beide gegründet von Angehörigen der Opfer nach dem Anschlag in Hanau 2020)Women’s Interfaith Council (WIC) aus Kaduna in Nigeria2022Holger Rothbauer, Menschenrechtsanwalt, TübingenMwatana for Human Rights (Nichtregierungsorganisation) aus Sanaa, Jemen2023—Feminist Anti-War Resistance (Russland) undHuman Rights Defenders Fund (Israel)Georg Müller-Sieczkarek: Friedenspreis als Statement gegen Netanjahu und Putin, in Aachener Zeitung vom 8. Mai 2023.2024Omas gegen RechtsYouth Initiative for Human Rights (YIHR)2025Horst und Birgit Lohmeyer für ihre Organisation des Festivals Jamel rockt den FörsterAmirkabir NewsletterEine studentische Medienplattform an der Amirkabir-Universität, die im Zuge der Studentenproteste Ende der 1990er Jahre gegründet wurde; der Chefredakteur konnte nicht an der Preisverleihung teilnehmen, da ihm die deutsche Botschaft kein Einreisevisum erteilte. Aachener Friedenspreisträger aus dem Iran darf nicht einreisen2026Kölner Friedensinitiative Palestinians and Jews for PeaceUnidos MN und das Kollektiv von The Smitten Kitten in den USA, für den Widerstand der Zivilgesellschaft gegen die massiv eskalierte staatliche Gewalt durch die Bundesbehörde

Auswahlverfahren Jedes Mitglied des Aachener Friedenspreis e. V. ist berechtigt, Vorschläge für Preisträger einzureichen. Externe Personen oder Organisationen können ebenfalls Vorschläge einreichen, die jedoch nur behandelt werden, wenn ein Mitglied des Vereins den Vorschlag übernimmt. Über die gesamten eingegangenen Vorschläge stimmt zunächst der Vorstand ab. Die fünf Vorschläge mit dem besten Ergebnis im Vorstand werden, sofern mindestens zwei Drittel des Vorstands den Vorschlag befürworten, der Mitgliederversammlung vorgelegt. Die Mitgliederversammlung wählt aus den fünf Vorschlägen des Vorstands dann zwei aus, die allerdings auch in der Mitgliederversammlung eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigen. Kommt keine Zwei-Drittel-Mehrheit für den Vorschlag mit dem zweitbesten Ergebnis zustande, so wird nur ein Preisträger ausgezeichnet. Dies geschah bisher jedoch nur einmal im Jahr 2006. Eine Unterscheidung zwischen nationalen und internationalen Preisträgern gibt es im Wahlverfahren nicht. Die neuen Preisträger werden jeweils am 8. Mai verkündet.

Probleme mit Preisträgern Die Kölner Klagemauer und ihr Initiator Walter Herrmann, Preisträger 1998, erklärten 2012 den Austritt aus dem Verein Aachener Friedenspreis. Vorausgegangen war ein Streit innerhalb des Vereins über den Wunsch mehrerer Mitglieder, sich von Herrmann zu distanzieren. In den Aachener Nachrichten schrieb Gerald Eimer dazu, Herrmann habe an der Kölner Klagemauer ausgehängt. Hermann hatte das Foto einer Demonstrantin, die eine antiisraelische Karikatur hochhält, dort aufgehängt und wurde vom Schauspieler Gerd Buurmann wegen Volksverhetzung angezeigt. Die Ermittlungen gegen Herrmann wurden eingestellt.Claudia Hauser: Kölner Domplatte. Freispruch für Klagemauer-Initiator. In: Kölner Stadtanzeiger. 12. Februar 2014, abgerufen am 8. Mai 2017.

Die Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf lehnte den Preis, der ihr 2013 zuerkannt werden sollte, ab. Man wolle sich nicht „für politische Statements missbrauchen lassen“; die für preiswürdig empfundenen Umstände träfen nicht zu.

Am 8. Mai 2019 gab der Vereinsvorstand bekannt, dass der diesjährige Friedenspreis an den westukrainischen Blogger und Aktivisten Ruslan Kotsaba gehen solle. Nach Recherchen des Autorenblogs Salonkolumnisten hatte Kotsaba in einem Video den Holocaust nicht nur verharmlost, sondern den Juden selbst die Schuld daran gegeben. Im Wortlaut (nach einer Übersetzung von Boris Reitschuster):