mini|US-amerikanische Infanterie im Irak mini|Kurhannoversches Infanterie-Regiment von Behr 1735 (1783: No. 7-A) bei der Revue von Bemerode

Infanterie, veraltet historisch Fußvolk, bezeichnet sich zu Fuß bewegende und kämpfende Soldaten der Kampftruppe der Landstreitkräfte, die mit Handwaffen ausgerüstet sind. Obwohl sich der Begriff Infanterie erst in der frühen Neuzeit einbürgerte, wird er auch für entsprechende Soldaten früherer Epochen verwendet. Der einzelne Soldat wird als Infanterist, früher auch als Fußsoldat bezeichnet.

Der Begriff der Infanterie ist einerseits abzugrenzen von unorganisierten Kämpfern zu Fuß wie Stammeskriegern, andererseits von Soldaten, die nicht zu Fuß kämpfen wie die Kavallerie oder Soldaten der Panzertruppe, oder Soldaten mit weittragenden Waffen wie die der Artillerie.

Die Bedeutung und das Ansehen der Infanterie wechselten stark im Lauf der Geschichte. Sie bildete aber meist die Basis der Landstreitkräfte. Ab der Zeit der stehenden Heere wurde in der Masse Linieninfanterie aufgestellt.

Die Truppengattung Infanterie als zu Fuß marschierende Kampftruppe der königlich-preußischen Armee und der anderen deutschen Armeen war in den Trossen und der Artillerie bespannt und wurde über größere Strecken im Eisenbahntransport verlegt. Sie war damit ab Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht mehr vollumfänglich für den Bewegungskampf einsetzbar.

Von der Linieninfanterie sind die Leichte Infanterie und vormals bis ins 19. Jahrhundert die Dragoner abzugrenzen, die mit Pferden als Transportmittel beweglich gemachte Infanterie, die zum Kampf absaß. Infanterie ist seit der Neuzeit meist mechanisiert oder motorisiert wie die Jägertruppe und verfügt über schwere Infanteriewaffen wie Mörser, Panzerabwehrlenkwaffen und Feldkanonen, und nicht nur über Handfeuerwaffen meist als Langwaffen.

Für mit Kraftfahrzeugen organisatorisch beweglich gemachte Infanterie wird wie in der Wehrmacht, nachfolgend auch in der Bundeswehr, der Begriff Infanterie (mot.) benutzt. Diesem sind die Bezeichnungen Grenadiere (mot), in der Neuzeit heute Jäger oder Füsiliere gleichzusetzen. Grenadiere und Jäger unterscheiden sich meist durch die Ausstattung mit Transportpanzern wie dem Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug (GTK) oder mit geschützten Radfahrzeugen.

Mechanisierte Infanterie als mit Schützenpanzern ausgerüstete Verbände sind begrifflich Panzergrenadiere. Im Ostblock kannte man hierfür den Begriff Mot-Schützen, die in Regimentern zusammengefasst waren. Eine enge Verzahnung durch gegenseitige Unterstellung zum Gefecht der verbundenen Waffen fand jedoch nicht statt. Eine Unterstützung der motorisierten Schützen durch Kampfpanzer erfolgte nur durch ein selbständiges Panzerbataillon, das kompanieweise auf die mot. Schützen-Regimenter mit mehreren Bataillonen aufgeteilt wurde.

Neben dem Heer unterhalten in der Regel aus strategischen und organisatorischen Aspekten auch die Luft- und Marinestreitkräfte eigene Infanterieeinheiten.

Begriffsentstehung Der Begriff Infanterie stammt aus dem Romanischen Sprachraum und bezieht sich möglicherweise auf den Knappen eines Ritters, welcher im Italienischen als infante bezeichnet wurde. Dieser Begriff entstammt wiederum dem Lateinischen infans „[Klein]kind“, zusammengesetzt aus in- „nicht“ und fari „sprechen“.

Einer weiteren Erklärung zufolge geht die Bezeichnung Infanterie auch auf die Infantin Isabella Clara Eugenia, Tochter von König Philipp II. von Spanien, zu Beginn des 17. Jahrhunderts zurück. Das auf ihren Befehl geworbene Fußvolk wurde auf eine neue Art bewaffnet, geübt und der Infantin zu Ehren infanteria genannt.

Im deutschsprachigen Raum taucht der Begriff Infanterie erstmals im Jahre 1616 als allgemeine Bezeichnung von Fußtruppen auf. Bis dahin waren für diese die Bezeichnungen Fußvolk, Kriegsvolk zu Fuß, Fußknecht, Haufen zu Fuß und Landsknecht üblich.

Die Infanterie wird je nach Bewaffnung und Auftrag unterschieden in schwere, heute auch mechanisierte, und leichte Infanterie, die heute meist auch mit geschützten Fahrzeugen motorisiert ist.

Gereon von Köln und der heilige Mauritius gelten im christlichen Volksglauben als die Schutzpatrone der Infanterie/Soldaten.

Geschichte Antike Als Vorläufer der Infanterie können die individuell nach eigenem Gutdünken kämpfenden Krieger und Heerhaufen der vorgeschichtlichen Epochen betrachtet werden, von denen uns in Überlieferungen wie der Ilias berichtet wird, wie sie aber auch den Europäern während der Kolonialzeit vor allem in Nordamerika begegneten. Eine Entwicklung zur Infanterie kann aus dem Bemühen abgelesen werden, durch ein koordiniertes Verhalten vieler Fußkämpfer mehr als durch individuellen Erfolg ein Gefecht zu entscheiden. Das Aufkommen längere Zeit stehender Heere und der Reiterei kann ebenfalls zu den Entstehungsvoraussetzungen der Infanterie gezählt werden. Die entstehende Professionalisierung und feste Rollenzuweisung rechtfertigen schließlich eine abgrenzende Bezeichnung.

Phalanx mini|Klassische griechische Hoplitenphalanx Als Phalanx bezeichnet man eine taktische Aufstellung schwer bewaffneter und gepanzerter Infanterie, wie sie insbesondere im antiken griechischen Kulturkreis üblich war. Die Phalanx wurde von Hopliten gebildet, die mit einer langen Lanze bewaffnet sowie durch Panzer und Schild geschützt waren. Die häufig viele Tausend zählenden Hopliten waren zur Bildung der Phalanx zehn bis zwanzig Reihen tief, dicht nebeneinander mit vorgestreckten (erste Reihen) bzw. auf die Schulter des Vordermannes aufgelegten (hintere Reihen) Lanzen aufgestellt.Die Phalanx leitete im griechischen Altertum den Übergang von Einzel- zu Formationskämpfen ein. Sie wurde wahrscheinlich von den Spartanern im 7. Jahrhundert v. Chr. erfunden. Die Phalanx galt für anders aufgestellte Fußtruppen jahrhundertelang als unüberwindbar, war allerdings wenig beweglich, von hinten und den Seiten ungeschützt und erforderte große Disziplin der Hopliten. In der Schlacht bei Marathon siegte eine griechische Phalanx gegen weit zahlreichere persische Truppen, denen die Motivation und Ausbildung zur Bildung einer so hoch geordneten Formation fehlte. Die taktische Überlegenheit der Phalanx endete mit Einführung der Schiefen Schlachtordnung durch den Thebanischen Feldherren Epameinondas im 4. Jahrhundert v. Chr. Sie wurde erstmals 371 v. Chr. im Konflikt zwischen Sparta und Theben in der Schlacht bei Leuktra eingesetzt. Dabei sollen 10.000 Spartaner von 7.000 Thebanern geschlagen worden sein.

mini|Darstellung einer Makedonischen Phalanx Eine Weiterentwicklung der klassischen griechischen Phalanx stellt die Makedonische Phalanx dar, welche in der hellenistischen Kriegsführung prägend war. Entscheidende Änderung war die Bewaffnung mit häufig über sechs Meter langen Spießen bzw. Piken, der sogenannten Sarissa. Die Ausrüstung eines makedonischen Pikeniers war im Vergleich zu einem Hopliten weniger schwer, er trug einen wesentlich kleineren und leichteren Schild lose um seine linke Schulter oder den linken Unterarm gebunden, um beide Hände frei zur Führung der schweren Hauptwaffe. Die neue Überlegenheit in der Kriegsführung veranschaulichte Philipp II. selbst erstmals in der Schlacht bei Chaironeia 338 v. Chr. mit durchschlagendem Erfolg, als er die klassischen Formationen der Athener und Thebaner, zweier bis dahin führender Militärmächte, vernichtend schlug. Dieser Sieg begründete die Hegemonie Makedoniens über Griechenland und läutete zugleich die Dominanz der makedonischen Kriegsschule in der östlichen Mittelmeerwelt ein.

Taktische Manöver und Formationen außerhalb der griechischen Welt Neben Griechen und Römern setzten auch andere antike Kulturkreise phalanxähnliche Formationen im Kampf ein, so wie etwa die Kelten bzw. Gallier (Caesar berichtet von einer helvetischen Phalanx) und in abgewandelter Form als Schildwall bei den Germanen. Kelten nutzten auch andere Formationen wie etwa die Trimarcisia, von Germanen wird berichtet, dass sie nicht selten in Keilformation in die Schlacht zogen. Eine besondere Form der Infanterie stellten die abwechselnd zu Fuß und auf dem Streitwagen kämpfenden Britannier dar, deren Geschicklichkeit und Können von Caesar hervorgehoben wurde.

Leichte Infanterie links|mini|185x185px|Leicht bewaffneter Peltast der hellenistischen Periode Während der ganzen Antike spielte die leichte Infanterie, bestehend aus Fernkämpfern wie mit Wurfspeeren bewaffneten Plänklern (griechische Peltasten, römische Velites), Schleuderer, Bogenschützen und Armbrustschützen (Gastraphetes) und Infanteristen mit handlichen Torsionsgeschützen (Manuballistae) eine unterstützende Rolle. Ihre Hauptaufgabe war die Störung der gegnerischen Formation, welche das Vorrücken verlangsamen soll, bevor die schwere Infanterie den Nahkampf fortsetzte.Herbert Schwarz: Gefechtsformen der Infanterie in Europa durch 800 Jahre. Selbstverlag, München 1977 (Rezension von V. Regling in Militärgeschichtliche Mitteilungen, Freiburg 1978, S. 247, online auf ProQuest). Da man von ihnen eine hohe Mobilität erwartete, wurden sie nur leicht ausgerüstet und bewaffnet. Sie kämpften in aufgelockerter Formation außerhalb der Hauptschlachtreihe, sodass sie sich in der Regel vor dem Aufeinandertreffen der gegnerischen Schlachtlinien zurückzogen. Bei Belagerungsangriffen lag die Aufgabe im Unterstützungsfeuer, während die Hauptstreitmacht vorrückte.

mini|Reenactment einer von römischen Legionären gebildete Testudo (Schildkrötenformation). Solch ein taktisches Manöver konnten nur durch hohe Disziplin und ständiges Exerzieren sinnvoll eingesetzt werden.

Römische Infanterie

Ähnlich wie die Griechen kämpften die Römer etwa seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. in der Phalanx. Im 4. Jahrhundert v. Chr. löste man die starre Infanterieformation in kleinere geschlossene Einheiten auf (Manipel), die der Gefechtslage angepasst manövrierten und aufgrund ihrer Beweglichkeit griechischen Phalanx-Formationen meist überlegen waren. Im Angriff warfen die römischen Infanteristen zunächst auf eine bestimmte Stelle der Phalanx ihre Wurfspeere (Pila) und stürmten dann mit gezücktem Kurzschwert (Gladius) in die so erzeugte Lücke.

Die Manipel waren Teile von Großverbänden – den Legionen. Eine Legion war ein selbständig operierender militärischer Großverband mit einem Kern von 4000 bis 6000 Mann schwerer Fußtruppen unterstützt von meist leicht bewaffneten Hilfstruppen in etwa gleicher Stärke sowie Reiterei. Im Gegensatz zu Heeren im hellenistischen Osten bildeten die Römer keine eigenen Artillerietruppen aus, sondern reihten sie ebenfalls in die Infanterie ein. Der Begriff der Legion kommt in heutigen Begriffen am ehesten der Division nahe. In der langen Geschichte der Legion wandelten sich deren Stärke, Zusammensetzung und Ausrüstung.

Sowohl bei den Griechen als auch zur Zeit der römischen Republik trugen die Infanteristen wie auch die Reiter die Kosten für ihre Bewaffnung selbst. Es bestand Wehrpflicht, und die freien Bürger erhielten ihre Funktion auf dem Schlachtfeld nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zugewiesen. Die Legion der klassischen römischen Kaiserzeit wurde durch die Heeresreform des Marius ab 107 v. Chr. geprägt. Erst während dieser Zeit entwickelte sich dann das Heerwesen mit professionellen, bezahlten Berufssoldaten, deren Kosten für die Grundausrüstung vom Staat getragen wurde. In der Kaiserzeit wurde die Kohorte zur wichtigsten taktischen Untereinheit.