mini|Luftbild 2008 mini|Blick über Dietzenbach vom Aussichtsturm auf dem Wingertsberg Dietzenbach ist die Kreisstadt des Landkreises Offenbach in Hessen.
1215 erstmals urkundlich erwähnt, setzte in den 1960er-Jahren ein starker Strukturwandel ein. Die Errichtung von Großwohnsiedlungen und der Zuzug von Zuwanderern ließen die Einwohnerschaft anwachsen, führten aber auch zu sozialen Problemen. Dietzenbach erhielt 1970 Stadtrechte.
Geographie Lage Dietzenbach befindet sich in der Mitte des Rhein-Main-Gebietes. Mit zwölf Kilometern nach Frankfurt am Main, zehn Kilometern nach Offenbach am Main, 30 Kilometern nach Aschaffenburg, 20 Kilometern nach Darmstadt und rund 50 Kilometern nach Wiesbaden liegt die Kreisstadt des Landkreises Offenbach Mittendrin in RheinMain, wie auch der Slogan der Stadt lautet. Dietzenbach liegt an der Bieber auf einer Höhe von . Die Stadt grenzt im Norden an die Stadt Heusenstamm, im Osten an die Stadt Rodgau, im Süden an die Stadt Rödermark sowie im Westen an die Stadt Dreieich.
Stadtgliederung Dietzenbach besteht neben der Kernstadt aus den Stadtteilen Steinberg, Wingertsberg und Hexenberg.
Stadtteil Steinberg Im Stadtteil Steinberg befinden sich Teile des Gewerbegebiets Nord, die Kindertagesstätten 3, 5 und 11, das Seniorenzentrum Siedlerstraße, sowie die Astrid-Lindgren-Schule (Grundschule), Regenbogenschule (Grundschule), Helen-Keller-Schule (Förderschule) und Heinrich-Mann-Schule (schulformbezogene Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe). Zudem gibt es ein Sportgelände an der Limesstraße. Im Zentrum befindet sich das Einkaufs-Zentrum Steinberg. In Steinberg leben knapp 12.000 Menschen.
Stadtquartiere Neue Stadtmitte mini|hochkant|Der Aussichtsturm auf dem Wingertsberg Zwischen Steinberg und dem alten Ortskern ist in den vergangenen Jahren ein Neubaugebiet entstanden, in dessen Zentrum die Stadtverwaltung und das Bürgerhaus Dietzenbachs angesiedelt sind.
Markantester Punkt war bis 2006 ein Einkaufszentrum mit großem toom Markt, Tankstelle und Parkplatz, das aufgrund seiner wenig ansprechenden 1970er-Jahre-Architektur und baulichen Vernachlässigung von den Bürgern zunehmend als „Schandfleck“ angesehen wurde. Verkaufsverhandlungen zögerten die Neuentwicklung immer wieder hinaus. Ende 2005 wurden die Verträge zwischen Stadt und der holländischen Ten-Brinke-Gruppe unterzeichnet.
Nachdem der alte Supermarkt Mitte 2005 schloss, wurde der Gebäudekomplex im Herbst 2006 vollständig abgerissen, um Platz für ein neues Einkaufszentrum zu schaffen. Die Grundsteinlegung fand am 4. Dezember 2006 statt, am 29. November 2007 öffnete das Zentrum und bekam den Namen Rathaus-Center. Die Ten-Brinke-Gruppe, Investor des 37,5 Millionen Euro teuren Projektes, hat ein 230 Meter langes und 101 Meter breites Gebäude errichtet. Darin befinden sich auf 8.000 Quadratmetern ein Lebensmittelmarkt sowie auf weiteren 4.000 Quadratmetern ein Elektronikfachmarkt. Den Rest der etwa 21.000 Quadratmeter Fläche teilen sich mehrere Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe.
Hexenberg Die Siedlung Hexenberg ist nach der höchsten Erhebung im Landkreis Offenbach benannt. Die Bebauung besteht aus relativ niedrigen Ein- und Mehrfamilienwohnhäusern sowie einigen kleineren Geschäften in der Mitte des Stadtteils.
Wingertsberg Der Wingertsberg ist ein am Hang gegenüber der Altstadt gelegenes Wohngebiet. An der höchsten Erhebung findet sich neben einem Sportplatz ein Restaurant mit Aussichtsterrasse sowie der zum Hessentag 2001 errichtete Aussichtsturm, der einen Blick bis Frankfurt ermöglicht.
Altstadt mini|Fachwerkhäuser in der Altstadt In den 1960er- und 1970er-Jahren gab es in Dietzenbach starke Tendenzen, den alten Ortskern im Zuge einer Flächensanierung rigoros umzugestalten. Dem fiel eine Menge alter Bausubstanz zum Opfer, bevor im Februar 1979 durch die Verabschiedung des städtebaulichen Rahmenplans Alte Ortsmitte Dietzenbach eine neue Entwicklungsära eingeleitet wurde. Viele Fachwerkhäuser im historischen Ortskern konnten dadurch vor dem Abriss gerettet und in der Folge saniert werden. Dietzenbach kann deshalb bis heute eine Reihe von Gebäuden vorweisen, die als Kulturdenkmäler geschützt sind. Auch ein Teil des Dietzenbacher Heimatmuseums ist in einem als Kulturdenkmal klassifizierten Gebäude untergebracht. In der Altstadt befindet sich auch das Feuerwehrmuseum, die Stadtbücherei und die Polizeistation.
Spessartviertel
Das Stadtquartier zwischen Altstadt und neuer Stadtmitte trug früher den Namen Starkenburgring und ist überregional als sozialer Brennpunkt bekannt.FAZ.net 29. Mai 2020: Hessens Innenminister: Einsatzkräften wurde „eine Falle gestellt“
Geschichte Territoriale Zugehörigkeit Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 1215. Sie befindet sich in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Patershausen. Die später wüsten Siedlungen Ippingshausen, Hartcheshofen und Richolshausen lagen im Mittelalter in der heutigen Dietzenbacher Gemarkung. Dietzenbach war Teil der Rödermark. Die Herren und Grafen von Hanau hatten in dem Dorf zunächst das Recht auf Fron, Bede und Steuer. Während des Auflösungsprozesses des Klosters Patershausen in der Reformation und dessen faktischer Übernahme durch die Grafschaft Hanau-Lichtenberg wurde Dietzenbach 1527 in die Grafschaft eingegliedert.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 210.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg, aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Die Zugehörigkeit der unmittelbar südlich des Mains gelegenen Teile der Grafschaft Hanau zu Hanau-Lichtenberg oder Hanau-Münzenberg war dabei zwischen den beiden Erben umstritten. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Darmstadt die Orte Dietzenbach, Schaafheim und Schlierbach, Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den Rest des Amtes Babenhausen besetzte. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Danach fielen die Orte Altheim, Dietzenbach, Harpertshausen, Schaafheim und Schlierbach an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, aus denen das Amt Schaafheim gebildet wurde. Dietzenbach gehörte in den folgenden 200 Jahren dann nacheinander zu folgenden übergeordneten Verwaltungseinheiten: 1821: Landratsbezirk Langen 1832: Kreis Offenbach 1848: Regierungsbezirk Darmstadt 1852: Kreis Offenbach
Gerichtlich gehörte die Gemeinde ab 1821 zum Landgericht Langen und ab 1879 zum Amtsgericht Langen.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Durch die Aufteilung der Rödermark 1818 erhielt der Ort seinen Gemeindewald.
Die heutige Stadt war vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein bäuerlich geprägtes Dorf, das aber von der Erwerbsstruktur her sich schon stark zu einer Arbeiterwohnsitzgemeinde gewandelt hatte. Darin dürfte auch der Grund liegen, weshalb das „rote Dietzenbach“ lange eine Hochburg der Kommunisten und Sozialdemokraten war. Dies verhinderte allerdings nicht, dass auch hier die Nationalsozialisten kurz nach der Machtergreifung 1933 die Gleichschaltung des öffentlichen Lebens schnell und erfolgreich umsetzen konnten. Wie andernorts auch, kam es schnell zu Verhaftungen von Kommunisten und zu Repressalien gegen alle, die den Nazis als Regimegegner galten. Auch der nationalsozialistische Rassenwahn machte vor Dietzenbach nicht halt. Es gab zwar nur eine kleine jüdische Gemeinde in Dietzenbach, doch deren Mitglieder waren Ende 1938 alle nicht mehr in Dietzenbach wohnhaft: Einigen war die Auswanderung in die USA gelungen, andere waren, in der Hoffnung, dort eher Schutz zu finden als in einem kleinen Dorf, in größere Städte verzogen. Letzteres erwies sich als trügerische Hoffnung, wie die in Dietzenbach verlegten Stolpersteine für die die im Nationalsozialismus ermordeten, deportierten, vertriebenen oder in den Suizid getriebenen Menschen zeigen.
Ein britischer Luftangriff auf Dietzenbach während des Zweiten Weltkrieges verursachte in der Nacht vom 20. zum 21. September 1941 schwere Schäden im Ort.
In der Nachkriegszeit wurde Dietzenbach stark durch Zuwanderer geprägt. In den 1960er-Jahren setzte ein starker Strukturwandel ein, vor allem mit der Erschließung von Wohngebieten und dem Bau von Großwohnsiedlungen (Hochhäusern), was auch zu einem sozialen Brennpunkt führte.
Dietzenbach erhielt 1970 Stadtrechte. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen in den 1970er-Jahren wurde Dietzenbach als eine von wenigen Städten und Gemeinden nicht verändert und konnte seine Eigenständigkeit bewahren.
Seit 2002 ist Dietzenbach Sitz der Verwaltung des Landkreises Offenbach. Kreisstadt darf sich Dietzenbach offiziell aber erst seit dem 24. März 2003 nennen.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 Dem ging ein Streit mit der Nachbargemeinde Rodgau voraus, die diesen Status aufgrund ihrer höheren Einwohnerzahl für sich beanspruchte.
Historische Namensformen Dicenbah (1210–1220) Dicenbach (1270) Dyetzinbach (1344) Dytzenbach (1353) Ditzenbach (1357) Diczenbach (1437) Dyetzenbach (1450) Detzenbach (1535) Dietzenbach (1541)
Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung Dietzenbachs von 1829 bis 2016
Jahr Einwohner 1829 1.239 1895 2.031 1939 3.695 1950 4.711 1961 6.303 1970 12.449 1983 25.500 Jahr Einwohner 1997 33.015 2005 34.794 2009 33.224 2016 33.903 2019 34.227 2022 34.787
Dietzenbach ist eine der geburtenstärksten Kommunen des Landes (1990: ~380, 2006: 420 Geburten).Frankfurter Rundschau: Die Kinderlein kommen. Ausgabe R3S, Seite 20. 24. Dezember 2007 Es wurde seit den 1960er-Jahren stark durch Einwanderer geprägt: Knapp ein Drittel seiner Bewohner stammen aus über hundert Nationen. Per 30. Juni 2014 wies die Stadt einen Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit) in Höhe von 27,4 Prozent auf und hatte somit nach Offenbach am Main, Kelsterbach und Raunheim den vierthöchsten Anteil aller hessischen Kommunen.
Wissenswert 2001 war Dietzenbach Veranstaltungsort des Hessentages.
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Dietzenbach erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Dietzenbach 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 30,9 14 27,9 13 25,4 11 30,5 14 42,6 19 30,7 14 23,5 11 25,5 11 21,3 10 23,3 10 24,7 11 33,9 15 17,4 8 22,5 10 10,1 5 — — 9,1 4 10,1 5 11,2 5 7,0 3 14,7 7 — — — — — — 7,0 3 4,0 2 4,7 2 4,6 2 — — — — 5,4 2 5,4 2 6,1 3 4,0 2 5,3 2 4,6 2 FW-UDS Freie Wähler – Unabhängig Demokratisch Sozial 4,6 2 6,1 3 3,3 1 2,8 1 — — — — DL Dietzenbacher Liste — — 1,6 1 2,6 1 — — 4,0 2 2,7 1 WIR-BfD WIR – Bürger für Dietzenbach — — — — 11,7 5 17,4 8 — — — — GDL Grüne Dietzenbacher Liste — — — — — — 17,4 8 — — — — — — — — — — — — 10,5 5 10,1 5 — — — — — — — — 2,8 1 5,3 2 — — — — — — — — 1,0 1 2,6 1 Gesamt 100,0 45 100,0 45 100,0 45 100,0 45 100,0 45 100,0 45 Wahlbeteiligung in % 45,2 46,4 41,9 42,6 43,2 51,6
Bürgermeister mini|Rathaus Dietzenbach