mini|Züge der Linien S10 und S1 im Freiburger Hauptbahnhof
Die Breisgau-S-Bahn ist ein S-Bahn-System im Großraum Freiburg im Breisgau, das vom Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) ins Leben gerufen wurde. Der Betrieb wurde in einer ersten Ausbaustufe im Fahrplanjahr 2020 aufgenommen.
Liniennetz Linie Laufweg Takt (in Minuten) Betreiber Hierbei handelt es sich um das vorgesehene Liniennetz, welches sich teilweise von dem in der Realität umgesetzten Netz unterscheidet (siehe Abschnitt: Betriebsprobleme).
Geschichte Hintergrund Unter dem Projektnamen „Breisgau-S-Bahn 2005“ wurde auf den Pilotstrecken (Breisacher Bahn, Elztalbahn und östliche Kaiserstuhlbahn) ein neues Verkehrskonzept entwickelt. Diese Bahnstrecken wurden ausgebaut, die Bahnhöfe modernisiert und das Fahrplanangebot deutlich ausgeweitet. Tagsüber verkehren die Züge im Halbstundentakt. Auf der Breisacher Bahn übernahm die Breisgau-S-Bahn GmbH 1997 den Betrieb von der Deutschen Bahn. Seitdem wurden Regio-Shuttle (RS1) eingesetzt. auf zrf.de (Stand 2010) Seit Mai 2000 verkehrten die Züge der SWEG auf der östlichen Kaiserstuhlbahn zwischen Gottenheim und Bahlingen im 30-Minuten-Takt, zwei neue Haltepunkte wurden eröffnet. auf zrf.de (Stand 2010) Auf der Elztalbahn verkehrte seit Dezember 2002 ebenfalls die Breisgau-S-Bahn GmbH. Bis September 2004 wurden alle Stationen modernisiert. Im November 2008 wurde ein Fahrgastzuwachs auf der Elztalbahn von 300 Prozent innerhalb von zehn Jahren ermittelt. auf zrf.de (Stand 2010)
Planung Am 18. Mai 2012 wurde vom Zweckverband eine Finanzierungsvereinbarung über den Ausbau der Elztalbahn sowie des Abschnittes Neustadt–Donaueschingen der Höllentalbahn mit der Bahn unterzeichnet. auf zrf.de, 11. Februar 2015 Die Kosten wurden damals auf 290 Millionen Euro geschätzt. Sonderdruck der EI – Der Eisenbahningenieur, 12/2011 Im November 2012 gab die Bahn bekannt, dass der Ausbau der Strecken bis zu dreimal teurer werden könne. Beispielsweise sollte der Ausbau der Elztalbahn 66 Millionen Euro statt der zuvor angesetzten 19 Millionen Euro kosten.Uwe Mauch: Freiburg: Abstriche sollen die „Breisgau-S-Bahn 2020“ retten, Badische Zeitung vom 3. Dezember 2012, abgerufen am 10. April 2014 Daraufhin erklärte sich die Landesregierung bereit, die Breisacher Bahn und die Elztalbahn zu übernehmen und selbst auszubauen.
Vergabe der Verkehrsleistungen Die zu erbringenden Verkehrsleistungen wurden europaweit ausgeschrieben. Um mehr Wettbewerb zu ermöglichen, wurde das Streckennetz dazu in drei Vergabebereiche zerteilt. Die Vergaben erfolgten 2016 und 2017.
Netz Bezeichnung Linien Inbetriebnahme Betreiber Fahrzeugeinsatz 9a Breisgau Ost-West S1, S10, S11 Dezember 2019 DB Regio AG Alstom Coradia Continental; Siemens Mireo 9b Freiburger Y S2, S3, S5 Dezember 2019 (S2 vollständig erst im November 2021) SWEG Bombardier Talent 3 4 Rheintal S4, S41 Juni 2020 (noch als RB26 und RB27) DB Regio AG Siemens Desiro HC; Siemens Mireo
Maßnahmen Eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Regio-Verbund Gesellschaft mbh (RVG) und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) vom 11. März 2009 beinhaltete die Elektrifizierung folgender Strecken im Freiburger Raum bis zum Jahr 2018, deren Fertigstellung sich teilweise bis November 2021 hinzog: KBS 723: Breisach – Riegel-Malterdingen (Kaiserstuhlbahn) KBS 724: Riegel Ort – Gottenheim (Kaiserstuhlbahn) KBS 725: Bad Krozingen – Münstertal (Münstertalbahn); 2013 abgeschlossenRainer Ruther: Staufen : „Wir haben einen guten Job gemacht“. In: Badische Zeitung, 20. April 2013, abgerufen am 24. April 2013 KBS 726: Denzlingen – Elzach (Elztalbahn); 2021 abgeschlossen KBS 727: Neustadt – Donaueschingen (Höllentalbahn) KBS 729: Freiburg – Breisach (Breisacher Bahn)
Nach der Fertigstellung der neuzubauenden weiträumigen Güterumgehung von Freiburg soll ferner die bestehende Güterumgehungsbahn Freiburg durch den Bau zweier Verbindungskurven am Kreuzungspunkt mit der Breisacher Bahn für den Personenverkehr genutzt werden.
Das Projekt beinhaltete die Modernisierung und den barrierefreien Ausbau der Stationen auf eine einheitliche Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern über Schienenoberkante. Mittelfristig ist außerdem der Neubau mehrerer Haltepunkte vorgesehen.
Rheintalbahn: Eschbach-Tunsel, Freiburg-Vauban (anstatt jetzigem Hp Freiburg-St. Georgen), Freiburg Komturplatz (anstatt jetzigem Hp Freiburg-Herdern) Höllentalbahn: Freiburg Pressehaus, Freiburg Stadthalle, Freiburg Kappelertal, Birkenhof Güterumgehungsbahn: Freiburg-St. Georgen, Freiburg-Haslach, Freiburg Runzmattenweg, Freiburg Messebahnhof, Freiburg Tullastraße
Zusätzlich sollten das Straßenbahnnetz Freiburgs deutlich erweitert werden und Umsteigebahnhöfe mit den regionalen Bahnstrecken entstehen. Darüber hinaus sollten die regionalen Buslinien auf den Bahnverkehr abgestimmt werden.
Ausbaustufen
2020 Mit der Betriebsaufnahme zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 in den Vergabenetzen „Breisgau Ost-West“ und „Freiburger Y“ sowie „Rheintal“ im Juni 2020 sollten mehr umsteigefreie Direktverbindungen entstehen. Die Linie S1/S10 sollte halbstündlich in Gottenheim und stündlich in Titisee geflügelt werden. Aufgrund von Problemen bei der Kuppelung der Züge musste auf der Linie S1 seit dem 17. Februar 2020 ein verändertes, weniger kompliziertes Fahrplankonzept eingeführt werden, wonach in Gottenheim wieder in den Pendelverkehr nach Endingen a. K. umgestiegen werden musste. Damit entfällt in Gottenheim das Flügeln und Kuppeln der Züge. Der Fahrplan sollte damit stabilisiert werden und ein verlässlicher Betrieb gewährleistet sein. Im Juni 2020 wollten die Verantwortlichen zum alten Fahrplankonzept zurückkehren, was jedoch angesichts anhaltender Probleme so nicht erfolgte. Stattdessen wurden die „Wiederherstellung der Vertaktung“ und „Wiederherstellung der halbstündlichen Durchbindung über Freiburg Hbf hinaus“ erst für den Fahrplanwechsel im Dezember 2020 angekündigt. Anhaltende Probleme riefen im Oktober 2020 empörte Politiker und Behördenvertreter auf den Plan. Von 26 Zügen des Typs Alstom Coradia Continental waren nur 20 einsetzbar, was zu Zugausfällen, Verspätungen und überfüllten Zügen führte.
Nachdem seit 1. November 2020 alle Siemens Mireos geliefert waren, konnte auf der Rheintalstrecke das Notkonzept (Entfall einiger Halte zwischen Freiburg und Ringsheim) aufgegeben und seitdem alle Halte bedient werden. Auch beim Mireo gab es technische Probleme. Am 13. November 2021 wurde an der Elztalbahn der Abschluss des Projektes gefeiert. Kritiker bemerken, dass von einem Abschluss des Projektes angesichts anhaltender Fahrzeug- und Stellwerksstörungen, unzureichender Infrastruktur und einer hinter dem Anfang der 2010er-Jahre kommunizierten Konzept vielfach zurückbleibenden Angebot nicht die Rede sein könne.
2030 Am 10. Oktober 2022 begann mit der Unterzeichnung der Gründungserklärung die Arbeit der Zukunftskommission Breisgau-S-Bahn. Erster Schritt ist die weitere Stabilisierung der Betriebsqualität, wozu bereits am 4. Februar 2022 ein „Acht-Punkte-Sofortprogramm“ verabschiedet und mittlerweile in großen Teilen umgesetzt wurde.
Seit Februar 2023 werden im Monatsrhythmus Daten zur Pünktlichkeit bei Ankunft und Abfahrt der Züge auf der Ost-West-Achse der Breisgau-S-Bahn (Netz 9a) sowie auf den Strecken der Kaiserstuhlbahn West, der Elztalbahn und der Münstertalbahn veröffentlicht. Für die Ost-West-Achse und die Elztalbahn sind auch Daten zu den Kapazitäten in den Zügen einsehbar.
Seit Dezember 2025 wird die Ausweitung des 30-Minuten-Takt auf der Ost-West-Achse zwischen Villingen/Seebrugg und Breisach/Endingen bis in die Abendstunden geprüft.
Im Kernraum um Freiburg zwischen Gottenheim und Kirchzarten sowie zwischen Emmendingen/Waldkirch und Bad Krozingen ist im Koalitionsvertrag künftig ein 15-Minuten-Takt vorgesehen, im Umland ein 30-Minuten-Takt. Dazu ist neben dem laufenden Ausbau auf vier Gleise der Rheintalbahn auch der durchgehende Ausbau auf zwei Gleise zwischen Gottenheim und Kirchzarten nötig. Der Neubau des dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn ist laut aktueller Planung nicht vor 2031 fertiggestellt, im Anschluss soll bis 2038 der Ausbau der bestehenden zwei Gleise erfolgen.
Neu in das Projekt Breisgau-S-Bahn aufgenommen werden soll die grenzüberschreitende Bahnstrecke Freiburg–Colmar. Vorgesehen ist auch die Ergänzung des Systems durch beschleunigte Expressverbindungen auf den Strecken Freiburg – Neustadt – Villingen/Gäubahn sowie Freiburg – Breisach – Colmar.
Zielkonzept mini|Zielkonzept
Das Zielkonzept sieht acht Linien vor und soll 235 Kilometer lang werden. Im Vergleich zum Ausbauzustand 2020 sind unter anderem ein durchgehender 30-Minuten-Takt bis Elzach, die Führung der S2 und S3 über die Güterbahn, die Verlängerung der S41 bis Sasbach, drei Züge pro Stunde und Richtung zwischen Offenburg und Freiburg (4 ab Riegel-Malterdingen), ein 30-Minuten-Takt zwischen Basel und Müllheim, Durchbindung aller Regional-Express-Züge nach Karlsruhe Hbf (nach Fertigstellung des Rastatter Tunnels) und ein 15-Minuten-Takt auf dem Abschnitt zwischen Himmelreich und Gottenheim vorgesehen (Verlängerung der S11 sowie bestehende S1).
Jedoch hängen besonders die S-Bahn-Linien S4 und S41 auf der Rheintalbahn vom Bau des dritten und vierten Gleises durch die Rheinebene ab, da sonst nicht genügend Kapazität für den Regionalverkehr zur Verfügung steht.Freiburger Amtsblatt vom 22. Dezember 2007
Betriebsprobleme Auch das im Vergleich zum Ursprungsplan reduzierte Betriebskonzept für den Ausbau 2020 wird Stand Ende 2024 nicht umgesetzt. Auf der Höllentalbahn halten die Radsätze der verwendeten Alstrom Coradia Continental 1440 nur etwa halb so lange wie ursprünglich garantiert, weswegen sich ein Teil der Fahrzeuge dauerhaft in der Werkstatt befindet. Dies führt zu verminderter Kapazität insbesondere auf der Achse zwischen Freiburg im Breisgau und Titisee. Zugteilungen und -vereinigungen haben sich in Titisee massiv reduziert. Vermehrt fährt nur ein Zugteil der S1 von Freiburg im Breisgau Richtung Titisee – ohne die S10 nach Villingen(Schwarzwald) als zweitem Zugteil. Der Betrieb der Dreiseenbahn ist seit 2023 vollständig abgetrennt, sodass vermehrt in Titisee umgestiegen werden muss. Auch eine durchgehende Fahrt nach Endingen war nicht garantiert, da zwischen Gottenheim und Endingen Dieselfahrzeuge der SWEG eingesetzt wurden, um den Betrieb zu stabilisieren.
Die Deutsche Bahn, Land Baden-Württemberg und der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg stellten im April 2024 ein Drei-Stufen-Konzept zur Stabilisierung der Fahrzeugverfügbarkeit für die Breisgau-S-Bahn vor. Dieses sieht kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen vor.
Seit März 2024 fuhr auf der Dreiseenbahn ein Triebfahrzeug der Ammertalbahn. Da dieses Triebfahrzeug nicht für die Steilstrecke geeignet ist, fuhr es im Pendelbetrieb zwischen Titisee und Seebrugg im Stundentakt. Ein weiteres fünfteiliges Triebfahrzeug aus dem Raum Karlsruhe pendelte fünf Mal täglich von Montag bis Freitag auf der als S10 geführten Strecke zwischen Freiburg im Breisgau und Villingen(Schwarzwald).
Für Anfang 2026 ist geplant, weitere Ersatzfahrzeuge aus ETCS-Ersatzbeständen zur Stabilisierung des Fahrbetriebs einzusetzen. Diese sollen auf der langen Linie S10 zwischen Freiburg im Breisgau und Villingen(Schwarzwald) eingesetzt werden. Aufgrund des hohen Fahrzeugbedarfs in Baden-Württemberg gibt es noch keine verbindliche Zusage für eine Entlastung des Fuhrparks.
2032 sollen sämtliche Triebfahrzeuge durch neu zu beschaffende Züge ersetzt werden. Dabei wird von baugleichen Fahrzeugen des Typs Alstrom Coradia Continental 1440 abgesehen. Stattdessen sollen elektrische und batterieelektrische Triebfahrzeuge angeschafft werden, um den grenzüberschreitenden Verkehr nach Mulhouse und Colmar in das S-Bahn-Netz integrieren zu können.
Literatur
Weblinks Projektwebsite Breisgau-S-Bahn 2020 des ZRF