Cindy Nemser (* 26. März 1937 in New York City; † 26. Januar 2021 ebenda) war eine US-amerikanische Kunsthistorikerin, -kritikerin und Autorin sowie eine Pionierin des feministischen Kunstdiskurses der 1970er-Jahre.Cindy Nemser, Advocate for Women Artists, Is Dead at 83, The New York Times, 7. Februar 2021, abgerufen am 30. September 2026.

Leben und Wirken Cindy Nemser (geboren als Cecile Heller) wuchs in Brooklyn auf, erlangte ihren Master-Abschluss in Literatur am Brooklyn College und absolvierte 1966 einen zweiten Master-Abschluss in Kunstgeschichte am renommierten Institute of Fine Arts der New York University.Cindy Nemser (1937–2021), Artforum, 29. Januar 2021, abgerufen am 30. September 2026. Während eines Praktikums im Museum of Modern Art (MoMA) begann sie, freiberuflich Kritiken für Kunstmagazine zu verfassen.Eintrag zu Cindy Nemser, Dictionary of Art Historians, abgerufen am 30. September 2026.

Konfrontiert mit der extremen Unterrepräsentation von Frauen in Museen, Galerien und der Kunstliteratur, schloss sie sich 1969 der aktivistischen Gruppe Women Artists in Revolution (WAR) an. Sie wandte sich vehement gegen die männlich dominierte Kunstwelt und kritisierte die voreingenommene, oft abwertende Sprache männlicher Kritiker gegenüber Werken von Frauen.

Im Jahr 1972 gründete sie gemeinsam mit den Künstlerinnen Patricia Mainardi und Irene Moss das Feminist Art Journal, das erste vierteljährlich erscheinende Magazin, welches sich ausschließlich der Kunst von Frauen sowie der feministischen Kunsttheorie widmete.Feminist Art Journal, Oxford Reference, abgerufen am 30. September 2026. Als Chefredakteurin schuf Nemser eine Plattform für Künstlerinnen, die vom damaligen Establishment ignoriert wurden.

Ihr bleibendes theoretisches Hauptwerk ist das 1975 erschienene Buch Art Talk: Conversations with 12 Women Artists (in der erweiterten Neuauflage von 1995 um drei Künstlerinnen ergänzt). Für dieses Werk führte sie wegweisende, tiefgründige Interviews mit bedeutenden Künstlerinnen der Moderne, darunter Barbara Hepworth, Sonia Delaunay, Lee Krasner, Alice Neel und Eva Hesse.Art talk: conversations with 12 women artists, Charles Scribner's Sons, New York 1975, im Internet Archive, abgerufen am 30. September 2026. Art Talk gilt als das erste Buch seiner Art, das die ästhetischen Errungenschaften und strukturellen Herausforderungen von Frauen in der Kunstgeschichte systematisch dokumentierte und belegte, dass weibliche Genialität im Kulturbetrieb existiert, aber aktiv verschwiegen wurde.About Art Talk, cindynemser.com, abgerufen am 30. September 2026.

Bedeutung und Rezeption Nemsers Arbeit war fundamental für die Entstehung der feministischen Kunstwissenschaft. Indem sie die patriarchalen Strukturen des Kunstbetriebs offenlegte und gleichzeitig die Qualität weiblichen Schaffens dokumentierte, legte sie das Fundament für spätere Generationen von Kuratorinnen und Historikerinnen. Besonders ihr enges Verhältnis zu der Bildhauerin Eva Hesse und ihre frühen Schriften über sie trugen maßgeblich dazu bei, Hesses Werk international zu kanonisieren.

Weblinks Offizielle Website von Cindy Nemser (englisch) Digitales Archiv des Feminist Art Journal und ausgewählter Schriften (englisch)

Einzelnachweise

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