Erich Juhn (* 27. März 1895 in Prerau, Österreich-Ungarn; † 30. September 1973 in New York City) war ein österreichischer Journalist, Kabarettist, Theaterleiter und Autor, der ins amerikanische Exil fliehen musste.

Leben und Wirken Frühe Jahre und Wiener Kulturbetrieb Erich Juhn entstammte einer jüdischen Familie und war der ältere Bruder des Journalisten und Schriftstellers Kurt Juhn (1896–1971).Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 576f. In seiner Jugend war er als Fußballspieler erfolgreich. In der Saison 1913/1914 spielte Juhn im Sturm des First Vienna FC in der Wiener Liga. Mit dem SC Hakoah Wien stand er im Achtelfinale des Österreichischen Fußball-Cups 1918/19.Erich Juhn, auf transfermarkt.at Nach dem Studium arbeitete er in Wien und Berlin als freier Journalist und Feuilletonist, aber auch als PR- und Werbestratege für den Zirkus Sarrasani.

Zusammenarbeit und Fehde mit Hanussen Von 1927 bis 1929 war Juhn als Manager und Sekretär des Okkultisten Erik Jan Hanussen tätigErich Juhn (1895–1973). In: Versandantiquariat Hans-Jürgen Lange, Archiv-Katalog 14, S. 42. und gestaltete dessen Vorführungen mit.Wilfried Kugel: Erik Jan Hanussen – Hokus-Pokus-Tausendsassa. In: Telepolis, 24. März 2008. Nach dem Bruch führte Juhn ab 1930 eine Pressekampagne gegen Hanussen in der tschechoslowakischen Deutschen Zeitung BohemiaErik Jan Hanussen. In: Limam (Literary Landscapes of Central Europe), Univerzita Palackého v Olomouci. und veröffentlichte im selben Jahr den Enthüllungsroman Leben und Taten des Hellsehers Henrik Magnus. Das Buch, das Hanussens Tricktechniken beschrieb, wurde nach einer juristischen Intervention von Hanussens Anwälten 1931 gerichtlich verboten und vernichtet.

Anfang 1933 machte Juhn die jüdische Herkunft Hanussens öffentlich bekannt. Dieser unterhielt Kontakte zur NS-Führung, darunter zu Wolf-Heinrich von Helldorff, und trat als Geldgeber der SA auf.Wilfried Kugel: Hanussen: Aufstieg und Fall des Illusionisten. 2. Auflage, Berlin 2024, ISBN 978-3-384-67611-5. Juhn verfolgte damit politische und persönliche Absichten: Als Zionist beabsichtigte er, die NS-Führung zu kompromittieren, indem er deren Verbindungen zu einem jüdischen Okkultisten aufzeigte. Zudem sollte die Enthüllung Hanussens gesellschaftlichen Aufstieg im nationalsozialistischen Umfeld beenden. Dass die Veröffentlichung zur bald darauffolgenden Ermordung Hanussens beitragen könnte, war Historikern zufolge zu diesem Zeitpunkt der NS-Diktatur für Juhn nicht vorhersehbar.

Flucht und Exil in den USA (ab 1940) Aufgrund der nationalsozialistischen Judenverfolgung floh Juhn durch Europa. In Prag war er Mitarbeiter der antifaschistischen satirischen Exil-Wochenschrift „Der Simpl“ (1934–1935).Juhn, Erich, auf lobid.orgJuhn, Erich. In: Deutsche Biographie, Online-Datenbank. 1940 emigrierte er mit seiner Ehefrau nach New York; die Ausreise wurde durch das Emergency Rescue Committee über Visa und Bürgschaften organisiert.Kalliope-Verbund: Akten des Emergency Rescue Committee: Juhn, Erich (1895–1973). Signatur: DE-101e-1307658571.

Juhn verbrachte Teile von Hanussens privatem Nachlass in die USA. Im April 1942 übergab er dem Journalisten Pierre van Paassen Dokumente mit vermeintlichen Untergangsprophezeiungen Hanussens über Adolf Hitler, die dieser in US-Medien gegen das NS-Regime publizierte.Hitler's Astrologer Forecast This. In: The Burrowa News (New South Wales), 17. April 1942, S. 1.

Anfang 1943 gründete Juhn in New York gemeinsam mit Oscar Teller das Exilkabarett „Die Arche“. Im Unterschied zu anderen zeitgenössischen New Yorker Exilbühnen mit vorwiegend unpolitischem Wiener Repertoire war „Die Arche“ als jüdisch-politisches Kabarett konzipiert.Uwe Baur, Karin Gradwohl-Schlacher: Handbuch der österreichischen Exilliteratur. Springer, Stuttgart 2018, S. 204–206. Bis 1945 brachte das Ensemble, zu dem Autoren wie Friedrich Torberg, Jimmy Berg und Richard Beer-Hofmann beitrugen, fünf Programme heraus, darunter Reisende der Weltgeschichte und Sorgen von morgen. In den Sommermonaten gastierte die Bühne vor jüdischen Emigrantengemeinden in den Catskill Mountains, darunter im Ort Fleischmanns.

Späte Jahre Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Juhn in New York ansässig. Er war im literarischen Umfeld der österreichischen Emigranten aktiv, darunter im Kreis um die Lyrikerin Mimi Grossberg und den Autor Robert Weil.Evelyne Polt-Heinzl: Mimi Grossberg. Ihre Exilerfahrung verarbeitet durch ihre Tätigkeit als literarische Vermittlerin. Diplomarbeit, Universität Wien, 2008, S. 112. Beruflich war er als Buchhalter tätig.Juhn, Erich, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 576f.

Juhn starb im Herbst 1973 in New York. Sein Nachlass und Teile seiner Korrespondenzen werden in der Mimi Grossberg Collection des Leo Baeck Institutes im Center for Jewish History aufbewahrt.Center for Jewish History: Mimi Grossberg Collection (1939–1997), Identifier: AR 3815 / Box 2, Folder: Erich Juhn.

Schriften Leben und Taten des Hellsehers Henrik Magnus. 1930 (1931 gerichtlich verboten).

Literatur Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 576f.

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