mini|Schloss Gräfenberg Das Schloss Gräfenberg, auch Gräfenberger Pflegschloss genannt, ist ein ehemaliges Pflegschloss der Reichsstadt Nürnberg in der oberfränkischen Stadt Gräfenberg im Landkreis Forchheim. Es steht am Kirchplatz unmittelbar westlich der evangelisch-lutherischen Dreieinigkeitskirche. Das Gebäude diente als Sitz des Pflegamtes Gräfenberg und wird heute von der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg genutzt.

Das Schloss ist unter der Aktennummer D-4-74-132-54 als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen. S. 7.

Geschichte Entstehung als Herrensitz In Gräfenberg bestanden im späten Mittelalter zwei voneinander zu unterscheidende befestigte Herrensitze. Die ältere Burg Gräfenberg lag im Bereich der heutigen Bahnhofstraße an der Kalkach. Die frühen urkundlichen Bezeichnungen „Haus“, „Veste“ oder „Schloss“ aus dem 14. und frühen 15. Jahrhundert werden in der neueren Forschung überwiegend auf diese Anlage bezogen. Das spätere Pflegschloss bei der Kirche erscheint dagegen als „Steinhaus“, „Steinhof“ oder „Großhaus“.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold Freiherr von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 143.

Eindeutig dem heutigen Schloss zugeordnet werden kann das 1469 erwähnte „Steinhaus“. In diesem Jahr wurden die Besitzverhältnisse zwischen Gabriel und Hans Tetzel einerseits und Ulrich VI. Haller andererseits geregelt. Das Steinhaus gehörte beiden Parteien je zur Hälfte. Zu ihm gehörten außerdem zwei weitere Häuser, zwei Hopfengärten und ein Stadel. Da in der Urkunde zugleich noch offene Baukosten abgerechnet wurden, gehen Giersch, Schlunk und Haller davon aus, dass das Gebäude damals erst kurz zuvor errichtet oder grundlegend erneuert worden war.

Bei einer erneuten Besitzteilung von 1477 wurde ausdrücklich zwischen dem „Steinhof“ bei der Kirche und dem eigentlichen „Schloss“ unterschieden. Der Steinhof fiel an die Tetzel, während Ulrich Haller die ältere Burg mit Mauern, Zwingern, Gräben und Brücken erhielt. 1480 bestätigte König Vladislav II. von Böhmen als Lehnsherr die Besitzteilung.

Um 1520 wurde das Anwesen zwischen Barbara Ketzel und Margarethe Helchner geteilt. Das als „Großhaus“ bezeichnete Hauptgebäude sollte vom Keller bis zum dritten Geschoss durch eine Scheidewand geteilt werden; beide Hälften erhielten eigene Eingänge. Vom oberen Geschoss bestanden über Anbauten Zugänge zur Herrschaftsempore der unmittelbar benachbarten Kirche.

Nürnberger Pflegschloss Zwischen 1537 und 1549 erwarb die Reichsstadt Nürnberg schrittweise die Herrschaft über Gräfenberg. Das Schloss wurde bereits 1537 als baufällig bezeichnet. 1545 richtete der Einsturz des benachbarten Kirchturms weitere Schäden an, so dass zeitweise sogar ein Abbruch des Steinhauses erwogen wurde.

Da die Schlossräume zunächst kaum nutzbar waren, ließ der Nürnberger Pfleger Hans Haas 1557 am Marktplatz ein eigenes Wohngebäude errichten, das heutige sogenannte Wolfsberger Schloss. Erst 1560 wurde das Schloss bei der Kirche wieder so instand gesetzt, dass dort der Nürnberger Pfleger wohnen konnte.

Beim großen Stadtbrand von 1567 wurde auch das kurz zuvor wiederhergestellte Pflegschloss beschädigt. Dachreparaturen sind für 1581 überliefert; 1586 galt das Schloss erneut als baufällig. 1587 erstellte Meister Hans Wittmayer einen Kostenanschlag für das „Pfleghaus Gebäu“. Weitere Arbeiten sind für 1599, 1604 und insbesondere 1612 nachgewiesen. Möglicherweise wurde bei den Umbauten von 1612 das obere Geschoss ausgebaut und die Baukörper unter einem gemeinsamen Satteldach zusammengefasst. Auch während des 17. und 18. Jahrhunderts waren wiederholt Reparaturen notwendig.

Mit der Eingliederung der Reichsstadt Nürnberg und ihres Landgebietes in das Königreich Bayern endete 1806 die Funktion des Gebäudes als Nürnberger Pflegschloss.

Gerichts- und Verwaltungsgebäude 1812 wurde das ehemalige Pflegschloss für die Nutzung als Gerichtsgebäude umgebaut. Dabei wurde ein älterer Eckturm beseitigt und an der Westseite ein dreigeschossiger Anbau nach Plänen von Conrad Kramer errichtet.

Das Gebäude wurde in der Folge als Gerichtsgebäude genutzt; bis 1932 befand sich hier das Gräfenberger Amtsgericht. Heute dient das ehemalige Schloss als Verwaltungsgebäude der Stadt und als Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg mit den Mitgliedsgemeinden Gräfenberg, Hiltpoltstein und Weißenohe.

Baubeschreibung Das ehemalige Pflegschloss besteht aus einem dreigeschossigen massiven und verputzten Kernbau mit Satteldach. Nach der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege stammt sein Kern aus dem 14. Jahrhundert. Größere Erneuerungen erfolgten 1559 und 1586.

An den Kernbau schließt der ebenfalls dreigeschossige, mit einem Walmdach versehene Erweiterungsbau von 1812 an. Von der Schlossanlage sind außerdem Reste der Stützmauern des ehemaligen Schlossgartens aus der zweiten Hälfte des 16. beziehungsweise dem 17. Jahrhundert erhalten.

Denkmalschutz Das Schloss ist als Baudenkmal D-4-74-132-54 geschützt. Die Denkmalliste bezeichnet es als „ehem. Nürnbergisches Pflegeschloss“ und nennt neben dem Kernbau und dem Erweiterungsbau auch die erhaltenen Reste der Schlossgarten-Stützmauern.

Darüber hinaus liegt das Gebäude innerhalb des denkmalgeschützten Ensembles Altstadt Gräfenberg (E-4-74-132-1). Das Ensemble umfasst die ehemals ummauerte Kernstadt sowie angrenzende historische Bereiche und bildet den bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts entstandenen historischen Siedlungskern Gräfenbergs ab. S. 1.

Literatur Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold Freiherr von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, insbesondere S. 143. Hellmut Kunstmann: Die Burganlagen in Gräfenberg, ihre Besitzer und ihre Schicksale. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 10, Heft 1/2, 1961, S. 16–25.

Weblinks

Gräfenberg II – Schloss bei Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft Ehemaliges Schloss bei den Altstadtfreunden Gräfenberg Geschichte der Stadt Gräfenberg

Einzelnachweise

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