mini|Golfpartie vor dem Hotel Kulm in St. Moritz 1923 mini|Landschaft im Oberengadin um 1900Engadin Press war ein Schweizer Verlag für Postkarten, Zeitungen und Bücher in Samedan und existierte zwischen 1901 und 2008. Das Fotoarchiv des Verlags umfasst 50'000 Bilder und befindet sich heute in der Fotostiftung Graubünden.

Verlag

Die Ursprünge des Verlags gehen ins 19. Jahrhundert zurück: 1865 eröffnete Samuel Fissler die Druckerei in Samedan. Sie publizierte Fremdenlisten und die liberale rätoromanische Wochenzeitung Fögl d’Engiadina («Engadiner Blatt»). Simon Tanner (1846–1929), ein Mitarbeiter der Druckerei, übernahm 1878 die Firma. Er erkannte das Potenzial des neuen Mediums Fotografie und produzierte den illustrierten Reiseführer Das Engadin in Wort und Bild und die Zeitschrift Engadin Express. Diese ersten Versuche gelten als Pionierleistungen, brachten aber noch kein Geld ein.Informationstafel zur Sonderausstellung «Engadin Press» im Rätischen Museum Chur 23. Januar bis 22. März 2026.

1902 kaufte der Engländer Geo Edwards den Betrieb und nannte ihn Engadin Press Co. Der Begriff wurde im Handelsregister bereits am 1. Juli 1901 eingetragen. Am 8. Mai 2005 wurde der Firmeneintrag gelöscht.Staatsarchiv des Kantons Graubünden. C50.452 - CH-350.3.000.788-9: Engadin Press AG Samedan, Samedan (2003–2006). Online

Tanner blieb nach 1902 weiterhin Direktor und entwickelte den Verlag zu einem Produzenten von Büchern, Postkarten und Werbedrucksachen. Daneben lieferte er Fotos für Zeitschriften und Zeitungen und eröffnete eine Papeterie sowie ein Fotostudio in Samedan und St. Moritz.

Der Aufstieg der Postkarte als Massenmedium verschaffte dem Verlag einen ersten Boom. Mit der Aufteilung der Rückseite in einen Teil für Text und einen Teil für die Adresse ab 1905 entstand die Struktur, die bis heute existiert. Engadin Press gehörte zu den ersten Druckereien, die sich auf die Herstellung von Postkarten spezialisierten. Genutzt wurden nicht nur Fotografien, sondern auch Collagen und gemalte Sujets. Schwarzweissfotografien wurden von Hand koloriert und mehrfarbig gedruckt.

mini|Bergsteigerfoto: Eisfall Isola Persa Bernina 1894

Herbert Haueter (1919–2001) übernahm den Verlag in den 1960er Jahren. Er positionierte ihn als Spezialist für die Produktion von Fotobüchern in hoher Qualität. Auch Postkarten mit Tier- und Pflanzenaufnahmen spielten eine wichtige Rolle in seinem Angebot. Zu den Kunden gehörte zum Beispiel der grösste norwegische Aune-Kunstverlag. Für den in Polynesien lebenden Fotografen Erwin Christen produzierte der Verlag Ansichtskarten mit farbigen Motiven aus der Südsee in hohen Auflagen, oder den Bildband Tahiti und seine Inseln,Raymond Bagnis: Tahiti und seine Inseln. Samedan 198, ISBN 978-2-904592-02-7. der mehrfach aufgelegt wurde. Für denselben Verlag in Polynesien druckte die Engadin Press unter seiner Leitung in den 1970er Jahren jährlich sechs Millionen Postkarten und 150'000 Kalender. Der Transport von Karten und Büchern vom Engadin nach Polynesien dauerte damals mehrere Wochen. "Wir exportieren nach Japan. Afrika, in die USA, die Karibik, die Südsee und natürlich in die meisten Länder Westeuropas" sagte Herbert Haueter 1980 in einem Artikel der Schweizer Illustrierten.Bernie Sigg: Sonnengrüsse, die aus der Kälte kommen. Schweizer Illustrierte vom 3. Oktober 1980. S. 47

Das Unternehmen war eng mit dem aufstrebenden Tourismus im Engadin verbunden und produzierte Motive vom Wintersport, Bergsteigen, von Hotels und von gesellschaftlichen Anlässen in der ganzen Region.

mini|Zwei Kinder im Frühjahr 1900 in Samedan GR Das Spektrum der Motive war weit. Dazu gehörten zum Beispiel Bilder aus den Arbeitswelten einer aufstrebenden Bergregion, so etwa der Bau des Albulatunnels, der 1903 eröffnet wurde. Einen Schwerpunkt bildeten der Tourismus und mit ihm neue Sportarten wie Skeleton, Golf und Tennis. Auch die Bergsteigerei brachte viele Gäste ins Engadin und sorgte für spektakuläre Aufnahmen, auch wenn die Bilder damals inszeniert wurden. Dokumentiert wurde auch das gesellschaftliche Leben seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den Festen von Musikgesellschaften und Turnvereinen und Theateraufführungen. Bilder davon wurden über das Schaufenster der Papeterie zum Verkauf angeboten. Der Verlag bot aber auch Porträtfotografie.

2001 fusionierte die Engadin Press AG mit der Südostschweiz Print AG in Chur.«Engadin Press» fusioniert mit «Südostschweiz Print» kleinreport.ch Das Unternehmen trat aber weiterhin unter dem Namen Engadin Press auf. 2005 wurde der Firmeneintrag gelöscht.

Fotografen, Grafiker, Künstler Simon Tanner war nicht nur der erste Direktor, er wirkt auch aktiv in der Produktion, der Gestaltung und dem Vertrieb mit. Er produzierte für die Vorgängerfirma der Engadin Press bereits 1890 bis 1902 über 2000 Ansichtskartensujets. Sie gingen an die Engadin Press über.

In neuerer Zeit spielte Rolf Canal (1959–2022) eine tragende Rolle als Fotograf für die Engadin Press. Er begann nach einer Lehre als Fotograf in Kreuzlingen im Jahr 1983 für das Unternehmen zu arbeiten. Canal produzierte 50'000 Fotos, die meisten davon im Engadin. Dabei nutzte er eine Mittelformatkamera vom Typ Hasselblad und eine digitale Spiegelreflexkamera von Nikon. Das Bildarchiv ging nach dem Ende der Engadin Press an die Somedia AG in Chur über, sie hatte die Engadin Press übernommen. Nach dem Tod von Rolf Canal im Jahr 2022 schenkte die Somedia AG der Fotostiftung Graubünden dieses umfangreiche Archiv zu ihrem zehnjährigen Bestehen.Ein einzigartiger Schatz aus dem Engadin. Das Archiv der Engadin Press in der Fotostiftung Graubünden. In: Terra Grischuna 2023, Nr. 6, S. 34.

Archiv Das Bildarchiv des Verlags Engadin Press umfasst 50’000 Fotografien aus den Jahren 1880 bis 1950. Sie ist eine der grössten Sammlungen von historischen Aufnahmen aus Graubünden. Im Jahr 1960 kaufte das Museum für Kommunikation den gesamten Bestand für 2500 Franken. 2025 übergab das Museum den gesamten Bestand an die Fotostiftung Graubünden.

Digitalisierung Ein Teil des Fotoarchivs der Engadin Press ist bereits digitalisiert und öffentlich zugänglich.Der Begriff Engadin Press in der Datenbank der Fotostiftung Graubünden. Online Weitere Digitalisierungsschritte sind ab 2026 geplant.Ein einzigartiger Schatz aus dem Engadin. Das Archiv der Engadin Press in der Fotostiftung Graubünden. In: Terra Grischuna, 2023, Nr. 6, S. 33–34.

Literatur Raymond Bagnis: Tahiti und seine Inseln. Samedan 1988, ISBN 978-2-904592-02-7. M. Caviezel: Das Engadin in Wort und Bild. Verlag Simon Tanner, Samedan 1896, Online. Patrick A. Wild: Die Buchdruckerkunst im Engadin. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte in Romanisch-Bünden. Chur 2012, S. 75.

Weblinks

Fotos der Engadin Press in Datenbank der Fotostiftung Graubünden Cultura.ch: «Engadin Press» – Einblicke ins Bildarchiv. Eine Fotosammlung findet ihren Weg nach Hause. Museum für Kommunikation Urs Oskar Keller: Von Trondheim nach Samedan. Der Engadiner Blick prägte die Welt. In: Südostschweiz, 19. Januar 2020.

Einzelnachweise

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