mini|Norbert Tyllack vor seinem Schaufenster in der Hubertusstraße, September 2026 Norbert Tyllack (* 1949 in Berlin) ist ein deutscher Holzbildhauer, der in Berlin arbeitet und wohnt.
Leben mini|hochkant=0.65|2026: Norbert Tyllack arbeitet an einer Skulptur Norbert Tyllack kam in der Werkstatt seines Vaters Georg Tyllack schon früh mit der Holzbildhauerei in Berührung. Nach dem Schulabschluss samt Abitur absolvierte er in der Werkstatt des Vaters die Lehre als Holzbildhauer. Er arbeitete dann mit diesem zusammen und war an der Ausführung größerer Aufträge beteiligt. An der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bildete sich Norbert Tyllack in der Fachrichtung Plastik in der Klasse von Hans Kies im Abendstudium künstlerisch weiter.siehe Website, „Über mich“. Im Jahr 1974 wurde Norbert Tyllack Holzbildhauer-Meister. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm Norbert Tyllack zum 1. Februar 1976 die Lichtenberger Werkstatt. Er führte die künstlerische und kunsthandwerkliche Holzgestaltung mit Skulpturen, Reliefs, Kirchen- und Grabmalskunst fort, erweitert um modernes Holzdesign für den Innenbereich.
Seine Arbeiten entstehen immer in der ursprünglichen Art des Schnitzens in Handarbeit mit traditionellen Werkzeugen. In letzter Zeit schuf Tyllack vermehrt abstrakte Skulpturen und Objekte, bei denen die Form bzw. das Design im Vordergrund stehen, wobei er großen Wert auf die perfekte handwerkliche Ausführung legt.
Norbert Tyllack ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wird seine Tätigkeit als Holzbildhauer in der Hubertusstraße beenden und sein Werkstattatelier auflösen. Damit endet dann eine mehr als 90-jährige Tradition in Berlin-Lichtenberg.Hinweisschild im Atelierschaufenster, gesehen Anfang September 2026 von Benutzerin 44Pinguine
Werke (Auswahl) Norbert Tyllack fertigt neben Skulpturen, Reliefs oder Holzwandschmuck (modern-abstrakt oder traditionell-realistisch) auch Ausstattungen für Kirchengemeinden sowie für Friedhofskapellen und Feierhallen. Außerdem führt er Restaurierungen oder Nachbauten in historischen Arbeitstechniken aus.siehe Website
Im Zeitraum Ende der 1980er Jahre bis in die 1990er Jahre arbeitete Tyllack mit den Werkstätten der Berliner Staatstheater zusammen. Es entstanden kunsthandwerklich gefertigte Ausstattungsstücke für Theater- und Operninszenierungen in Kooperation mit den Bühnenbildnern, beispielsweise der Thronsessel für die Opernaufführung Aida.
Für den öffentlichen Raum in Berlin und für offene Kirchen fertigte Norbert Tyllack unter anderem folgende Werke (mit ihren Erstellungsjahren):
+ Werkübersicht (Auswahl) Jahr was Standort Detailinformationen, ggf. Bild 1968/1969 Mitarbeit in der Werkstatt des Vaters Ermelerhaus in Berlin-Mitte Neuanfertigungen und Ergänzungen der Tür- und Wandornamentik im umgesetzten historischen Bürgerhaussiehe Website, Bilder 16 und 17. 1974/1975 Fertig-Gestaltung des Indianer-Abenteuerspielplatzes Schlosspark Biesdorf 140x140px|rahmenlos|rechts Die Ausstattung hatte noch sein Vater Georg Tyllack begonnen.Insbesondere beendete Norbert Tyllack die zentrale über 2,5 m hohe Holzskulptur und schuf eigenständig eine weitere große Figur, ein Totem. Die große Indianerfigur wurde Ende der 1980er Jahre von ihm grundlegend restauriert.Kommentar: Der Indianerspielplatz entstand zu Beginn der 1970er Jahre nach Plänen und unter Leitung des Gartenarchitekten Gregor Beimeler. Auf den Platz führte ein großes hölzernes Eingangstor, an dem beidseitig je ein überdimensionaler Kopf (rund einen Meter hoch) mit dem typischen Indianerfederschmuck platziert war (siehe auch ). – Nach Beseitigung des Spielplatzes um das Jahr 2004 wegen Altersschwäche der Holzelemente und aufgrund höherer Sicherheitsanforderungen wurde der Indianer auf den Boschpoler Platz umgesetzt, auf dem es einen anderen Spielplatz mit Kletterelementen gab.Website Norbert Tyllack, Werkbeispiele. – Einer der beiden großen Köpfe wurde gestohlen; der endgültige Verbleib der Indianerfigur und des anderen Kopfes ist nicht geklärt. 1975 Grabkreuz für das Familiengrab auf dem St. Pius-Friedhof |140x140px|rechts Material Eichenholz 1970er Jahre figürliches Grabmal St. Pius-Friedhof 140x140px|rechts Beispielarbeit, Zustand Sommer 2026 1985/1986 Nacharbeit von Möbeln sowie Ausstattungsrestaurierungen Deutsche Staatsoper Berlin 140x140px|rechts Er schnitzte fehlende Konsoltische für das Foyer nach Vorlagen nachsiehe Website, Bild 9. und ergänzte beschädigte Rokokoornamente vom Parkett bis zum 3. Rang. Außerdem erledigte er Schnitzarbeiten an Möbeln der dortigen Konditorei. 1987 Krümmlinge für Handläufe der großen Freitreppe im Grand Hotel Berlin in der Friedrichstraße (heute The Westin Grand Berlin) Anfertigung der dreidimensional geschwungenen Übergangsbauteile, die für die Richtungsänderungen oder Windungen der Handläufe einer Treppe notwendig sind 1987 Wandornamente, geschnitzte Girlanden in dem zum Grand-Hotel gehörenden Café Bauer 140x140px|rechts 1987/1988 geschnitzte ornamentale Architekturteile Grisebach-Villa 140x140px|rechts|Fassadendetails Neuerschaffung: An den Fenstern sind Voluten, Akanthus und andere geschnitzte Teile platziert. 1991 Figur des knieenden Knaben Zentralfriedhof Friedrichsfelde 140x140px|rechts|rahmenlos Neuschaffung im Auftrag des Grünflächenamtes vom Bezirk Lichtenberg nach dem vorhandenen zerfallenden Original. Die neue Figur wurde aus einem verleimten Holzblock grob herausgesägt und dann Schritt für Schritt detailliert fein herausgeschnitzt. Sie erhielt nun am Rande der gerade eröffneten Kinderbegräbnisstätte ihren Standort. 1996 barocker Taufengel Niederlausitzer Dorfkirche Dollenchen Restaurierungs- und Ergänzungsarbeiten am TaufengelKommentar: Dollenchen gehört(e) zur Kirchengemeinde im Pfarrsprengel Göllnitz-Sallgast, heute zur Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kleine Elster-Lugk im Kirchenkreis Niederlausitz. 1997 Pyramidenfiguren Frankfurter Tor in Berlin, Weihnachtsmarkt NeuanfertigungNach dem Mauerfall gab es Bestrebungen, die Einkaufsmeilen in Ost-Berlin in der Weihnachtszeit attraktiver zu machen. In den 1990er-Jahren gestalteten lokale Händlergemeinschaften und private Betreiber entlang der Karl-Marx-Allee und direkt am Frankfurter Tor kleinere, dezentrale Weihnachtsinseln. – Im Dezember 1997 machten betrunkene Randalierer Schlagzeilen, als sie nachts auf die Pyramide kletterten, um die großen, handgeschnitzten Holzfiguren gewaltsam zu entwenden und teilweise zu zerstören. Wegen der wiederholten Sachbeschädigungen, wegen des hohen Vandalismusrisikos und der extrem windigen Lage direkt auf der Kreuzung Frankfurter Tor wurde in den Folgejahren dort keine Pyramide mehr aufgestellt.Bericht in der Berliner Morgenpost, Dezember 1997; Hans Dieter Braden: Uta von Naumburg unterm „Holzhammer“ (ohne Datumsangabe ausgeschnitten). Ende 1990er Jahre Schnitzereien am Elefantentor des Berliner Zoos 140x140px|rechts Erneuerung von Teilen Das gesamte Tor war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und wurde 1983/1984 detailgetreu wieder aufgebaut (Architekten: Schaefers & Löffler; Plastiken/Bildhauerarbeiten: Jochen Ihle). Einiges musste nach zehn Jahren erneuert werden. 2000er Jahre Souffleurmuschel für spezielle Inszenierungen im Deutschen Theater 170x170px|rechts|Gestaltungsvorlage und Detailansichten Diese Arbeit zählt zu einem der kompliziertesten Aufträge von Tyllack, weil die Muschelschalen besonders dünn aber trotzdem tragfähig sein mussten.siehe Website, Bilder 7 und 8. nach 2000 Krippenfiguren Krankenhauskapelle Weißensee Wegen Diebstahl zweier Figuren der Weihnachtskrippe schnitzte Norbert Tyllack diese Figuren nach.
Weblinks
Website von Norbert Tyllack
Einzelnachweise Interviews von Benutzerin:44Pinguine mit Norbert Tyllack am 3. und 22. September 2026, mit Einsichtnahme in die Auftragsbücher und Durchsicht der Fotodokumentation der Tyllacks
Kategorie:Bildhauer (Berlin) Kategorie:Berlin-Lichtenberg Kategorie:Bildschnitzer Kategorie:Künstler (christliche Kunst der Moderne) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Mann