Ecteinascidia turbinata, allgemein bekannt als Mangroven-Seescheide, ist eine Manteltierart aus der Familie der Perophoridae. Sie wurde 1880 von William Abbott Herdman wissenschaftlich beschrieben. Aus dieser Art lässt sich das Krebsmedikament Trabectedin gewinnen.

Merkmale Ecteinascidia turbinata ist eine kolonial lebende Seescheide. Die einzelnen Zooide können eine Höhe von 2,5 cm erreichen und haben die Form breithalsiger Flaschen. Sie sind an der Basis durch einen Stolon miteinander verbunden, durch den Blut zwischen den Zooiden zirkuliert und der dazu dient, die Kolonie am Substrat zu befestigen. Die Wände der Zooide werden als Tunika bezeichnet und sind mit Zellulose verstärkt, was für ein Tier ungewöhnlich ist. Über Siphone sind sie mit dem umgebenden Wasser verbunden. Die Wände der Tunika sind durchscheinend, sodass der Pharynxkorb durch sie hindurch sichtbar ist. Die Ränder der Siphone sind orangefarben, da sich dort Carotinoide ablagern. Dies ist eine Warnfärbung, denn E. turbinata schmeckt unangenehm und schreckt Raubtiere ab. Kolonien können eine Breite von 14 Zentimetern erreichen.

Verbreitung und Lebensraum Ecteinascidia turbinata kommt das ganze Jahr über in flachen Gewässern der Karibik, an der Ostküste Floridas, auf den Bermudas und im Golf von Mexiko vor. Im Sommer wird sie gelegentlich in der Chesapeake Bay, vor den Küsten von North und South Carolina sowie im Mittelmeer angetroffen. Sie wächst vorwiegend an den unter Wasser liegenden Wurzeln von Mangroven (Rhizophora mangle). In Kuba, wo sie reichlich vorkommt, wurde eine Dichte von einer Kolonie pro Meter Mangrovenwurzel festgestellt. Sie wächst außerdem auf Felsen, Molen, der Korallengattung Antipathes, schwimmendem Treibgut sowie auf oder um Seegras herum.

Lebensweise Ecteinascidia turbinata ist ein Filtrierer. Jedes Zoid saugt Wasser über den Einlasssiphon an der Oberseite in sein Inneres und stößt es über den Auslasssiphon wieder aus. Nahrungspartikel, hauptsächlich Plankton, bleiben im Schleim hängen, während das Wasser durch einen netzartigen Pharynxkorb fließt. Von dort werden die Partikel durch Zilien in den U-förmigen Darm befördert. Unverdaute Reste werden über den Anus in der Nähe des Auslasssiphons ausgeschieden, wo sie von der Wasserströmung mitgerissen werden. mini|Einzelnes Zooid Die Kolonie kann sich durch Knospung vermehren, einer Form der asexuellen Fortpflanzung, bei der neue Zooide aus dem Stolon wachsen. Im Frühjahr und Frühsommer findet die sexuelle Fortpflanzung statt. Ecteinascidia turbinata ist ein simultaner Hermaphrodit, wobei jedes Individuum sowohl Eier als auch Spermien produziert. Nach der Befruchtung werden die Eier etwa eine Woche lang in der Körperhöhle ausgebrütet. Anschließend entwickeln sie sich zu leuchtend gelben, ohrwurmähnlichen Larven mit einer ausgeprägten Chorda, die in die Wassersäule entweichen. Sie können schwimmen und verfügen über ein Dotterreserve, von der sie sich mehrere Tage lang ernähren. Ist diese aufgebraucht, müssen sie einen geeigneten Ort finden, um sich anzusiedeln und sich in ein junges Seescheiden-Individuum zu verwandeln, das bereit ist, eine neue Kolonie zu gründen.

Ökologie Vanadiumverbindungen reichern sich in der Hülle von Ecteinascidia turbinata so stark an, dass die Gesamtvanadiumkonzentration der Hülle eine Million Mal höher sein kann als die des umgebenden Meerwassers. Die Funktion dieser Substanzen ist unklar, doch in Verbindung mit bestimmten Alkaloiden machen sie die Manteltiere für Fressfeinde ungenießbar, worauf die leuchtend orange Färbung des Organismus hinweist. Der Plattwurm Maritigrella crozierae scheint gegen die giftigen Chemikalien der Seescheiden immun zu sein und ist in der Lage, über die Oberfläche der Kolonie zu kriechen und einen langen Rachen in einzelne Zoide einzuführen, um sich von deren inneren Strukturen zu ernähren.

Zu den weiteren Biofouling-Organismen, die in der Nähe von Ecteinascidia turbinata leben, gehören verschiedene Meeresschwämme und andere Arten von Manteltieren. Mehrere Amphipodenarten leben symbiotisch im Inneren der Zooide.

Eines der Alkaloide, die von einem bakteriellen Symbionten von Ecteinascidia turbinata produziert werden, ist Ecteinascidin 743, auch bekannt als Trabectedin. Dieser Wirkstoff hat nachweislich antitumorale und antibiotische Eigenschaften und wurde von den Arzneimittelbehörden der EU und der USA unter dem Handelsnamen „Yondelis“ zur Behandlung bestimmter Weichteilsarkome und rezidivierendem Eierstockkrebs zugelassen.

Auch das Krebsmedikament Lurbinectedin ist strukturell mit Trabectedin aus Ecteinascidia turbinata vergleichbar.

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Einzelnachweise

Kategorie:Manteltiere Kategorie:Tunicata