Die Schwarzgesichttangare (Trichothraupis melanops, Syn.: Muscicapa melanops, Tachyphonus quadricolor, Tanagra auricapilla, Tachyphonus suchii) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale mini|links|Schwarzgesichttangare ♀ Die Schwarzgesichttangare erreicht eine Körperlänge von ca. 15,7 bis 16,8 cm bei einem Gewicht von ca. 16,2 bis 26,0 g. Das Männchen hat eine schwarze Maske, die sich vom vorderen Oberkopf bis zu einem breiten Bereich um das Auge erstreckt. Dazu hat es einen gelben Oberkopffleck, der meist verborgen oder nur als schmaler gelber Streifen sichtbar ist. Der hintere Oberkopf und der Nacken bis zu den Oberschwanzdecken sind dunkel olivgrau mit bräunlichem Hauch. Die Oberflügeldecken sind düster gefärbt, die Handdecken, die Schwungfedern und die Steuerfedern schwärzlich. Ein weißes Band oder ein weißer Fleck ziert die Basis der Armschwingen sowie ein weißes Band die Mitte der Handschwingen. Zusammen bilden sie ein unterbrochenes Flügelband, wobei das Weiß ist bei ruhendem Vogel meist nicht sichtbar ist. Die Kehle und die Unterseite sind gelbbraun, zur Bauchmitte hin wird dies heller. Die Unterschwanzdecken haben eine gelbbräunliche zimtfarbene Tönung. Die Unterflügeldecken sind weiß. Die Iris ist dunkel rotbraun, der Schnabel blaugrau, wobei der Oberschnabel größtenteils oft dunkler gefärbt ist und die Beine sind grauhornfarben. Das Weibchen ähnelt dem Männchen, ist jedoch matter gefärbt, hat keinen gelben Oberkopffleck und wenig oder kein Schwarz im Gesichtsbereich und an den Kopfseiten. Es besteht nur ein geringer Kontrast zwischen dem Rücken und den Flügeln.Steven Leon Hilty u. a. (2024)

Lautäußerungen Der Gesang der Schwarzgesichttangare wird in zwei Gesangstypen unterschieden. Der erste besteht aus einer weitläufigen Abfolge verschliffener Pfiffe, durchsetzt mit musikalischen Tönen. Diese klingen in etwa wie puu-ii, wa-é-wa-é, wur wur, j-ip, wit?, phii pii, wobei sanfte und trillernde Laute oft mit rauen Rufen kombiniert werden. Der zweite Typ ist eine lange Abfolge vielfältigerer Töne und Quietschlaute, darunter auch verschliffene Pfiffe, summende Laute und kurze psp-Laute, wobei einzelne Töne zwei- bis fünfmal wiederholt werden können. Zu den häufig zu hörenden Rufen gehören ein raues tswick oder twzt sowie ein hohes tst. Die Population in den Anden scheint ungewöhnlich still zu sein. So liegen nur wenige Tonaufnahmen vor. Die Kontaktrufe sind in Sonogrammen optisch identisch und klingen bei beiden allopatrischen Populationen sehr ähnlich.

Fortpflanzung Brutnachweise der Schwarzgesichttangare liegen aus São Paulo aus den Monaten Oktober sowie aus Rio de Janeiro aus den Monaten November und Januar vor. In Rio Grande do Sul wurden Vögel in Brutstimmung im September und Oktober beobachtet. Im Südosten Brasiliens fand man ein napfförmiges Nest in 1 Meter Höhe in einem Bambusbestand im Wald. Dieses enthielt drei Jungvögel. Die Eier waren rosafarbenweiß und wiesen insbesondere am stumpfen Pol braune, lavendelfarbene sowie schwarze Zeichnungen auf.

Verhalten und Ernährung Von 31 untersuchten Mägen der Schwarzgesichttangare enthielten sechs ausschließlich pflanzliche und 22 ausschließlich tierische Bestandteile, während drei eine Mischung aus beidem aufwiesen. Zu den Inhalten gehörten Käfer, Früchte, Samen sowie Schalenfragmente von Lungenschnecken. Eine weitere Studie im Südosten Brasiliens hatte als Mageninhalt Webspinnen, Käfer, Samen und Hautflügler. Es wurde zudem beobachtet, wie die Art Schmetterlinge und Faltenwespen-Larven frisst. In Paraguay wurde beobachtet, wie die Art Früchte von Allophyllus edulis, die 7 bis 10 Millimeter lang sind, fraß. Sie ist paarweise unterwegs, bisweilen in kleinen Familiengruppen und gelegentlich in größeren Verbänden von bis zu einem Dutzend Individuen. Regelmäßig schließt sie sich insbesondere in den Anden gemischten Vogelschwärmen an und ist häufig bei Schwärmen von Wanderameisen in Brasilien anzutreffen. Zudem folgt sie gelegentlich Affen und betreibt bei anderen Vögeln Kleptoparasitismus. Sie ist recht aktiv und unruhig, hüpft häufig von Ast zu Ast und durch Lianengewirr nach oben. Sie unternimmt kurze Vorstöße ins Laub oder in die Luft, meist in eher geringer Höhe. Dabei lässt sich gelegentlich auf den Boden herab oder steigt zur Nahrungssuche in die Baumkrone auf. Aus Paraguay wurde berichtet, dass der Vogel vorwiegend im dichten Laub der Baumkrone nach Nahrung sucht, aber auch in allen anderen Bereichen des Baumes. Sie streckt sich, beugt sich vor oder unternimmt kurze Vorstöße, um Früchte zu pflücken, wobei sie nur selten rüttelt. Die Früchte dreht sie im Schnabel, um das Fruchtgehäuse bzw. die Fruchtwand zu entfernen. Dabei lässt sie die Samen fallen oder verschluckte die Früchte im Ganzen.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Schwarzgesichttangare (grün) In den Anden kommt die Schwarzgesichttangare vorwiegend an feuchten Waldrändern und auf Waldlichtungen mit dichtem Unterwuchs vor. Sie bewegt sich dort in Höhenlagen von etwa 1000 bis 1700 Meter. Im Vorgebirge Boliviens ist sie bereits ab einer Höhe von 350 Meter, ausnahmsweise auch auf 200 Meter anzutreffen. Diese Population besiedelt die saisonalen Trockenwälder die Tucumano-Boliviano-Wälder heißen sowie einen schmalen Streifen Yungas-Wald im Norden Boliviens. In Peru ist sie am Fuß der Anden präsent. Dort sind Wälder im Vergleich zum Tucumano-Boliviano-Wald mit einer höheren Feuchtigkeit. Die östliche Population findet sich in halboffenen buschreichen Gebieten, an Waldrändern, in Uferwäldern, in Sekundärvegetation auf Lichtungen sowie im Südosten Brasiliens in isolierten Waldstücken mit einer Größe von nur etwa 21 Hektar. In dieser Region bewegt sich die Art vom Tiefland bis auf eine Höhe von etwa 1500 Meter vom Südosten Brasiliens über den Osten Paraguays bis in den Nordosten Argentiniens.

Unterarten Es sind folgende Unterarten anerkannt: Trichothraupis melanops melanops (, 1818)Louis Pierre Vieillot (1818), S. 452–453 kommt im östlichen Brasilien, im nordöstlichen Argentinien und dem östlichen Paraguay vor. Trichothraupis melanops griseonota , , , , , , 2024Vagner Cavarzere u. a. (2024), S. 541–556. ist in den Anden Perus und dem westlichen Bolivien verbreitet. Die Fußwurzeln bei der Unterart sind deutlich kürzer als bei der Nominatform. Die Ohrdeckenregion ist Teil der Gesichtsmaske. Die Unterseite der Männchen und Weibchen ist heller. An den Unterschwanzdecken ist die Färbung cremefarben bis ockergelb. Die Rückenfärbung des Männchens ist grauer. Die Brustfärbung der Weibchen ist heller als in der Nominatform.Vagner Cavarzere u. a. (2024), S. 541–556.

Tachyphonus quadricolor , 1819Louis Pierre Vieillot (1819), S. 359, Tanagra auricapilla , 1821Maximilian zu Wied-Neuwied (1821), S. 211 Fussnote und Tachyphonus suchii , 1825William Swainson (1825), S. 66 werden heute als Synonyme zur Nominatform betrachtet.

T. m. griseonota wurde als eigenständige Art beschrieben. Das South American Classification Committee ist allerdings bisher kontroverser Meinungen und fordert weitere Forschungsarbeiten.Proposal (1023) to South American Classification Committee Recognize Trichothraupis griseonota as a separate species from T. melanops (englisch).

Migration Die Schwarzgesichttangare ist vermutlich ein Standvogel.

Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Schwarzgesichttangare erfolgte 1818 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Muscicapa melanops. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay an. Er bezog sich hierbei auf Lindo pardo copete amarilloFélix de Azara (1802), S. 398–399 von Félix de Azara. 1851 führte Jean Louis Cabanis die Gattung Trichothraupis für die Schwarzgesichttangare ein. Dies allerdings für das Synonym T. quadricolor.Jean Louis Cabanis (1851), S. 23 Das Wort ist griechischen Ursprungs und leitet sich aus den Worten und ab.Trichothraupis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname melanops leitet sich aus und ab.melanops The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Griseonota ist ein Wortgebilde aus und .Vagner Cavarzere u. a. (2024), S. 547. Quadricolor hat seinen Ursprung in und quadricolor The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, auricapilla in und .auricapilla The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Suchi ist dem Sammler George Such (1798–1880) gewidmet. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay sieben Bälge, gesammelt durch Hans Krieg (1888–1970), Michael Mathias Kiefer (1902–1980) und Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) in Zanja Moroti im Bergland des Río Apa sowie in Puerto Casado und Puerto Sastre im Gran Chaco, zur Verfügung. Im Münchner Museum fand er zusätzlich Exemplare von Adolf Neunteufel (1909–1979) aus Cambyretá und Georg Wieninger (1859–1925) aus Bernalcue. Er betrachtete Trichothraupis melanops als Art für das Land. In der Literatur betrachtete er durch Alfredo Borelli (1858–1943) in PirapoTommaso Salvadori (1895), S. 4 und TebicuariTommaso Salvadori (1900), S. 17 gesammelte Exemplare, die durch Tommaso Salvadori beschrieben wurden, in SapucaiHarry Church Oberholser (1901), S. 143.Charles Chubb (1910), S. 628 durch Harry Church Oberholser und durch Charles Chubb, in Paso YuvayRoberto Raúl Dabbene (1912), S. 357 durch Roberto Dabbene und im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 63. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni Nachweise für das Land. Außerdem erwähnte er Lindo pardo y canelaFélix de Azara (1802), S. 396–398 von Azara.Alfred Laubmann (1940), S. 165–166.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Tangaren