mini|Ansicht des ehemaligen Wohnplatzes, 2026 Paradiesmühle ist ein historischer Wohnplatz und eine ehemalige Wassermühle auf dem Gebiet der Stadt Niemegk im heutigen Brandenburg. Der Wohnplatz wurde im 20. Jahrhundert als Teil von Niemegk geführt.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 313)
Lage mini|Paradiesmühlenweg Die Paradiesmühle lag nordwestlich des Stadtzentrums am Buffbach, ursprünglich vor dem Belziger Tor der Stadt. Später entwickelte sich dort ein eigenständiger Wohnplatz, der administrativ Niemegk zugeordnet wurde. In der Neuzeit erinnert die amtlich gewidmete Straße Paradiesmühlenweg an den Ort.Paradiesmühlenweg, Brandenburgviewer, abgerufen am 2. Mai 2026.
Geschichte und Etymologie Eine Wassermühle mit einem Gang wurde erstmals 1506 urkundlich erwähnt. Benannt ist sie nach dem Flurnamen Paradies an ihrem Standort am Buffbach.
Die nächste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1713 als Kleinenmühle vor dem Belziger Tor mit zwei Gängen, die als Öl- und Walkmühle genutzt wurden. Die Bezeichnung Paradiesmühle ist erstmals 1971 nachgewiesen, war zu diesem Zeitpunkt nach einem Brand jedoch bereits wüst gefallen. Der damalige Mühlenbesitzer Franz Julius Oelschläger bot das zerstörte Mühlen- und Wohnhaus zum Verkauf an. Zum Besitz gehörten ein Stallgebäude sowie ein Garten- und Wiesengrundstück sowie das Recht, die Wasserkraft aus dem Buffbach zu nutzen. Oelschläger selbst hatte aus einer Versicherung eine Entschädigung von 2200 Taler erhalten, fand aber keinen Käufer. Die abgebrannte Mahlmühle wurde spätestens 1837 in eine Papiermühle umgewandelt und 1841 erneut zum Kauf angeboten. Im Jahr 1842 übernahm die Familie Puff das Anwesen, das 1861 als Paradies- oder Puffmühle bezeichnet wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Mühle im Besitz des Müllermeisters Gutsch, der neben Korn auch Roggenkleie und gestampfte Hirse verarbeitete, die 1861 von ihm Zauch-Belziger-Kreisblatt zum Kauf angeboten wurde. Gutsch war im Jahr 1886 Ratsherr der Stadt Niemegk und verkaufte die Mühle an den Magistrat. Im Jahr 1895 ist für den Standort ein Wohnhaus nachgewiesen, womit sich ein kleiner Wohnplatz herausgebildet hatte.
Im 20. Jahrhundert blieb die Paradiesmühle als Wohnplatz bestehen und wurde 1931 sowie 1957 ausdrücklich als solcher zur Stadt Niemegk gerechnet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Familie Krüger Eigentümer der Mühle, die sie an Ernst Henze verkaufte. Henze war kein Müller, sondern als Landwirt tätig. Nebenbei betrieb er in dem Mühlenetablissement eine Gastwirtschaft. Er ließ 1931 weitere Räume zu einer Jugendherberge umbauen. Das Mühlengebäude wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stillgelegt. Henze starb und seine Erben vernachlässigten das Grundstück.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Räume ab Anfang 1946 vom Spielwarenfabrikanten Ernst Seidel genutzt. Das Wasserrad verfiel, ebenso wurde die Gaststätte geschlossen. Einige Jahre später übernahm eine Firma aus Elsterwerda das Grundstück und nutze die Räume zur Herstellung von Puppen aus Kunststoff. Nach einigen Jahren wurde der Betrieb eingestellt und das Pachtverhältnis gelöst. Eine Erbin verzichte durch ihren Austritt aus der Erbengemeinschaft auf ihren Anteil. Eine weitere Erbin wohnte in West-Berlin; eine weitere in der Nähe von Jüterbog. Das Bauwerk verfiel weiter; im Jahr 1975 wurde der Buffbach durch Meliorationsmaßnahmen vertieft. Es kam zu Rissen im Bauwerk und die Mühle verfiel zusehends und wurde schließlich baupolizeilich gesperrt. Dennoch wurde es von Kampfgruppen der Arbeiterklasse sowie bis 1989 von einem Niemegker Bürger genutzt, der dort Enten mästete.
Nach der Wende gelangte das Grundstück an einen Interessenten aus dem Sauerland, der jedoch keinerlei Baumaßnahmen einleitete. Im Jahr 2026 sind nur noch Reste einer Ruine vorhanden. Die Paradiesmühle war nach Niemegk eingekircht.
Bevölkerung Für die Paradiesmühle sind nur geringe Einwohnerzahlen überliefert: 1871: 6 Einwohner, 1885: 7 Einwohner, 1895: 4 Einwohner, 1905: 4 Einwohner und 1925: 5 Einwohner.
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 313) Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e. V. (Hrsg.): Mühlennachrichten aus Berlin und Brandenburg: Himmlisch – Paradies- und andere Mühlen in und um Niemegk, Dezember 2008, S. 32. Fremdenverkehrsverein Niemegker Land e. V. (Hrsg.): Die Chronik der Stadt Niemegk, Band 1, Ein Rückblick in die Geschichte der Stadt Niemegk, 1. Auflage 1998, S. 171
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Wüstung im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Ersterwähnung 1506 Kategorie:Wassermühle in Brandenburg