mini|Modell der abgebrochenen Kirche Die Dorfkirche Wolkenberg war die evangelische Kirche des heute devastierten Dorfes Wolkenberg in der Niederlausitz. Die spätgotische Feldsteinkirche entstand im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Im Zuge der Devastierung Wolkenbergs für den Braunkohlentagebau Welzow-Süd wurde die Kirche im Dezember 1993 gesprengt. Teile ihrer Ausstattung und die Wandmalereien wurden zuvor geborgen und sind heute im Schloss Spremberg erhalten.Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein. Überlegungen zum ländlichen Kirchenbau der Niederlausitz anhand ausgewählter Beispiele. In: Annegret Gehrmann, Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz. Geschichte – Architektur – Denkmalpflege. Lukas Verlag, Berlin 2010, S. 76–78.Boris Frohberg: Wandbildabnahmen in der Dorfkirche Wolkenberg, deren Neuaufbringung und Restaurierung. In: Conserva. Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut, Nr. 2, 2004, S. 148–157.
Geschichte Archäologische Untersuchungen vor dem Abbruch der Kirche ergaben, dass dem steinernen Kirchenbau ein älterer Holzbau vorausging. Dessen Fundamente konnten nachgewiesen werden. Dendrochronologische Untersuchungen des Dachwerks ergaben Fälldaten der verwendeten Hölzer von 1442 und 1443. Die Feldsteinkirche entstand somit im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Der zum Vorgängerbau gehörende hölzerne Glockenturm blieb erhalten und wurde in den Neubau einbezogen. Die Hölzer des Turmes wurden auf die Zeit um beziehungsweise nach 1420 datiert. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche einen repräsentativen Backsteingiebel an der Ostseite, der einen älteren provisorischen Abschluss ersetzte.Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein, S. 77. Im frühen 19. Jahrhundert wurden mehrere Fenster vergrößert. Gleichzeitig erfolgte der Einbau einer Flachdecke im östlichen Teil des Kirchenraums.Dirk Schumann: Backstein, Feldstein und Raseneisenstein, S. 77–78.
Die Kirche bildete bis zur Devastierung das kirchliche Zentrum des Dorfes. Mit der Devastierung Wolkenbergs für den Braunkohlentagebau Welzow-Süd wurde die Kirche entbehrlich. Das Dorf wurde zwischen 1989 und 1993 abgebrochen; die Kirche gehörte zu den letzten noch erhaltenen Gebäuden. Sie wurde im Dezember 1993 gesprengt.
Baubeschreibung Die Kirche war ein einfacher Feldsteinsaal mit qualitätvollen Baudetails aus Backstein. Besonders bemerkenswert war die Einbeziehung des älteren hölzernen Glockenturms in den Neubau des 15. Jahrhunderts. Die neue Westwand wurde unmittelbar an die bestehende Holzkonstruktion angefügt. Bis zum Abbruch besaß die Ostwand ihre ursprüngliche mittelalterliche Dreifenstergruppe mit schrägen Backsteingewänden. Der spätgotische Ostgiebel war mit Blenden und Taustabprofilen geschmückt. In der Südwand befanden sich zwei nahe beieinanderliegende gestufte Portale mit profilierten Backsteinformsteinen. Die Formsteine wurden vor der Sprengung geborgen und gelangten überwiegend in das Niederlausitzer Heidemuseum in Spremberg. Daneben befand sich eine kleinere Pforte in der Nordwand, die möglicherweise auf eine ursprünglich geplante Sakristei hinweist.
Der Innenraum war deutlich gegliedert. Der östliche Bereich besaß ursprünglich eine hölzerne Tonne, während der westliche Gemeinderaum flach gedeckt war. Die Spuren dieser Konstruktion konnten bis zum Abbruch nachgewiesen werden. Mehrere Holzständer betonten zusätzlich die Trennung beider Raumbereiche. An der Ostwand befanden sich mehrere Nischen, darunter eine Sakramentsnische sowie eine weitere gekuppelte Segmentbogennische unbekannter Funktion.
Wandmalereien Vor der Sprengung der Kirche fanden umfangreiche restauratorische Untersuchungen statt. Dabei wurden auf dem mittelalterlichen Putz Seccomalereien in Kalkkaseintechnik nachgewiesen.Wandbildabnahmen in der Dorfkirche Wolkenberg, deren Neuaufbringung und Restaurierung, Webseite Verband der Restaurator:innen (VDR) e. V., abgerufen am 1. August 2026. Insgesamt konnten rund 21 m² bemalter Wandfläche geborgen werden. Die Malereien entstanden vermutlich gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Sie zeigten Szenen und Figuren aus dem Alten und Neuen Testament.Boris Frohberg: Wandbildabnahmen in der Dorfkirche Wolkenberg, deren Neuaufbringung und Restaurierung, S. 149. Auf der Südwand befanden sich Darstellungen der Arche Noah, des Jüngsten Gerichts mit der Auferstehung der Toten sowie der Hölle. Daneben waren Evangelisten- und Heiligenfiguren dargestellt. Auf der Westwand waren die Enthauptung Johannes des Täufers sowie die Darstellung einer Pilgerin zu sehen. Eine besondere Stellung nahmen die Heiligen Martin und Georg ein, die oberhalb der Fenster der Ostwand dargestellt waren. Zwischen den Fenstern befanden sich großflächige Rankenmalereien mit Weintrauben und Knospen, die ursprünglich den Altarbereich rahmten.
Abbruch und Nachleben mini|Hölzerner Glockenturm der Kirche, jetzt in Pritzen Da eine Erhaltung des Bauwerks ausgeschlossen war, wurden die Wandmalereien 1993 vor der Sprengung abgenommen. Ihre Restaurierung und Übertragung auf neue Träger dauerte mehr als drei Jahre.Boris Frohberg: Wandbildabnahmen in der Dorfkirche Wolkenberg, deren Neuaufbringung und Restaurierung, S. 150–156.
Seit August 1997 werden die restaurierten Wandbilder im Niederlausitzer Heidemuseum im Schloss Spremberg gezeigt. Zur Veranschaulichung ihres ursprünglichen Zusammenhangs wurden Rekonstruktionen der bemalten Wandflächen angefertigt.Boris Frohberg: Wandbildabnahmen in der Dorfkirche Wolkenberg, deren Neuaufbringung und Restaurierung, S. 156.
Der hölzerne Glockenturm der Kirche blieb erhalten. Er wurde 1993 umgesetzt und in Pritzen am Standort der ebenfalls umgesetzten Auferstehungskirche als Erinnerungszeichen an die durch den Braunkohlentagebau verschwundenen Orte und Kirchen der Niederlausitz wiedererrichtet.
Literatur Boris Frohberg: Wandbildabnahmen in der Dorfkirche Wolkenberg, deren Neuaufbringung und Restaurierung. In: Conserva. Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut, Nr. 2, 2004, S. 148–157. doi:10.57908/cons.2004.2.106198. Annegret Gehrmann, Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz. Geschichte – Architektur – Denkmalpflege. Lukas Verlag, Berlin 2010.
Weblinks Glockenturm Wolkenberg und Erinnerungsstätte
Einzelnachweise
Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Saalkirche in Brandenburg Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk in Brandenburg Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Zerstört in den 1990er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Brandenburg Kategorie:Kirchengebäude in Spremberg Kategorie:Backsteinkirche