Franz Xaver Schwarzmüller (* 3. April 1910 in München, Königreich Bayern; † 4. Juni 1942 in Tschistopol) war ein deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer und Opfer der Stalinschen Säuberungen.

Leben Jugend und Widerstandstätigkeit Der Vater von Schwarzmüller war Bauarbeiter, Gewerkschafter und langjähriges SPD-Mitglied. Während der Münchner Räterepublik entging er 1919 knapp der Erschießung, kam 1920 über die USPD zur KPD und war während des KPD-Verbots 1923/24 zeitweise Politischer Leiter der KPD Südbayern.

1926 trat Franz Xaver Schwarzmüller dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und der KPD bei und war beim Rotsport aktiv. Als politischer Leiter war er führend in der südbayerischen Bezirksorganisation des KJVD tätig. Er war Mitglied mehrerer KPD-naher Massenorganisationen: dem Roten Frontkämpferbund, der Internationalen Arbeiterhilfe, der Roten Hilfe, dem proletarischen Freidenkerverband, einer Konsumgenossenschaft und dem Deutschen Arbeiter-Theater-Bund.

Nach dem Schulbesuch wollte Schwarzmüller zunächst Schreiner werden. Während seiner kaufmännischen Lehrzeit, die 1926 mit dem Bankrott der Firma endete, besuchte er eineinhalb Jahre lang eine kaufmännische Berufsschule und begann auf Rat seines Vaters 1926 eine Maurerlehre, die er 1929 abschloss. 1930 wurde er arbeitslos und organisierte für die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) Bauarbeiterstreiks in Südbayern. Anschließend war er als hauptamtlicher Sekretär für den Roten Bauarbeiterverband in Berlin tätig. Dort lernte er seine 1913 geborene Lebensgefährtin Anna Etterer kennen, die ebenfalls aus einer Münchner Arbeiterfamilie stammte und ihn als Buchhalterin und Schreibkraft unterstützte. Sie trat 1931 der RGO und der KPD bei.

Das Paar wurde im Februar 1933 von der KPD-Leitung nach München abkommandiert. Schwarzmüller baute dort die illegale KPD-Organisation auf und organisierte die Verbindung zur RGO sowie die Herstellung und Verbreitung der KPD-Publikation Neue Zeitung , deren Matrizen im Gebäude des katholischen Asamhauses in München geschrieben wurden. Anna Etterer wurde am 28. April 1933 in München verhaftet und als Geisel für den von der Gestapo gesuchten Schwarzmüller im Gefängnis München-Stadelheim bis zum 15. April 1934 in „Schutzhaft“ genommen. Sie verweigerte jede Aussage über Schwarzmüller sowie die Unterzeichnung der Verhörprotokolle.

Jahre in der Sowjetunion Nach der Verhaftung vieler KPD-Mitglieder wurde Schwarzmüller Organisationssekretär der KPD-Bezirksleitung und flüchtete im Spätsommer 1933 mit einem auf den Namen „Jellinek“ ausgestellten Reisepass über die Tschechoslowakei nach Moskau. Unter dem Decknamen „Franz Huber“ begann er im Dezember 1933 einen anderthalbjährigen Kurs an der Internationalen Lenin-Schule der Kommunistischen Internationale. Hier kam er in Konfrontation mit der Leitung des deutschen Sektors, da er sich als „bevormundetes Kind“ behandelt sah und kritisierte die „Vetternwirtschaft“ und das Ritual von Kritik und Selbstkritik, das er als Instrument der Intrige bezeichnete. Er wurde zweimal mit Parteistrafen belegt und wurde nur wegen seiner bisherigen illegalen Widerstandstätigkeit nicht aus der KPD ausgeschlossen. Ihm wurde bescheinigt, dass er zwar beim Lernen Spitzenleistungen zeigte, aber „stark individuell“ eingestellt sei. Nach Beendigung der Lenin-Schule wurde er, inzwischen nerven- und magenleidend, von der KPD-Führung 1935 in Moskau nur für einfache Bauarbeiten eingesetzt. 1936 wurde Schwarzmüller lungen- und nierenkrank und äußerte den Wunsch, nach Schweden auszureisen, den die Komintern ablehnte. Da er nicht mehr auf dem Bau arbeiten konnte, wurde er 1937 Lastwagenfahrer.

1938 verhaftete der NKWD seine Lebensgefährtin Anna Etterer und verurteilte sie wegen angeblicher Spionagetätigkeit zu fünf Jahren „Besserungslager“. In etlichen Briefen an Stalin, Molotow, Berija, Dimitroff, Pieck, Ulbricht, das ZK der KPD und die Staatsanwaltschaft betonte Schwarzmüller die Parteitreue und die Unschuld von Etterer. In einem Brief an Stalin vom 28. November 1938 betonte er, dass das Gerichtsverfahren gegen sie nicht den Grundsätzen der „marxistischen Rechtslehre“ und „Rechtspflege“ entspräche. Aufgrund seiner Eingaben wurde Etterers Fall im November 1939 durch die Staatsanwaltschaft nochmals überprüft und Etterer am 19. März 1940 durch einen Beschluss der Sonderberatung des NKWD aus der Haft im Lager Kargopol entlassen.

Im Sommer 1941 wurde Schwarzmüller selbst der Spionage verdächtigt, bei seinen Fahrten als Lastwagenfahrer zweimal überprüft und am 11. September 1941 in Moskau verhaftet. In drei Verhören befragte ihn der NKWD nach seinen Verbindungen zu seinen Münchner Genossen. Den Vorwurf der Spionage und der antisowjetischen Agitation wies Schwarzmüller zurück, auch Zeugen konnten diesen Vorwurf nicht zu bestätigen. Trotzdem wurde er in das Gefängnis von Tschistopol in der Sowjetrepublik Tatarstan überführt, wo er am 4. Juni 1942 an einer Darmentzündung und Vitaminmangel verstarb. Sein Fall war damit nicht abgeschlossen. Am 12. Juni 1942 verurteilte ihn eine „Sonderberatung“ des NKWD als „sozial gefährliches Element“ zu fünf Jahren „Besserungslager“.

Literatur Marion Detjen: Zum Staatsfeind ernannt. Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München. Buchendorfer Verlag, München 1998, ISBN 3927984817. Heike Bretschneider: Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München 1933–1945. Miscellanea Bavarica Monacensia, Heft 4. Stadtarchiv München, 1968.

Einzelnachweise

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