Dina Myroniwna Pronitschewa (; geboren 7. Januar 1911 in Tschernihiw; gestorben 14. Juni 1977 in Kiew) überlebte das Massaker von Babyn Jar. Sie war 1946 Zeugin der Anklage im Kriegsverbrecherprozess von Kiew und 1968 im Callsen-Prozess (auch Babyn Jar-Prozess genannt) in Darmstadt.

Leben Sie wurde als Tochter des russischsprachigen Glasers Miron Aleksandrovič Mstislavskij und dessen Frau Anna Efimovna Mstislavskaja geboren. Beide Eltern waren jüdisch. Im Alter von fünf Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Kiew. Dort besuchte sie die Mittelschule und erwarb gute Ukrainischkenntnisse. 1932 heiratete sie den Russen Viktor Pronitschew, der den Krieg nicht überlebte. Sie arbeitete als Puppenspielerin an einem Theater in Kiew. Ihre beiden Kinder Lidija und Vladimir überlebten den Krieg und Holocaust in einem Kinderheim, wo sie Anfang 1944 gefunden wurden.mini|Aussage beim Kriegsverbrecherprozess von Kiew, 24. Januar 1946

Am 29. September 1941 begleitete sie ihre beiden Eltern und die jüngere Schwester zu einem Sammelplatz, an dem sich die Juden von Kiew unter dem Vorwand einer Evakuierung unter Androhung der Todesstrafe einfinden mussten. Nach eigener Aussage wurde ihr von einem deutschen Soldaten Hilfe angeboten, wenn sie ihm zu Willen sei. Das lehnte sie ab. Bei der Schlucht von Babyn Jar wurde sie von ihren Angehörigen getrennt, konnte sich aber durch ihre Arbeitspapiere als nichtjüdisch ausgeben und wurde unter Bewachung verschont. Ein Offizier ordnete aber dann abends die Tötung der Gruppe der Verschonten von dreißig bis vierzig Personen an, weil er befürchtete, dass durch diese Augenzeugen das Massaker publik werden könnte und am Folgetag deshalb keine Juden mehr zum Sammelplatz kämen. Pronitschewa gelang es bei der Exekution, sich unverletzt in das Massengrab voller Leichen und Blut fallen zu lassen und sich tot zu stellen. Sie entging den Fangschüssen und konnte sich in der Nacht aus dem zugeschütteten Grab befreien und zusammen mit einem Jungen verstecken. Der Junge wurde entdeckt und erschossen. Sie geriet nochmals in deutsche Hände, konnte aber durch Sprung von einem Wagen entkommen.

Sie war eine der wenigen Überlebenden des Massakers von Babyn Jar. Beim Kriegsverbrecherprozess von Kiew sagte sie 1946 vor großem Publikum aus. Beim Darmstädter Callsen-Prozess sagte sie am 29. April 1968 aus. Ihre schockierende Aussage wurde zeitgenössisch kaum beachtet. Nur das Lokalblatt Darmstädter Echo berichtete darüber.

Der Schriftsteller Anatolij Kuznecov widmete dem Schicksal von Pronitschewa ein Kapitel in seinem Buch Babij Jar. Das Buch erschien unzensiert erst 1970 im Londoner Exil und gilt als zuverlässig aber von begrenztem historiografischem Wert.

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Einzelnachweise

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