Walter Otto Georg Julius Schnell (* 6. Januar 1895 in Celle; † 7. Mai 1967) war ein deutscher Feuerwehrmann. Er trug maßgeblich dazu bei, dass der dreiteilige Löschangriff in Deutschland und in Österreich bei den Feuerwehren zum Standard wurde. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte er als Leiter des Amtes Feuerwehr im Hauptamt Ordnungspolizei, das für die Berufsfeuerwehren zuständig war, und des Amtes für Freiwillige Feuerwehren zeitweilig in Personalunion großen Einfluss auf die Entwicklung des Feuerwehrwesens in Deutschland.
Jugend und Ausbildung Schnell war der zweite Sohn des Uhrmachers Wilhlem Schnell und seiner Ehefrau Dora (geborene Wrede). Er ging 1912 vom Königlichen Gymnasium Celle ab und begann im elterlichen Betrieb eine Uhrmacherlehre. Am 3. August 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger beim Eisenbahn-Regiment 2 und war unter anderem an der Westfront und in Serbien im Einsatz. Am 16. März 1917 wurde er zum Leutnant befördert. Als solcher wurde er am 27. Dezember 1918 aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Anschließend setzte er seine Lehre fort, bestand im März 1919 die Gesellenprüfung und übernahm das elterliche Geschäft.
Feuerwehrdienst 1922 wurde Schnell vom damaligen Kommandeur der Freiwilligen Feuerwehr Celle gebeten, der Feuerwehr beizutreten, da sie überaltert war und Personalmangel herrschte. Obwohl Schnell nur wenig Interesse hatte, trat er bei. 1923 wurde er zum Zweiten Kommandeur und 1925 zum Ersten Kommandeur gewählt. Diesen Posten hatte er bis 1934 inne. In seine Amtszeit fiel die Zusammenlegung der beiden Feuerwehren von Celle (Freiwillige Feuerwehr Celle und Freiwilliges Feuer-Lösch-Korps) am 11. Februar 1931 zur Vereinigten Freiwilligen Feuerwehr Celle. Von 1933 bis 1937 war er Städtischer Branddirektor in Celle. Daneben war Schnell seit dem 26. April 1931 Direktor der Hannoverschen Provinzial-Feuerwehrschule Celle. Am 10. Februar 1934 wurde er zum Vorsitzenden des Feuerwehrverbandes für die Provinz Hannover und zum Provinzialwehrführer ernannt. Am 3. Dezember 1937 wurde er Leiter des Amtes für Freiwillige Feuerwehren des Preußischen Feuerwehrbeirats. Damit endete auch seine Tätigkeit an der Feuerwehrschule und bei der Feuerwehr Celle. 1938 wurde unter Schnells Ägide das Amt in das Reichsministerium des Innern verlegt und der Aufsicht durch das Hauptamt Ordnungspolizei unterstellt. Das Amt wurde 1940 zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und 1942 in das Reichsamt Freiwillige Feuerwehren umbenannt. Seit 1941 leitete er außerdem das bis 1943 bestehende Amt Feuerwehr im Hauptamt Ordnungspolizei. Damit war er zeitweise für die gesamte Feuerwehr in Deutschland verantwortlich.
Am 30. Januar 1941 wurde er zum Oberst der Feuerschutzpolizei und am 28. Juli 1942 zum Generalmajor der Polizei ernannt. Seit dem 15. Februar 1942 war er Beamter auf Lebenszeit.
Schnell war Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer: 1.696.125). Laut Reinholz trat er 1933 bei, da dem Kommando der Feuerwehr durch den Celler Kreisleiter Walther Pakebusch (bei Reinholz fälschlicherweise Packebusch) nahegelegt wurde, einzutreten. 1935 äußerte er sich beim Provinzialfeuerwehrverbandstag auch lobend über Adolf Hitler und bezeichnete die Feuerwehrmänner als „Soldaten des dritten Reiches“:
Der dreiteilige Löschangriff 1929 hospitierte er bei der Berliner Feuerwehr, wo er den dreiteiligen Löschangriff kennenlernte. Dieser wird bis heute von Feuerwehren in Deutschland und Österreich praktiziert. Er baut auf einer Gruppe als taktische Grundeinheit auf. Deren drei Trupps (daher dreiteilig) bauen zunächst die Wasservorsorgung bis zur Pumpe und zum Verteiler auf und nehmen dann jeweils nacheinander ein Rohr vor. Schnell führte diesen dann als Kommandeur ab 1931 ein Celle ein. Er entwickelte diese Taktik weiter und passte sie an die Gegebenheiten einer kleineren Feuerwehr an. Auf der Herbst-Führertagung des Deutschen Feuerwehrverbands präsentierte er 1934 seine Weiterentwicklung. Außerdem schrieb er das Lehrbuch Die Dreiteilung des Löschangriffs, das er, um die Taktik bekannter zu machen, an alle Provinzialwehrführer in Preußen und an weitere Personen aus dem Feuerwehrbereich verschenkte. 1938 wurde der dreiteiliger Löschangriff und die Gliederung der Gruppe in Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp, Melder, Maschinist und Gruppenführer durch die Polizeidienstvorschrift 23 für die Feuerschutzpolizei eingeführt. Offenbar gab es aber bereits schon länger Planungen zur Einführung, denn die in den 1930er Jahren typisierten Feuerwehrfahrzeuge waren auf die Gruppe als Besatzung bereits ausgerichtet.
Weitere Entwicklungen An der Provinzialfeuerwehrschule wurde unter Schnell das wohl erste Brandhaus für realistische Übungen im Innenangriff 1935 in Betrieb genommen. Er beschaffte für die Feuerwehrschulen der Provinzen in Preußen für 250.000 RM (heute €) eine große Anzahl an Kraftfahrzeugen, darunter Drehleitern und Kraftspritzen. Bereits 1925 entwickelte er eine Schlauchhaspel, die an ein Fahrrad angehängt werden konnte und mit der neben 120 m Schlauch, ein Standrohr und ein Strahlrohr transportiert wurden. 1931 entwickelte er in seiner Uhrmacherwerkstatt ein Gerät, mit dem die Zeitpunkte des Ausrückens von Feuerwehrfahrzeugen in den ersten zehn Minuten nach einem Alarm auf einer Papierscheibe automatisiert erfasst werden konnten.
HJ-Feuerwehr Nach Linhardt war Schnell Initiator der Feuerwehrscharen innerhalb der Hitlerjugend (HJ). Laut ihm wurden die ersten Verbände um 1938 in Celle und Osnabrück gegründet. Dem widerspricht allerdings Siegfried Volz, nach dem die erste HJ-Feuerwehrschar im September 1936 in Bad Reichenhall aufgestellt und ein Jahr zuvor bereits Jungen aus der HJ als Melder bei einer Übung der Reichenhaller Feuerwehr eingesetzt wurden. Dieser Einsatz soll auch der Anlass für die Gründung der Feuerwehrschar gewesen sein. Volz berichtet jedoch auch, dass Schnell 1937 versuchte, eine HJ-Feuerwehr in Celle einzurichten, was vom Bannführer jedoch abgewiesen wurde. Erst später sei ihm die Einrichtung in Celle und Osnabrück gelungen. Beide Autoren sind sich aber einig darüber, dass unter der Fachberatung Schnells in Celle der Propagandafilm für die HJ-Feuerwehr „Erstes Rohr vor!“ gedreht wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Schnell geriet 1945 in britische Gefangenschaft und war zunächst in Neumünster und dann im Lager Eselheide bei Paderborn interniert. Am 24. April 1947 wurde er entlassen. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er als Mitläufer eingestuft.
Schnell war von 1947 bis 1967 Zugführer des Reservezuges der Feuerwehr Celle (heute Altersabteilung) und beratendes Mitglied im Feuerwehrausschuss der Stadt.
Walter Schnell starb am 7. Mai 1967.
Ehrungen Schnell erhielt, vor allem während der NS-Zeit, zahlreiche Auszeichnungen: Eisernes Kreuz II. Klasse (Mai 1917) Eisernes Kreuz I. Klasse (28. Mai 1921) Magistratsmedaille in Gold der Stadt Celle (26. April 1931) Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes (26. April 1934) Ehrenkreuz des Weltkrieges (1934) Deutsches Feuerwehr-Ehrenkreuz 1. Klasse (1. Februar 1935) Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen (14. November 1935) Reichsfeuerwehrehrenzeichen 1. Klasse (20. April 1937) Österreichisches Feuerwehr-Ehrenzeichen 1. Klasse (Mai 1938) Luftschutz-Ehrenzeichen 2. Stufe (4. August 1941) Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern (30. Januar 1942) Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern (1. September 1942) Ehrenmitglied des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen (20. November 1952) Deutsches Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold (12. Juni 1962)
In Celle gab es ab 1938 die Walter-Schnell-Stiftung der Stadt, mit der notleidende Feuerwehrleute unterstützt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stiftung zwar aufgelöst, es gab jedoch weiterhin einen Fond der Stadt für diesen Zweck.
Privates Schnell war seit dem 17. September 1921 verheiratet und hatte zwei Söhne und eine Tochter.
Einzelnachweise
Kategorie:Person (deutsche Feuerwehr) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Träger des Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuzes Kategorie:SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Kategorie:Polizist der Ordnungspolizei Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1895 Kategorie:Gestorben 1967 Kategorie:Mann Kategorie:Träger des Ehrenzeichens des Deutschen Roten Kreuzes