mini|Johan Gabriel Oxenstierna, Portraitgemälde von Ulrika Pasch (1734–1796). Johan Gabriel Oxenstierna (* 19. Juli 1750 auf dem Gut Skenäs in Södermanland, Schweden; † 29. Juli 1818 in Stockholm, Schweden) war ein schwedischer Graf, Dichter, Reichsrat, Reichsmarschall und von 1786 bis 1818 Mitglied der Schwedischen Akademie (Sitz Nr. 8).

Biografie Johan Gabriel Oxenstierna war der Sohn des Generalmajors Göran Oxenstierna (1699–1788) und der Sara Gyllenborg († 1812). Er wuchs auf dem Gut Skenäs auf. Dort erhielt er Unterricht von seinem Onkel mütterlicherseits, dem Dichter Gustaf Fredrik Gyllenborg (1731–1808), und später von Olof Bergklint, der ihn auch während seiner Studienzeit an der Universität Uppsala begleitete. In seiner Lyrik blieb Oxenstierna seinem Geburtsort Skenäs zeitlebens verbunden. Bereits frühzeitig betätigte er sich literarisch. Im Alter von sechzehn Jahren begann er, Tagebuch zu führen; mehrere Teile davon wurden später veröffentlicht. Im selben Jahr unterhielt er zudem eine Liebesbeziehung zu einer Dienstmagd des Gutes – eine Affäre, die ihn zu dem Gedicht De fem sinnen (: Die fünf Sinne) inspirierte, bevor sie ein jähes Ende fand. Mit neunzehn Jahren wurde er in den Geheimbund Utile Dulci aufgenommen und veröffentlichte – in deren Anthologie Vitterhetsnöjen (: Literarische Vergnügungen) – das Gedicht Natten (: Die Nacht), das später in den Zyklus Dagens stunder (: Die Tageszeiten) aufgenommen wurde.

1767 legte er seine Prüfungen für den Staatsdienst ab und arbeitete von 1767 bis 1770 in der königlichen Kanzlei; anschließend trat er eine Stelle an der schwedischen Gesandtschaft in Wien an, wo er 1772 zum Legationssekretär ernannt wurde. Während seiner Zeit in Wien entwarf er die ersten Fassungen seiner Hauptwerke Skördarne (: Die Ernten) und Dagens stunder. Dort fand er auch eine große neue Liebe: eine Österreicherin namens Susanna Frid. Sie war mit einem Arzt verheiratet, der eifersüchtig über sie wachte. Da Oxenstierna erkannte, dass er niemals auf eine Vereinigung mit seiner Angebeteten hoffen konnte, drückte er seine Sehnsucht nach dem Tod in dem Gedicht Ode till Camilla vid början av en sjukdom (: Ode an Camilla zu Beginn einer Krankheit) aus, in dem er davon träumte, dass seine Geliebte sein Grab pflegen würde.Carl Grimberg: Svenska Folkets Underbara Öden. P. A. Norstedt & Söners Förlag. Stockholm. 1924. Link auf runeberg.com. Abgerufen am 22. September 2026. 1774 an den Hof zurückberufen, wurde er zum Kammerherrn von König Gustav III. ernannt und 1782 in den Rang eines Reichsrates erhoben. Am Hof fungierte er gewissermaßen als Hofdichter und Unterhalter. Gustav III. beauftragte ihn vornehmlich dazu, dramatische Texte für die königlichen Karusselle, „Divertissements“ und ähnliche Veranstaltungen zu verfassen. Für Oxenstierna entwickelte sich dies zu einer lästigen, mechanischen Pflichtaufgabe; zudem überdrüssig wurde er bald der Hektik und der steifen Zeremonien des Hoflebens.

1783 wurde er Oberkammerherr (ein Rang, der dem eines Generalleutnants entsprach). 1785 erhielt er sein erstes bedeutendes politisches Amt als außerordentliches Mitglied des schwedischen Reichsrates und des Kanzleikollegiums; 1786 wurde er Reichsrat und noch im selben Jahr – im Alter von nur 36 Jahren – Präsident der Kanzlei. Als Amtsträger war Oxenstierna jedoch notorisch ineffektiv: Er zeigte kaum Interesse an der Arbeit, sah sich aber aufgrund seiner ständig prekären finanziellen Lage gezwungen, seine Karriere fortzusetzen. Sein rascher Aufstieg wurde oft auf Gustavs III. Wunsch zurückgeführt, nach dem Vorbild Gustavs II. Adolf einen Oxenstierna in den oberen Rängen der Verwaltung zu wissen; Gösta Lundström vertritt jedoch im Svenskt biografiskt lexikon (SBL) die Ansicht, dass Oxenstiernas Ineffektivität es dem König ermöglichte, die persönliche Kontrolle zu behalten, da Oxenstierna häufig übergangen und nicht immer auf dem Laufenden gehalten wurde. Oxenstierna empfand die Situation als demütigend und beklagte sich: „Seit der König mich in dieses Amt berufen hat, macht er es sich zur Aufgabe, mir jede erdenkliche Unannehmlichkeit zu bereiten – er meidet das Gespräch mit mir, verweigert mir sein Vertrauen und lässt mich all jene Unhöflichkeiten spüren, die man jemandem entgegenbringt, der sich gewaltsam eine Beförderung erschlichen hat – eine Beförderung, die mir in Wahrheit aufgezwungen wurde.“ Das Verhältnis zum König kühlte zusehends ab. 1788 schrieb er: „Ich habe den König nie auf einer seiner Reisen begleitet. Er meinte, ich sei zu wenig weltgewandt – es fehle mir der für Auslandsreisen erforderliche Schliff. Man kann sich selbst nur schwer beurteilen, und obgleich ich mich für nicht weniger intelligent halte als jene, die ihn begleitet haben, mag er durchaus recht haben.“ Oxenstiernas Leben war zudem durch die finanzielle Belastung überschattet, einen prunkvollen Haushalt zu führen und den standesgemäßen Verpflichtungen nachzukommen.

Als der Geheime Rat 1789 aufgelöst wurde, wurde er Oberhofmarschall der Königin; 1790 ernannte man ihn zum Ritter und zum Kanzler des Königlichen Seraphinenordens; im selben Jahr berief man ihn während der Abwesenheit des Königs in die Regierung, und 1792 wurde er zum Reichsmarschall ernannt. Von diesem Amt trat er 1801 zurück.

Oxenstiernas finanzielle Nöte wurden 1791 durch seine Heirat mit Lovisa Christina Wachschlager, der Tochter eines der reichsten Männer des Landes, nicht wesentlich gelindert. Sein Schwiegervater begnügte sich damit, ihm eine kleine jährliche Zuwendung zu gewähren. Oxenstierna hatte sich daran gewöhnt, von geliehenem Geld zu leben und sein Gehalt im Voraus zu beziehen. Die ständige Sorge um Kredite und Bürgen, zehrte ihn derart aus, dass ihm die Kraft fehlte, seine Finanzen über die unmittelbare Zukunft hinaus zu planen. Folglich konnte er sich nie den Traum erfüllen, für sich und seine Familie ein ländliches Paradies – wie etwa Skenäs – zu schaffen. Obwohl er das Gut Värnberg in Roslagen geerbt hatte, sah er sich gezwungen, es zu verpachten, sobald das Haus fertiggestellt war.

Die Ehe war glücklich, doch seine Frau war stets kränklich und von schwacher Gesundheit; nach der Geburt eines Sohnes waren ihre Kräfte aufgezehrt. Fortan war sie fast ständig ans Bett gefesselt. Man versuchte, ihre Gesundheit durch Kuraufenthalte, Hausmittel und Magnetismus wiederherzustellen, doch nichts half. Seine Frau verstarb 1809, seine Mutter drei Jahre später.

Oxenstierna starb 1818 im Alter von 68 Jahren. Das Nachlassverzeichnis offenbarte eine desolate finanzielle Lage, und sein Besitz musste versteigert werden. Oxenstierna gehörte seit der Gründung der Schwedischen Akademie im Jahr 1786 zu deren ständigen Mitgliedern. Am 23. Mai 1786 wurde er Ehrenmitglied der Königlichen Akademie für Literatur, Geschichte und Altertumskunde.Matrikel över ledamöter av Kungl. Vitterhetsakademien och Kungl. Vitterhets Historie och Antikvitets akademien. Bengt Hildebrand (1753–1953), Margit Engström och Åke Lilliestam (1954–1990). Stockholm. 1992. ISBN 91-7402-227-X. S. 19f. Am 7. Februar 1798 wurde er zum Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie gewählt (auf Sitz Nr. 178)Pia Nyström, Anna Kyhlberg-Boström, Anne-Marie Elmquist: Kungl. Musikaliska akademien: matrikel 1771–1995. In: Kungl. Musikaliska akademiens skriftserie. Band 84 (2., rev. och utök. uppl.). , Musikaliska akad. Stockholm 1996, ISBN 91-85428-99-X. und 1804 zum Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (Sitz Nr. 314).

Oxenstiernas Persönlichkeit genoss bei seinen Zeitgenossen hohes Ansehen; er galt als rechtschaffen und bescheiden, zugleich aber auch als brillanter und geistreicher Gesprächspartner, der bisweilen sarkastische Bemerkungen oder Bonmots einfließen ließ – wenngleich dies offenbar keinen bleibenden Groll nach sich zog.

Familie Oxenstierna heiratete am 30. Oktober 1791 Lovisa Christina Wachschlager (* 29. August 1767; † 10. Oktober 1809), Tochter von Gustaf Wachschlager (1728–1812) und Christina, geb. Holmcreutz. Der Ehe entstammte der Sohn Gustaf Göran Gabriel Oxenstierna (1793–1860).

Werke Die Ernten und Die Tageszeiten Oxenstierna arbeitete sein Leben lang an seinen bedeutenden Gedichten Die Ernten (: Skördarne) und Die Tageszeiten (: Dagens stunder). Obwohl sie bereits in seiner Jugendzeit entstanden, wurden sie erst 1796 beziehungsweise 1805 veröffentlicht. Bis dahin war der Umfang von Die Ernten von drei auf neun Gesänge angewachsen. Die frühe Fassung ist eine lyrische Schilderung von Natur und Landleben, eingebettet in eine schlichte romantische Handlung, die in einer Hochzeit gipfelt. Während die Darstellung des Lebens auf seinen eigenen Erfahrungen in Skenäs beruht, bleibt sie durch die klassische Form gebunden. In der späteren Fassung wird die Liebesgeschichte vertieft; zudem kommen zahlreiche didaktische, patriotische und historische Passagen sowie Episoden aus der antiken Mythologie und der Folklore hinzu. Die Sprache wurde kunstvoller gestaltet, was dazu führte, dass die Nachwelt diese Fassung meist als poetisch schwächer beurteilte.

Sowohl Die Ernten als auch Die Tageszeiten gehen letztlich auf antike Vorbilder wie Vergils Georgica zurück, wurden jedoch auch von zeitgenössischen Werken wie James Thomsons Die Jahreszeiten sowie den Arbeiten seiner Nachfolger – Jean-François de Saint-Lambert, Gustaf Fredrik Gyllenborg und Gustav Philip Creutz – beeinflusst. Von Die Tageszeiten wurden zuerst die Teile Morgen und Nacht verfasst, Mittag und Abend kamen später hinzu. Das Gesamtwerk besteht aus atmosphärischen Vignetten und Reflexionen, mit denen Oxenstierna nicht nur visuelle Eindrücke, sondern auch Stimmungen zu vermitteln sucht. Das Werk gilt jedoch als stilistisch uneinheitlich.

Die Vers-Epistel Disa Neben seinen beiden Hauptwerken fanden auch kleinere Werke Anerkennung. Hervorzuheben ist hierbei die Vers-Epistel Disa, die auf der Legende von Königin Disa basiert; seine heitere, komische Wirkung entsteht unter anderem durch die Einbindung von Anachronismen – Details des zeitgenössischen Hoflebens, die in eine eigentlich in der altnordischen Ära angesiedelte Geschichte eingefügt wurden. Das Gedicht ist an Oxenstiernas Freundin Maria Hedvig Printzensköld (geb. Gerner) gerichtet, die im Dezember 1758 Eric Adolph Printzensköld, einem der Gründer der Königlich Schwedischen Musikakademie, heiratete. Bei einem Besuch bei dem Paar konnte Oxenstierna eine Gemäldeserie betrachten, die die Geschichte von Disa, der weisen und klugen Jungfrau, darstellte. Die Disa-Sage war weit verbreitet; in der Erzählung fungiert sie als Retterin ihres Landes. Das Werk ist eine Conte im Stil und Geist von Jean de La Fontaine und enthält auch kritische Anmerkungen zum Leben am gustavianischen Hof.

Tagebücher Auch Oxenstiernas Tagebücher haben Beachtung gefunden; sie sind humorvoll und in lebendigem Stil verfasst und gewähren Einblicke in das Leben des Landadels jener Zeit. Darin findet sich auch die Schilderung eines Auftritts von Carl Michael Bellman, einem Jugendfreund Oxenstiernas.

Seine letzten Lebensjahre widmete er Übersetzungen – so etwa von John Miltons Paradise Lost –, wobei das Ergebnis von späteren Kritikern als blutleer sowie frei von Kraft und Farbe beurteilt wurde. Eine begonnene Übersetzung von Torquato Tassos Das befreite Jerusalem (: Gerusalemme liberata) wurde vor seinem Tod nicht mehr vollendet.Torkel Stålmarck: Johan Gabriel Oxenstierna, 1750–1818. Auf: Svenskt Översättarlexikon. Link. Abgerufen am 23. September 2026.

Orden und Auszeichnungen Schwedischer Reichsmarschall – 1. September 1782 60px Kommandeur des Königlichen Seraphinenordens – 22. November 1790 60px Ritter des Ordens Karls XIII. – 27. Mai 1811 60px Kommandeur mit Großkreuz des Schwertordens 60px Kommandeur mit Großkreuz des Nordstern-Ordens 60px Kommandeur mit Großkreuz des Königlichen Wasaordens

Literatur