mini|Lorenzo Ghiberti: Porta del Paradiso, 1425–1452, vergoldete Bronze. Ursprünglich das Ostportal des Baptisteriums San Giovanni, Florenz; heute im Museo dell’Opera del Duomo. Am Baptisterium befindet sich eine Kopie. Die Porta del Paradiso (deutsch Paradiestür, auch Paradiespforte) ist eine der Bronzetüren des Baptisteriums San Giovanni in Florenz. Sie wurde zwischen 1425 und 1452 von Lorenzo Ghiberti geschaffen. Ihre Türflügel sind in zehn quadratische Bildfelder gegliedert, die in vergoldetem Bronzerelief Szenen aus dem Alten Testament zeigen. Die Tür ist Ghibertis zweites Bronzeportal für das Baptisterium und gilt in der Kunstgeschichte als eines seiner Hauptwerke. Ghiberti beschreibt die Tür in seinen Commentarii. Vasari behandelt sie in seinen Viten. Die Perspektivbehandlung der Reliefs ist ein wiederkehrender Gegenstand der Forschung.

Die Bezeichnung „Paradiestür“ ist seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Giorgio Vasari überliefert eine Äußerung Michelangelos, wonach die Tür so schön sei, dass sie den Eingang zum Paradies bilden könne. Ob diese Anekdote den Ursprung des Namens erklärt, ist unsicher. Eine weitere Erklärung verweist darauf, dass der Platz zwischen Baptisterium und Dom in Florenz als „Paradiso“ bezeichnet wurde. Eine abschließende Klärung anhand der Quellen liegt nicht vor.

Die Überschwemmung des Arno am 4. November 1966 beschädigte die Tür. Danach wurden die Bronzetafeln abgenommen. Ab 1980 erfolgte die Restaurierung durch das Opificio delle Pietre Dure in Florenz, verbunden mit der Reinigung der Vergoldung. Anschließend wurden am Baptisterium Kopien angebracht. Nach Abschluss der Restaurierung wurden die originalen Bildfelder im Museo dell’Opera del Duomo in Florenz ausgestellt. Vollständige Repliken der Tür befinden sich außerhalb von Florenz, unter anderem in der Grace Cathedral in San Francisco.

Geschichte

Das Baptisterium San Giovanni war im Mittelalter das Taufgebäude der Stadt Florenz. Die Errichtung der Bronzeportale für dieses Gebäude oblag der Arte di Calimala, der Zunft der Tuchhändler und -veredler. Das älteste Bronzeportal, die Südtür, schuf Andrea Pisano im 14. Jahrhundert. Für ein weiteres Portal schrieb die Calimala im Jahr 1401 einen Wettbewerb aus, den Ghiberti für sich entschied. Die Ausführung dieser ersten Tür zog sich bis 1424 hin. Sie wurde zunächst am Ostportal angebracht, das dem Dom Santa Maria del Fiore zugewandt ist. Nach der Fertigstellung der sogenannten Paradiestür wurde sie an das Nordportal versetzt.

Auftragserteilung mini|Lorenzo Ghiberti: Porta del Paradiso am Ostportal des Baptisteriums San Giovanni, Florenz (2021) Lorenzo Ghiberti erhielt den Auftrag für die zweite Tür Anfang 1425; in der Literatur wird der 2. Januar als Vertragsdatum angegeben. Nach dem florentinischen Kalender, der das Jahr am 25. März beginnen ließ, wird dasselbe Datum teilweise als 1424 geführt.

Ikonographisches Programm

Zur Festlegung der Bildthemen ist die Quellenlage uneinheitlich: Nach den neuesten Forschungen zu Ghiberti wird dem Humanisten Leonardo Bruni ein Entwurf für ein Bildprogramm zugeschrieben, das mehr Bildfelder als die später ausgeführten zehn vorsah. Lorenzo Ghiberti selbst schreibt in seinen Commentarii, ihm sei bei der Gestaltung freie Hand gelassen worden.

Ausführung

Die Arbeiten dauerten von 1425 bis 1452. Die Reliefs wurden in Bronze gegossen, ziseliert und feuervergoldet. Ghiberti leitete eine Werkstatt, in der zahlreiche Mitarbeiter tätig waren. Urkundlich belegt ist die Beteiligung seiner Söhne Vittore und Tommaso sowie des Malers Benozzo Gozzoli. Eine vollständige, gesicherte Liste aller Mitarbeiter liegt nicht vor. Die Zuweisung einzelner Partien an bestimmte Werkstattmitglieder ist daher nur eingeschränkt möglich. Die Tür wurde 1452 am Ostportal des Baptisteriums angebracht. Ghibertis erste Tür wurde in diesem Zusammenhang an das Nordportal versetzt. Ghiberti starb am 1. Dezember 1455 in Florenz.

Beschreibung

Die zweiflügelige Tür ist rund fünf Meter hoch und knapp drei Meter breit. Die Maßangaben weichen in der Literatur geringfügig voneinander ab. Jeder Flügel enthält fünf quadratische Felder mit einer Seitenlänge von jeweils etwa 80 Zentimetern. Frühere Türen, wie etwa die von Andrea Pisano, sind dagegen in Vierpassfelder gegliedert. Die Bildfelder sind von einem Rahmenwerk umgeben, das mit Statuetten in Nischen und Köpfen in Medaillons besetzt ist. Eine der Büsten am Rahmen wird traditionell als Selbstbildnis Ghibertis angesehen. Diese Zuschreibung beruht jedoch lediglich auf Überlieferungen. Ein eindeutiger zeitgenössischer Beleg ist nicht bekannt. Das Werk ist entlang der Rahmenleiste signiert, die auf beiden Flügeln das zweite vom dritten Register von oben trennt: LAVRENTII · CIONIS · DE · GHIBERTIS / MIRA · ARTE · FABRICATVM.

Die Reliefs sind in unterschiedlicher Stärke modelliert. Während die Figuren im Vordergrund stark plastisch hervortreten, sind die Architektur und die Landschaft im Hintergrund flach gearbeitet. In einigen Bildfeldern sind Architekturdarstellungen in perspektivischer Verkürzung zu sehen. Die zehn Bildtafeln zeigen jeweils mehrere aufeinanderfolgende Szenen innerhalb eines einheitlichen Bildraums.

Thema Themazentriert|mini Adam und Eva – Die vier Episoden umfassen die Erschaffung Adams, die Entstehung Evas aus einer Rippe Adams, den Sündenfall mit dem menschenköpfigen Schlangenwesen am Baum der Erkenntnis und die Vertreibung durch einen Engelzentriert|miniKain und Abel – Dargestellt sind sechs Szenen: die Stammeltern, Abel mit den Schafen, Kain beim Bestellen des Feldes, das Opfer der beiden Brüder, Kains Mord an Abel und Kains Gespräch mit Gottzentriert Noah – Auf dem Bildfeld sind drei Episoden aus der Geschichte Noahs dargestellt: der Auszug aus der Arche, das Dankopfer und Noahs Trunkenheit. Dabei wird die Arche in Form einer Pyramide dargestellt zentriert|mini Abraham – Das Bildfeld zeigt Abrahams Begegnung mit den drei Männern bei der Eiche von Mamre, seine Diener mit dem Esel sowie die Opferung Isaaks zentriert|miniIsaak, Esau und Jakob – Rebekka empfängt auf dem rechten oberen Dach die Weissagung über den künftigen Streit ihrer Söhne. Links unter der Arkade bringt sie die Zwillinge zur Welt. Im mittleren Bogen verkauft Esau sein Erstgeburtsrecht an Jakob. Im Vordergrund schickt Isaak Esau auf die Jagd und segnet Jakob, in dem Glauben, es sei Esau. zentriert|mini Josef – Die Brüder stoßen Josef in die Zisterne oben. Dort wird er an Händler verkauft und dem Pharao übergeben. Es folgen die Traumdeutung vor dem Pharao, die Ehrung auf einer Terrasse, die Kornverteilung, die Entsendung Jakobs und seiner Söhne nach Ägypten, das Wiedererkennen der Brüder und der Fund des verborgenen Becherszentriert|mini Moses – Dargestellt sind drei Momente: das Lager Israels jenseits des Roten Meeres, Moses’ Empfang der Gesetzestafeln auf dem Berg und das erschrockene Volk am Fuß des Berges zentriert|miniJosua – Josua lässt das Volk mit der Bundeslade den Jordan überqueren. Dabei trägt das Volk Steine für einen Altar. Anschließend umschreiten Josua und das Volk die Stadt Jericho siebenmal, woraufhin ihre Mauern einstürzenzentriert|mini David – Im oberen Bereich ist Saul zu sehen, wie er das Heer anführt. David hat Goliat mit einem Stein niedergestreckt und ihm im Vordergrund den Kopf abgeschlagen. In einer Bergspalte tragen David und seine Gefährten den Kopf Goliats nach Jerusalem. zentriert|mini Salomo und die Königin von Saba – Das Gefolge der Königin trifft vor dem Tempel und dem Palast in Jerusalem ein, wo die Begegnung mit Salomo stattfindet. Laut dem Opera del Duomo-Katalog wurde dieses Thema möglicherweise gewählt, um das Konzil von Florenz im Jahr 1439 zu würdigen. Diese Deutung ist jedoch nur eine von vielen Interpretationen. Eine Quelle, die ein solches Auftragsziel belegt, ist nicht bekannt

Repliken und Abgüsse außerhalb von Florenz mini|Replik der Porta del Paradiso von Lorenzo Ghiberti, 1990, Bronze im Wachsausschmelzverfahren mit vergoldeter Patina, gefertigt nach der Originalform, Frilli Gallery/Guild of the Dome Association Außerhalb von Florenz sind mehrere vollständige Repliken der von Lorenzo Ghiberti geschaffenen Porta del Paradiso erhalten. Dabei handelt es sich um historische Gipsabgüsse sowie um Kopien aus Metall und Bronze, die zu unterschiedlichen Zeiten und unter Verwendung verschiedener Formen hergestellt wurden. Eine besonders frühe vollständige Metallreproduktion befindet sich im Victoria and Albert Museum in London. Sie gehört zur dortigen Cast Collection und ist als Elektrotypie der Paradiestür ausgeführt. Die 1873 eröffneten Cast Courts des Museums dienten im 19. Jahrhundert dazu, bedeutende Kunstwerke in Form von Abgüssen und anderen Reproduktionen für Studienzwecke zugänglich zu machen.

Im Harris Museum in Preston befindet sich ein historischer Gipsabguss. Die Replik wurde 1890/91 mithilfe des Purchase Grant Funds des Victoria and Albert Museums erworben. Um das Erscheinungsbild der originalen Bronzetür nachzuahmen, wurde der Abguss bemalt und vergoldet. Er zählt zu den wenigen ursprünglich vorhandenen Ausstattungselementen des Harris-Gebäudes. Das Museum führt die Replik weiterhin als Bestandteil seiner Ausstattung. Aufgrund der derzeitigen umfassenden Renovierung des Gebäudes ist sie allerdings nicht öffentlich zugänglich.

Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt der vollständige Gipsabguss im Vassar College in Poughkeepsie, New York. Vassar erwarb den Abguss im Zusammenhang mit seiner im 19. Jahrhundert aufgebauten Sammlung von Gipsabgüssen. Die Paradiestür wurde 1915 im neu errichteten Taylor Hall aufgestellt. Nachdem die meisten anderen Gipsabgüsse der Sammlung im 20. Jahrhundert entfernt worden waren, blieb die Ghiberti-Tür erhalten. Sie befindet sich weiterhin im Treppenhaus von Taylor Hall und wurde bei der Restaurierung des Gebäudes instand gesetzt. mini|Gipsabguss der Porta del Paradiso von Lorenzo Ghiberti, 1859, bronziert 1911, Skulpturensammlung, Neues Museum, Berlin Ein weiterer historischer Gipsabguss befindet sich im Neuen Museum in Berlin. Er wird als „Gipsabguss der Paradiestür des Baptisteriums in Florenz“ bezeichnet und ist als vollständige Replik der Tür dokumentiert. Aufnahmen aus dem Museum zeigen sowohl die Gesamtansicht als auch einzelne der zehn Reliefs.

Ein besonders interessantes Beispiel befindet sich in Sydney. Das Powerhouse Museum besitzt einen vollständigen Gipsabguss der Paradiestür, der zwischen 1870 und 1890 in England, vermutlich im Zusammenhang mit dem damaligen South Kensington Museum, angefertigt. Sir James Reading Fairfax hatte die Replik in Auftrag gegeben und sie anschließend der Art Gallery of New South Wales geschenkt. Die Tür wurde 1890 in der Galerie aufgestellt und später an das damalige Museum of Applied Arts and Sciences, das heutige Powerhouse Museum, übergeben. In der Museumskatalogisierung wird sie ausdrücklich als „plaster cast“ bezeichnet.