Die Faithful Word Baptist Church ist eine fundamentalistische baptistische Kirche. Die Kirche wurde von ihrem derzeitigen Pastor Steven Anderson im Dezember 2005 in Phoenix (Arizona) gegründet.

Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) listet die Faithful Word Baptist Church als eine homophobe Hassgruppe, unter Berufung auf die „äußerst radikale Haltung“ des Pastors, wonach Homosexuelle gemäß dem mosaischen Gesetz verurteilt und hingerichtet werden sollten. Die Dokumentation Marching to Zion der Kirche wurde von der Anti-Defamation League als antisemitisch eingestuft. Ihrem Pastor wurde die Einreise nach Südafrika, Botswana, Irland, Neuseeland, Jamaika, Kanada, ins Vereinigten Königreich, in den Schengenraum und nach Australien verweigert.

Lehre mini|Steven Anderson während einer Predigt am 30. April 2017 über die Entrückung nach der Großen Trübsal, eine Kernlehre seiner Kirche. Gemäß ihrem Glaubensbekenntnis vertritt die Faithful Word Baptist Church die Überzeugung, dass die King-James-Bibel das unfehlbare Wort Gottes ist. Sie ist trinitarisch und lehnt Modalismus ab. Die Kirche glaubt außerdem an die Entrückung nach der Großen Trübsal, Errettung durch Gnade und ewige Folter in der Hölle für die Verdammten. Die Kirche ist der Ansicht, dass Leben bei der Zeugung beginnt und Homosexualität eine Sünde ist, die Gott mit der Todesstrafe belegt. Sie lehnt Weltlichkeit, Formalismus, Modernismus und Liberalismus ab.

Die Faithful Word Baptist Church ist strikt gegen Abtreibungen. In-vitro-Fertilisation wird als Mord betrachtet, da während des Prozesses überzählige Embryonen entsorgt werden.

Anderson predigte gegen Feminismus und bezeichnete Island als „feministische Hölle“. Die Kirche ist Junge-Erde-kreationistisch.

Geschichte Anderson gründete die Kirche an Weihnachten 2005. Etwa anderthalb Jahre später zog die Kirche in ein Einkaufszentrum um, das auch von Andersons Brandmelderinstallationsunternehmen genutzt wurde. Im Jahr 2015 zählte die Gemeinde etwa 150 Mitglieder.

Predigt über Barack Obama Die Kirche erlangte im August 2009 in den Vereinigten Staaten landesweite Aufmerksamkeit, als Anderson eine Predigt mit dem Titel Why I Hate Barack Obama („Warum ich Barack Obama hasse“) hielt, in der er erklärte, er bete für den Tod des damaligen US-Präsidenten. Anderson rief zwar nicht explizit dazu auf, Obama zu töten, aber deutete an, dass das Land von seinem Tod „profitieren“ würde. Die Schmährede beruhte teilweise auf Andersons Ablehnung von Obamas Unterstützung für Abtreibungsrechte.

Ein Tag nach der Predigt erschien ein Mitglied der Kirche, Chris Broughton, mit einem Selbstladegewehr und einer Pistole im Phoenix Convention Center, wo Obama eine Rede hielt.

Homophobe Kommentare und Einstufung als Hassgruppe Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) stufte die Kirche als anti-homosexuelle Hassgruppe ein und wies dabei darauf hin, dass Anderson Homosexuelle als „Sodomiten, die durch Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch rekrutieren“ bezeichnete. Zur Begründung der Einstufung verwies das SPLC auch auf Andersons Haltung, wonach Homosexuelle getötet werden sollten. In einer Predigt sagte Anderson: „Der größte Heuchler der Welt ist derjenige, der an die Todesstrafe für Mörder glaubt, aber nicht an die Todesstrafe für Homosexuelle.“ Ende 2014 erklärte Anderson seiner Gemeinde, dass ein AIDS-freies Weihnachtsfest möglich wäre, „denn wenn man die Homosexuellen hinrichten würde, wie Gott es fordert, gäbe es nicht all dieses grassierende AIDS“. Anderson brachte zudem offen seinen Hass auf transgeschlechtliche Personen zum Ausdruck. In einer Predigt mit dem Titel 6 Arten des Gebets erklärte er, er hoffe, dass Caitlyn Jenners Herz explodiere.

In einer Predigt erklärte Anderson, dass die Opfer der Anschläge von Paris im November 2015 diese selbst verschuldet hätten, da sie ein Konzert der Band „Eagles of Death Metal“ besucht hätten und somit Teufelsanbeter seien, und bezeichnete Frankreich zudem als sündige Nation. In einem Video, das er nach dem Amoklauf in einem Nachtclub in Orlando im Jahr 2016 auf YouTube veröffentlichte, sagte Anderson, es sei gut, dass es „50 Pädophile weniger auf dieser Welt“ gebe, fügte jedoch hinzu, dass es schlecht sei, dass es Überlebende gebe. Er sagte außerdem, dass es eine Gegenreaktion gegen Rechte auf Waffenbesitz und gegen religiösen Fundamentalismus, sowohl christlichen als auch islamischen, geben würde. Er erklärte zudem, dass die Morde nicht durch Selbstjustiz hätten begangen werden sollen, sondern seiner Meinung nach „über die ordnungsgemäßen Kanäle durch eine gerechte Regierung“ hätten erfolgen sollen.

Filme Im März 2015 produzierte Anderson einen Dokumentarfilm mit dem Titel Marching to Zion („Auf dem Weg nach Zion“), in dem er die These vertrat, dass der erwartete jüdische Messias der Antichrist sei und der Talmud blasphemisch sei. Im Mai 2015 veröffentlichte Anderson einen inzwischen auf die schwarze Liste gesetzten YouTube-Film mit dem Titel The Holocaust Hoax Exposed („Der Holocaust-Schwindel entlarvt“). Im Jahr 2017 produzierte Anderson den Dokumentarfilm Babylon USA, in dem er und seine Mitstreiter behaupten, die Vereinigten Staaten seien die prophezeite Hure Babylon und würden von Freimaurern regiert. Im Jahr 2021 veröffentlichte der FWBC-nahe Pastor Jonathan Shelley einen Dokumentarfilm mit dem Titel The Sodomite Deception („Die Täuschung der Sodomiten“), in dem Anderson die Hauptrolle spielt. Der Film kritisiert die Ausweitung von LGBTQ-Rechten, wobei Shelley sich dafür ausspricht, die Todesstrafe gegen die LGBTQ-Gemeinschaft anzuwenden.

Ableger in Deutschland Im Mai 2022 wurde ein Ableger der Faithful Word Baptist Church unter dem Namen Baptistenkirche Zuverlässiges Wort in Pforzheim gegründet, später wurde dieser in FWBC Seelengewinnen umbenannt. Die Gruppe wird als extrem hierarchisch und antidemokratisch eingeschätzt. Neben einem zentralen Fokus auf LGBTQ-feindliche Predigten werden auch antisemitische und antiisraelische Verschwörungsnarrative verbreitet. Sie organisiert regelmäßig sogenannte „Seelen-Gewinnen-Marathons“, bei denen in wechselnden Städten versucht wird, Menschen zu missionieren.

Der Görlitzer Anselm Urban, der von Anderson ernannte deutsche Vertreter der Faithful Word Baptist Church, wünschte Sven Lehmann, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, offen den Tod und forderte die Regierung auf, queere Menschen zu töten. Unter anderem wegen dieser Äußerungen wurde er mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt. Um einer Bestrafung zu entgehen, floh Urban unter dem Vorwand religiöser Verfolgung nach Tempe (Arizona), von wo aus er weiterhin per Webcast zu seiner deutschen Gemeinde predigt. Auch der Prediger Andy Shamoon wurde wegen homophober Äußerungen mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt. Prediger der Kirche riefen mehrfach zur Tötung des Pforzheimer Theologen Lothar Gassmann auf.

Seit Mai 2023 wird der deutsche Ableger vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg im Bereich „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ beobachtet. Die Gruppe habe laut Verfassungsschutz eine „niedrige zweistellige Anzahl“ an Mitgliedern, erreiche über Online-Kanäle aber deutlich mehr.

Siehe auch Antijudaismus Christentum und Homosexualität Westboro Baptist Church

Einzelnachweise

Kategorie:Gegründet 2005 Kategorie:Baptistische Gemeinschaft Kategorie:Baptismus in den Vereinigten Staaten Kategorie:Organisation (Phoenix, Arizona)