Als Klasse T26 ordnete die Great Eastern Railway (GER) 100 Dampflokomotiven der Achsfolge 1B ein, die sie zwischen 1891 und 1902 nach einem Entwurf ihres Locomotive Superintendents James Holden beschafft hatte. Sie waren als Mehrzwecklokomotiven für den Einsatz vor Personen- und Güterzügen auf den Nebenstrecken der GER in East Anglia vorgesehen. Von den Eisenbahnern der GER bekamen die Maschinen, die sich in den für sie vorgesehenen Diensten bald bewährten, den Spitznamen Intermediates. Die London and North Eastern Railway (LNER), in der die GER 1923 infolge des Railways Act 1921 aufgegangen war, bezeichnete sie als Klasse E4. Ab 1926 begann die LNER mit der Ausmusterung erster Exemplare und bis 1940 waren lediglich noch 18 E4 im Bestand der LNER. Kriegsbedingt unterblieben weitere Ausmusterungen und alle verbliebenen Lokomotiven gingen im Zuge der Nationalisierung infolge des Transport Act 1947 in den Bestand von British Railways (BR) über. Ab 1954 setzte BR die Ausmusterung fort und mit der Lokomotive 62785 schied die letzte Maschine schließlich im Dezember 1959 aus dem Dienst. Sie war zugleich die letzte Lokomotive mit der Achsfolge 1B im Bestand von British Railways. Als einzige der Klasse blieb sie erhalten und gehört zum Bestand des National Railway Museums.

Geschichte Für den zunehmenden Verkehr mit Agrarprodukten auf ihren Nebenstrecken in East Anglia benötigte die Great Eastern Railway (GER) neue Mehrzwecklokomotiven. James Holden als Lokomotive Superintendent entwarf dafür aufbauend auf den ab 1886 beschafften Lokomotiven der Klasse T19 eine neue Mehrzwecklokomotive. Wesentliche Unterschiede waren kleinere Kuppelräder und kürzere Dampfkanäle. Beides sorgte dafür, dass die T26 im Vergleich mit den T19, die bei den GER-Lokomotivpersonalen als lahm verschrien waren, spürbar leistungsfähiger waren. Bis 1896 wurden zunächst 90 Lokomotiven in den unternehmenseigenen Werkstätten in Stratford hergestellt. 1902 folgte eine Nachbauserie von 10 Stück. Die Lokomotiven waren bald in allen wichtigen Depots der GER außerhalb von London zu finden, teils in zweistelliger Stückzahl, wie etwa in Bury St Edmunds, Cambridge, Kings Lynn und Norwich. Sie bespannten neben ihren vorgesehenen Einsatzfeldern auf Nebenstrecken auch Züge auf den Hauptstrecken der GER, sowohl im Personen- wie im Güterverkehr. Zu ihren Aufgaben zählten auch Züge auf den Cross-Country-Strecken und der Transport von Rennpferden zu den Pferderennen in Newmarket. Während des Ersten Weltkriegs befuhren sie auch Strecken anderer Bahngesellschaften und erreichten mit Truppenzügen so entfernte Ziele wie Holyhead und Hastings.Preserved British Steam Locomotives: E4 62780 – 62797 2-4-0 GER Holden (englisch, abgerufen am 18. September 2026)

Nach der Übernahme der GER durch die neugegründete London and North Eastern Railway (LNER) blieb das Einsatzgebiet der Intermediates zunächst unverändert. Die LNER begann bereits 1926 mit ersten Ausmusterungen der inzwischen überwiegend gut 30 Jahre alten Maschinen. Anfang der 1930er Jahre benötigte die Nordostregion der LNER Ersatz für die veralteten Lokomotiven der Klasse D23 (zuvor Klasse G der North Eastern Railway) vor den Personenzügen auf der Strecke der früheren South Durham and Lancashire Union Railway über die Pennines zwischen Darlington und Tebay. Nachdem mehrere Versuchsfahrten mit anderen Lokomotivtypen wenig erfolgreich waren, testete die LNER schließlich 1935 eine E4. Nachdem diese Fahrten erfolgreich waren und die Lokomotive sich der steigungsreichen und anspruchsvollen Strecke gewachsen zeigte, stationierte die LNER insgesamt sechs E4 in Darlington. Die Maschinen erhielten größere Führerhäuser mit Seitenfenstern, um den vor allem im Winter in den Pennines recht rauen klimatischen Bedingungen – die Strecke erreichte am Stainmore Summit mit 418 m über Seehöhe den höchsten Punkt des normalspurigen englischen Eisenbahnnetzes – gerecht zu werden.

Bis 1940 musterte die LNER insgesamt 82 der Lokomotiven aus. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs führte der stark gestiegene Transportbedarf dazu, dass die LNER weitere Ausmusterungen zurückstellte. Auch waren verschiedene Nebenstrecken in East Anglia nur für Lokomotiven mit vergleichsweise geringen Achsdrücken zugelassen, so dass die verbliebenen E4 mit ihren 14 t Achslast weiterhin benötigt wurden. Die sechs Lokomotiven aus Darlington wurden zurück nach East Anglia versetzt, da sie dort im Militärverkehr zu den diversen Standorten der britischen und amerikanischen Streitkräfte benötigt wurden.The Great Eastern Railway Society: T26 Class 2-4-0 1891-1902. (englisch, abgerufen am 19. September 2026)

Alle 18 noch vorhandenen Lokomotiven – darunter alle sechs Lokomotiven mit größeren Führerhäusern – kamen 1948 mit der Verstaatlichung des britischen Eisenbahnnetzes infolge des Transport Act 1947 zu British Railways (BR). Sie waren überwiegend in Cambridge und Norwich stationiert. Durch ihre niedrige Achslast konnten sie Züge über Nebenstrecken befördern, so etwa zwischen Cambridge und Colchester. Zugleich waren sie in der Lage, bei den auf solchen Verbindungen vorhandenen Abschnitten auf Hauptstrecken die dort nötigen Geschwindigkeiten zu erreichen. Ab 1954 stellte BR die ersten Maschinen ab und bis zum Sommer 1958 waren mit einer Ausnahme alle Lokomotiven ausgemustert und verschrottet.Hugh Longworth: British Railways Steam Locomotives 1948–1968, Oxford Publishing, 2. Auflage, Hersham 2013, ISBN 978-0-86093-660-2, S. 223 Ersetzt wurden sie durch neue Dieseltriebwagen und neue Lokomotiven der Standardklasse 2MT 2-6-0. Lediglich die Lokomotive 62785 (GER 490) blieb im Depot Cambridge noch bis Dezember 1959 im Dienst. Sie war zugleich die letzte Lokomotive mit der Achsfolge 1B in den Beständen von British Railways.Preserved British Steam Locomotives: 62785 (GER 490, LNER 7490, LNER 7802, LNER 2785 & BR 62785) (englisch, abgerufen am 18. September 2026)

Technik Äußerlich wie technisch entsprachen die T26 dem damaligen typischen Stand des britischen Lokomotivbaus. Sie besaßen einen als Außenrahmen ausgeführten Blechrahmen und Innenzylinder mit Stephenson-Steuerung und Flachschiebern. Die Vorlaufachse, die eine vergleichsweise hohe Achslast aufwies, wurde von insgesamt vier Achslagerkästen getragen, jeweils zwei innerhalb und außerhalb des Rahmens. Die äußeren, durch ihre Ausführung in Rotguss gut erkennbaren Achslager ermöglichten eine leichte Seitenbeweglichkeit um je ein Inch (ca. 2,5 cm). Diese Konstruktion erwies sich allerdings als anfällig für Rahmenrisse und die meisten Maschinen erhielten im Laufe der Jahre Rahmenverstärkungen im Bereich der Achslager.

Zunächst bekamen die Lokomotiven Zylinder teils mit 17, teils mit 18 Inch Durchmesser. Beides bewährte sich nicht und nach wenigen Jahren erhielten alle Maschinen einheitlich Zylinder mit 17,5 in Durchmesser. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch der zunächst auf 140 PSi festgelegte Kesseldruck auf 160 PSi erhöht. Der Kessel war ein erstmals bei der Klasse Y14 verwendeter Standardkessel der GER, der auch bei den Klassen C32, N31 und T19 Anwendung fand.LNER Encyclopedia: The Class J14 (GER Class N31) 0-6-0 Locomotives (englisch, abgerufen am 20. September 2026) Er bestand bei den ersten Bauserien aus drei Kesselschüssen, ab 1892 wurden Kessel mit zwei Kesselschüssen verwendet, wobei die Zahl der Rohre und die Heizfläche leicht reduziert wurden. Bei Neubekesselungen zu LNER-Zeiten erhielten die Maschinen neue Kessel mit teils abweichenden Maßen. Die GER verwendete in ihrem Netz bei Personenzügen Druckluftbremsen, alle T26 wurden daher entsprechend ausgestattet. Für Leistungen über das GER-Netz hinaus erhielt mehr als die Hälfte der Lokomotiven zusätzlich die Ausrüstung für Vakuumbremsen, um auch Züge aus Wagenmaterial anderer Bahngesellschaften befördern zu können.

Verbleib mini|Lokomotive 490 im Bressingham Steam Museum Als einzige T26 blieb die 1895 erbaute Lokomotive 62785 (GER 490) erhalten. Zuletzt im Depot Cambridge stationiert, wurde sie im Dezember 1959 als letzte 1B-Lokomotive in den Diensten von British Railways nach gut 64 Dienstjahren ausgemustert. Zuvor war sie mit kurzen Unterbrechungen seit 1928 meist in Cambridge stationiert, zeitweilig auch in Bury St Edmunds und Hitchin. In den Stratford Works, wo sie erbaut worden war, erhielt sie eine äußerliche Aufarbeitung in den Farben der GER und kam anschließend zum British Transport Museum in London-Clapham. Nach der Auflösung dieses Museums kam die Lokomotive zunächst in das NRM nach York. Seit Anfang der 1990er Jahre steht sie als Leihgabe des NRM im Bressingham Steam Museum in Norfolk.

Weblinks

The Great Eastern Railway Society: T26 Class 2-4-0 1891-1902. (englisch) Preserved British Steam Locomotives: E4 62780 – 62797 2-4-0 GER Holden (englisch) LNER Encyclopedia: The Holden E4 (GER T26) 2-4-0 Locomotives (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Dampflokomotive Achsfolge 1B Kategorie:Schienenfahrzeug (Stratford Works) T26